Wieso Vielfalt im Journalismus auch Qualität bedeutet

Es war eine der ersten Redaktionssitzungen bei BBC, an der ich teilnahm. Jemand schlug vor, in unserer Sendung zu diskutieren, ob das Hakenkreuz in der EU verboten werden soll. Mein erster Gedanke war „Ist das nicht längst verboten?“. Mein zweiter Gedanke war „Und wenn nicht, was gibts da zu diskutieren? Da können doch nur ein paar rechte Spinner dagegen sein“.

Anlass war der Vorstoß der deutschen Bundesregierung während ihrer Ratspräsidentschaft bei der EU, das Hakenkreuz europaweit verbieten zu lassen.

An dieser Redaktionskonferenz nahmen etwa 10 oder 15 Leute teil. Fast jeder hatte eine andere Staatsangehörigkeit, einen anderen kulturellen Hintergrund als der Redakteur oder die Redakteurin neben sich. Dort saßen britische, indischstämmige, südafrikanische, arabische, schwarze, weiße, männliche, weibliche Kollegen. Und eben ich: Deutsch, weiß, Frau.

Ein indischer Kollege merkte an, dass die indische Gemeinde, vor allem Hindus, in Großbritannien stinksauer über die Initiative seien. Das sei ihr Symbol, das die Nazis missbraucht hätten. Es könne nicht sein, dass Deutschland wegen seiner Geschichte ihnen einen Teil ihrer Kultur wegnehme.

Langsam dämmerte es mir. Natürlich hatte ich ich irgendwann davon gehört, dass das Swastika in anderen Kulturen eine ganz andere Bedeutung hat, die Nazis dieses Symbol gar nicht erfunden hatten. Ich war sogar zuvor in Indien, wo ich Hakenkreuze gesehen hatte. War mir das in dem Moment präsent? Nein. Meine deutsche Sozialisierung überlagerte alles. Es war mir nicht präsent, weil in meiner deutschen Bubble bislang Inder und Hindus so gut wie keine Rolle spielten und ich im deutschen Schulunterricht zwar das Dritte Reich sieben Mal in 13 Jahren Schulzeit behandelt hatte. Indien allerdings kein einziges Mal.

Und ich ahnte, dass das bei den Abgeordneten, die diesen Vorstoß nach Brüssel getragen hatten, wohl kaum anders war. Ich hatte recht. Genau so war es. Als ich den ersten deutschen Abgeordneten anrief und fragte, ob er denn überhaupt bedacht habe, dass jetzt Hindu-Familien in Großbritannien ihre Dekoration ändern müssen, die indische Botschaft in London sogar ihr Mosaik vor der Tür, vernahm ich ein langes Schweigen am anderen Ende der Leitung.

Die Krautreporter-Debatte

Warum erzähle ich das? Gestern startete das Projekt Krautreporter mit dem Ziel, einen anderen Online-Journalismus zu machen. Und seitdem müssen sich die Macher fragen lassen, warum von 28 Autoren nur 6 Frauen sind. Einige an der Diskussion Beteiligten finden, das Thema sei lächerlich und habe nichts mit der Qualität des Angebots zu tun. Ich sehe das etwas anders. Ich glaube, dass Vielfalt in Redaktionen auch zu einem besseren Journalismus führt und Aspekte in die Berichterstattung einfließen, auf die man auch bei guter Recherche nicht zwangsläufig kommt. Bei mir wäre das Thema Hakenkreuz glatt durchgefallen, für die indischen Kollegen war das aber eine Herzensangelegenheit.

Und so haben auch Frauen manchmal eine andere Sicht auf Themen als Männer. Gerade was die Themenfindung im Journalismus angeht, sind viele Bereiche lange noch nicht ausreichend recherchiert und beschrieben. Warum? Weil es nicht als relevant angesehen wird. Mit Diversität in der Redaktion verschieben sich aber auch Prioritäten und Beurteilungen über Themen. Das heißt nicht, dass ein schwarzer Redakteur immer nur gegen Diskriminierung schreiben soll. Bitte nicht! Aber es fließen gerade in Entscheidungsprozesse ganz andere Aspekte ein, die man mit einem homogenen Redaktionsteam vielleicht nicht unbedingt berücksichtigt hätte. Deshalb halte ich die Debatte um die Krautreporter für wichtig. Und da es ein Projekt ist, bei dem der Leser und die Leserin zahlen soll, gilt umso mehr, die Vielfalt der Leserschaft abzubilden. Mir geht es dabei nicht um eine Frauen-Quote sondern darum, dass es in Deutschland bereits genug homogen besetzte Redaktionen gibt. Krautreporter wollen aber nach eigenem Bekunden anders sein. Diese Andersartigkeit in Form von Vielfalt sehe ich derzeit aber leider noch nicht.

Notting Hill, britische Akzente und Air Canada

Notting Hill

Notting Hill Film Locations – Self-Guided Walking Tour

Sobald das Wetter es erlaubt, mache ich die „Notting Hill“-Tour. Ich liebe den Film und muss schon immer schmunzeln, wenn ich am Hotel „Ritz“ vorbeikomme…

Akzente

A tour of the British Isles in accents – YouTube
Wer dachte, nur in Deutschland würde überall anders gesprochen. Von wegen…

Air Canada

Air Canada apologizes after staff abandoned disabled violinist Itzhak Perlman at Pearson airport | National Post
Air Canada apologizes to Itzhak Perlman | Toronto Star

Dass Airlines behinderte Passagiere nicht immer fürstlich behandeln, ist bekannt. Ist der Fluggast aber behindert und prominent, kann das sehr unangenehm werden, rein pr-technisch.

