Schild mit der Aufschrift "Disabled bays"

Jahresendfragebogen 2023

Vorherrschendes Gefühl für 2023?

Durchhalten.

2023 zum ersten Mal getan?

  • Einem Parlamentsausschuss Rede und Antwort gestanden mit einer Welle an Reaktionen.
  • Auf Malta gewesen.
  • Eine Woche auf einer Intensivstation verbracht. Das war eines der beeindruckensten Erlebnisse der letzten Jahre. Die Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte des NHS sind wirklich Helden, vor allem die auf Intensiv.

2023 leider gar nicht getan?

Ich habe gar nichts vermisst. Ich war im Urlaub auf Malta, war zwei Mal in Deutschland und habe zumindest bis September ziemlich viele nette Dinge gemacht.

Wort des Jahres?

Ejektionsfraktion – Als Ejektionsfraktion bezeichnet man den Prozentsatz des Blutvolumens, der von einer Herzkammers ausgeworfen wird. Es ist quasi die Pumpleistungsfähigkeit des Herzens. Ich habe das Wort vorher noch nie gehört und höre es jetzt ständig.

Getränk des Jahres?

Pfefferminztee.

Bestes Essen des Jahres?

Ich habe Käsespätzle gegessen als ich in Berlin war, die echt lecker waren. Und als ich versucht habe im Krankenhaus an was schönes zu denken, sind die mir eingefallen.

Meistkontaktierte Person?

Annton, Michael und meinen Lieblingskunden.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Artur und Vinny.

Die meiste Zeit verbracht mit?

Also, im Sommer habe ich mich darum gekümmert, dass Großbritannien nicht alle mit Personal besetzten Ticketverkaufsstellen der Bahn schließt. Nicht alleine, sondern zusammen mit tollen Freunden und wir haben gewonnen. Die Regierung ist im Oktober umgefallen und hat die Pläne gekippt. Nachdem wir 2011-12 schon mal so einen Erfolg hatten als wir für Lifts in allen Stationen von Crossrail (heute Elizabeth Line) kämpften, hätten wir fast nicht geglaubt, dass wir das nochmal schaffen, aber wir haben es geschafft.

Song des Jahres?

Skinny Lister – Rattle & Roar

Beeindruckendste Bücher des Jahres?

  • Untypical von Peter Wharmby
  • Radikale Inklusion von Hannah Wahl
  • Life in the Balance: A Doctor’s Stories of Intensive Care von Jim Down

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

  • Das Herzversagen
  • Die schwere Krankheit von mehreren Freunden
  • Die Probleme mit meinem lokalen Bahnunternehmen

Beste Idee/Entscheidung des Jahres?

Nicht ins örtliche Krankenhaus zu fahren als ich merkte, dass ich eine Thrombose haben könnte, sondern in die Notaufnahme eines der besten Krankenhäusern des Landes, das St Thomas Hospital direkt neben dem Parlament. Dort lag auch Boris Johnson mit Corona auf Intensiv. Das ich genau dort auch landen würde, hatte ich mir allerdings nicht vorstellen können.

Schlimmstes Ereignis?

Als ich mit Herzversagen auf der Intensivstation landete. Und auch wenn es schlimm war, ich bin sehr dankbar, das überlebt zu haben.

Erkenntnis des Jahres?

Als ich in meinen Krankenhausbett lag und nicht so sicher war, ob ich das überlebe, kam mir ein Gedanke, den ich sehr beruhigend fand in all dem Chaos zwischen piependen Monitoren, Schläuchen, CT, Elektrokardiogramm und dem 100. Bluttest. Ich dachte, selbst wenn es das jetzt war und ich mit 46 Jahren sterben muss, habe ich mein Leben trotzdem gelebt als seien es 80 Jahre gewesen.

Ich habe meinem Leben einen Sinn gegeben, viel erlebt, gemacht und beeinflusst, tolle Menschen getroffen und mich selten beirren lassen. Also egal was wird, ich habe ein Hammerleben und jeder weitere Tag ist ein Geschenk.

Schönstes Ereignis?

Es gab viele schöne Dinge in diesem Jahr.

