Tag Archiv für Diskriminierung

Heise hat nichts gegen Behinderte – jedenfalls nichts wirksames

In den Kommentaren hat mich jemand darauf aufmerksam gemacht, dass sich der Heiseverlag in der Telepolis zum psychischen Zustand und der Behinderung von Herrn Schäuble äußert. Ich finde den Artikel in höchstem Maße bedenklich. Das habe ich Florian Rötzer, Verantwortlicher Redakteur für die Telepolis, in einer Mail mitgeteilt.

Lieber Florian Rötzer,

als ich den Artikel „Schäubles Symptome“ las, fühlte ich mich an meine Schulzeit erinnert. Ich kandidierte gerade als Mittelstufensprecherin. In einer Sendung sagte Rudolph Scharping zur Primetime, es sei
schwierig, mit jemandem zu diskutieren, wenn er im Rollstuhl sitze. Er meinte damit Wolfgang Schäuble und seine Rückkehr in die Politik nach dem Attentat. Ich fand die Äußerungen damals so empörend, dass ich ihm als 15 Jahre alte Rollstuhlfahrerin einen Brief schrieb. Ich fand nicht fair, dass jemand auf seine Behinderung reduziert wird. Schließlich wollte ich ja selber ein wenig Politik in meiner Schule machen und wollte durchaus, dass die Leute mit mir diskutieren. Ich dachte damals aber auch, dass Scharping zu einer Minderheit gehört und die meisten Leute durchaus damit klar käme, wenn ein Politiker im Rollstuhl sitzt. Wir waren ja bereits in den 90er Jahren!

Über 15 Jahre ist das jetzt her und ich kann nicht glauben, was ich bei Telepolis im Jahr 2007 lese. Da schafft es Ihr Redakteur nicht, die Politik Schäubles zu kritisieren ohne auf seine Behinderung abzuheben. Er konstruiert 17 Jahre nach dem Attentat eine psychische Erkrankung, für die er keine Belege hat. Er schließt sogar von einem der dümmsten Vorurteile über Querschnittgelähmte (hat keine Sexualität) auf Schäubles Geisteszustand. Er schreibt über die Lebensqualität Schäubles, wie einschneidend die Veränderung von einem Leben ohne und mit Behinderung ist etc. ohne wirkliche Kompetenz. Und der ganze Artikel wird noch getoppt mit einem Bild von einem Rollstuhl, wie ihn sich nicht behinderte Menschen vorstellen, der aber nichts mit den Rollstühlen zu tun hat, die in zivilisierten Ländern von aktiven behinderten Menschen wie Wolfgang Schäuble genutzt werden.

Ich möchte von Ihnen, lieber Florian Rötzer, eigentlich nur eines wissen: Warum publizieren Sie so etwas? Warum lassen Sie als
Verantwortlicher im Jahr 2007 so einen behindertenfeindlichen Artikel schreiben? Es gebe so viele bessere Argumente gegen die Politik Schäubles als seine Behinderung und der angeblich daraus resultierende psychische Zustand. Sie bestätigen mit dem Artikel die schlimmsten Vorurteile, die es in der deutschen Gesellschaft über behinderte Menschen gibt.

Ich habe einer Kollegin aus Südafrika den Artikel ins Englische übersetzt. Sie hat mich gefragt, wieso so etwas in Deutschland, einem aufgeklärten Land, geschrieben wird. Ich konnte Ihr keine Antwort darauf geben.

Egal was ein Mensch mit Behinderung macht, es wird immer auf seine Behinderung zurück geführt. Warum machen Sie da mit? Finden Sie das eine faire Art und Weise der politischen Auseinandersetzung? Sollen also alle Politiker, wenn sie eine Behinderung bekommen, sofort zurücktreten? Meinen Sie, Sie machen mit dem Artikel anderen behinderten Menschen Mut, sich politisch zu engagieren? Die Verurteilung und Herabsetzung von jemanden aufgrund seiner Behinderung, wie es in dem Artikel praktiziert wird, ist viel schlimmer als fehlende Rampen und Fahrstühle. Die Barrieren in den Köpfen der Menschen sind noch viel hinderlicher für das alltägliche Leben. Warum, um alles in der Welt, bauen Sie also noch mehr Barrieren auf? Fühlen Sie sich eigentlich gar nicht den Grundsätzen des deutschen Presserates verpflichtet?