Matthias Schweighöfers Meniskus und meine Lebensqualität

Sticker Walking is overratedMatthias Schweighöfer hat Meniskus-Probleme. Das ist sehr bedauerlich. Und weil er ein Meniskus-Problem hat, glaubt er nun, mein Leben und das anderer Querschnittgelähmter beurteilen zu können. Glaubt Ihr nicht? Dann lest mal das hier:

Ich war selbst leidenschaftlicher Läufer, bis mir mein Meniskus einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wie muss es erst den Menschen gehen, die querschnittsgelähmt sind? Ich würde alles dafür tun, dass man einen Weg findet Querschnittslähmung zu heilen und all diesen Menschen ihr Leben und ihren Lebensmut zurückgeben zu können.

Mit diesem Geschwurbel ruft Schweighöfer dazu auf, die Forschung zur Heilung von Querschnittlähmung zu unterstützen, indem man bei einem Rennen für ihn startet.

Nun ist es Matthias Schweighöfer unbenommen Geld zu sammeln, für was er will. Für die Erforschung von Querschnittlähmung oder was auch immer. Er könnte auch für die Erforschung der Vanilleduft-Extraktion aus Kuhdung oder das Sprachverständnis von Ratten sammeln, nur – Überraschung! – all das hat mit meiner Lebensqualität rein gar nix zu tun. Glaubt Ihr nicht? Ist aber so. Sogar wissenschaftlich bewiesen:

  • Schon 1973 stellten Forscher keinen Unterschied bei behinderten und nichtbehinderten Menschen fest, wenn sie zu ihrer Zufriedenheit, ihrer Laune oder ihrem Frustationsgrad befragt wurden. (P Cameron et al., Journal of Consulting and Clinical Psychology, 1973, vol. 41, 207-214)
  • 1994 gaben 86 Prozent der befragten, hoch querschnittgelähmten Menschen (Tetraplegie) in einer Studie an, ihr eigenes Leben als „durchschnittlich“ oder „besser als durchschnittlich“ zu bewerten. (KA Gerhart et al., Annals of Emergency Medicine, 1994, vol. 23, 807-812).
  • In einer Studie mit älteren querschnittgelähmten Menschen bewerteten diese ihre Lebensqualität sogar höher als nichtbehinderte Menschen der gleichen Altersgruppe. (MG Eisenberg & CC Saltz, Paraplegia, 1991, vol. 29, 514-520).

Und es gibt noch viele weitere Studien dazu, die mehrheitlich alle das Gleiche sagen: Die Fähigkeit, laufen zu können, hat kaum Einfluss auf die Beurteilung der eigenen Lebensqualität. Wenn Matthias Schweighöfer also meint, querschnittgelähmten Menschen „ihr Leben und ihren Lebensmut“ zurückgeben zu wollen, ist er einfach auf dem falschen Dampfer. Danke, haben wir schon!

Sollte Matthias Schweighöfer aber wirklich etwas zur Verbesserung der Lebenssituation querschnittgelähmter Menschen tun wollen, könnte er bei den Sozialhelden eine Rampe spenden. Über jedes Lokal mehr, in das ich hineinkomme, freue ich mich. Oder er könnte dafür sorgen, dass seine Filme nur noch in barrierefreien Kinos laufen.

Nicht das „nicht Laufen können“ ist das Problem, sondern die Barrieren im Alltag, die nicht weggehen, indem man in die Forschung gegen Querschnittlähmung investiert. Zudem ist es ziemlich illusorisch zu glauben, dass die jetzige Generation an Querschnittgelähmten davon noch etwas hat. Seit ich denken kann, höre ich, dass es bald ein Mittel gegen Querschnittlähmung geben wird. Man sei kurz vor dem Durchbruch. Ich bin jetzt 37 Jahre querschnittgelähmt. Wenn ich meine Lebensfreude von dieser Forschung abhängig gemacht hätte, meine Güte…

Aktion Mensch, Inklusion und KISS

Die Aktion Mensch wird 50

Wie gehts weiter mit der Aktion Mensch? | kobinet-nachrichten

Stellen wir uns einmal vor, fünf Jahre nach In-Kraft-treten der UN-Behindertenrechtskonvention hätten wir noch eine Aktion Sorgenkind. Wie peinlich wäre dies? Genau so peinlich wie der Begriff Anstalt, den noch so manche Behinderteneinrichtung im Namen und damit verbunden wahrscheinlich auch noch im Geiste führt.
Die Dankbarkeit der Aktion Mensch müsste also all denjenigen gegenüber grenzenlos sein, die für die Namensänderung hart gekämpft haben. Doch genau betrachtet haben diejenigen, die auch mit dem Begriff des Sorgenkindes gut leben konnten, nichts von ihrer Macht des großen Geldes abgegeben. Die Wohlfahrtsverbände spielen nach wie vor die erste Geige bei der Aktion Mensch als ob es beispielsweise keinen Deutschen Behindertenrat oder den Slogan gäbe: Nichts über uns ohne uns.

