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Schräger Humor und Mitleid

Ich wünsche mir ja wirklich lustige Werbung, in der Menschen mit Behinderungen vorkommen. Die kann ruhig witzig sein und originell. Schön wäre noch, wenn behinderte Menschen selber darüber lachen können und sie gut finden. Es gibt da auch schon Beispiele für: Ein Autohersteller läßt einen Blinden das Auto an der Fahreigenschaft erkennen (finde ich gerade nicht), die Aktion Mensch wirbt mit einem sehr schönen Spot („Sehen, Hören Verstehen“ – bitte mal online stellen!) für Vielfalt und sich selbst, Levis mit einem Blinden, der gar nicht blind ist, die belgische Organisation SENSOA nutzt Gebärdensprache zur Aidsaufklärung. Weitere Beispiele bitte gerne in den Kommentaren hinterlassen.

Was aber die Agentur Grabarz (geht nur mit dem Internet Explorer) für den Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg produziert hat, ist zum einen geschmacklos und zum anderen offensichtlich mal wieder nicht ohne Mitleid ausgekommen. Preise gibts in der Branche aber trotzdem für sowas. Bei dem einem Radiospot geht es um die Besamung einer Kuh, die man besser nicht sieht. Zwar unappetitlich und eher geschmacklos, aber immerhin ein Funken positiver Aspekt der Behinderung. Kriminell wird es aber beim zweiten Spot. Da wird gerätselt, ob der Kamin brennt oder die Gardine. Ob der der bellende Hund angeleint ist oder nicht. Und ob das Wasser in die Badewanne läuft oder aus der Waschmaschine. Hallo Agentur Grabarz, haltet Ihr blinde Menschen für so bescheuert, dass sie nicht wissen, ob Ihr Wohnzimmer brennt oder der Kamin? Und weil das Leben, wenn man blind ist, ja so kompliziert ist, lernen wir dann, soll man doch bitte an den Blinden- und Sehbehindertenverein spenden. Aha. Und was macht der dann? Löscht der das Feuer? Fängt der den Hund ein? Füllt der die Badewanne?

Ich habe mich dann noch weiter in den Werken besagter Werbeagentur umgehört und bin auf Spots für einen Hörgerätehersteller (ein Link pro Wort) gestoßen. Und was lernen wir da? Nicht nur blinde Menschen sind ein bisschen bescheuert, sondern auch die Schwerhörigen. Die kriegen ja nicht so mit, was die Mitmenschen über sie sagen (wenn diese sie nicht laut anschreien natürlich). Nur wenn sie sich ein Hörgerät kaufen, merken sie, dass die anderen Leute sie für dumm verkaufen. Jetzt mal abgesehen davon, dass das natürlich Schwachsinn ist und auch nicht wirklich lustig, wieso soll man ein Hörgerät bei einem Hersteller kaufen, der sich über die potenziellen Kunden lustig macht? Und zwar so, dass der nicht mitlachen kann. Da geh ich doch lieber zu einem Hersteller, der mich ernst nimmt. Man kann nicht Möbel von IKEA genauso bewerben wie Hörgeräte. Und dieses Mitleidsgeseier so mancher Blindenvereine bringt mich auch nicht zum Spenden. Ganz im Gegenteil.

2 Kommentare

  1. lukrezia sagt:

    Es gibt eine sehr schöne Werbung für ein Parfum. Da unterhalten sich zwei Menschen in einem Kaffee in Gebärdensprache. Die ist wirklich schön – weil die Bewegungen mit den Händen richtig intensiv aussehen….richtig magisch…
    Das ist wirklich sehenswert. Leider habe ich den Namen des Parfums vergessen

  2. Blavont sagt:

    die Links funktionieren leider nicht mehr.