Schild mit der Aufschrift "Disabled bays"

Google Streetview und die Barrierefreiheit

„Damit kann man doch nichts Sinnvolles machen, sondern nur Unfug“, war der Tenor im Radio hier als Google Streetview online ging. Und ich muss sagen, ich war auch ziemlich baff als ich die Qualität der Bilder gesehen habe. Ich glaube mich sogar auf einem Bild wieder erkannt zu haben. Komisches Gefühl.

Seit heute kann ich aber sagen: „Mir nutzt Google Streetview.“ Heute nachmittag bekam ich eine Einladung zu einer Verstaltung in einem Gebäude, das ich nicht kenne. Ich ging auf Google Maps und dann auf Streetview und konnte sehen, dass ich da höchstwahrscheinlich nicht reinkomme, weil es ein uraltes Gebäude mit Portaltreppe ist.

Heute abend hat mir Google Streetview dann wieder genutzt. Ich bin gerade dabei, die Gegend hier zu erkunden und wollte zum nächst gelegenen Pizza Express-Restaurant. Das ist eine Restaurantkette, die eigentlich ziemlich barrierefrei überall ist. Aber ich kannte das Lokal wie gesagt nicht und schaute mir auf Google Maps an, wo es genau liegt. Dann konnte ich mir mit Streetview den Eingang ansehen, ranzoomen und wusste, ich komme da rein. Ebenerdiger Eingang, mehr muss ich nicht wissen.

Dann habe ich mich gefragt, welcher Bus dort hin fährt und entdeckte vor dem Lokal eine Bushaltestelle. Ich zoomte wieder ran und sah das Schild der Buslinie 321. Die hält auch bei mir und so wusste ich, welchen Bus ich nehmen muss. Ich kannte mich schon aus, ohne da gewesen zu sein. Ich glaube, Streetview wird mir im Alltag wirklich helfen. Denn auf die Information von Leuten bezüglich Barrierefreiheit kann man sich überhaupt nicht verlassen, auch wenn man vorher anruft. Die Leute nehmen gar nicht wahr, dass sie Stufen vor der Tür haben und erzählen dann, sie hätten keine. Jetzt kann ich selber nachsehen…

17 Gedanken zu „Google Streetview und die Barrierefreiheit“

  1. Ich glaube mit einer Nutzungsmöglichkeit dieser Art hat wohl keiner gerechnet. Neben all den „Datenschützern“ die nur das negative bei Streetview sehen (Einladung für Einbrecher und virtuelle Beutetouren, Verletzung der Persönlichkeitsrechte u.s.w.) empfand ich Streetview auch als Bereicherung um z.B. für Urlaube oder ähnliches schon im Vorfeld die Gegend anzusehen – als Ergänzung zur Hotelbewertung.

    An solch profane Dinge wie hier geschildert denkt man als „Treppensteiger“ gar nicht. Streetview bietet nach google-earth die Möglichkeit die Welt noch näher zu erkunden – traurig wenn hier einige wenige es schaffen würden den Dienst für Deutschland zu reglementieren.

  2. Tja, viele Menschen (das schließt mich teilweise mit ein) haben halt ein großes Problem, über ihren Tellerrand bzw. ihren „Nutzen-Horizont“ hinasuzublicken.. zu ähnlichen Zwecken (als Normal gehender) nutze ich z.B. gerne Live Maps von Microsoft (Satellitenaufnahmen, 4-Seiten Luftbilder) um mich vorher über Laufwege zu informieren.. oder ob in der Nähe Geschäfte des täglichen Bedarfs sind, wie gut die öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar sind, was für eine Lärmbelästigung zu erwarten ist (Stichwort Wohnungssuche) ..

    Ähnliche „kenn ich nicht, brauch ich nicht, verbieten!“ Diskussionen führen wir in Deutschland (und teils Weltweit) ja auch in anderen Bereichen, Stichwort Jugendkultur, „Killerspiele“, „Töten-Trainings-Veranstaltungen (LAN-Partys), und so weiter..

    Ich frage mich ja auch, warum sich die Datenschützer so wehement gegen Street View und ähnliche Vorstöße wehren, aber eine Orwellisierung unserer Gesellschaft a la Schäuble einfach als „notwendig“ abtun.. Totschlagargumente (Ganz früher: Kriminalität. Dann ab 2001: Terrorismus. Heute: Kinderpornos) findet man ja immer und kann man für alles hinbiegen..