Inklusion

Wo die Sonderschule nicht existiert – KURIER.at

„Bei uns werden die Kinder in den Mittelpunkt gerückt und gefördert. Bei uns wird nicht in behindert und nicht behindert unterschieden“, erklärt Vizebürgermeister Josef Tutschek den eingeschlagenen Weg.

Behinderte Frau aus dem Rollstuhl gestoßen

Überfall: Behinderte aus Rollstuhl gestoßen – Westdeutsche Zeitung

Phantombilder entlarven Täter – Aktuelle Stunde

Und außerdem…

Behindert sein ist teuer
BBC News – Disabled people ‚pay penalty‘ on everyday costs

Disabled people pay „a financial penalty“ on everyday living costs, spending an average of £550 a month extra, according to a report by Scope.

Der Sänger von KISS ist auch behindert.
KISS lead singer was born with one ear | Fox News

Und wer bei der Telekom den Tarif für gehörlose Kunden buchen möchte, muss ein Captcha in Gebärdensprache lösen.
Telekom Zugangskontrollsystem

Wie ein Sprecher der Aktion Mensch Behindertenfeindlichkeit schürt

Ich habe gerade ein sehr interessantes Buch gelesen. Es heißt Scapegoat: Why We Are Failing Disabled People (auf Deutsch sinngemäß: Sündenbock – Warum wir bei behinderten Menschen versagen). Die Autorin ist ein Jahr lang durch Großbritannien gereist und hat Fälle von Hasskriminalität gegen behinderten Menschen untersucht, mit Opfern, Angehörigen und der Polizei gesprochen. Sie hat versucht zu erklären, woher diese Gewalt gegen behinderte Menschen kommt und wer die Täter sind.

Nachbarschaftsstreit

Noch als ich das Buch las, postete jemand auf Facebook dieses Video der Sendung „Brisant“, das über ein Urteil gegen die Mutter einer behinderten Tochter berichtet. Ein Gericht in Bonn hat sie verurteilt, ihre Tochter ruhig zu stellen. Nachbarn hatten sich über die Schreie und Klopfen beschwert und sind vor Gericht gezogen. Die Tochter hat eine starke Lernbehinderung – „Geistig behindert“ nannte man das früher. Wenn sie ihre Tochter nicht zur Ruhe bringt, drohen ihr Ordnungsgeld oder Ordnungshaft. Wie genau sie das machen soll, bleibt offen.

Als sei das Urteil nicht schon empörend genug, tritt in dem Film Sascha Decker auf, Pressesprecher der Aktion Mensch. (Um Missverständissen vorzubeugen, die Namenseinblendungen in dem Video sind falsch. Sascha Decker ist nicht der Rollstuhlfahrer, sondern der Herr, der danach spricht.)

Und zwar mit diesem O-Ton:

„Dazu muss gehören, dass ich jemandem, der pöbelt oder der sich nicht an die Regeln hält, sagen kann Stopp. Du überschreitest hier eine Grenze. Ich denke wir tun dem Thema Inklusion keinen Gefallen, wenn wir hier vor den Menschen mit Behinderung Schluss machen und sagen das gilt für die nicht.“

Am Freitag postete die Aktion Mensch dieses Video ebenfalls auf Facebook. Was folgte war eine empörte Diskussion auf der Facebook-Seite der Aktion Mensch. Diese behauptet nun, man habe gar nicht gewusst, dass man in einem Beitrag zu dem Urteil erscheine. Unter welchem Vorwand „Brisant“ bei ihnen angerufen hat, sagen sie aber auch nicht. Zudem ist das Urteil in Bonn gesprochen worden, dem Sitz der „Aktion Mensch“. Da hat man nicht mitbekommen, dass das Urteil ansteht und worum es dem Fernsehteam eigentlich geht? Wirklich?

Es kann nicht sein…

Der „Brisant“-Beitrag ist aber nicht der einzige Beitrag zu dem Urteil, in dem sich die Aktion Mensch äußert. Auf der Seite des WDR heißt es:

„Ganz andere Töne schlägt nun Sascha Decker von „Aktion Mensch“ an. Er möchte sich zum konkreten Fall lieber nicht äußern, sei nicht bei der Verhandlung dabei gewesen. Ihm ist aber besonders wichtig, dass Inklusion von beiden Seiten gelebt werden muss. Früher sei es so gewesen, dass die Behinderten vor den Toren der Stadt wohnen mussten. Nun lebten sie mitten in der Gesellschaft. Und müssen natürlich auch selbst alles dafür tun, dass dieses Miteinander gut funktioniert. Natürlich müssen, bevor Medikamente ins Spiel kommen, alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein. „Es kann nicht sein, dass eine Gruppe von Menschen immer auf die „armen Behinderten“ Rücksicht nehmen muss. So wird das Modell Inklusion nicht erfolgreich sein, und so wird das Miteinander von Behinderten und Nicht-Behinderten auch niemals selbstverständlich werden,“ so Sascha Decker weiter. Wenn ein Kind zur Welt komme, eine Familie mit drei Teenagern in einer Wohnung lebe oder wenn ein 60ster Geburtstag mal ein bisschen lauter werde, dann finde man doch meist auch eine Lösung. Bei Behinderten – da ist sich Sascha Decker sicher – werden in solchen Zusammenhängen noch immer andere Maßstäbe angelegt. Und auch wenn die Inklusion Behinderter in die Gesellschaft schon auf einem guten Wege sei; die Strecke, die vor uns liegt, ist noch lang.“

(Hervorhebung von mir)

Zu viel Rücksicht?