Aber hier meine TOP3:

  • Dass Vinny jetzt bei uns wohnt und einen super Job als Blindenführhund macht.
  • Die Preisverleihung des Disability Smart Awards, wo ich zusammen mit meinem Kunden East Midlands Airport war und wir mit einem Hammerstatement der Jury gewonnen haben.
  • Die Parlamentsanhörung, bei der ich sprechen durfte. Ich hatte sehr viel Spaß und das Gefühl, mein ganzes Wissen zu Bahn und Barrierefreiheit sinnvoll und nachhaltig nutzen zu können. Unabhängigkeit ist manchmal unbezahlbar. Und dass man das, was ich gesagt habe, noch in 200 Jahren im Hansard nachlesen kann, finde ich großartig.

2023 war mit einem Wort?

Ereignisreich.

Jahresendfragebogen 2022

Vorherrschendes Gefühl für 2022?
Bähm.

2022 zum ersten Mal getan?
Auf den britischen Kanalinseln gewesen. Jersey und Guernsey sind wirklich schön (und recht barrierefrei).

Eine Datenschutz-Beschwerde gegen ein Unternehmen eingereicht, weil es mich unbefugt und auch noch ableistisch kontaktiert hat.

2022 leider gar nicht getan?
Ich war immerhin auf dem Kontinent, aber immer noch nicht in Deutschland. Mache ich aber 2023.

Wort des Jahres?
Letter before action – meine Güte sind manche Unternehmen nach COVID in einem Zustand. Ich werde das neue Jahr wohl mit Rechtsmitteln gegen ein Unternehmen wegen Diskriminierung beginnen. Manchmal reichts einfach.

Getränk des Jahres?
Corona. Das Bier.

Bestes Essen des Jahres?
Ich habe sehr viel gekocht und ausprobiert dieses Jahr und bin viel mutiger geworden. Ich improvisiere jetzt schon Thai-Gerichte. Bei weitem das Beste, was aus der Pandemie übrig bleibt… Ich kann jetzt gut kochen.

Meistkontaktierte Person?
Zwei Mitarbeiter von zwei Unternehmen, die ich berate.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Artur natürlich und mit MyHeritage und meinem Stammbaum. Beste Entspannung für mich.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Wenn ich nicht gearbeitet habe, dann mit Lesen, Hörbüchern und Podcasts hören.

Song des Jahres?
Explosion von Irie Révoltés

Beeindruckendstes Buch des Jahres?
Das ist gar nicht so einfach. Ich habe einige gute Bücher gelesen 2022. „I’m glad my mom died“ fand ich extrem beeindruckend. Aber auch „Die Akte Scholz„, weil es einfach richtig gut recherchiert ist.

Erkenntnis des Jahres?
Bis zu den Neuwahlen (2024 hoffentlich) steht UK völlig still und man kann froh sein, ein Dach über dem Kopf, warmes Wasser und eine Heizung zu haben, die heizt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Der Tod von Mercer. Ich vermisse ihn jeden Tag.
Die britische Politik.
Die Weltlage.

Beste Idee/Entscheidung des Jahres?
Einen Interimsstelle abzulehnen und stattdessen das Management zu beraten.

Schlimmstes Ereignis?
Der Tod von Mercer, Arturs Blindenführhund.

Schönstes Ereignis?
Ein Abend in Amsterdam war definitiv das schönste und nachhaltigste Ereignis. Strukturelle Probleme bei der Barrierefreiheit löst man manchmal am besten weit weg von zu Hause und in einer Kneipe.

2022 war mit einem Wort?
Okay.

Jahresendfragebogen 2021

Auch in diesem Jahr beteilige ich mich an der guten, alten Bloggertradition, einen Jahresendfragebogen auszufüllen. Also, los gehts!

Vorherrschendes Gefühl für 2021?

Läuft.

2021 zum ersten Mal getan?

An einem der größten Bahnprojekten des Landes „mitgebaut“, um Barrierefreiheit und Inklusion von Anfang an zu etablieren. Zuginterieur diskutiert und beraten. Wie kann ein Zug in Zukunft aussehen, damit er inklusiv ist? Wie kombiniert man Barrierefreiheit, Inklusion und „Active Travel“ praktisch und nicht nur auf Papier? Alles sehr interessante Themen und es war richtig klasse, mal zu sehen, wie Millardenprojekte koordiniert und geplant werden und gleichzeitig meine Expertise einbringen zu können. Ich habe viel gelernt und gleichzeitig sehr viel Einfluss gehabt.

