Tag Archiv für Hamburg

Vor dem Freundschaftsspiel

Fans vor einem Restaurant im Hafenviertel

Im Portugiesenviertel am Hafen – wir haben noch einen Platz mit Blick auf die Leinwand und Bewirtung ergattert.

Velux-Lounge

Der Dachfensterhersteller Velux hat zur WM „einen zentralen Treffpunkt für internationale Medienvertreter auf dem Dach des Hamburger Medienbunkers“ (Zitat Velux-Pressemitteilung) eingerichtet. Ausgerechnet unser Sportminister kann, genauso wie ich, keine Veranstaltung dort wahrnehmen. Die nagelneue Konstruktion ist nämlich nicht barrierefrei. Ich habe jetzt das dritte Mal eine Einladung zu einer Veranstaltung in die Velux-Lounge bekommen, die ich nicht wahrnehmen kann, weil ich nicht hin komme. Die barrierefreie Ausstattung sei „dem Budget zum Opfer gefallen“, sagte mir ein Verantwortlicher.

Ich schlage vor, das vierte Unternehmen, das mich zu einer Veranstaltung dort einlädt, sponsert den Fahrstuhl oder Treppenlift – zumindest dann, wenn die Lounge zur Dauereinrichtung wird. Derzeit ist sie nur über Stufen zu erreichen. Vielleicht beteiligt sich ja die Stadt Hamburg an den Kosten. Die hat den „Treffpunkt für internationalen Medienvertreter, Politiker, Geschäftsleute und Prominente“ (wieder Zitat Velux) schließlich genehmigt und eingerichtet und denkt laut über die Nutzung auch nach der WM nach. Dafür muss die Lounge aber wohl winterfest gemacht werden, was weitere Baumaßnahmen erforderlich macht. Und wenn die Lounge dann nicht barrierefrei wird, steig ich denen aufs Dach – im wahrsten Sinne des Wortes.

Frosta Bistro hat jetzt eine Rampe

Ich sitze gerade im Frosta Bistro. Da wollte ich eigentlich gar nicht hin, sondern nur durch die Stadt schlendern. Aber als ich vorbei kam sah ich, dass Felix Ahlers sein Versprechen wahr gemacht und vor seinem Bistro eine kleine Rampe installiert hat. Ich komme jetzt ohne Hilfe rein und raus aus dem Bistro. Ich bin begeistert! Und konnte dann natürlich nicht vorüber gehen, ohne die Rampe auszutesten und was zu essen.

Rampe vor einer Stufe

Wie man Kunden vergrault

Heute: Hausgemachte Probleme durch Kunden lösen lassen.

Der Buchhandel stöhnt ja bekanntlich über die Konkurrenz aus dem Internet. Ich kann das gut verstehen, ich möchte auch nicht unbedingt Buchhändler sein in Zeiten von Amazon & Co. Wenn ich aber auf der Suche nach einem Buch bin und nicht genau weiß, was ich möchte, gehe ich doch ganz gerne zum Buchhändler um die Ecke. Und wenn ich Beratung brauche, tue ich das auch. Denn das ist wirklich ein Feld, mit dem der Buchhändler um die Ecke noch punkten kann – wenn er die geeigneten Mitarbeiter hat jedenfalls.

Der nächste Buchladen ist in einem Einkaufszentrum hier um die Ecke und geht über zwei Stockwerke. Es gibt zwar keinen Fahrstuhl im Geschäft, aber außerhalb im Einkaufszentrum. Während nicht behinderte Kunden also problemlos zwischen den Stockwerken wechseln können, kann ich das nicht. Nun hatte ich mir einen Reiseführer bestellt, der bei Amazon mit sechs Tagen Lieferzeit angegeben war – zu lange also, da wir ja am Samstag abfliegen. Der Buchladen konnte das Buch immerhin innerhalb von zwei Tagen besorgen.

