Tag Archiv für Leben

I lost my voice

Vor kurzem war ich mal wieder bei Boots. Boots ist eine große Drogeriekette in Großbritannien. Als ich meine Ware auf die Theke gelegt hatte, um zu bezahlen, wartete ich darauf, dass mir die Angestellte den Preis nennt. Stattdessen drehte sie die Kassenanzeige zu mir und zeigte auf ein Schild. „I lost my voice“ (Ich habe meine Stimme verloren) stand dort. In den USA ist mir mal eine gehörlose Kassierin begegnet. Auch sie hatte ein Schild an der Kasse stehen, dass die Kunden darauf hinwies, dass sie gehörlos ist. Ich frage mich in solchen Situationen dann immer, ob es das in Deutschland wirklich nicht gibt oder mir nur nie begegnet ist.

Mitdenkende Bedienung

Ich komme gerade von einem netten Abend mit einer Freundin. Wir sind spontan in eine Pizzeria gegangen, in der ich noch nicht war. Als wir reinkamen, begrüßte uns die Kellnerin. Ich sagte ihr, dass wir gerne einen Tisch für zwei Personen hätten. Dann antwortete sie: „Sehr gerne. Ich möchte Sie aber darauf hinweisen, dass wir keine barrierefreie Toilette haben.“ Das fand ich so nett und aufmerksam, dass ich ihr ein gutes Trinkgeld gegeben habe. Das ist mir noch nie irgendwo passiert. Ich hatte in dem winzigen Lokal auch nicht ernsthaft erwartet, dass es eine gibt. Aber sehr netter Hinweis. Da hat mal jemand mitgedacht.

Happy End DLA

Nach dem Besuch des Amtsarztes habe ich gestern den Bescheid bekommen. Ich bekomme Disablity Living Allowance. Ich muss sagen, das gefällt mir alles sehr gut hier, was die Regelungen für behinderte Menschen angeht. Nur dass sie für die Bewilligung mehr als fünf Monate brauchen, verstehe ich nicht. Aber nun gut.

Mit dem Bescheid bekam ich Informationen, was ich mit meinem neuen Status (ungefähr vergleichbar mit dem Schwerbehindertenstatus in Deutschland) weiterhin beantragen kann. Einen Parkausweis zum Beispiel oder ein Persönliches Budget, falls ich Assistenz benötige. Und das alles in einer wirklich einfachen Sprache. Zudem steht in dem Brief, wenn ich den Bescheid aus sprachlichen oder behinderungsbedingten Gründen nicht verstehe, solle ich eine Nummer anrufen, sie würden mir einen Dolmetscher zur Verfügung stellen und Assistenz. Wenn ich gegen den Bescheid Widerspruch einlegen möchte, kann ich mir beim nächsten Jobcentre ein Widerspruchspaket besorgen mit Informationen und einem Standardformular. Ich könne mich auch juristisch beraten lassen. Ich muss sagen, das finde ich alles ziemlich beeindruckend, wie bürgerfreundlich man so etwas gestalten kann.

Das ist kein Vergleich zu dem Prozedere in Deutschland. Das deutsche Formular (Beispiel Bayern, die anderen sehen ähnlich aus) ist schon für viele Menschen nicht zu verstehen. Oder wer hier weiß, welchen Grad der Behinderung er beantragen würde, wenn er, sagen wir, von der Leiter gefallen ist und nun dauerhaft gehbehindert bleibt? Und welches Merkzeichen hätten wir denn gerne? Das ist ein Formular, das aus Sicht der Behörde erstellt wurde, nicht aus Sicht der Bürger. Für das Merkzeichen aG muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen, was die Gehfähigkeit angeht. Warum fragen sie nicht einfach: Wieviele Meter können Sie ohne Hilfe gehen? Wie lange brauchen Sie, um 10 Meter zu gehen? Genau das waren die Fragen, die mir die britische Behörde gestellt hat. Sie hätten natürlich auch fragen können „Beantragen Sie den höchsten oder einen geringeren Satz?“. Higher rate bekommen nämlich nur Leute, die gar nicht gehen können oder nur sehr schlecht. Da gibt es bestimmte Grenzen. Aber muss ich die wirklich kennen?

