Schild mit der Aufschrift "Disabled bays"

Weihnachtsmannterror

Derzeit treiben sich ja vermehrt Weihnachtsmänner in Einkaufzentren und Geschäften rum, die eigentlich Kinder bespassen sollen. Aber irgendjemand muss den Weihnachtsmännern mal sagen, dass erwachsene Rollstuhlfahrer im Gegensatz zu Kindern nicht zwingend mit Schokoeiern zu beschenken sind. Eine Freundin, die auch Rollstuhlfahrerin ist, erzählte mir gerade, sie sei im Sterncenter in Potsdam Weihnachtsmannopfer geworden. Der Weihnachtsmann kam zu ihr, streichelte ihr über den Kopf und schenkte ihr ein Schokoei. Und während er das tat, sagte er: „Für alle, die nicht mehr so hüpfen können.“

Ich nehme auch immer Abstand, wenn ich diese Figuren sehe, denn sie haben es immer auf mich abgesehen. Eine Rollstuhlfahrerin, die meiner Freundin entgegenkam meinte deswegen auch zu ihrer Begleitung: „Oh Scheiße, der Weihnachtsmann.“

Liebe Einkaufszentrumbesitzer und Weihnachtsmann-Losschicker, könnt Ihr bitte sicherstellen, dass Eure putzigen Mitarbeiter den Unterschied zwischen Kleinkind und erwachsener Person, die im Rollstuhl sitzt, intus haben? Das wäre sehr hilfreich und würde auch Rollstuhlfahrern den belästigungsfreien Einkauf ohne Körperkontakt ermöglichen. Und an alle Weihnachtsmänner die Warnung, wer Rollstuhlfahrern über den Kopf streicht und dabei Schokoeier verteilt, darf sich hinterher nicht beklagen, wenn er die Schokoeier im Bart kleben hat.

9 Gedanken zu „Weihnachtsmannterror“

  1. Was bist du denn so undankbar? Wir sind schließlich alle liebe kleine Behindi-Kindis, und das unser Leben lang.

    Zu Weihnachten tropft das Mitleid dann halt besonders klebrig aus dem Bart und bildet schleimige Pfützen.

  2. Soweit ich weiß, werden in großeren Städten auch Selbstverteidigungskurse für Rollstuhlfahrer angeboten. Aus dem weiteren Bekanntenkreis wurde mir erzählt, dass eine Rollstuhlfahrerin vor einigen Jahren einen penetranten Hobbyweihnachtsmann „zur Brust genommen hat“. Der habe auch diese Kopfstreichelnummer abgezogen und versucht, sie aus dem Rolli auf die Beine zu ziehen und ein „Wunder“ zu bewirken. Laut meiner Information hat sie ihm eine Schulter ausgekugelt und eine Rippe gebrochen. Die vom Kaufhaus herbeigerufene Polizei stellte wohl fest, dass das Weihnachtsmonster stark angetrunken gewesen sei und nahm ihn nach ärztlicher Behandlung in Gewahrsam.

  3. Dass Rollifahrer immer so granteln müssen… Ich bin Fußgänger, würde mich aber sehr drüber freuen, wenn der Weihnachtsmann mir Schokolade schenkt. Denn als Hartzer kann ich mir die nicht leisten. Dann darf er mir sogar über meinen kahlen Kopf streicheln, hihihi

  4. @Optimist: In diesem Zusammenhang würde ich nicht von „granteln“ sprechen, da diese Weihnachtsmann-Gehabe eine deutliche Sprache von der Ignoranz mancher Personen spricht.

    Wenn man die Beiträge aus Frau Links Blog liest, merkt man recht schnell, dass sie mit einer großen Portion schwarzen Humors ausgestattet ist und entsprechend viele Situationen verhältnismäßig locker rüberbringt.

    Wenn sie nun in diesem Zusammenhang deutlich genervt klingt, kann ich das sehr gut nachvollziehen. Es hat hier nichts mit einem kleinen Scherz a’la „Der Weihnachtsmann hat auch was für die Großen“ zu tun, sondern damit, dass viele Leute Rollstuhlfahrer als nicht gleichwertig ansehen und sie ernsthaft wie kleine unmündige Kinder betrachten. Entsprechend ist so ein Verhalten wirklich ärgerlich und gar nicht mehr lustig zu verstehen.

  5. Eines der Dinge, die mir meine Ex hinterlassen hat und die ich nicht mehr missen möchte ist ein Sprichwort.

    Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“.

  6. Optimist,
    auch ich bin Dauerarbeitslose und kann mir nicht ständig Schokolade „leisten“.

    Es ist jedoch ein Unterschied, etwas geschenkt zu bekommen oder aber als Kleinkindchen angetatscht und angepatscht zu werden, übers Köppi gestreichelt zu kriegen und auch noch geduzt zu werden.

    Rollstuhlfahrer sind weder Haus- noch Kuscheltiere!

  7. Das die von Dir geschilderte Situation tatsächlich heute noch massenhaft vorkommt, hätte ich nicht gedacht. Die Rollstuhlfahrerin als unfreiwillige Statistin im rührseeligen Weihnachtsspiel zur Umsatzsteigerung.

    Danke, dass Du hier mal das Bewusstsein schaffst, wie deplaziert so etwas ist.

    Schöne Adventszeit noch mit dem Blick dafür, um was es in dieser Zeit wirklich geht.

    Julian

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