Der Sprecher der der Aktion Mensch kritisiert tatsächlich, dass auf behinderte Menschen eigentlich zu viel Rücksicht genommen werde. Dabei ist die Wahrheit eine ganz andere: Viele behinderte Menschen versuchen sich so gut wie möglich anzupassen, verzichten auf vieles, um nicht aufzufallen. Und natürlich gelten für behinderte Menschen die gleichen Regeln wie für nicht-behinderte Menschen auch – wenn sie sie denn befolgen können.

Es macht allerdings keinen Sinn, von jemandem zu fordern, sie müsse ihr Verhalten ändern, wenn sie das behinderungsbedingt nicht kann. Wo soll das denn enden? Können Menschen mit Tourette noch auf die Straße gehen oder droht ihnen dann eine Anzeige wegen Beleidigung? Und blinde Menschen, die etwas umlaufen, droht denen dann eine Anzeige wegen Sachbeschädigung? Und gehörlose Menschen müssen sich wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt verantworten, wenn sie die Anweisung der Polizei nicht gehört haben? Das hat mit Inklusion nichts zu tun.

Opfer von Gewalttaten

Der Sprecher der Aktion Mensch vermittelt der Gesellschaft, es würden für behinderte Menschen ständig Extrawürste gebraten, als seien behinderte Menschen ständig im Vorteil und man würde ständig Rücksicht auf sie nehmen. Das ist schon fast paradox, denn wenn dem so wäre, könnte man die Aktion Mensch sofort abschaffen. Aber natürlich ist das nicht so.

Es ist vielmehr so, dass behinderte Menschen überdurchschnittlich oft Opfer von Gewalttaten werden, nicht zuletzt in ihrer eigenen Nachbarschaft. Zu fordern, dass nicht immer nur auf die „armen Behinderten“ (was ist das eigentlich für eine abwertende Sprache, die er benutzt?) Rücksicht genommen wird, macht Opfer zu Tätern und untermauert, dass behinderte Menschen eben doch wieder weggesperrt oder eben ruhig gestellt werden müssen.

Gleichberechtigung nicht verdient

Genauso entsteht Behindertenfeindlichkeit. In dem oben erwähnten Buch schreibt die Autorin:

„Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft grundsätzlich behinderte Menschen hasst. Aber ich glaube, es gibt ein grundlegendes Gefühl, dass behinderte Menschen Gleichberechtigung nicht verdient haben. Deshalb werden so viele in ihrer eigenen Gemeinde angegriffen, weil manche Menschen glauben, sie gehören weggeschlossen. (…) Einige Kriminologen denken, dass Hasskriminalität versucht, gesellschaftliche Hierarchien zu erhalten – bestimmte Gruppen sollen auf ihrem Platz bleiben.“

Auch nach dem nun fast 60. Kommentar zu ihrem Beitrag hat die Aktion Mensch es bislang nicht geschafft, sich von den Aussagen zu distanzieren oder sich zu entschuldigen.

Update: Monika, Mutter eines behinderten Sohnes, der auch Lärm macht, hat mal geschrieben, was für sie das Urteil und die Reaktion der Aktion Mensch bedeutet.

Update 2: Kommentare wegen Zeitmangels geschlossen. Ich mache sie vielleicht nach dem Wochenende wieder auf.

Kultur-Apartheid

Ich war noch nie in den Hamburger Kammerspielen. Dabei habe ich nur einen Steinwurf vom Theater entfernt studiert. Der Grund ist so einfach wie ärgerlich: Die Hamburger Kammerspiele sind nicht barrierefrei.
Unterdessen schreiben wir das Jahr 2014 und man könnte schon glauben, dass wichtige Spielstätten des kulturellen Lebens in einer der reichsten Städte Europas irgendwann doch mal auf die Idee kommen, ihr Haus barrierefrei umzubauen. Nicht so die Kammerspiele.

Ziemlich nicht barrierefrei

Vielleicht wäre das auch viele weitere Jahre hingenommen worden, wenn das Haus nicht auf die aberwitzige Idee gekommen wäre, „Ziemlich beste Freunde“ auf den Spielplan zu nehmen.
„Ziemlich beste Freunde“ ist ein sehr erfolgreicher französischer Kinofilm basierend auf der Biographie eines querschnittgelähmten Mannes, der auf der Suche nach einem Assistenten ist und diesen dann auch findet. Was die beiden gemeinsam erleben, ist Inhalt des Films, des Buchs und vermutlich nun auch des Theaterstücks.
Das Problem ist nur: Die Kammerspiele verdienen zwar gerne am Thema Behinderung, aber behinderte Menschen, in diesem Fall Rollstuhlfahrer, also genau die, um die es bei dem Stück geht, können das Stück nicht sehen, denn das Haus ist nicht zugänglich.

Dass die Rolle des Rollstuhlfahrers nicht von einem Rollstuhlfahrer gespielt wird, muss man wohl auch kaum erwähnen. Der käme natürlich ebenfalls gar nicht ins Haus. Und so macht das natürlich ein nicht behinderter Schauspieler. Einen tollen Artikel, warum das inakzeptabel ist, hat Scott Jordan Harris vor kurzem verfasst.