2021 leider gar nicht getan?

Wie 2020 immer noch nicht das Land verlassen. Keine Partys, keine Konzerte und genau zwei Restaurantbesuche. Ein Restaurantbesuch im Freien und einer in einem Restaurant mit hohen Decken und Tisch an der Tür.

Wort des Jahres?

Booster.

Getränk des Jahres?

Baileys Latte.

Bestes Essen des Jahres?

Ich bin ja seit der Pandemie von der Lieferdienst-Queen zur „Ich koche alles selbst“-Frau mutiert. Erst aus Angst vor Ansteckung und jetzt weil es mega gut schmeckt. Ingwer-Hack mit Zuckererbsen und Sesamnudeln gehört definitiv zu meinen Lieblingsgerichten dieses Jahr.

Meistkontaktierte Person?

Ich hatte sehr viele Meetings, aber immer mit anderen Personen, was sehr abwechslungsreich war. Und ich habe zu sehr vielen Freunden Kontakt gehabt, was auch schön war.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Mercer, unserem Blindenführhund im Ruhestand. Seit er kein Blindenführhund mehr ist, weicht er kaum von meiner Seite.

Die meiste Zeit verbracht mit?

Ich habe ganz viele Dinge gemacht, die mir Spaß machen. Zudem habe ich sehr nette neue Kunden gewonnen, und habe ansonsten sehr viel mit Freunden geredet, gechattet und ein bisschen politische Strippen gezogen. Ich habe an meinem Stammbaum rumrecherchiert und habe unterdessen 6000 Menschen hinzugefügt.

Und dann habe ich Juli mich spontan für ein mehrmonatiges Programm der Universität Oxford angemeldet. Holla, so ein „Executive Strategy Programme“ ist dann doch ganz schön zeitintensiv, aber es hat sich wirklich gelohnt. Es war eine ganz tolle Erfahrung.

Song des Jahres?

Skinny Lister – This is war

Beeindruckendstes Buch des Jahres?

Definitiv „Vaxxers“ von Sarah Gilbert und Catherine Green, den beiden Erfinderinnen des AstraZeneca-Impfstoffs.
Vaxxers Buchcover
Nicht nur, weil ich zwei Mal mit Oxford AstraZeneca geimpft wurde und ich diesen Frauen gegenüber eine solche Dankbarkeit empfunden habe, noch bevor ich das Buch gelesen hatte. Dann aber zu lesen, was in deren Leben passierte während sie an dem Impfstoff arbeiteten und wie sie das weggesteckt haben, war einfach wirklich beeindruckend.

Erkenntnis des Jahres?

Nichts ist teurer als schlecht geplante Infrastruktur, auch wenn sie noch so billig sind.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

1. Corona
2. Mein Kochtopfdisaster (siehe unten)
3. Die falschen Menschen in den falschen Positionen

Beste Idee/Entscheidung des Jahres?

Nach diesem Stressjob 2020 erstmal drei Monate nicht zu arbeiten und mir dann nette Projekte zu suchen, für die ich als Beraterin arbeiten möchte und die wirklich Interesse an Barrierefreiheit und Inklusion haben.

Schlimmstes Ereignis?

Ich habe leider geschafft, mir im Dezember einen Topf mit kochendem Wasser über die gesamte rechte Hand (innen und außen) zu kippen. Es war unerträglich schmerzhaft. Leider war das in der Woche als die Bilder mit Warteschlagen von Dutzenden Krankenwagen mit Corona-Patienten, die vor Notaufnahmen warteten, durch die Nachrichten gingen und es war kein Krankenwagen zu bekommen. Aber der NHS war auf Zack und hat einen auf Brandverletzungen spezialisierten Menschen zu mir nach Hause geschickt – halt eben ohne Krankenwagen – der innerhalb von 20 Minuten nach dem Notruf einging, bei mir war, was für London derzeit wirklich mega schnell ist. Die gute Nachricht ist, es ist alles gut verheilt, die Schmerzen sind weg, aber ich habe jetzt ein bisschen eine Phobie vor kochendem Wasser.

Schönstes Ereignis?

Es gab zwei Dinge, über die ich mich sehr gefreut habe: Über die „100%“ für meine Abschlussarbeit in Oxford zu bekommen, mit einem riesigen Lob des Programmleiters. Zudem habe ich (zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen des Kunden) einen Excellence Award für die Umsetzung einer Inklusionsstrategie bekommen.

