Share on FacebookShare on Google+Flattr the authorTweet about this on Twitter

Tag Archiv für Taxi

Mit dem Taxi auf Kosten der Bahn

Gestern war ich zum einem Abschiedsumtrunk in der Nähe von Kings Cross eingeladen. Hin fuhren wir bis Waterloo und dann mit dem Bus bis Russell Square. Es war relativ weit zu laufen und es regnete irgendwann auch, so dass wir beschlossen auf dem Rückweg mit dem Zug von Kings Cross St. Pancras nach London Bridge zu fahren. Kings Cross lag um die Ecke.

Als wir in St. Pancras ankamen, empfangen uns schon Schilder, dass der Zug am Wochenende wegen Bauarbeiten nicht fahre. Ich ging zu den zahlreich versammelten Mitarbeitern, die alle Leute auf die U-Bahn verwiesen. In die U-Bahn komme ich aber nicht rein, jedenfalls nicht um nach Hause zu fahren. Aber der Mitarbeiter sagte sofort, er werde mir ein Taxi rufen. Das werde First Capital Connect, die Zuggesellschaft, bezahlen. Ich hatte schon öfter in den „Disability Policies“ der Verkehrsgesellschaften gelesen, dass sie bei Bauarbeiten oder nicht barrierefreien Stationen das Taxi bis zum nächsten zugänglichen Haltepunkt zahlen müssen. Ich war relativ skeptisch, wie das in der Praxis funktionieren soll, aber gestern war es dann soweit: Ich fuhr tatsächlich mit dem Taxi nach London Bridge. Wir mussten auch nur 10 Minuten auf das Taxi warten, was für Londoner Verhältnisse sehr wenig ist. Ich konnte später auf dem Display des Fahrers lesen, dass das Taxiunternehmen einen „Urgent, Urgent“-Aufruf an alle Fahrer geschickt hatte. Ein Großkunde benötige dringend einen Wagen.

Super Service, finde ich, und es motiviert die Unternehmen, auf Barrierefreiheit zu achten. Ansonsten muss das Taxi bezahlt werden.

Mitdenkende Mitmenschen

Ich nehme morgen früh an einer Veranstaltung der Londoner Entwicklungsbehörde teil. Man musste sich um die Teilnahme bewerben und bei den Bewerbungsunterlagen wurde – wie überall hier – gefragt, ob man besondere Bedürfnisse hat (Essen, Barrierefreiheit etc.). Ich habe also angegeben, dass ich Rollstuhlfahrerin bin, auch wenn ich mit Sicherheit davon ausgehen konnte, dass der Veranstaltungsort barrierefrei ist. Ich habe noch keine einzige Veranstaltung hier erlebt, die mit Steuergeldern finanziert ist, die nicht barrierefrei war. Keine einzige und ich turne hier ständig auf solchen Events rum.

Nun bekomme ich heute eine E-Mail (es ist Sonntag wohlgemerkt!) von der Behörde. Sie gingen davon aus, dass ich sicherlich alles gut organisiert hätte, um zu dem Termin zu kommen. Sie möchten mir aber dennoch anbieten, wenn es für mich einfacher sei, morgen ein Taxi zu nehmen, solle ich das gerne tun. Sie würden selbstverständlich die Kosten tragen.

Nun ist die Veranstaltung an einer barrierefreien U-Bahnstation und ich wohne ja auch an einer und komme da also problemlos hin, aber alleine dass sich am Sonntag jemand Gedanken darüber macht, wie ich am Montag zu dem Termin komme, finde ich mehr als eine nette Geste. Und dann bieten sie mir auch noch ganz unbürokratisch an, meine Kosten zu übernehmen. Was es für mitdenkende und nette Menschen gibt!

Londoner Taxifahrer

Fahrer: „Sind Sie Frau (Namen, der nicht meiner ist)?
Ich: „Nein. Mein Name ist Link.“
Er: „Ich weiß. Ich mach nur Spaß.“
Später.
Er: „Woher ist Ihr Akzent? Ich würde tippen Norwegen.“
Ich: „Nein, Deutschland.“
Er: „Oh, eine Deutsche mit Humor.“
Ich: „Ja, ich kenne sogar noch ein zwei andere Deutsche, die Humor haben.“
Er: „Ah. Das ist interessant. Wie kam es, dass sie zu den wenigen Deutschen gehören, die Humor haben?“
Ich: „Kann ich mir auch nicht erklären. Ist aber schon immer so. Sind Sie ursprünglich aus London?“
Er: „Meine Mutter ist aus Jamaika und mein Vater von der Insel Barbados. Aber ich wurde im sonnigen Hammersmith geboren.“

„Access to work“-Erfahrungen

Also, am Freitag bekam ich endlich den Bescheid, dass ich mit dem Taxi zur Arbeit fahren kann. Wie ich die Abrechnung funktioniert, war dem Brief nicht zu entnehmen. Jedenfalls habe ich es nicht kapiert. Nach x Telefonaten war ich dann schlauer. Ich muss bei einem Taxiunternehmen meiner Wahl einen Account eröffnen. Leichter gesagt als getan. Dafür brauchen die Unternehmen abermals ein paar Wochen. Also habe ich wieder die Behörde angerufen und ihnen mein Leid geklagt. Ich trete jetzt in Vorleistung und sie zahlen mir das Geld zurück bis mein Taxiaccount eröffnet ist. Danach bekomme ich die Rechnungen, ich reiche die an „Access to work“ durch und die bezahlen. So weit die Theorie.