Das Hamburger Abendblatt schrieb zwar eine Kultur-Jubel-Meldung zur Premiere, vergaß aber zu erwähnen, dass es vor dem Theater zur Premiere eine Demonstration von Rollstuhlfahrern gab, die gegen ihre Ausgrenzung protestierten. Immerhin bis zum Mittag schob man auf dem Online-Angebot der Zeitung eine Meldung zur Demonstration nach. Darin heißt es: „Axel Schneider, Intendant der Kammerspiele, suchte unmittelbar vor der Aufführung nicht das Gespräch mit den Demonstranten, sondern ließ eine schriftliche Erklärung verteilen, in der es heißt „Die Hamburger Kammerspiele sind ein denkmalgeschütztes Gebäude, in das bisher kein Einbau eines Behindertenaufzugs möglich war und das daher nur eingeschränkt über Rollstuhlplätze verfügt.“

Und weiter heißt es: „Die Forderung, so Schneider, das Stück nur ein einem barrierefreien Theater spielen zu können, komme „einem Spielverbot für die Kammerspiele gleich – womit sicher niemandem gedient ist.“

Behinderte Menschen sind also niemand? Dann kann man ja den Kammerspielen auch problemlos 10% der Kulturförderung abziehen. Das entspricht dem Anteil an behinderten Menschen in der Bevölkerung. Man legt ja auf diese Gruppe offensichtlich keinen wert, dann brauchen sie auch das Geld nicht.

Wenn das Stück beispielsweise am Schauspielhaus aufgeführt worden wäre, das barrierefrei ist, wäre allen gedient gewesen. Noch mehr wäre allerdings allen gedient, wenn die Kammerspiele ihr Haus endlich mal umbauen. Man kann auch denkmalgeschützte Häuser so umbauen, dass der Charakter des Hauses erhalten bleibt. Man muss es nur wollen. Beispiele gefällig:
Downing Street No. 10, St. Pauls Cathedral, Buckingham Palace, um mal nur ein paar Gebäude meiner Nachbarschaft zu nennen. Zudem gibt es etliche barrierefreie Theater in London, die unter Denkmalschutz stehen aber barrierefrei sind.

Spielverbot nein? Aber Ausgrenzung ok?

Allerdings frage ich mich schon, wieso ausgerechnet ein Theater seit Jahren einen Teil seines Publikums ausschließt.
Wenn Euch keiner mehr zuschaut, dann könnt Ihr das mit den Aufführungen auch bald ganz sein lassen. Mit dem wachsenden Anteil an älteren Menschen, also auch Nicht-Rollstuhlfahrern, die Probleme mit Treppen haben, schickt Ihr bald die Mehrheit des Publikums nach Hause.

Die Kammerspiele bekommen hohe Zuwendungen von der Stadt Hamburg ohne dass Auflagen zur Barrierefreiheit gemacht werden. Details findet man im Haushaltsplan der Stadt. Damit finanzieren behinderte Steuerzahler ihre eigene Ausgrenzung. Nichts anderes ist es, wenn man aufgrund des Merkmals Behinderung nicht am kulturellen Leben einer Stadt teilhaben kann.

Für den Intendanten ist ein Spielverbot undenkbar. Für seine behinderten Zuschauer ist die kulturelle Apartheid aber seit Jahrzehnten Realität. Das ändert sich nur, wenn irgendwann auch die nicht-behinderten Zuschauer wegbleiben.

P.S.: Als sei die Angelegenheit nicht schon grotesk genug, habe ich mir mal angesehen, wer bei den Kammerspielen als Sponsor an der Produktion beteiligt ist. Es ist niemand geringer als der Rollstuhl- und Hilfsmittelhersteller Otto Bock. Ein Rollstuhlhersteller finanziert die Ausgrenzung von Rollstuhlfahrern. Das hätte sich nicht einmal Loriot, um mal beim Theater zu bleiben, ausdenken können. Wenn das Schule macht, rechne ich fest damit, dass Kinderwagenhersteller künftig Klagen gegen Kindergärten finanzieren und Automobilhersteller für Fußgängerzonen werben.

Die Eltern behinderter Kinder in den Medien

Am Freitag war „Rare Disease Day„, also ein Tag an dem das Bewusstsein in der Öffentlichkeit für seltene Erkrankungen geschärft werden soll. Noch im Halbschlaf hörte ich im Radio das Interview mit einer Mutter eines Kindes und war dann auch wach und verärgert. Ich gebe zu, ich habe nicht alles mitbekommen, weil ich noch halb schlief, aber der Tenor des Interviews kam für mich dennoch rüber: „Es ist ganz schlimm, wenn man ein behindertes Kind hat. Jetzt benutzt der 14-jährige Junge sogar einen Rollstuhl. Wenn sich die Mutter nicht kümmern würde, wäre er völlig aufgeschmissen.“

Um es vorweg zu sagen, ich möchte keinesfalls die Leistungen von Kindern behinderter Eltern in Frage stellen. Im Gegenteil. Aber mir stellen sich immer öfter die Nackenhaare zu Berge, wenn ich Eltern behinderter Kinder in den Medien sehe oder höre. Muss es denn immer die Mitleidstour sein? Kann man nicht einfach mal Forderungen stellen ohne das eigene Kind herabzusetzen?