2021 war mit einem Wort?

Ereignisreich.

Ohne Barrierefreiheit keine Inklusion

Ich bin wütend. Wütend darüber, was seit wirklich viel zu langer Zeit in Deutschland passiert – oder besser gesagt nicht passiert – und heute in der Verabschiedung des Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gegipfelt ist. Schon bei dem Namen des Gesetzes hat man den Eindruck, das BMAS ist zwar gut in Scrabble aber nicht sehr gut darin, mal wirklich für Barrierefreiheit und Inklusion in Deutschland zu sorgen.

Scrabble

The law is not worth the paper it is printed on. The highlight is the accessibility of ATMs by 2040, but of course not structurally, but the software should be barrier-free. This is funny because hardly anyone will need ATMs by 2040 and this software has been around for decades – made in Germany, of all places. Only the German banks don’t care so much about disabled customers that they hardly use the software.

Keine Verbesserungen

Ich bin auch deshalb wütend, weil die EU mir zum x-ten Mal vor Augen führt, dass sie sich eigentlich wenig bis nicht für ihre behinderten Bürger*innen interessieren. Das ist für mich nichts neues, spätestens seit den Brexit-Verhandlungen ist mir klar, dass behinderte EU-Bürger*innen auf hoher See und bei Verhandlungen, bei denen man sich auf die EU-Kommission verlassen muss, in Gottes Hand ist. Die EU möchte also die Barrierefreiheit verbessern, aber mehr so a la „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“. Und jedes Land muss nun also das inhaltsschwache Gesetz umsetzen. Und was macht Deutschland? Sie setzen 1:1 um. Es steht nur leider kaum etwas drin, was das Leben behinderter Menschen verbessern würde. Siehe das viel zitierte Beispiel mit den Geldautomaten. Viel konkreter wird man nichts merken von dem Gesetz und genau das ist der Skandal.

Deutschland und die EU hängen im internationalen Vergleich Jahrzehnte hinterher, wenn es um Barrierefreiheit, Teilhabe und Antidiskriminierung behinderter Menschen geht. Die USA haben seit 1990 das ADA, Großbritannien hat den Equality Act, früher den Disability Discrimination Act. Und das auch schon seit 1995. Beide Gesetze verpflichten die Privatwirtschaft umfassend zur Barrierefreiheit. Also ich halte noch einmal fest, die beiden kapitalistischen Länder USA und UK verpflichten die Privatwirtschaft, aber die soziale Marktwirtschaft Deutschland schafft das nicht so, dass sich die Lebenswirklichkeit behinderter Menschen wirklich ändert.

Rollentausch

Aber zurück zur Bundestagsdebatte, die ich mir heute in einem Zustand von Schock, Ungläubigkeit und Amüsiertheit angesehen habe. Da stellen sich die beiden Wirtschaftsamazoninnen der SPD hin und verteidigen ein Gesetz, das angeblich ihr Koalitionspartner CDU so wollte. Aber den Eindruck vermittelten sie gar nicht, dass ihnen das aufgezwungen wurde. Im Gegenteil. Die SPD-Abgeordnete Angelika Glöckner wirkte fast so als hätte sie einen Job in einem Lobbyverband der Bankenwirtschaft schon in der Tasche.

Und dann stellt sich ausgerechnet der Abgeordnete der FDP ans Pult und fordert mehr Barrierefreiheit. Sagt mal SPD, ist Euch das nicht megapeinlich? Das ist fast so als würde die FDP die Grünen an Tempo 100 erinnern und Eure Bankenheldin aus der Pfalz setzt noch einen drauf und versucht die Forderung von behinderten Menschen nach Barrierefreiheit dafür verantwortlich zu machen, dass immer mehr Bankfilialen schließen. Dass das einfach ein überholtes Geschäftsmodell ist, so wie sie überholte Denkweisen hat, wie Inklusion wirklich funktioniert, darauf scheint bei der SPD niemand zu kommen.