Die Abholung für bestellte Bücher ist im 1. Obergeschoss. Die steuerte ich auch direkt an. Außerdem wollte ich ein Buch kaufen, das ich als Geschenk brauchte. Auch die Geschenk-Einpackstation ist im 1. Obergeschoss am gleichen Tresen. Ich sagte der Verkäuferin also, dass ich den Reiseführer bestellt habe und zudem das andere Buch als Geschenk wolle. „Das Buch gibt es im Erdgeschoss.“ Ich schaute sie fragend an. Ich wollte mich nicht zweimal an der Kasse anstellen (einmal oben, eimal unten, weil ich mit dem unbezahlten Buch den Laden nicht verlassen kann), um dann wieder nach oben zu kommen, um das Buch einpacken zu lassen. „Wir haben keinen Fahrstuhl und zudem sind wir personell dünn besetzt“, sagte sie und schaute meine Begleitung auffordernd an. „Er könnte ja…“. Ich fiel ihr ins Wort: „Er ist blind, sie müssten das Buch schon hochschicken lassen.“ Das könne keiner bringen, meinte sie. Sie müsse schon selber gehen, sagte sie als hätte ich ihr Marathon verordnet. Die ganze Debatte dauerte bereits länger als das Holen des Buches dann insgesamt an Zeit kostete. Sie ging dann tatsächlich selbst, die Angelegenheit dauerte vielleicht drei Minuten. Ich wollte in dem Laden fast 50 Euro lassen und hatte dennoch das Gefühl, richtig lästig zu sein.

Ich hasse es, wenn Unternehmen ihre eigenen Unzulänglichkeiten – in diesem Fall kein Fahrstuhl und zu wenigen Personal – die Kunden ausbügeln lassen. Abgesehen davon, dass meine Begleitung keine bezahlte Assistenz ist, sondern mein Lebensgefährte, sind auch (bezahlte) Assistenten behinderter Menschen nicht dafür da, der deutschen Wirtschaft zu assistieren, sondern den behinderten Menschen. Es passiert mir andauernd, dass die Leute meiner Begleitung oder sogar wildfremden anderen Kunden Anweisungen geben, was sie zu tun haben: „Gehen Sie doch bitte in den Saal und machen den Rollstuhleingang auf“, „Laufen Sie doch bitte zu meiner Kollegin und holen Sie den Schlüssel“, „Geben Sie der Dame das mal, sonst muss ich mich so über den Tresen beugen.“ etc.

Wenn jemand in der Umkleidekabine steht und von dem Verkäufer eine andere Größe verlangt, sagt der ja auch nicht zur Begleitung, die davor wartet: „Suchen Sie ihrer Frau mal die Jeans eine Nummer kleiner.“ Wer würde in so einem Laden wieder eine Jeans kaufen? Deshalb sieht mich der Buchladen jetzt auch erstmal nicht wieder.

Ab nach Köln

Flughafen Hamburg

Ende der Jahrestagung

Die Jahrestagung des Netzwerk Recherche (nr) ist zu Ende. Ich konnte nicht mehr mitbloggen, denn es gab weder Steckdosen noch WLAN und nach 2 1/2 Stunden war der Akku meines Notebooks leer. Ich habe noch eine Diskussion über die Rolle der Nachrichtenagenturen gehört. Weitere Diskussionsrunden drehten sich um Kartellrecht und Medienjournalismus. Ein großes Thema war der aktuelle BND-Skandal. Ein Teil der Protagonisten war anwesend. Leider wiederholte sich vieles, was schon am Vorabend gesagt wurde. Trotzdem war das mit die interessanteste Runde.

Was habe ich auf der Jahrestagung gelernt? Quellenschutz ist wichtig, Quellenschutz ist wichtig, das Mediengewerbe treibt manchmal komische Blüten und Quellenschutz ist wichtig. Also nichts, was ich nicht auch schon vorher gewusst hätte. Bedauerlich finde ich, dass das nr die Blogs entweder ignoriert oder verteufelt statt sich mal damit auseinander zu setzen, was Blogs für die Recherche bedeuten. Außer Bildblog gilt keines als hoffähig und dennoch hatte ich den Eindruck, dass viele das Projekt und die Macher ein wenig belächelten. Schade.

Diskussion um Lobbyismus

Viel interessanter als die Diskussion um den Medienkodex verläuft die Diskussion um Lobbyismus. Es moderiert Leo Busch von n-tv. Auf dem Podium sitzen Jürgen Hogrefe von EnBW, Ulrich Müller von Lobbycontrol, Thomas Leif vom Netzwerk Recherche und Hermann Hofmann von Pro Generika e.V.

Hogrefe spricht davon, dass Lobbyisten die Arbeit von Beamten in den Experten in den Ministerien unterstützen – dem Gemeinwohl zu liebe. Ja, das Wort Gemeinwohl fiel wirklich. Der Fall Röttgen ist Thema und natürlich die Gesundheitspolitik. Leif fürchtet eine Gefahr für die Demokratie. Dies sei auch nicht im Interesse der Industrie. Sorry, war so spannend, da habe ich lieber zugehört als gebloggt.