Mit freundlichen Grüßen

Florian Rötzer hat mir daraufhin eine kurze Mail geschrieben. Ich hätte den Artikel missverstanden. Der Autor habe „nichts gegen Behinderte“. Eine dümmere Floskel kann man kaum finden, um auf eine derartige Kritik zu antworten.

Es gibt aber auch einen positiven Aspekt bei der Sache: Wenn man sich die Kommentare unter dem Artikel ansieht, entdeckt man, dass ich mit meiner Meinung keinesfalls alleine da stehe. Es gibt etliche Kommentare, die meine Kritik teilen. Die Telepolisleser sind wohl aufgeklärter als die Telepolisredaktion. Und das lässt mich dann doch ein wenig hoffen!

Kleingeist in Basingstoke

Ich muss gestehen, ich kenne das Land nicht wirklich, in dem ich lebe. Ich kenne London, ich war als Schülerin zwei Mal zu einem Sprachkurs in Oxford und ich kenne Basingstoke. Dort war ich vorletztes Jahr mal auf Dienstreise, weil dort Motorola UK sitzt. Jetzt gibt es eine schöne Geschichte aus Basingstoke: Ein Pubbesitzer will keine behinderten Gäste mehr haben – keine Rollstuhlfahrer und keine Gäste mit Krücken. Das hat er jetzt auch genauso der örtlichen Zeitung gesagt.

Titel des Basingstoke Observer

Der Aufschrei ist groß. Unter anderem meinte er, behinderte Gäste würden eh nur Orangensaft trinken. Ihm würden Einnahmen entgehen, wenn er behinderte Menschen hineinlasse. Nun gibt es in England ein Antidiskriminierungsgesetz für behinderte Menschen. Die Disability Rights Commission ist schon alarmiert und ich bin gespannt, wie das weitergeht. Ich tippe mal auf Geldbusse und Auflagen. Nicht, dass ich glaube, dass der Typ hinterher weniger behindertenfeindlich ist. Aber für mein Gerechtigkeitsgefühl wäre das schon gut. Und ich hoffe, dass die Menschen in Basingstoke da einfach nicht mehr hingehen. So viel gesellschaftliches Engagement müsste doch machbar sein…

Deutsches Schulsystem ist diskriminierend

Mit Freunde habe ich die Berichterstattung zum Munoz-Bericht verfolgt. Da sagt doch der UN-Sonderberichterstatter, das deutsche Schulsystem schließe Migrantenkinder und Kinder mit Behinderungen aus. Kurzum, ich finde der Mann hat recht: Nur 12 Prozent aller behinderten Kinder in Deutschland besuchen eine Regelschule. Der Rest geht in Sonderschulen. In „Blindenschulen“, „Körperbehindertenschulen“, „Gehörlosenschulen“, „Geistigbehindertenschulen“ und was es sonst noch so gibt. Und wer als Eltern eines behinderten Kindes möchte, dass das Kind in eine Regelschule geht, hat einen langen Kampf vor sich. Und dann hört es ja nicht auf: Als ich in der Orientierungsstufe war (so hieß die 5. und 6. Klasse in meiner Gesamtschule) sollte ich keine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen, obwohl ich ein gute Schülerin war. Der Grund: Der Realschulzweig war nicht ausgelastet und der Leiter dieses Zweiges war der Auffassung, dass ich ja eh kein Abitur brauche. Eine couragierte Lehrerin erzählte das meinen Eltern. Der Lehrer hatte das in einer Lehrerkonferenz gesagt. Und ich kenne viele „Kinder“ von Ausländerfamilien, die eine ähnliche Geschichte zu erzählen haben.

So lange wir es nicht schaffen, behinderte Kinder in die Gesellschaft zu integrieren, das heißt mit allen anderen Kindern in die Schule zu schicken und ihnen eine optimale Förderung zu geben, werden wir es auch nie schaffen, Erwachsene mit einer Behinderung wirklich teilhaben zu lassen. Was Hänschen nicht lernt… Und wer wissen will, wer an der Misere schuld ist, muss sich nur mal die Reaktionen durchlesen. Getretene Hunde jaulen, habe ich beim Lesen der Artikel oft gedacht. Es gibt kaum eine Berufsgruppe in Deutschland, die in den vergangenen Jahrzehnten mehr zur Aussonderung behinderter Menschen beigetragen hat als die der Lehrer (ich weiß natürlich, dass es auch sehr engagierte Lehrer gibt).