Der Abgeordnete der CDU erzählte wieder was von den Barrieren in den Köpfen, die man zuerst abbauen müsse, bevor man Barrierefreiheit in Deutschland verpflichtend macht. Wie lange soll dieser Prozess eigentlich noch dauern und für wie blöd halten die ihre Wähler*innen eigentlich? Selbst die eingefleischtesten CDU-Wähler, die ich kenne (und ich kenne viele, ich bin da genetisch vorbelastet), stellen sich nicht gegen solch eine Gesetzgebung, wenn man ihnen erklärt, zu was das in den USA und in Großbritannien geführt hat.

Keine Inklusion ohne Barrierefreiheit

Ich bin fest davon überzeugt, dass die bessere Beschäftigungsquote behinderter Menschen in Großbritannien im Vergleich zu Deutschland (in UK arbeiten doppelt so viele behinderte Menschen im erwerbsfähigen Alter wie in Deutschland) sehr stark auf das DDA und den Equality Act zurückzuführen ist. Sowohl in den USA als auch in UK war es eine konservative Regierung, die die Gesetze eingeführt haben. Das muss man sich mal klarmachen!

Ich kann nur sagen, mich macht der Zustand Deutschlands – und eigentlich der gesamten EU – wirklich traurig in Bezug auf Barrierefreiheit und Inklusion. Es wird für behinderte Menschen keine Inklusion ohne Barrierefreiheit geben und sie wird ohne Gesetzgebung nicht kommen. Wer Inklusion will, muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Das tut derzeit weder die deutsche Regierung noch die EU.

Jahresendfragebogen 2020

Vorherrschendes Gefühl für 2020?
Das darf doch wohl alles nicht wahr sein.

2020 zum ersten Mal getan?
Für die Bahnindustrie als Managerin gearbeitet, um Barrierefreiheit und die Nicht-Diskriminierung behinderter Kunden durchzusetzen. 60 Stunden in der Woche.

2020 leider gar nicht getan?
Das Land verlassen. Ein Flugzeug betreten. Und das zum ersten Mal in meinem Leben ein ganzes Jahr lang. Aber ich habe eine lange Liste mit Orten und Dingen, die ich machen werde, wenn diese Pandemie vorbei ist.

Wort des Jahres?
Failed Assist – so nennt die britische Bahnindustrie den Umstand, wenn sie behinderte Reisende, vor allem Rollstuhlfahrer, im Zug „vergessen“ und sie dann entweder von anderen Passagieren rausgehoben werden (gefährlich!), sie einfach weiterfahren bis sie an der Endstation jemand findet oder sie am Zielort die Notbremse ziehen, damit sie jemand aus dem Zug holt.

Getränk des Jahres?
Tee – ganz viel davon.

Bestes Essen des Jahres?
Ich kann mit Stolz sagen, wir haben seit März nicht ein einziges Mal den Lieferdienst bemüht. Um ehrlich zu sein, weil es uns nicht Corona-sicher genug war. Und da habe ich eben gekocht, was wirklich nicht zu meinen besonderen Fähigkeiten gehörte. Aber jetzt koche ich wirklich gut.

Meistangerufene Person?
Ich zähle da jetzt mal Anrufe via Microsoft Teams mit und das war mit Abstand ein Accessibility Manager aus meinem Team. Wir arbeiteten seit März von zu Hause aus und so leitete ich das Team eben so.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Nix tun. Hörbücher hören. Schlafen.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Teams-Calls, Teams-Calls und Teams-Calls

Song des Jahres?
Guten Tag von „Wir sind Helden“

Beeindruckendstes Buch des Jahres?
Why Women Are Blamed For Everything von Jessica Taylor
Buchcover Why women are blamed for everything

Erkenntnis des Jahres?
Der Mangel an Barrierefreiheit ist keine Frage des Geldes, weder in der Bahnindustrie noch sonst irgendwo. Mit COVID kamen all die Dinge, um die behinderte Menschen seit Jahren oft ohne Erfolg gebeten hatten – von zu Hause arbeiten zu dürfen, an Konferenzen nur virtuell teilnehmen zu können, zu chatten statt immer nur übers Telefon zu kommunizieren etc.

Und zusätzlich bekam ich Einblicke in eine Branche, die erstaunlich viel Geld hat und seit COVID täglich Millionen an Finanzspritzen bekommt, was okay ist, die Menschen müssen ja zur Arbeit kommen, aber was eben auch zeigt, dass für den Umbau von Bahnhöfen (und viele andere Projekte) durchaus Geld da gewesen wäre, wenn man es hätte ausgeben wollen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Auf viel zu viel Stress
Corona
Die Magen-Darm-Grippe im Dezember (immer noch besser als Corona)

Beste Idee/Entscheidung des Jahres?
Diesen verrückten Job nach einem Jahr wieder aufzugeben.

