Schild mit der Aufschrift "Disabled bays"

Kinder mit Behinderungen nicht unglücklicher als nicht behinderte

Die britische Zeitung „The Independent“ berichtet heute von einer wissenschaftlichen Studie, die ergab, dass Kinder mit Behinderungen nicht weniger glücklich sind als ihre Altersgenossen ohne Behinderung. Befragt wurden 500 Kinder mit Cerebralparese in sieben europäischen Ländern.

Die Studie ergab, dass die Kinder im Vergleich in allen Bereichen – darunter das psychologische Wohlbefinden, die Selbstwahrnehmung und das soziale Umfeld – genauso hohe Werte erzielten wie nicht behinderte Kinder. „The Lancet“ hat die Studie veröffentlicht, also nicht irgendeine Apothekenzeitschrift.

Nun frage ich mich, warum ich diese Meldung online bei deutschsprachigen Medien nirgendwo finde. Wo doch deutsche Wissenschaftsjournalisten normalerweise jedes Heilsversprechen und jede noch so kleine Studie, die mit Behinderung zu tun hat, in epischer Breite in ihren Blättern verkünden – auch wenn die Quelle eine Apothekenzeitschrift ist. Und ausgerechnet so eine Studie aus dem Lancet mit Kindern aus vielen Ländern Europas ist keine Zeile wert? Also die englischsprachigen Medien rund um den Globus, fanden die Studie druckreif.

12 Gedanken zu „Kinder mit Behinderungen nicht unglücklicher als nicht behinderte“

  1. Umso wichtiger ist es, dass noch viel mehr Leute Dein Blog lesen, als es ohne hin schon tun, Christiane.
    Die Nachricht an sich ist die erfreuliche Bestaetigung eines Umstandes, den ich sowieso als fast sicher angenommen hatte.

  2. Also ich find das logisch. Immerhin zeigt diese Studie keine leidenden, verzweifelten kleinen Krüppelchen, sondern zufriedene (nicht dankbare!), glückliche Kinder. Da besteht weder sozialpädagogischer Integrations- noch sonstiger Hätschelbedarf, die Kids kommen klar, sind keine „Fälle“ für irgend etwas, brauchen keine Sonderbespaßung, keinen Sonderspezialförderungsdingsbums – also nix für die tränenselige deutsche Öffentlichkeit, die sich doch am liebsten an traurigen, hilflosen und potentiell dankbaren Krüppelchenäugelein delektiert.

    Skandal das – normale Kids mit Behinderung. Tststs.

  3. Mal was total anderes: In meiner Straße (einspurige Einbahnstrasse mit Parkplätzen auf beiden Seiten) wurde vor ein paar Monaten ein Behindertenparkplatz eingerichtet (nur für den Besitzer der am Pfosten befestigten Parkausweisnummer). Nun habe ich aus diesem Auto noch nie jemanden einsteigen sehen, der aG oder blind wäre. (Und auch noch nie aus dem Haus gehen sehen).

    Das Haus ist auch nicht behindertengerecht – es gibt kein Erdgeschoss (nur Hochparterre), kein Aufzug und auch kein Rollilift.

    Erst mal gehe ich nicht davon aus, dass da jemand betrügen will. Aber seltsam ist das schon – oder denke ich zu kurz? Von einem Rollifahrerfreund weiß ich, dass auch manchmal Bekannte von Ausweisinhabern die Ausweise leihen, um Behindertenparkplätze nutzen, die ihnen in dem Moment nicht zustehen (reine Bequemlichkeit). Damit sind doch die sowieso rar gesäten Parkplätze gerade von Leuten belegt, die eigentlich wissen sollten, wie schwer es ist.

  4. In der Vergangenheit wurden bereits verschiedene Studien zum Thema veröffentlicht. Diese hatten eine ähnlichen Grundtenor wie in deiner Nachricht beschrieben. Beim Ausmaß unseres persönlichen Glücks spielen wohl eher soziale Vergleiche eine wichtige Rolle und weniger das absolute Ausmaß unserer Ressourcen.

    Das Wort „Glück“ im Deutschen mehrdeutig und damit ein eher un“glücklicher“ Begriff. Auf Englisch würde mir „Happiness“, „Pleasure“ oder „Luck“ einfallen. Wobei sich die wissenschaftlichen Studien wohl auf „Happiness“ beziehen, einer Art längerfrister Zufriedenheit.

    Nur Geduld, die erwähnte Nachricht wird sicherlich den Ärmelkanal in Kürze überwinden.

    Bis dahin mit besten Grüssen an den „nucleus accumbens“….

  5. @suz
    Das kann 1000 Gruende haben. Es kann jemand sein, der eine Organspende hinter sich hat oder jemand, der MS hat und dessen Behinderung schubweise kommt. Ich kenne jemand, der faehrt in der einen Woche auf dem Rennrad durch die Gegend und in der anderen im E-Rolli.

    Da es sich um einen personenbezogenen Behindertenparkplatz handelt, bin ich relativ sicher, dass es sich nicht um Betrug handelt. Ich habe das Prozedere in Deutschland zwei Mal mitgemacht. Wenn Du einen Parkplatz beantragt (zumindest in Hamburg) kommt die Polizei und checkt die Notwendigkeit. Da muss schon jemand sein, der den Parkplatz braucht. Es darf kein anderer Parkplatz in zumutbarer Naehe sein etc.

    Was aber wohl vorkommt ist, dass Angehoerige den Tod von Berechtigten nicht melden. Aber da der Parkplatz neu ist, ist das auch eher unwahrscheinlich.

    Ganz viele Behinderungen sind nicht sichtbar. Deshalb frage ich Leute immer als erstes, welche Behinderung sie haben, wenn sie aus dem Auto raushuepfen, nachdem sie das Auto auf dem Behindertenparkplatz abgestellt haben.

  6. Um das Anfangsthema aufzugreifen, die Tatsache, dass Mitmenschen oder Kinder mit Einschränkung nicht unglücklicher sind als die ohne Einschränkung war mir schon lange klar, dazu braucht es keine Wissenschaftlichen Studien. Die Tatsache, dass die deutschen Medien nicht darüber berichten liegt wohl darin begründet, dass man über die Schwächsten eh nicht beachtet , es sei denn es läßt sich eine reißerische Story daraus schneidern.
    Zu den Behindertenparkplätzen kann ich nur sagen, es sollten alle Stellplätze auf Behinderte zugeschnitten sein, dann gäbe es auch keinen Strei darum.

  7. Pingback: Intensivkind
  8. Danke für den Hinweis, Christiane!

    Ich fand es auch traurig, dass diese wichtige Untersuchung in den deutschen Medien nicht auftauchte.

    Nach drei Wochen erscheint die Meldung auch in der FAZ vom 24. Juli…
    http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/Doc~E373C8E34EF0C45C99BA1C8E6F021CB47~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    In der Meldung wird allerdings auch ausführlich thematisiert, inwieweit diese Umfrageergebnisse verallgemeinerbar seien für alle Kinder mit Behinderungen.

    Auch wenn dies methodisch korrekt ist, hinterlässt es den schalen Beigeschmack, dass so die Aussage der Untersuchung in Frage gestellt wird…

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