Ich erwarte von den Lehrergewerkschaften mal ein vernünftiges Papier zur Integration behinderter Schüler. Und zwar in dem nicht nur darüber gejammert wird, welch Belastung behinderte Schüler in einer Klasse für den Lehrer doch sind und wie viel Zusatzarbeit das erfordert. Sondern in dem vielleicht mal was von „Bereicherung“ steht. Es ist nie zu spät, vergangene Fehler zu reflektieren und umzusteuern. Dazu gehört dann auch, dass Sonderpädagogen ihren Fuß über die Schwelle einer Regelschule heben müssen und es wirklich um individuellen Förderbedarf geht und nicht um das „Was für A gut ist, muss auch für B richtig sein“-Prinzip.

Eine Million Unterschriften

Das Europäische Behindertenforum möchte mit einer Million Unterschriften eine umfassende Antidiskriminierungsgesetzgebung in der EU für behinderte Menschen durchzusetzen. Es geht unter anderem um das Recht auf gleichen Zugang zur Bildung, das Recht auf Gleichbehandlung in Beruf und Beschäftigung und das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft. Zum Unterschreiben gehts hier lang.

Ziviler Ungehorsam

Nach einem netten Abend in einem italienischen Lokal wollte ich mit dem Bus nach Hause fahren. Aber beim ersten Bus, der kam, war die Rampe defekt. Da die Bushaltestelle, an der ich wartete, kaum einen Bürgersteig hatte, musste ich auf den nächsten Bus warten. Der Einstieg war viel zu hoch und es war zudem niemand in der Nähe, der mir reinhelfen konnte. Ich war aber noch guten Mutes, denn es war heute in London frühlingshaft mild. Der nächste Bus kam ewig nicht. Irgendwann kam dann doch einer. Ich wollte an der Busstation Hammersmith umsteigen und den Bus nach Hause nehmen. Da die Fahrt unterdessen doch schon etwas länger dauerte, wollte ich möglichst schnell nach Hause. Es war bereits fast Mitternacht. Ich hatte das Lokal gegen 22.30 Uhr verlassen.

In Hammersmith kam der Bus relativ zügig, aber wieder war die Rampe defekt. Jedenfalls behauptete das der Busfahrer. Ich war mir nicht sicher, ob es überhaupt probiert hatte, denn den Warnton, dass die Rampe ausfährt, hatte ich nicht gehört. Es war aber nicht so tragisch, denn in Hammersmith sind die Bürgersteige so hoch, dass ich fast ebenerdig einsteigen kann. Der Fahrer muss nur nah genug an die Haltestelle fahren. Ich bat ihn also genau das zu tun, aber es sagte, er würde mich nicht mitnehmen. „Wie bitte?“, sagte ich in der Hoffnung, mich verhört zu haben. Ich sagte ihm, es sei sehr spät und er wisse doch, dass die Busse nur noch zwei Mal in der Stunde fahren. Er sagte wieder, er würde mich nicht mitnehmen. Ich erklärte ihm, dass er nur nah genug an die Haltestelle ranfahren solle. Auch die Station vor meiner Haustür sei hochgepflastert. Er meinte, ich habe kein Recht mit seinem Bus zu fahren. Oho, das war mal eine Ansage.

