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Tag Archiv für Werbung

Barrierefrei fotografieren

Ich habe zum Geburtstag eine Canon-Kamera geschenkt bekommen. Bei der Kamera lag eine Postkarte, mit der man Informationen zu Fotokursen speziell für meine Kamera anfordern konnte. Das habe ich getan und hatte heute das Seminarprogramm im Briefkasten. Und ich werde sicherlich einen der Kurse buchen.

Das Unternehmen hat zu jedem Kurs Informationen zur Barrierefreiheit in ihren Katalog gedruckt. Und ein Accessibility-Statement am Anfang des Heftes gibt es auch. Dort steht unter anderem, dass behinderte Menschen eine kostenlose Begleitperson mitbringen können. Ich habe so etwas bei einem Seminaranbieter noch nie gesehen.

Behinderte Menschen werden hier von vielen Unternehmen als attraktive Kundengruppe angesehen. Und wer diese Kundengruppe gewinnen will, der druckt auch Angaben zur Barrierefreiheit in den Katalog. Und es will nicht in meinen Kopf hinein, warum das in Deutschland so wenige Anbieter machen. Es kostet ja nichts, ist aber eine gute Werbung für das Unternehmen. Und es erleichtert wirklich meinen Alltag. Es gibt hier so viele Unternehmen, die Angaben zur Barrierefreiheit veröffentlichen. Und längst nicht nur die, die barrierefrei sind. Auch wenn sie es nicht sind, kommunizieren sie das und ich finde, das ist wenigstens ehrlich.

Ich liebe diese Anrufe

Anruf bei einer grossen Werbeagentur.
Ich: „Guten Tag. Mein Name ist Christiane Link. Ich würde heute abend gerne eine Veranstaltung in Ihrem Haus besuchen. Können Sie mir sagen, ob Ihr Gebäude barrierefrei ist? Ich bin Rollstuhlfahrerin.“
Werbeagentur: „Sie wollen wissen, wo die nächste U-Bahnstation ist?“

Ich dachte noch: „Typisch Werber, wollen einem immer erzählen, was man eigentlich möchte.“ :-)

Dann sagte ich: „Nein, das weiss ich bereits. Ich möchte wissen, ob ich als Rollstuhlfahrerin in Ihr Gebäude komme.“
Werbeagentur: „Einen Moment bitte.“
Ich erfuhr dann, das Gebäude ist barrierefrei, wenn man einen bestimmten Eingang benutzt.

Wie Katja schon schrieb, wäre es sehr hilfreich, wenn jeder, der öffentliche Veranstaltungen macht, auch Zugangsinformationen für behinderte Menschen anbieten würde. Das kostet nix, man muss nur ein bisschen mitdenken und es erspart den Leuten wie mir Nervanrufe.

Ich bin doch kein Hindernis für die Hochbahn, nur ein Verspätungsgrund

Ich habe die Hamburger Hochbahn angeschrieben und gefragt, warum sie mich als Hindernis ansehen. Sie haben mir geantwortet. Und ich habe nochmal Glück gehabt: Ich bin doch kein Hindernis. Ich bin nur Schuld an den Busverspätungen… Das ist natürlich viel besser… Selbst die Fahrpläne der Hochbahn sind nicht so knapp bemessen als dass das Ausklappen der Rampe (was übrigens mehrheitlich von anderen Fahrgästen und nicht vom Busfahrer erledigt wird) zu Verspätungen führt. Das geht sehr schnell und da es nicht so bescheuerte Rampen sind wie in London, besteht auch nicht die Gefahr, dass sie steckenbleiben. Und ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich den letzten Busfahrer gesehen habe, der jemandem mit einem Kinderwagen in den Bus geholfen hat. Das ist nämlich gar nicht mehr nötig seit Hamburg nur noch Niederflurbusse hat. Kurzum: Ich habe keinen Schimmer, von was die Hochbahn eigentlich redet.

Sehr geehrte Frau Link,

vielen Dank für Ihre E-Mail, mit der Sie uns Gelegenheit gegen, Ihre Beanstandung ins rechte Licht zu rücken.
Selbstverständlich ist es nicht unsere Intention, behinderte Fahrgäste als Hindernis darzustellen. Ganz im Gegenteil! In der Kampagne ging es darum, unseren Fahrgästen generell aufzuzeigen, welche vielfältigen Gründe es gibt, weshalb unsere Busse nicht immer pünktlich ihr Ziel erreichen, und welch komplexe Leistungen unsere Busfahrer jeden Tag erbringen müssen. Neben zahlreicher Probleme wie Staus oder Baustellen, kann es auch mal zu Verzögerungen kommen, wenn unsere Busfahrer Rollstuhlfahrern oder Fahrgästen mit Kinderwagen behilflich sind. Das ist vielen Fahrgästen gar nicht bewusst, weshalb wir auch diese Situation in unserer Kampagne aufgezeigt haben.