Warum verstehen die Eltern nicht, dass sie mit ihrer Mitleidsarie ihren Kindern nicht helfen sondern schaden? Anstatt berechtigte Forderungen nach mehr Unterstützung zu stellen, wird ein furchtbares Bild vom Leben mit Behinderung gezeichnet. Das fördert zwar den eigenen Helden-Status aber sicher nicht die Inklusion. Mir kommt es manchmal so vor, als ob manche Eltern gar kein Interesse daran haben, für Inklusion einzutreten. Die Botschaft ist alleine: Alles ganz furchtbar.

Sorry, das ist sowas von kontraproduktiv, dass mir manchmal wirklich die Hutschnur platzt. Sollen sie halt sagen, was sich ändern soll. Ich ahne es schon: Familien müssen finanziell entlastet werden, niederschwellige Hilfsangebote, mehr Assistenzstunden, etc pp. Mir fallen da tausend Sachen ein.

Aber neee, man kann natürlich auch darüber wehklagen, dass das Kind jetzt einen Rollstuhl braucht. Und hat einer der „Alles so schlimm“-Eltern mal daran gedacht, wie das eigentlich für das Kind ist, wenn es seine Mutter oder Vater im Radio / Fernsehen hört, die erzählen wie furchtbar alles ist, weil das Kind behindert ist? Was das mit dem Kind macht?

Ich beobachte immer mehr, dass das soziale Modell von Behinderung bei behinderten Menschen ankommt. Aber ich glaube, es wäre wichtig, dass die Eltern es auch verstehen. Kinder werden nicht stark, in dem man den medizinischen Zustand bejammert, sondern in dem man versucht, die sozialen Bedingungen zu ändern.

Die Angst vor dem eigenen Scoop

Ich habe seit gestern abend wirklich Schnappatmung. Es tut mir schon fast körperlich weh, mitanzusehen, wie der NDR seinem Scoop, ein „weltexklusives Interview“ mit Edward Snowden zu senden, so dermaßen vergeigt, dass ich mich frage, wer da eigentlich Entscheidungen trifft und mit welchem Einfluss.

Ein Sender, in dem Sendungen wie extra3 und ZAPP laufen, bekommt bei einem exklusiven Snowden-Interview plötzlich kalte Füße oder ist einfach nur zu doof, damit richtig umzugehen? Er sendet es nur in Deutsch, der Livestream in den Tagesthemen wird unterbrochen, wenn Snowden-Ausschnitte laufen, ein Geoblocking verhindert, dass das Interview außerhalb Deutschlands gesehen werden kann. Und das alles, weil der NDR hofft, 3,50 Euro mit Verwertungsrechten im Ausland zu verdienen?

Weiße Fläche statt Snowden

So sieht die NDR-Seite aus dem Ausland aus. Andere Angebote kann ich übrigens anschauen, nur dieses eben nicht. Ja, ich weiß, dass es Proxies gibt, aber darum geht es mir nicht.

NDR-Seite mit leerem Videobereich

Kommunikation der Bürokratie

Und dann die Kommunikation! Erst wird behauptet, man habe die Rechte nicht. Nein, die hat eine 100%-ige Tochter der Tochter des NDR. Dann gibt man endlich die englische Version frei, damit die deutschen Bürger ihre in der Schule hart erworbenen Englischkenntnisse auch mal anwenden können, aber im Ausland darf man den Film auf dem ARD/NDR-Angebot immer noch nicht sehen. Auch auf YouTube ist alles geblockt – bis ein paar wahre Freunde der Informationsfreiheit es einfach ohne Geoblockierung online stellen und eine rechtliche Verfolgung riskieren. Die Bürger als Hüter der Medienfreiheit – während ein öffentlich-rechtlicher Sender sich lieber um seine Verwertungsrechte im Ausland sorgt für ein Interview, das man nach der Erstausstrahlung sowieso nur noch wie Sauerbier los wird, wenn man es nicht zeitgleich verkauft hat.

Also geht es wirklich nur um alberne Lizenzen oder hatte man am Ende doch Angst vor dem eigenen Scoop? Gab es doch politische Gründe für das ziemlich misslungene Prozedere?

Es nutzt nichts, die Presse- und Rundfunkfreiheit im Grundgesetz stehen zu haben. Es bedarf auch Journalisten und Fernsehmachern, die wissen, wie man mit dieser Freiheit umgeht. Ein Snowden-Interview ist keine Derrick-Folge, die man gerne noch ans schwedische Fernsehen verticken möchte, sondern ein solches Interview hat eine politische Dimension, die nicht nur für deutsche Fernsehzuschauer interessant ist, sondern weltweit von Interesse ist.

Warum sollen die Briten nicht erfahren dürfen, wie das mit dem gegenseitigen Abhören der eigenen Bürger funktioniert? Weil Channel4 die Rechte kaufen könnte, was sie dann aber doch nicht machen?

Ja, die Briten haben nicht so eine tolle Verfassung wie die Deutschen, deshalb scheut sich ihr Premierminister in einer Parlamentsdebatte auch nicht, Journalisten, die weiterhin Snowden-Material veröffentlichen, schamlos mit rechtlichen Schritten. Deshalb gibt es hier auch so etwas wie eine DA-Notice, in denen die Regierung, der Presse „nahelegt“, was sie denn bitte nicht zu schreiben hat. Und – Überraschung! – seit 2013 gibt es eine DA-Notice zu PRISM und der britischen Beteiligung daran.

Im Lizenzdschungel oder was?