Heute morgen scheiterte ich prompt bei meiner ersten Taxibuchung. Das erste Taxiunternehmen, ComputerCab, wollte die Buchung nicht annehmen. Das heißt der Computer, mit dem ich mich so nett unterhalten habe, meinte, er habe kein Taxi. Es war leider nicht möglich, ihn dazu zu bewegen, es weiter zu versuchen. Also habe ich die Konkurrenz angerufen. Radiotaxi heißen die und die waren umgehend da, der Fahrer war nett und auf dem Rückweg hat es genauso gut geklappt. Damit ist meine Wahl jetzt auf Radiotaxi gefallen. Da eröffne ich meinen Account und die werden gut an mir verdienen. ComputerCab sind übrigens die, die auch die Taxicard abrechnen können. Mit denen quäle ich mich schon anderweitig rum.

Verschlafen

Am Freitag habe ich richtig schön verschlafen. Mir blieb nur noch, mir ein Taxi zu nehmen, um noch pünktlich zur Arbeit zu kommen. Das habe ich dann auch gemacht, aber irgendwann staute es auf der Stadtautobahn und der Fahrer fuhr von der Autobahn runter. Er meinte aber, er kenne eine super Route. Und tatsächlich, er fuhr mit mir durch den Hydepark, vorbei am Buckingham Palace, den Big Ben in Sichtweite.

Park mit Big Ben

Wir überholten die Reitgarde der Queen in Richtung Trafalgar Square.

Prachtstrasse

Und das alles bei herrlichem Wetter. Da macht dann sogar die Fahrt zur Arbeit Spaß. London ist wirklich eine wunderschöne Stadt.

Taxicard

So, meine Taxicard ist da und ich habe sie heute mal genutzt. Ich kann damit 144 Fahrten im Jahr machen, bis Ende März noch 36. Wieviele Fahrten man machen darf, hängt von der Gemeinde ab, in der man wohnt und wie spendabel diese ist. Meine Gemeinde heißt Ealing und gehört zu den Spendableren in London. Überhaupt habe ich mit Ealing bislang sehr gute Erfahrungen gemacht.

Pro Fahrt muss ich 1,50 Pfund zahlen. Je nach Tageszeit darf eine Fahrt maximal zwischen 11,80 Pfund und 14,30 Pfund kosten. Das entspricht einer Reichweite von ungefähr 5 Meilen (8 Kilometern). Wenn man längere Fahrten unternehmen will, erlaubt meine Gemeinde die Karte zweimal hintereinander zu nutzen. Ich habe das heute ausprobiert und finde das System klasse. Es gibt eine spezielle Nummer für Taxicardbesitzer. 77 000 gibt es davon in London. 1,25 Millionen Fahrten pro Jahr werden mit der Taxicard gemacht. Finanziert wird das ganze von den Londoner Gemeinden und Londons Bürgermeister. Auf der Hinfahrt habe ich das Taxi einige Stunden vorher bestellt. Der Fahrer ist eine ungünstige Strecke gefahren und so musste ich die Karte zwei Mal durchziehen. Auf der Rückfahrt habe ich spontan angerufen und musste auch nur 15 Minuten auf das Taxi warten. Die Rückfahrt hat nur eine Fahrt gekostet.

Das Praktische ist, dass man in den Londoner Taxen im Rollstuhl sitzen bleiben kann. Die Türen sind so breit, dass man eine Rampe anlegen kann, reinrollt und das wars. Trotzdem haben noch Mitreisende Platz. Das mühselige Umsteigen und Rolli verladen entfällt also. Allerdings habe ich heute nicht schlecht gestaunt, was hier eine normale Taxifahrt kostet, wenn man sie selber zahlen müsste. Wahnsinn!

Antrag bewilligt – nach drei Tagen

Ich habe meinen ersten Antrag gestellt und was soll ich sagen, er wurde bewilligt. Nach nur drei Tagen! Ich hatte einen Antrag auf eine Taxicard gestellt, mit der ich für den Preis einer U-Bahnfahrkarte Taxi fahren kann. Die Taxicard bekommen nur behinderte Menschen, die blind sind oder gar nicht gehen können. Je nach Gemeinde gibt es dann eine bestimmte Anzahl von Fahrten im Jahr – ein guter Nachteilsausgleich, wenn man bedenkt, dass man die U-Bahn als Rollstuhlfahrer so gut wie nicht nutzen kann. Die Taxicard gibts einkommensunabhängig (es geht ja nicht um Almosen!) und jeder zahlt den gleichen Preis, den er auch für eine U-Bahnfahrt hätte berappen müssen.

Ich habe also das Formular nach bestem Wissen ausgefüllt und habe meinen Hausarzt abstempeln lassen. Fragen zur Behinderung werden hier übrigens auf Formularen viel konkreter gestellt als bei uns. „Können Sie gehen?“ „Wenn ja, wie lange brauchen sie für 100 Meter…“ etc. Bei uns wird häufig nach der Behinderung gefragt, selten wie sich diese konkret auswirkt. Nach nur drei Tagen war der Antrag bewilligt und nach vier Tagen hatte ich den Bescheid in meinem Briefkasten. Das nenne ich mal schnell!

Religion versus Behinderung

In London, Australien und Norwegen sind Fälle bekannt geworden, in denen sich muslimische Taxifahrer geweigert haben, blinde Kunden mit Führhund zu transportieren. Die Hunde seien in ihren Augen „unrein“ verteidigen sich die Fahrer.

Ich habe dazu eine ziemlich klare Meinung (und die mit einigen Fällen befassten Gerichte offensichtlich auch): Wer als Taxifahrer keine Blindenhunde transportieren will, sollte sich einen anderen Job suchen.

Via Deafbiz.com