Sie äußerten völlig zu Recht, dass sie nicht als Hindernis dargestellt werden möchten. Das ist auch, wie schon zuvor erwähnt, absolut nicht unsere Absicht.
Leider ist die Formulierung etwas unglücklich. Darum werden Ihren Hinweis an die Agentur mit der Bitte um Änderung weitergeben, und bitten um Entschuldigung dafür, dass diese eigentlich gut gemeinte Kampagne bei Ihnen eine Fehlinterpretationen hervorrufen konnte.

Wir hoffen, dass wir Ihnen eine zufriedenstellende Antwort geben konnten. Sollte das nicht der Fall sein, dann rufen Sie uns gerne montags bis freitags in der Zeit von 9-18 Uhr unter angegebener Rufnummer an. Wir stehen Ihnen gerne für ein Gespräch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Leiter Beschwerdemanagement

Ich bin ein Hindernis für die Hamburger Hochbahn

Ich bin seit gestern nach einiger Zeit wieder in Hamburg. Im Bus der Hamburger Hochbahn ist mir ein Plakat aufgefallen, das im Bus hing. Es soll die Probleme illustrieren, denen Busfahrer im Alltag begegnen: Störenfriede, Türblockierer…. und Rollstuhlfahrer sowie Fahrgäste mit Kinderwagen. Ich musste zwei Mal hinsehen, um zu glauben, was ich da sah. Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer werden in einer Imagekampagne als Probleme dargestellt. Da fühlt man sich ja richtig willkommen als Fahrgast.

Die Kampagne stammt von der Agentur Orange Cube. Diese schreibt auf ihrer Internetseite: „Die Werbeagentur Orange Cube hat für die Hamburger Hochbahn eine Kampagne gestaltet, die den Alltag der Busfahrer darstellt und beschreibt, welchen Hindernissen sie tagtäglich begegnen.“ Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen sind also Hindernisse? Und ich dachte immer, ich sei Fahrgast.

Audi wirbt auf Deutsch

Audiwerbung Vorsprung durch Technik

Vor meiner Haustür – das wäre aber nicht nötig gewesen…

Schräger Humor und Mitleid

Ich wünsche mir ja wirklich lustige Werbung, in der Menschen mit Behinderungen vorkommen. Die kann ruhig witzig sein und originell. Schön wäre noch, wenn behinderte Menschen selber darüber lachen können und sie gut finden. Es gibt da auch schon Beispiele für: Ein Autohersteller läßt einen Blinden das Auto an der Fahreigenschaft erkennen (finde ich gerade nicht), die Aktion Mensch wirbt mit einem sehr schönen Spot („Sehen, Hören Verstehen“ – bitte mal online stellen!) für Vielfalt und sich selbst, Levis mit einem Blinden, der gar nicht blind ist, die belgische Organisation SENSOA nutzt Gebärdensprache zur Aidsaufklärung. Weitere Beispiele bitte gerne in den Kommentaren hinterlassen.

Was aber die Agentur Grabarz (geht nur mit dem Internet Explorer) für den Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg produziert hat, ist zum einen geschmacklos und zum anderen offensichtlich mal wieder nicht ohne Mitleid ausgekommen. Preise gibts in der Branche aber trotzdem für sowas. Bei dem einem Radiospot geht es um die Besamung einer Kuh, die man besser nicht sieht. Zwar unappetitlich und eher geschmacklos, aber immerhin ein Funken positiver Aspekt der Behinderung. Kriminell wird es aber beim zweiten Spot. Da wird gerätselt, ob der Kamin brennt oder die Gardine. Ob der der bellende Hund angeleint ist oder nicht. Und ob das Wasser in die Badewanne läuft oder aus der Waschmaschine. Hallo Agentur Grabarz, haltet Ihr blinde Menschen für so bescheuert, dass sie nicht wissen, ob Ihr Wohnzimmer brennt oder der Kamin? Und weil das Leben, wenn man blind ist, ja so kompliziert ist, lernen wir dann, soll man doch bitte an den Blinden- und Sehbehindertenverein spenden. Aha. Und was macht der dann? Löscht der das Feuer? Fängt der den Hund ein? Füllt der die Badewanne?

