Share on FacebookShare on Google+Flattr the authorTweet about this on Twitter

Tag Archiv für Journalismus

Wieso Vielfalt im Journalismus auch Qualität bedeutet

Es war eine der ersten Redaktionssitzungen bei BBC, an der ich teilnahm. Jemand schlug vor, in unserer Sendung zu diskutieren, ob das Hakenkreuz in der EU verboten werden soll. Mein erster Gedanke war „Ist das nicht längst verboten?“. Mein zweiter Gedanke war „Und wenn nicht, was gibts da zu diskutieren? Da können doch nur ein paar rechte Spinner dagegen sein“.

Anlass war der Vorstoß der deutschen Bundesregierung während ihrer Ratspräsidentschaft bei der EU, das Hakenkreuz europaweit verbieten zu lassen.

An dieser Redaktionskonferenz nahmen etwa 10 oder 15 Leute teil. Fast jeder hatte eine andere Staatsangehörigkeit, einen anderen kulturellen Hintergrund als der Redakteur oder die Redakteurin neben sich. Dort saßen britische, indischstämmige, südafrikanische, arabische, schwarze, weiße, männliche, weibliche Kollegen. Und eben ich: Deutsch, weiß, Frau.

Ein indischer Kollege merkte an, dass die indische Gemeinde, vor allem Hindus, in Großbritannien stinksauer über die Initiative seien. Das sei ihr Symbol, das die Nazis missbraucht hätten. Es könne nicht sein, dass Deutschland wegen seiner Geschichte ihnen einen Teil ihrer Kultur wegnehme.

Langsam dämmerte es mir. Natürlich hatte ich ich irgendwann davon gehört, dass das Swastika in anderen Kulturen eine ganz andere Bedeutung hat, die Nazis dieses Symbol gar nicht erfunden hatten. Ich war sogar zuvor in Indien, wo ich Hakenkreuze gesehen hatte. War mir das in dem Moment präsent? Nein. Meine deutsche Sozialisierung überlagerte alles. Es war mir nicht präsent, weil in meiner deutschen Bubble bislang Inder und Hindus so gut wie keine Rolle spielten und ich im deutschen Schulunterricht zwar das Dritte Reich sieben Mal in 13 Jahren Schulzeit behandelt hatte. Indien allerdings kein einziges Mal.

Und ich ahnte, dass das bei den Abgeordneten, die diesen Vorstoß nach Brüssel getragen hatten, wohl kaum anders war. Ich hatte recht. Genau so war es. Als ich den ersten deutschen Abgeordneten anrief und fragte, ob er denn überhaupt bedacht habe, dass jetzt Hindu-Familien in Großbritannien ihre Dekoration ändern müssen, die indische Botschaft in London sogar ihr Mosaik vor der Tür, vernahm ich ein langes Schweigen am anderen Ende der Leitung.

Die Krautreporter-Debatte

Warum erzähle ich das? Gestern startete das Projekt Krautreporter mit dem Ziel, einen anderen Online-Journalismus zu machen. Und seitdem müssen sich die Macher fragen lassen, warum von 28 Autoren nur 6 Frauen sind. Einige an der Diskussion Beteiligten finden, das Thema sei lächerlich und habe nichts mit der Qualität des Angebots zu tun. Ich sehe das etwas anders. Ich glaube, dass Vielfalt in Redaktionen auch zu einem besseren Journalismus führt und Aspekte in die Berichterstattung einfließen, auf die man auch bei guter Recherche nicht zwangsläufig kommt. Bei mir wäre das Thema Hakenkreuz glatt durchgefallen, für die indischen Kollegen war das aber eine Herzensangelegenheit.

Und so haben auch Frauen manchmal eine andere Sicht auf Themen als Männer. Gerade was die Themenfindung im Journalismus angeht, sind viele Bereiche lange noch nicht ausreichend recherchiert und beschrieben. Warum? Weil es nicht als relevant angesehen wird. Mit Diversität in der Redaktion verschieben sich aber auch Prioritäten und Beurteilungen über Themen. Das heißt nicht, dass ein schwarzer Redakteur immer nur gegen Diskriminierung schreiben soll. Bitte nicht! Aber es fließen gerade in Entscheidungsprozesse ganz andere Aspekte ein, die man mit einem homogenen Redaktionsteam vielleicht nicht unbedingt berücksichtigt hätte. Deshalb halte ich die Debatte um die Krautreporter für wichtig. Und da es ein Projekt ist, bei dem der Leser und die Leserin zahlen soll, gilt umso mehr, die Vielfalt der Leserschaft abzubilden. Mir geht es dabei nicht um eine Frauen-Quote sondern darum, dass es in Deutschland bereits genug homogen besetzte Redaktionen gibt. Krautreporter wollen aber nach eigenem Bekunden anders sein. Diese Andersartigkeit in Form von Vielfalt sehe ich derzeit aber leider noch nicht.