Mir fallen viele Gründe ein, warum die weltweite Verbreitung des Interviews politisch nicht gewollt ist. Ich hoffe für die ARD und den NDR, dass sie sich einfach in ihrer Lizenzbürokratie verfangen haben und es keine politische Einflussnahme gab. Vielleicht sollte man mal anfangen zu überlegen, wie sie aus ihrem Tochterfirmen-Dschungel wieder rauskommen, damit so etwas nicht noch einmal passiert.

Ja, die Bürger in UK, USA, China und sonst wo haben keine deutschen Fernsehgebühren bezahlt, aber ich bin mir sehr sicher, dass die Mehrheit der Bürger, die sie bezahlt haben, in diesem Fall sehr gerne gesehen hätte, dass mit ihrem Geld mehr Menschen erreicht werden als nur die, die zwischen Kiel und München wohnen.

Barrierefreie Kaffeesatzlesereien 2014

Inspiriert durch Thomas Knüwers Glaskugelige Kaffeesatzlesereien 2014 möchte ich mal ein paar Vorhersagen machen, was das Themen Barrierefreiheit und Behinderung 2014 angeht.

  • 1. Behinderung wird cool.

  • Ich beobachte schon seit einer ganzen Weile, dass Behinderung bei weitem nicht mehr das Negativ-Label hat, das es einmal hatte. Das zeigt sich in so nervigen Aussagen wie „Ansich ist ja jeder behindert.“ Manchmal habe ich das Gefühl, Leute fangen an, sich zu rechtfertigen, nicht behindert zu sein. Das ist natürlich völliger Quatsch, aber dennoch besser als dieser schamhafte Umgang aus den 80ern. Angesichts der Tatsache, dass Individualität ja auch gerade ziemlich hip ist, passt auch die Akzeptanz von Behinderung da gut rein. Wer will schon sein wie alle anderen?

  • 2. Die Cyborgs kommen. So what?

  • Dazu passt auch das Thema Cyborgs. Früher waren Prothesen etwas für Kriegsversehrte, jetzt sollen sie für alle da sein und angeblich will sie auch jeder. Ich hab da so meine Zweifel. Behinderte Menschen wird es immer geben, auch wenn sie sich jetzt Cyborgs nennen oder ein paar Nichtbehinderte meinen, ihr Handy mache sie schon zu einem Cyborg. So what? Ja, die Medien lieben das Thema, die Relevanz für behinderte Menschen ist allerdings ziemlich gering. Jedem die Schublade, in die er gerne passen möchte – zumindest so lange es nicht dazu führt, dass die Akzeptanz von behinderten Menschen darunter leidet. Wer glaubt, alle Behinderungen müssen und können mittels Technologie ausgerottet werden, ist alles andere als fortschrittlich, sondern allenfalls naiv.

  • 3. Für manche Airline wird es teuer, behinderte Menschen zu diskriminieren. Die anderen werden daraus lernen.

  • Oh, was freue ich mich auf dieses Urteil! Der Fluggesellschaft Easyjet droht 2014 in Frankreich eine Strafzahlung von 70.000 Euro, weil sie behinderte Kunden diskriminiert haben sollen. Ich prophezeie: Easyjet verliert auch in der letzten Instanz und muss zahlen.
    Es wird ein Ruck durch die Airlineindustrie gehen, die dann endlich merkt, dass auch behinderte Menschen Kunden sind und sie sich ihre Gäste nicht aussuchen können, jedenfalls nicht danach, ob die Kunden behindert sind oder nicht.

  • 4. Der Rollstuhlfahrer-Kinderwagen-Krieg in britischen Nahverkehrsbussen wird zugunsten der Rollstuhlfahrer entschieden.

  • Und auf noch ein Urteil freue ich mich. Ein britisches Gericht wird grundsätzlich entscheiden, ob Busgesellschaften die Rollstuhlplätze in Nahverkehrsbussen für Rollstuhlfahrer vorhalten müssen oder ob Busfahrer Rollstuhlfahrer abweisen können, wenn die Plätze durch nicht behinderte Fahrgäste, zum Beispiel Kinderwagen, genutzt werden. Ich prophezeie: Es wird zugunsten von Rollstuhlfahrern entschieden. Ein Urteil der Vorinstanz gibt es dazu schon. Das wird dazu führen, dass sich die britische Busindustrie endlich mal nach besseren Linienbussen umschaut und zwei Freiflächen einrichtet – eine für Rollstuhlfahrer und eine für Kinderwagen. Bis das passiert, werden Eltern ihren Buggy falten müssen oder aussteigen, wenn ein Rollstuhlfahrer kommt.

  • 5. Das soziale Modell von Behinderung kommt langsam immer mehr in Deutschland an.

  • Die Fortschritte bei der gleichberechtigten Teilhabe behinderter Menschen in Großbritannien sind vor allem auf das vorherrschende soziale Modell von Behinderung zurückzuführen. Behinderung wird als gesellschaftliche Aufgabe verstanden, nicht mehr als persönliches Schicksal, gegen das man wenig tun kann. Ich glaube, dass daran der Schlüssel liegt, Dinge in Deutschland für behinderte Menschen zu verändern und ich glaube, das soziale Modell von Behinderung wird immer mehr ins Bewusstsein der Menschen, auch der behinderten Menschen selbst, rücken.

  • 6. Auch behinderte Menschen, die Assistenz benötigen, dürfen künftig Geld verdienen.