Ich habe mich dann noch weiter in den Werken besagter Werbeagentur umgehört und bin auf Spots für einen Hörgerätehersteller (ein Link pro Wort) gestoßen. Und was lernen wir da? Nicht nur blinde Menschen sind ein bisschen bescheuert, sondern auch die Schwerhörigen. Die kriegen ja nicht so mit, was die Mitmenschen über sie sagen (wenn diese sie nicht laut anschreien natürlich). Nur wenn sie sich ein Hörgerät kaufen, merken sie, dass die anderen Leute sie für dumm verkaufen. Jetzt mal abgesehen davon, dass das natürlich Schwachsinn ist und auch nicht wirklich lustig, wieso soll man ein Hörgerät bei einem Hersteller kaufen, der sich über die potenziellen Kunden lustig macht? Und zwar so, dass der nicht mitlachen kann. Da geh ich doch lieber zu einem Hersteller, der mich ernst nimmt. Man kann nicht Möbel von IKEA genauso bewerben wie Hörgeräte. Und dieses Mitleidsgeseier so mancher Blindenvereine bringt mich auch nicht zum Spenden. Ganz im Gegenteil.

Die Welt zu Gast bei Freunden

Plakat Die Welt zu Gast bei Freunden mit vielen Menschen

Detailansicht

Es ist ein Rollstuhlfahrer zwischen den vielen Menschen auf dem Plakat zu sehen

Man muss sich erst daran gewöhnen, dass groß angelegte Plakatkampagnen in deutschen U-Bahnstationen, auf denen auch Rollstuhlfahrer zu sehen sind, nicht für ein Superlos werben.

Behandlung von Kontinenz

Wer bislang dachte, nur Inkontinenz sei eine ernstzunehmende Sache, hat noch nicht die Webseite der Firma Hollister gelesen:

„Nach vorsichtigen Schätzungen sind weltweit rund 44 Millionen Erwachsene von Kontinenz betroffen. Wir bieten ein umfassendes Produktsortiment für das Management und die Behandlung der Kontinenz an.“

Ich kaufe die Silbe „In“ und rate zum Wechsel des Texters.

Ich bin nicht Einstein

Kind mit Down-Syndrom vor einem Rechenschieber

Ich bin nicht Einstein.
Ich bin wie du.
Sag‘ mal: Bist du ein Superstar?
Ein Wunderwuzzi?
Der neue Einstein? Nein?
Dann sind wir schon zwei.
Du und ich, wir sind zwei ganz normale Leute, die Spaß am
Leben haben. Mit oder ohne Down-Syndrom.

Macht keinen Unterschied, wenn du mich fragst.

Sei ganz normal, ich bin es auch.

Lorenz, 1,5 Jahre

Dieses und zwei weitere Plakatmotive kann man derzeit in Österreich sehen. Manchmal kommen eben auch sehr schöne Dinge raus, wenn sich Menschen aus einer PR-Agentur und einer Werbeagentur zusammen tun (vorausgesetzt sie haben Kinder mit Down-Syndrom): Eine Kampagne zum Ersten Internationalen Down-Syndrom-Tag. Mehr Informationen zu der Kampagne und zum Thema Down-Syndrom gibt es bei 321los.at

Die Christoffel-Blindenmission bedauert…

…leider nicht ihre Plakataktion. Dafür aber die Irritationen, die diese ausgelöst habe.

Folgendes steht in der Pressemitteilung dem Schreiben an ausgewählte Personen, das mir gerade, ich nehme an als Reaktion auf meinen Blogeintrag, zugeschickt wurde:

„Die Christoffel-Blindenmission (CBM) bedauert, dass eine von ihr initiierte Plakatkampagne bei blinden Menschen für einige Irritationen gesorgt hat. „Es lag nicht in unserer Absicht, die Gefühle blinder Menschen zu verletzten“, erklärte dazu Martin Georgi, Direktor der Christoffel-Blindenmission (CBM), „unser Ziel war es, durch eine bewusst provokante Darstellung die Wirkungsweise zwischen der Spende hier und der Hilfe vor Ort zu zeigen.“ (…)

Sobald aus dem Schreiben an ausgewählte Personen eine Pressemitteilung wird und sie somit bei der CBM im Internet veröffentlicht wurde oder bei OTS gelaufen ist, verlinke ich sie gerne.