Was mir auffällt ist, dass Themen wie Blogs, Wikis, etc. mit Ausnahme der lobenden Erwähnungen des Bildblogs wenig erwähnt werden. Manchmal fällt im Halbsatz ein Spitze dagegen, ständig mit dem klassischen Vorwurf Blogger recherchierten nicht. Ich muss sagen, manche Journalisten offensichtlich auch nicht, wenn sie solche Pauschalurteile fällen.

Diskussion um Medienkodex

Das Netzwerk Recherche (nr) hat vor einigen Monaten einen Medienkodex veröffentlicht. Insbesondere das „Gebot“ „Journalisten machen keine PR“ hat zu umfangreichen und zum Teil scharfen Diskussionen geführt. Bei der Jahrestagung des Netzwerks Recherche sitzen jetzt einige der Diskutanden zusammen: Lutz Tillmanns von Deutschen Presserat, Eva Kohlrusch von Journalistinnenbund, Sebastian Esser von der Zeitschrift V.i.S.d.P. und Professor Rainer Burchardt vom Netzwerk Recherche. Es moderiert Peter Grabowski, ebenfalls Netzwerk Recherche. Ich werde diesen Beitrag im Laufe der Diskussion aktualisieren.

Rainer Burchardt hat zu Beginn erläutert, die Formulierung „Journalisten machen keine PR“ sollte unmissverständlich sein.
„Es sind nicht nur jüngere Kollegen, die uns nach Leitlinien fragen, es sind auch ältere.“ Burchardt kündigt an, er werde diesen Kodex verteidigen. „Der Kodex war überfällig“. Er meint, das Berufsbild der Journalisten sei ziemlich verhunzt. Der Kodex des nr sei nicht auf dem „Olymp irgendwelcher Hohenpriester unseres Gewerbes“ entstanden. Er findet die Sanktionsmöglichkeiten des Deutschen Presserats zu schwach.

Sebastian Esser sagt, natürlich müsse es eine journalistische Ethik geben. Natürlich sei es zu begrüßen, dass es eine ethische Diskussion gibt. „Du sollst nicht Töten“ sei viel einfacher zu befolgen als „Journalisten machen keine PR“.

Stellungnahme Eva Kohlrusch habe ich verpasst, weil ich gerade mit der Technik kämpfte.

Lutz Tillmanns meint, der Kodex des nr sei therorielastig. Der Pressekodex des Presserats sei praxisorientiert, habe sich aus der Beschwerdearbeit herausgebildet. Er verstehe sich als Regeln für guten Journalismus.

Sebastian Esser meint, obwohl in seinem Verlag Zeitungen für PR-Leute und Lobbyisten erscheint, arbeite er unabhängig. Grabowski wird sarkastisch und verlässt ein bisschen die Moderatorenfunktion, finde ich. Vielleicht wäre es besser gewesen, einen neutraleren Moderator auf dieses Podium zu setzen.

Eva Kohlrusch kritisiert die Aussage von einer anderen Diskussion „Ein Journalist, der PR macht, ist anschließend nicht mehr brauchbar“. Sie kritisiert das Vokabular. Sie verstehe den Satz „Journalisten machen keine PR“ nicht.

Rainer Burchardt meint: „Zugeben, der Begriff PR ist unscharf. Ich mache keinen großen Unterschied zwischen Werbung und PR.“ Er zitiert Friedrichs, dass Journalisten sich nicht einer Sache gemein machen sollte. Er spricht vom Einspannen als „PR-Vehikel“. Man sei sich darüber im klaren, dass gegen sämtliche Artikel des nr-Kodex ständig verstoßen wird.

Eva Kohlrusch erzählt, dass sie früher PR gemacht hat und fragt ob sie jetzt „verbraucht“ sei. Burchardt spricht von Grauzonen. Esser spricht von jungen Journalisten, die auch für das ADAC-Magazin schreiben oder andere Kundenzeitschriften. Er sehe nicht, wieso jemand nicht auch mal im Bahn-Magazin schreiben darf, wenn die anderen Einnahmen sonst nicht reichen.