Es geht los

Wer sich in den letzten Monaten gefragt hat, was ich eigentlich in England so treibe, dem kann ich heute eine Antwort darauf geben. Ich arbeite seit August nicht mehr für BBC, sondern habe eine eigene Firma gegründet, die Ortegalink Ltd. Im März werde ich eine Monatszeitung für die deutschsprachige Community auf den Markt bringen. Sie heißt „The German Link“ und wird logischerweise auf Deutsch erscheinen. Ich erfülle mir gerade einen Lebenstraum, denn als Journalistin gibt es nichts schöneres als sein eigenes „Baby“ zu haben. Ich habe, glaube ich, nur in meinem Volontariat so viel gearbeitet wie die letzten Wochen, aber es macht mir riesig Spaß. Und ja, die Zeitung erscheint auf Papier.

Also, wer abonnieren will, hier gehts lang. Anzeigen verkaufen wir natürlich auch.

Mein Dank geht an alle Leute, die mich bis heute bei diesem Projekt unterstützt haben und an mich glauben.

Tagesschau.de und Leben mit Behinderung

Die Volontäre von Tagesschau.de haben ein Dossier zum Leben mit Behinderung erstellt. Was hätte man alles machen können…

Leider ist es schon wieder das gleiche, wie immer: Eine Frau erzählt, wie schwer es war als sie ihr Bein verlor, Sexualbegleitung für behinderte Menschen und eine FAQ erläutert den Begriff „Behinderung“. *gähn* Kann man das Thema nicht mal irgendwie einfallsreicher behandeln? Und vor allem nicht so medizinisch und definzitorientiert.

Wo ist das Interview mit einem Vertreter der Behindertenbewegung? Das Behindertengleichstellungsgesetz kommt gar nicht vor. Immerhin haben die Volontäre Art. 3.3 des Grundgesetzes entdeckt. Wo ist die internationale Einordnung? Wo steht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern? Und Menschen mit geistiger Behinderung kommen in dem ganzen Dossier überhaupt nicht vor. Auch nicht Familien mit behinderten Kindern. Ich finde das Dossier ziemlich weichgespühlt und nicht sehr fundiert. In dem Gebärdensprachartikel zu schreiben, es gebe keine einheitliche Deutsche Gebärdensprache, ist zu ungenau und missverständlich. Nur weil es in Bayern Radler heißt und in Hamburg Alster, sagt ja auch keiner, es gebe keine einheitliche deutsche Sprache. Die Deutsche Gebärdensprache ist seit 2002 als eigene Sprache anerkannt. Das muss man wissen und erwähnen, wenn man so einen Beitrag schreibt.

In den kommentierten Links „Hilfe zur Selbsthilfe“ als erstes auf die Bundesagentur für Arbeit zu verweisen, zeugt von ziemlicher Ahnungslosigkeit. Und warum haben die Volontäre nicht mal recherchiert, wie viele Leute durch die ebenfalls verlinkte Kampagne „Jobs ohne Barrieren“ wirklich dauerhaft in Lohn und Brot kamen?

Vielleicht würde es dem NDR ganz gut tun, mal mehr Volontäre und Journalisten mit Behinderung einzustellen. Dann ändert sich vielleicht auch ein wenig der Blickwinkel der Redaktion. Aber auch für nicht behinderte Journalisten ist es nicht schwer, sich mal in das Thema wirklich einzuarbeiten und nicht immer nur an der Oberfläche zu kratzen.