Ich hatte mich vor dem Feierabend noch mit meiner Kollegin aus Südafrika über Apartheid und Diskriminierung unterhalten und musste spontan daran denken. Wir waren uns beide einig, dass man Diskriminierung niemals als gegeben hinnehmen darf. Und wie auf Kommando standen plötzlich zwei Jugendliche neben mir, die perfekte Komparsen in einem Gangsterrappervideo abgegeben hätten. Sie empörten sich über den Busfahrer und halfen mir, die Lücke zwischen Bürgersteig und Bus zu überwinden. Wieder versuchte der Busfahrer, mir zu erklären, dass ich nicht mit seinem Bus fahren dürfe. Da stand ich bereits im Bus! Ich sagte ihm, wenn er das wirklich glaube, soll er doch die Polizei rufen und wir könnten das dann gerne gemeinsam mit der Polizei klären. Andernfalls solle er jetzt losfahren. In Hammersmith laufen ständig Polizisten Streife. Es wäre sehr einfach gewesen, sie herbeizurufen. Ich bin dann nach hinten und beendet war die Diskussion. Eine nette Frau sprach mich an und meinte, das sei unglaublich, wie der Fahrer mich behandelt hätte. Sie sei selber 10 Jahre Bus gefahren. Und auch die anderen Fahrgäste empörten sich. Danach hatte ich keine Angst mehr, zu Hause nicht aus dem Bus zu kommen. Die würden mich schon alle helfen, auch wenn der Fahrer wieder zu weit vom Bürgersteig halten würde.

Als wir bei mir vor dem Haus ankamen hielt der Bus und – siehe da, oh Wunder, oh Wunder – der Fahrer fuhr ohne Murren die Rampe aus. Auf wundersame Weise ging sie plötzlich ohne Probleme.

Ich habe unterdessen gemerkt, dass die Zahl der A…löcher hier wohl ähnlich hoch ist wie überall auf der Welt. Aber die Zahl derer, die sich einmischen, Hilfe anbieten und für einen aufstehen, ist bei weitem höher und das macht solchen Vögeln wie dem Fahrer das Leben gewaltig schwerer und beruhigt mich ungemein. Auch wenn man mal bedenkt, dass ich hier Ausländerin bin und man das auch bei Diskussionen wie diesen sofort an meinem Akzent merkt. Für die Menschen scheint das aber keinen Unterschied zu machen. Ich finde das wirklich bemerkenswert.

Tiger Airways mehr Bettvorleger als Tiger

Die Fluggesellschaft Tiger Airways hat einer Familie mit einem behinderten Kind den Urlaub vermasselt. Sie hätten sich geweigert, die Familie mitzunehmen, obwohl die Familie vorher mit der Fluggesellschaft gesprochen habe und diese bestätigte, dass sie die Tochter mitnehmen, berichten australische Medien.

Singapore Airlines hält übrigens laut Wikipedia 49 Prozent Anteile an Tiger Airways. Dort war ich mit dem Service mehr als zufrieden und das Personal ging auch sehr freundlich mit mir um und war gut geschult. Aber auch Ryanair hält Anteile. Vielleicht kommt der schlechte Einfluss daher.

Update: Unterdessen hat sich noch ein weiterer Passagier gemeldet, dessen behinderte Mutter der Mitflug mit Tiger Airways untersagt wurde. Nach dem Medienecho hat die Fluggesellschaft nun angekündigt, in Zukunft auch Passagiere zu transportieren, die Assistenz benötigen – für den Schnäppchenpreis von 350$ kann man einen Bordrollstuhl nutzen. Es gibt Unternehmen, denen wünscht man einen übel gelaunten Steuerprüfer an den Hals – und zwar wöchentlich. Via Get Around Guide

„Der Rollstuhl“ und „die Uniform“

Heute am Gate in Hamburg.
Angestellte hinter dem Tresen zu den Assistenzleuten: „Der Rollstuhl kann als erstes einsteigen.“
Gedacht habe ich: „Und die Uniform bleibt in Hamburg.“
Gesagt habe ich mit einem freundlichen Lächeln: „Mein Rollstuhl wird verladen. Aber ich steige gerne als Erste ein.“

Aber das toppt noch nicht den Mitarbeiter der Bahn, der mal zu seinem Kollegen mit Hinweis auf mich sagte: „Das hier muss auch noch mit.“ Vorher wurden die Pakete für den IC-Kurierdienst verladen…

Religion versus Behinderung

In London, Australien und Norwegen sind Fälle bekannt geworden, in denen sich muslimische Taxifahrer geweigert haben, blinde Kunden mit Führhund zu transportieren. Die Hunde seien in ihren Augen „unrein“ verteidigen sich die Fahrer.

Ich habe dazu eine ziemlich klare Meinung (und die mit einigen Fällen befassten Gerichte offensichtlich auch): Wer als Taxifahrer keine Blindenhunde transportieren will, sollte sich einen anderen Job suchen.