Burchardt meint, er könne das nachvollziehen. Kernproblem sei, das Berufsbild werde verwischt. Dem müsse man entgegen halten, man müsse das Berufsbild wahren. Die Verleger müssten ihren Teil dazu beitragen, dass Journalisten nicht auch noch als „PR-Lümmel“ arbeiten müssten. Esser meint, der Kodex richte sich nicht an die Verleger, sondern an die Schwächsten der Kette. „Warum richtet sich der Medienkodex an das Schwächste Glied der Kette?“

Lutz Tillmanns meint auch, der Kodex greife zu kurz, wenn er sich nur an Journalisten richtet. Man habe mehr davon, wenn Verleger wie beim Presserat Verpflichtungen abgeben. Er hätte auch etwas dagegen, dass jetzt ständig neue Kodexe (was ist die Mehrzahl von Kodex?) entwickelt würden.

Burchardt meint, das sei nicht verboten, einen Kodex zu entwickeln. Man könne sich mit den verschiedenen Organisationen an einen Tisch setzen. Tillmanns erklärt, er sei das erste Mal nach drei Jahren zur Diskussion zum nr-Kodex eingeladen worden.

Jemand aus dem Publikum fragt, warum die neue Techniken eine Gefahr darfstellen.
Rainer Burchardt kritisiert Blogs. Was da an Schrott verbreitet werde, einschließlich Wikipedia, sei unglaublich. Man habe es mit knallharter Ökonomisierung der Ware Information zu tun. (Was das mit Blogs und Wikipedia zu tun hat, verstehe ich gerade nicht.) Die Diskussion dreht sich ein bißchen im Kreis.

Esser wirft dem nr PR vor. Der Medienkodex sei reine PR für das Netzwerk. Burchardt stimmt dem zu. Natürlich sei der Kodex eine Sache, die das nr stärker in die Diskussion gebracht hat.

Kohlrusch fragt, wo fängt PR wirklich an. Sie verstehe den Satz „Journalisten machen keine PR“ nicht. (Es wiederholt sich vieles gerade).

Grabowski bricht die Diskussion aus Zeitgründen ab und fordert dazu auf, sich weiter an der Diskussion um den nr-Kodex zu beteiligen.

Jahrestagung Netzwerk Recheche

Saal mit Publikum

Mathias Döpfner redet über Persönlichkeitsrechte.

Die nächsten 10 Jahre

Nachdem ich das Wochenende bis jetzt dazu genutzt habe, mein in erster Linie durch SinnerSchrader entstandenes Schlafdefizit auszugleichen (diese Agenturen arbeiten mit allen Tricks), komme ich jetzt endlich dazu mal einen kleinen Rückblick auf den Kongress mit anschließender Party zu werfen:

  • Klein-Bloggersdorf war gut vertreten – ich kannte auf dem Kongress mehr Blogger als Journalisten
  • Blogger waren es auch, die die Abschlußrunde mit Yahoo nicht ohne das Wort „China“ zu Ende gingen ließen (Danke Johnny!).
  • Die New Economy trägt jetzt Anzug und Krawatte und sieht darin nicht schlecht aus. Die wirklich Erfolgreichen tragen weiße Anzüge.
  • Die Frage „Und was ist das Geschäftsmodell? Wie wollen Sie Geld machen?“ nervt genauso wie vor 8 Jahren.
  • SinnerSchrader hat sich von jetzt auf gleich mit dem Kongress das Tag „Web2.0“ angeheftet und fühlt sich ganz wohl dabei. Ich finde, es steht ihnen auch.
  • Den „Tschakka-Tschakka-Wäbbtuuuouuu“-Vortrag von Andreas Weigend fand ich eher anstrengend. Ich bin dafür zu bodenständig, glaube ich und ich wusste auch schon was Täääääcks und del.icio.us sind.
  • Sehr erfrischend fand ich Johnnys Musikeinlage. Johnny war es auch mit dem ich für Henning zu Mitternacht gemeinsam mit Werner ein Geburtstagsständchen sang.
  • SinnerSchrader ist bereits die zweite Agentur, die ich in Hamburg kenne, die über eine Rollstuhltoilette verfügt. Das ist mal gelebte Barrierefreiheit2.0.
  • Achja, Essen und Getränke waren auch reichlich vorhanden. Man musste auch nicht, wie beim DLD, die Kellner bereits an der Küchentür abfangen (ja, wir waren das), um nicht den Kongress mit leerem Magen zu erleben.
  • Radio Hamburg konnte auf der Heimfahrt kein besseres Lied spielen als „Die perfekte Welle“.
  • Kurzum: Es war richtig nett! Wer wird nächstes Jahr 10?