Was das Leben so zu bieten hat

Es gab selten einen Tag, an dem ich lieber zur Arbeit gegangen bin. Ich war so gespannt, was mich bei BBC erwarten wird, nachdem bekannt wurde, dass unser Kollege Alan Johnston aus der Geiselhaft befreit wurde. Ich hatte schon vergangene Nacht gewusst, dass er frei ist. Ich kam relativ spät nach Hause und hatte irgendwie keine Lust, ins Bett zu gehen. Um 2 Uhr siegte die Vernunft und ich legte mich ins Bett und schaltete noch einmal BBC News24 an. Und eine Minute später gab es „Breaking News“. Ich habe den Fernseher bis kurz vor dem Aufstehen nicht mehr ausgemacht.

Es gab keinen Tag seit Alans Entführung, an dem er nicht Thema war. Jeden Montag haben sich die BBC-Mitarbeiter versammelt, um an ihn zu denken. Die Nachrichtenprogramme wurden dann unterbrochen. Wir standen bei Wind und Wetter vor der Tür mit Bildern von Alan.

Als ich noch bei World Service (Radio) war, habe ich an Programmen für und über Alan Johnston gearbeitet. So haben wir eine Sondersendung produziert, in der ehemalige Geiseln aus der ganzen Welt zu Wort kamen. Ich werde die Sendung niemals vergessen.

Wir hatten immer die Hoffnung, dass er das hören kann und dass es ihm irgendwie hilft. Ich gebe zu, wirklich daran geglaubt habe ich nicht. Um so mehr hat mich umgehauen, dass er im ersten Interview sofort sagte, er habe ein Radio gehabt und konnte World Service hören. Das hätte ihm sehr geholfen. Ich bin noch immer zu tiefst beeindruckt, dass ich die Möglichkeit hatte, an solch einem Programm mitzuarbeiten. Man macht ja als Journalist leider sehr selten die Erfahrung, wirklich etwas zu verändern. Das meiste versendet sich oder landet am Tag danach als Packmaterial beim Fischhändler. Aber das Gefühl zu haben, dass es etwas ausmacht, was man den ganzen Tag macht, ist ungemein erfüllend.

Heute nachmittag gab es eine weitere Demonstration zur Feier der Freilassung vor dem Fernsehzentrum der BBC. Als ich aus dem Gebäude kam, wusste ich, hier wird gerade britische Fernsehgeschichte geschrieben. Ü-Wagen aller Sender überall, Kameras von CNN bis Al Jazeera standen dort. Es gab eine Zeremonie, in der die riesigen Plakate am Gebäude, die zur Freilassung Alans aufriefen, abgehängt wurden und in einer sehr beeindruckenden Liveschaltung nach Israel konnte Alan Johnston zu uns vor dem Television Centre sprechen.

BBC Demo

Ich bin sehr froh, dass Alan frei ist und ich die Erfahrung machen durfte, wie eine riesige Organisation wie BBC derart zusammen steht und dass man doch irgendwie etwas bewegen kann. Allein diese Erfahrung war es wert, nach England zu gehen.

Leute mit Plakaten

Kinder mit Behinderungen nicht unglücklicher als nicht behinderte

Die britische Zeitung „The Independent“ berichtet heute von einer wissenschaftlichen Studie, die ergab, dass Kinder mit Behinderungen nicht weniger glücklich sind als ihre Altersgenossen ohne Behinderung. Befragt wurden 500 Kinder mit Cerebralparese in sieben europäischen Ländern.

Die Studie ergab, dass die Kinder im Vergleich in allen Bereichen – darunter das psychologische Wohlbefinden, die Selbstwahrnehmung und das soziale Umfeld – genauso hohe Werte erzielten wie nicht behinderte Kinder. „The Lancet“ hat die Studie veröffentlicht, also nicht irgendeine Apothekenzeitschrift.

Nun frage ich mich, warum ich diese Meldung online bei deutschsprachigen Medien nirgendwo finde. Wo doch deutsche Wissenschaftsjournalisten normalerweise jedes Heilsversprechen und jede noch so kleine Studie, die mit Behinderung zu tun hat, in epischer Breite in ihren Blättern verkünden – auch wenn die Quelle eine Apothekenzeitschrift ist. Und ausgerechnet so eine Studie aus dem Lancet mit Kindern aus vielen Ländern Europas ist keine Zeile wert? Also die englischsprachigen Medien rund um den Globus, fanden die Studie druckreif.