Via Deafbiz.com

Nicht barrierefreie Wahllokale

Im Hauptstadtblog werden nicht barrierefreie Wahllokale kritisiert. Schön, auch mal in anderen Blogs etwas zu Barrieren im Alltag zu lesen.

Weniger schön sind allerdings die Kommentare dazu. Von Luxusproblemen ist da die Rede und dass man nicht für jeden Rollstuhlfahrer ein barrierefreies Wahllokal gewährleisten könne. Warum eigentlich nicht? Wahlrecht ist schließlich eines der wichtigesten Bürgerrechte in einer Demokratie. Es fröstelt mich gerade sehr. Es weht teilweise ein ziemlich kalter Wind durch unser Land.

Körperliche Arbeitsanforderungen

Was man bei der Suche nach seinem Impfpass so alles in alten Ordnern findet… Ich hatte es schon längst vergessen. Unangenehme Dinge vergisst man ja gerne und damals kam ich mir ziemlich machtlos vor. Heute kann ich darüber lachen und darüber bloggen.

Beim Suchen fiel mir ein gelber Zettel ins Auge. „Studentische Hilfskraft gesucht“ steht darauf. Ich hatte ihn fein säuberlich abgeheftet. Die „Zeitschrift für Politikwissenschaft“ suchte 1997 eine studentische Hilfskraft. Zur Tätigkeit steht auf dem Zettel: „Mitarbeit bei verschiedenen redaktionellen Tätigkeiten, z.B. Korrekturlesen, formale Bearbeitung von Rezensionen, Arbeiten mit einer Bücherdatenbank, Erfassen und Bearbeitung von Büchern, allgemeine Bürotätigkeiten, sukzessive Einbindung in alle zur Herausgabe und Koordination der Bibliographie erforderlichen Arbeitsschritte.“

Ich war damals Studentin der Politikwissenschaft und bewarb mich um die Stelle. Hinter dem gelben Blatt mit der Stellenausschreibung entdeckte ich ein Schreiben, über das ich heute laut lachen kann. „Zeitschrift für Politikwissenschaft“ steht auf dem Briefkopf. „Herausgegeben von Klaus Dicke, Eberhard Schütt-Wetschky und Gesine Schwan.“ Gesine Schwan kannte ich damals noch nicht. Ich war selbst überrascht als ich den Namen dort heute entdeckte. Ich nehme aber zur Ehrenrettung der Herausgeber an, dass sie den Brief nicht kannten und nur das Briefpapier dafür herhalten musste.

Unterhalb des Briefkopfs schreibt mir eine promovierte Mitarbeiterin:

„Sehr geehrte Frau Link, wir danken Ihnen für Ihre Bewerbung. Es tut uns sehr leid, Ihnen mitteilen zu müssen, daß wir die ausgeschriebene Stelle aufgrund der körperlichen Arbeitsanforderungen nicht mit einer Rollstuhlfahrerin besetzen können. Wie telefonisch besprochen, senden wir Ihnen Ihre Bewerbungsunterlagen zu unserer Entlastung zurück. Wir wünschen Ihnen für ihre private und berufliche Zukunft alles Gute.“

Das Schreiben ist jetzt neun Jahre alt und wenn ich meinen Lebenslauf heute rückwirkend betrachte, muss ich einfach ganz unbescheiden lachen. Und noch etwas freut mich: So ein Schreiben schickt heute niemand mehr ungestraft raus. Seit 2001 ist das Ablehnen von behinderten Bewerbern wegen ihrer Behinderung schadensersatzpflichtig. Das (kommende) Gleichbehandlungsgesetz verbietet es ebenfalls. Es gibt natürlich Ausnahmen! Aber dieses Schreiben ist aus heutiger Sicht ein gefundenes Fressen für jeden Juristen und das freut mich sehr! Damals konnte ich juristisch nichts dagegen tun. Ich musste das einfach hinnehmen.

Ich wünsche der „Zeitschrift für Politikwissenschaft“, dass sie unterdessen wenigestens einen behinderten Mitarbeiter hat. Nicht als Wiedergutmachung, sondern aus Einsicht.