Schlimmstes Ereignis?
Der Tod von Belly Mujinga und von innen zu sehen wie ein Konzern damit umgeht.

Schönstes Ereignis?
Ich habe trotz alledem wirklich viel gelacht dieses Jahr, vor allem mit meinem Team, die jeden Tag voll und ganz hinter mir standen und bei dem irren Tempo, das ihre Chefin (ich) an den Tag gelegt hat, um Änderungen durchzudrücken, immer mitgezogen haben.

Wir haben durchgesetzt, dass alle „Failed Assists“ wie Unfälle untersucht und behandelt werden. 41 Stationen bekommen mobile Teams, die Rampen anlegen, wenn die Stationen eigentlich kein Personal haben. Das ist besonders in ländlichen Regionen wichtig, wo es wenige barrierefreie Taxis gibt, auf die Kunden sonst ein Anrecht haben. Aber das Anrecht nutzt wenig, wenn es die Taxis nicht gibt.

3000 Stationsmitarbeiter bekommen Disability Equality Training bis Juli 2021, alle geschult von behinderten Trainerinnen. Ich habe Blindenleitsysteme durchgesetzt, barrierefreie Toiletten einbauen lassen, Informationen zur Barrierefreiheit überprüfen lassen, Hunderte neue Rampen bestellt, eine Sprache-zu-Text-App auf allen Diensthandys verfügbar gemacht, Schulungsvideos mit behinderten Kunden produziert und 1000 andere Dinge gemacht und erstritten.

Und dann haben mein Kollege und ich uns (vor Corona), an einem Nachmittag als wir in Nord-London waren, auf unsere eigenen Stationsinformationen verlassen und fuhren zu einer Station, die als voll barrierefrei gekennzeichnet war.

Da standen der Accessibility Manager und seine rollstuhlfahrende Managerin im strömenden Regen vor einer viel zu steilen Rampe, die auch noch rutschig im Regen wurde und wären beide fast abgestürzt bei dem Versuch, den Bahnsteig zu erreichen – wenn nicht durch die baulichen Begebenheiten, dann wegen des Lachkrampfs, den wir beide hatten – ausgelöst durch diese absolut absurde Situation, in die wir uns beide gebracht hatten. Als wir endlich oben waren, stellten wir fest, dass die Station nicht einmal Zugrampen hatte, wir konnten also nicht einmal in den Zug einsteigen, weil der Bahnsteig zu schmal war, und so mussten wir ein Taxi nehmen. Dieser Nachmittag war filmreif und einfach so typisch für all die Probleme, die die Branche mit Barrierefreiheit hat.

Es war ein extrem intensives Jahr, nix war einfach, diese Branche dreht sich langsamer als jeder Öltanker. Es ging alles nur mit Humor, sonst hätte ich schon im Februar auf der Rampe im Regen das Handtuch geworfen.

2020 war mit einem Wort?
Off-track

Hallo Motel One, wir müssen reden

Ich mag Euch ja eigentlich. Euer Grünblau, Euren Einrichtungsstil und ich gehöre eigentlich voll zu Eurer Zielgruppe. Ich reise viel und in unterschiedliche Städte, ich

Wer den Pfennig nicht ehrt…

Ich hatte beim Ausmisten eine Tupperdose mit Kleingeld gefunden. Viel Kleingeld. Das einzige Problem war, es handelte sich um D-Mark. Ja, ich weiß auch nicht,

#TeamWallraff – Was sich ändern muss

Wie sie sich jetzt alle zu Wort melden, die ganzen Heilerziehungspfleger, Heimbetreuer und Pfleger, die ihre Reputation gefährdet sehen: Bei ihnen sei ja alles prima

Jahresendfragebogen 2016

Vorherrschendes Gefühl für 2016?
 Aua. 2016 zum ersten Mal getan?
 Die Goldenen Blogger mitdirigiert. Hat viel Spaß gemacht. 
In Irland gewesen. Keine Ahnung, warum ich

Teilen….

Suchen

Kaffee

Meist gelesen

Werbung

Werbung