Kein Alien mehr

Ich gehe fast jeden Mittag in einem Café auf dem BBC-Gelände Mittagessen. Das Café ist im Erdgeschoss des Television Centre und nur Mitarbeiter (und wenige Gäste) haben Zugang. Also nicht die Besuchergruppen normalerweise. Und dennoch bin ich sehr selten der einzige Gast mit einer sichtbaren Behinderung. Es ist immer mindestens noch ein anderer Rollstuhlfahrer da oder Kollegen, die zwar laufen, aber stark gehbehindert sind. Auch auf den Fluren begegne ich anderen Leuten im Rollstuhl. Auch blinde und gehörlose Kollegen habe ich schon getroffen. Und das sind keineswegs immer nur die gleichen Leute. Ich habe in dem Café bislang nur wenige behinderte Kollegen zwei Mal getroffen. Es waren immer andere. Die meisten von ihnen tragen einen Presseausweis, das heißt sie arbeiten im redaktionellen Bereich und nicht in der Poststelle oder an der Pforte. Ich schreibe das, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass in vielen deutschsprachigen Medienunternehmen behinderte Mitarbeiter – wenn überhaupt – da anzutreffen sind.

Für mich ist das eine völlig neue Erfahrung. Ich bin nicht mehr der Alien. Nicht mehr die einzige Rollstuhlfahrerin und niemand zweifelt an, dass ich meinen Job genauso gut mache wie alle anderen auch. Und ich merke immer noch, was Sozialisierung ausmacht, auch bei mir selbst: Ich habe vor kurzem einen blinden Kollegen kennengelernt, der mir erzählte, dass er Parlamentskorrespondent in Millbank ist. Ich bin selbstverständlich davon ausgegangen, dass er fürs Radio arbeitet und habe gar nicht mehr nachgefragt. Als ich beim Mittagessen saß und News24 schaute, sah ich den Kollegen, der aus dem Parlament berichtete. Und natürlich hatte das Thema nichts mit Behinderung zu tun. Es ging um innenpolitische Themen wie die Sicherheitslücken bei der Onlineregistrierung von jungen Ärzten. Es war offensichtlich, auch für Zuschauer die ihn nicht kennen, dass er blind ist. Aber bei einer Schalte kommt es ja nicht darauf an, ob der Korrespondent die Kamera sieht, sondern ob die Zuschauer ihn sehen können, was definitiv der Fall war. :-)

Insight Magazin

Das Insight Magazin hat diverse Journalisten zu ihren Lieblingsweblogs befragt. Darunter auch mich. Nachzulesen in der April-Ausgabe des Magazins. Die Links zu dem Artikel gibt es auch online.

Liebe Leserinnen und Leser der taz

Herzlich willkommen! Vielleicht haben Sie über den Artikel von Martin Langeder hier her gefunden. Nur vorab, um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin nicht Charlotte Link (die Bestsellerautorin), wie Sie vielleicht nach der Lektüre des Artikels denken könnten. Ich bin Christiane Link. Auch bei den anderen Namen im Text sollten Sie nicht so genau hinsehen… Aber ansonsten finde ich den Artikel ganz gelungen. In England ist die Situation übrigens wirklich anders. Ich treffe hier im Haus öfter andere Kollegen mit einer Behinderung und mir erzählen Kollegen von anderen Abteilungen mit behinderten Redakteuren. Ich bin hier wirklich kein Alien mehr und finde das super.

Update: Die taz Medienredaktion hat sich heute in aller Form bei mir entschuldigt. Auch dafür, dass der Artikel monatelang „abgehangen hat“ und daher nicht mehr wirklich aktuell ist. Entschuldigung angenommen. ;-)

Kulturpflege und Alltag

Ich hätte ja nie gedacht, dass man die deutsche Kultur schon ein wenig vermisst, wenn man länger im Ausland ist. Heute habe ich die Karten für mein erstes Konzert in London bestellt: Es ist das Konzert der Wise Guys in der deutschen Schule. Ich höre die Wise Guys sowieso schon jeden Morgen auf meinem iPod auf dem Weg zur Arbeit.

Heute abend war ich auf dem Stammtisch der Deutschen in London. War sehr nett und ich kann jetzt wirklich nachvollziehen, wieso bei uns jede Ausländergruppe ihr eigenes Kulturzentrum hat. Wenn man die ganze Woche Englisch spricht und sich den britischen Gepflogenheiten anpasst, dann tut es auch mal wieder gut, Deutsch zu sprechen und sich mit Leuten auszutauschen, die ähnlich sozialisiert sind wie ich und hier mit dem gleichen Dingen zu kämpfen haben. Es war jedenfalls sehr nett.