  3. An diese Nitzung habe ich ebenfalls nicht gedacht.
    Aber sehr schön.
    Vielleicht ließe sich das ganze noch verbessern, durch eine Art RolliWegMarkierung?
    In Grün vielleicht? Dann müssten all die Menschen sich das Bild nicht dauernd neu anschauen.
    Du weißt ja besser als ich, was für abenteuerliche Umwege um Gebäude herum manchmal genommen werden müssen.
    Vielleicht sollte Google mal angemailt werden.

    Schöne Grüße

  4. @Alexander: Was jetzt Google-Streetmaps mit der „Killerspiel“-Debatte zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Die Kritiker von LAN-Parties etc. und von Google sind m.E. völlig andere Personengruppen.

    Die Datenschützer die ich kenne, befürworten keineswegs Schäubles Überwachungspläne – im Gegenteil. Ich weiß nicht, auf welche Datenschützer Du dich beziehst.

  5. Hallo,
    wenn Sie auf diese Weise „recherchieren“ und auch noch alles für bare Münze nehmen und das in Ihrem Volo gelernt haben sollten, bei Recherchen so vorzugehen, wird Ihnen das sicherlich jede Redaktion honorieren.
    Sie verstehen meine Ironie?

    Mit dem Datenschutz stehen Sie wohl auf Konfrontation?
    Gefragt ist kritischer Journalismus, aber was Sie machen, ist offenbar unkritisch zu sein und sich völlig von einer Sache vereinnahmen zu lassen.

    Bei zeit-online.de würde Ihnen das eine Menge Unmut von der LeserInnenschaft entgegenbringen.

    S. Heinrich.

  6. @S. Heinrich
    Es geht hier nicht um journalistische Recherche und das hier ist auch kein Artikel sondern ein Blog. Also ganz subjektiv. Es geht darum rauszukriegen, ob ich als Rollstuhlfahrerin nach A, B oder C komme. Und mit Verlaub, das kann man mit Google Streetview teilweise rauskriegen. Es gibt keine flächendeckenden anderen Angebote. Wie ich bereits geschrieben habe, kann man sich auf die telefonische Auskunft von Leuten leider nicht verlassen und ich habe, ehrlich gesagt, auch nicht die Zeit und Lust ständig irgendwo anzurufen, um dann am Ende falsche Auskünfte zu bekommen.
    Ich weiß, dass Google Streetview in der Kritik steht und kann das auch verstehen, aber es wird mir doch wohl erlaubt sein, darüber zu schreiben, wie mir persönlich das Angebot nutzt!?

  7. Gerade kurven die Kameraautos ja auch wieder durch Berlin, ist schon ein komisches Gefühl das alles. Aber ich finde es ziemlich wichtig, sowas zu bloggen – kommt ja vielleicht nicht jeder Rollstuhlfahrer auf diese gute, den Alltag wirklich erleichternde Idee!

    Hab den Blog gerade erst entdeckt, gefällt mir gut!

  8. Wir finde StreetView auch ungemeine praktisch (u.a. auch aus den hier genannten Gründen, da meine Frau ja auch im Rollstuhl unterwegs ist).
    Vor einige Tagen war der Google-Fotowagen hier in der Stadt unterwegs und ich bin jetzt schon gespannt auf die Ergebnisse.
    Die Kritik kann ich nicht nachvollziehen, denn jeder Mensch kann das auch machen, also zu einem Gebäude gehen, es anschauen und ggf. ein Foto machen.
    Und ein Einbrecher hat schon ohne Google Häuser ausgekundschaftet, er muss einfach nur dort hingehen und sich auf die Lauer legen. Ich denke auch der Profi-Einbrecher wird sich das Gebäude eher in der Realität anschauen wollen, so wie er es schon immer getan hat.
    Nun, das Internet ermöglich eben Sachen, die man vorher auch schon konnte, nur schneller, einfacher und für viel mehr Menschen. Das hat eben Vorteile und machmal auch Nachteile…

    mfg
    Frank

  9. Ich nutze Google Maps gerne bei weiteren Fahrten um mir einen ersten Eindruck meines Ziels zu verschaffen. Google Streetview geht mir dann aber doch etwas zu weit.

  10. Hi Christiane,

    wir arbeiten gerade an einem ähnlichen Projekt, das sicher auch mit Google Streetview kombinierbar sein wird. Du kennst es schon. Es heißt Wheelmap.org.

    Deutschlands erste offene Datenbank für barrierefreie Orte. Jeder Nutzer kann Daten einpflegen, verändern und finden. So wie bei Wikipedia.

    Die Daten stehen unter einer offenen Lizenz und können kostenlos weiterverwendet werden. Wir arbeiten mit der freien Weltkarte Openstreetmap zusammen, wo wir alle Daten ablegen. Wir wollen mit Deutschland beginnen. Aber theoretisch geht das auch weltweit.

    Liebe Grüße,
    Raul

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