  • Es gab eine sehr erfolgreiche Petition, es gab einen hervorragenden Beitrag von Panorama. Ich glaube, politisch ist der Status Quo, dass behinderte Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind, nur wenig verdienen können und nichts ansparen dürfen, nicht zu halten. Ich glaube, dass 2014 zumindest ein Gesetzentwurf auf den Weg gebracht wird, der das ändert.

  • 7. ARD und ZDF teilen mit, bis wann ihr gesamtes Programm untertitelt wird.

  • Bei einem Überschuss von 500 Millionen Euro an Rundfunkabgaben, ist es nicht zu verstehen, warum ARD und ZDF ihr Programm nicht endlich vollständig untertiteln. Mit dem Geld könnte man nicht nur untertiteln, sondern auch noch die Bildbeschreibungen für blinde Menschen massiv ausbauen. Zumindest sollten die Sender 2014 in der Lage sein mitzuteilen, bis wann sie die 100% Untertitel erreicht haben.

  • 8. Es wird mehr behinderte Menschen in ganz normalen Fernsehrollen geben.

  • Der Münsteraner Tatort macht es seit längerem vor. Der Tatort mit Nora Tschirner und Christian Ulmen hat es auch gezeigt. Die Lindenstraße kann es auch, wenn sie will: Es wird immer mehr sichtbar behinderte Menschen in ganz normalen Rollen geben. Das ist im britischen Fernsehen längst üblich und sollte auch in Deutschland bald normal werden. Der Tatort „Die fette Hoppe“ hat schon gut vorgelegt, aber da geht noch mehr.

  • 9. Sibylle Brandt wird neue Behindertenbeauftragte der Bundesregierung.

  • Keine Jahresvorschau 2014 ohne einen Tipp, wer Behindertenbeauftragte/r wird. Ich tippe auf Sibylle Brandt. In erster Linie weil Rolling Planet schon rumposaunt hat, es würde eine Frau von der SPD, aber sie dürften nicht sagen, wer. Rolling Planet sitzt in Bayern. Sibylle Brandt kommt aus Bayern und ist vom Netzwerk „Selbst Aktiv“ der SPD. Außerdem passt ihr Profil irgendwie zu dieser Regierung, finde ich.
    Sie hat einen Blindenführhund. Ich hoffe sehr, dass es dann endlich mal ein Assistenzhundegesetz in Deutschland geben wird, das zum einen die Ausbildungsqualität der Hunde absichert, aber auch das Abweisen von Assistenz- und Blindenführhunden unter Strafe stellt.

  • 10. SMS-Notruf startet in Deutschland flächendeckend.

  • Wer in Deutschland gehörlos ist und die Polizei oder Feuerwehr erreichen will, muss ein Fax schicken. Derzeit ist es nur in drei Bundesländern möglich, eine SMS im Notfall zu schicken. Die Bundesregierung hat schon x Mal zugesagt, das zu ändern, passiert ist nix. Das kann doch jetzt nicht noch einmal ein Jahr dauern, oder? Also, 2014 kommt der flächendeckende Notruf per SMS für gehörlose und sprachbehinderte Menschen.

Jahresendfragebogen 2013

Ich gebe zu, ich habe mich vor 2013 etwas gefürchtet. Wie ich vor einem Jahr schrieb, war die Gefahr einer Post-Olympia-Depression schon sehr groß. 2012 war einfach zu besonders. So schlimm war 2013 aber dann doch nicht, finde ich. Hier mein Jahresendfragebogen.

Vorherrschendes Gefühl für 2013?
Weitermachen!

2013 zum ersten Mal getan?
In den berühmten Abbey Road Studios ein Lied aufgenommen.

2013 leider gar nicht getan?
In Hamburg gewesen.

Wort des Jahres?
Legacy.

Getränk des Jahres?
Rekorderlig Strawberry & Lime Cider

Essen des Jahres?
Käsefondue an Silvester.

Meistangerufene Person?
Artur

Die schönste Zeit verbracht mit?
Artur und Mercer

Die meiste Zeit verbracht mit?
Mit Schreiben – Artikel, Papiere, Beschwerdebriefe, Stellungnahmen, E-Mails, Rechnungen – und dem Einsetzen für einen barrierefreien öffentlichen Nahverkehr in London mit Transport for All.

Song des Jahres?
Mr. Blue Sky und Something inside so strong – Rockchoir (das ist mein Chor)

CD des Jahres?
Twelve Stops and Home – The Feeling

Buch des Jahres?
Schatzfinder: Warum manche das Leben ihrer Träume suchen – und andere es längst leben

Erkenntnis des Jahres?
Mein Bauchgefühl hat so gut wie immer recht.

Drei Dinge auf die ich gut hätte Verzichten können?
Die Entzündung im Bein in einer Wunde, die auf Antibiotikum nicht ansprach.
Die Ignoranz und Dummheit mancher Mitbürger.
Eine saublöder Brief einer Versicherung an meinem Geburtstag.

Beste Idee/Entscheidung des Jahres
Einen Auftrag aufzugeben, weil der Kunde eine andere Agenda verfolgte als ich.

Schlimmstes Ereignis?
Das mit dem Bein war schon nicht so lustig.

Schönstes Ereignis?
Entspannter Urlaub in Barcelona.

2013 war mit einem Wort?
Eine Herausforderung.