Meine Arbeit macht mir übrigens sehr viel Spaß. Ich recherchiere viele politische Themen, aber auch mit der Sendung Big Brother habe ich mich in den letzten Wochen schon befasst. Da wir viele Hörer in Afrika haben, spielt der Kontinent eine ziemlich wichtige Rolle in unserem Programm und es ist etwas ganz anderes als die Themen, mit denen ich in Deutschland zu tun hatte. Trotzdem überlege ich mir immer, wen man aus Deutschland zu bestimmten Themen befragen könnte. Das ist irgendwie so drin und auch ganz nützlich. Ich finde es jedenfalls großartig, jeden Tag mit Leuten auf der ganzen Welt zu sprechen und zum Beispiel die Meinung zum Irakkrieg von jemandem aus Südafrika zu bekommen. Und andererseits einen Amerikaner zu einem EU-Thema zu finden. Oder jemandem aus Bahrain zu Rassismus zu befragen. Das ist wirklich eine einmalige Erfahrung, die ich gerade mache. Und ich weiß auch morgen noch, mit wem ich heute gesprochen habe. Es ist ein weniger schnellebiges Arbeiten als bei einer Nachrichtenagentur und am Ende steht auch noch ein Ergebnis: Die Sendung samt Feedback der Hörer.

Nicht meine Welt

Seit einem Jahr hat die Lufthansa die vielfliegenden Frauen entdeckt. Während der vielfliegende Herr sich mit einem Magazin begnügen muss, bekommen vielfliegenden Frauen wie ich ein weiteres Magazin kostenfrei zugestellt. Nachdem es einige logistische Probleme gab, halte ich nun das erste Mal dieses Heft in den Händen und frage mich „Das soll für mich sein?“ Ich kann mich in dem Heft so gar nicht wiederfinden.

„Woman’s World“ heißt es und ist so gar nicht meine Welt. Der erste Artikel porträtiert vier vielfliegende Frauen (bitte mal „Vier vielfliegende Frauen“ laut und schnell vorlesen!). Die Rubrik heißt „Drei-Wetter-Tough“. Aua. Da erfahre ich gleich, wie wichtig Gesichtsmasken sind und was sie ihren Liebsten von den Reisen mitbringen. Und – was für ein Zufall – auf der nächsten Seite ein Artikel über Feuchtigkeitscremes und Masken. Dann geht es um die Drei-Wetter-Taft-Frau, deren Frisur immer sitzt. Schön, träumt weiter…

Und dann geht es um das Übliche: Mode, Mode, Mode, Kosmetik, Schmuck, Design. Ein bisschen Barcelona, ein bisschen New York. Einzig versöhnlicher Artikel: Über Park Slope, ein Stadtteil von Brooklyn. Dort wohnt eine Freundin von mir. Schöne Bilder. Auch ganz okay: Ein Artikel über Lobbyistinnen.

Ich vermisse einen Artikel über die neuesten und chicsten Handymodelle, Notebooks und Accessoires, die man sonst noch so unterwegs braucht. Schöne Koffer, praktische sowieso, Tipps gegen Jetlag, Hintergründiges zum Fliegen, die schönsten Flughäfen, Frauen in Führungspositionen, einen Wirtschaftsartikel etc. Aber bitte keine Mode und unrealistisches Blabla. Ich möchte nicht erzählt kriegen, wie die Frisur nach dem 10-Stunden-Flug noch gut sitzt (sie sitzt dann halt nicht gut, erzählt mir nix), sondern lieber was Bodenständiges lesen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich da die einzige Frau bin. Dabei finde ich die Idee für so ein Magazin gar nicht so schlecht.

Ich kriege nämlich auch immer ein Kundenmagazin von Audi. Da frage ich mich jedesmal, warum die mir als Frau ein Männermagazin zuschicken. Es ist aufgemacht, wie ein Männermagazin und es steht nichts drin, was mich als Frau interessiert. Für Autoaufnahmen auf Eis in Alaska und schöne Frauen plus Auto bin ich nicht so zu begeistern. Ich will lieber wissen, wie viele Kisten Wasser in den Kofferraum passen.