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Über den neuen Hauptbahnhof

„Statt eines neuen Wahrzeichens wird nun ein Contergan-Bau eröffnet, der jedem Gefühl für Proportion und Eleganz spottet.“ Der Leiter des ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“, Wolfgang Herles, in der Welt

„Falls das Unheil seinen Lauf nehmen und der Lehrter Bahnhof in seiner gegenwärtigen Form beendet werden sollte, wird er dennoch als ein architektonisches Meisterwerk gefeiert werden, und Fotografen werden geeignete Perspektiven finden, um die falschen Proportionen zu überspielen. Aber alle Lobredner und Bildbeschöniger werden nicht vergessen machen können, daß sie einen Krüppel gesundbeten.“ FAZ am 17.11.2005

„Menschen mit Contergan Schädigungen haben sich empört an mich gewandt und sich dagegen verwahrt, als Vergleichsobjekte herabgewürdigt zu werden, die – folgt man dem Bedeutungsgehalt Ihres Satzes – offenbar ebenfalls ‚jedem Gefühl für Proportion und Eleganz spotte(n)‘. Ich kann diese Empörung sehr gut nachvollziehen. Ihre Formulierung hat mich sehr bestürzt. Die Metapher vom Hauptbahnhof als ‚Contergan-Bau‘ empfinde ich als veritable Entgleisung.“ Der behindertenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Markus Kurth, in einem offenen Brief an Wolfgang Herles

2 Kommentare

  1. dreamhill sagt:

    Der nationalsozialistische Sprachgebrauch hat in diesem Land noch lange nicht ausgedient. Wenn wir nicht dagegen ankämpfen, wird das wieder salonfähig. Gewalt gegen Ausländer und Homosexuelle ist es fast schon wieder.

    Viele Grüße
    dreamhill

  2. Verena sagt:

    Es ist unglaublich, wie wenig Wahrnehmung es doch bei vielen oberflächlich gestrickten Journalisten gibt, die sich in irgendeiner Form in sog. kompetenten Redaktionen hochgedient haben. Nicht anders kann ich mir solche Entgleisungen erklären! Mit gutem und unabhängigem Journalismus hat das wenig zu tun. Die 68iger Sozialisation lässt grüßen, sie bedient sich skrupellos der Mechanismen nationalsozialistischer Politik und das meistens unkritisiert?

    Hoffen wir, daß es in dem neuen Bahnhof nicht so viele Entgleisungen gibt, wie sie in der Presse zum Ereignis stattgefunden hat. Dabei gilt auch noch zu bedenken, daß der Lehrter Bahnhof in seiner Frequenz überhaupt nicht so wichtig ist, wie er medial besprochen wird!