Ich gehe jetzt mal meinen Parkausweis beantragen. Eines weiß ich aber jetzt schon: Die Regelungen für behinderte Autofahrer sind in Deutschland besser. Die innerstädtischen Distrikte von London haben sich nämlich der EU-weiten Regelung nicht angeschlossen, sondern lassen nur ihre eigenen Bürger profitieren. Das finde ich total bescheuert und ärgert mein europäisches Selbstverständnis. Das als Londonerin sowieso. Oder kann mir bitte mal einer erklären, warum ich in der Ladezone um die Oxford Street zwar parken darf, wenn ich in Camden wohne, aber nicht, wenn ich aus Ealing (mein Stadtteil) komme? Ich glaube, das gibt es sonst nirgendwo in der EU. Hier gibt es neben dem blauen europaweit gültigen Ausweis auch einen grünen, roten und weißen. Das ist für mich bislang die schwachsinnigste Regelung, die ich hier entdeckt habe. Auf Behindertenparkplätzen darf man aber überall parken – es gibt allerdings auch Behindertenparkplätze nur für Einheimische.

Inside Hospital

Alles fing am Sonntag an. Ich fühlte mich nicht besonders, vor allem konnte ich nichts essen. Ich hatte aber so viele Verabredungen in Hamburg, dass ich das einfach ignorierte. Als ich abends nach Hause kam, musste ich mich übergeben, hatte auch Fieber und schlief einfach ein. Am Montag war alles weg, ich hatte nur leichte Bauchschmerzen. Nachmittags wurde es dann schlimmer. Ich wollte aber um 18 Uhr den Flieger nach London nehmen. Also ging ich in eine Apotheke und fragte nach etwas gegen Magenschmerzen. Die Apothekerin schaute mich schon skeptisch an und meinte, wenn es mit den Tropfen nicht umgehend wegginge, solle ich zum Arzt gehen.

Kurz vor dem Abflug nahm ich die Tropfen. Während des Fluges wurde es dann richtig schlimm. Mir war klar, dass mich mein erster Weg in London in die Ambulanz führen würde. Als ich in London ankam, fuhr ich nach Hause, stellte meine Tasche ab und fuhr in das Krankenhaus hier um die Ecke. Das Central Middlesex Hospital sieht schon von außen super modern aus und war mir irgendwie sympathisch.

Ich ging in die Notaufnahme und sagte, dass ich Schmerzen habe und es mir sehr schlecht ginge. Ich musste ungefähr eine Stunde warten. Meine Unterlagen waren aus Versehen in der Kinderabteilung gelandet. Die meisten Wartenden hatten irgendwelche Rückenprobleme, Hexenschuss oder schlimmeres.

Die erste Untersuchung machte ein Pfleger. Er schloss mich an so ein Gerät an, dass die Körperwerte misst und kontrollierte meine Körpertemperatur. Als das Gerät Alarm schlug, dachte ich noch, das misst noch gar nicht oder es handele sich um einen Fehler. Mein Puls war auf fast 150, mein Blutdruck hoch wie nach einem Marathon. Und ich hatte 39 Grad Fieber. Ich gab noch eine Urinprobe ab und er sagte mir, dass sie mich erstmal da behalten und jetzt einige Tests machen. Er brachte mich in einen großen Raum, der sich als Mischung aus Erstaufnahme und Intensivstation herausstellte. Ich war der erste Gast des Abends.

Ich kletterte auf das Bett und man schloss die Vorhänge um mich rum. Überhaupt fiel mir gleich auf, wie sehr man auf meine Intimsphäre achtete. Dann schlossen sie mich an ein EKG an und an ein anderes Gerät, das Blutdruck und Puls kontrollierte. Natürlich fragten sie, warum ich Rollstuhlfahrerin bin. Ich wurde geröngt, um auszuschließen, dass ich keine Fremdkörper im Bauch hatte. Dann sollte mir ein Zugang für den Tropf gelegt werden. Ein ziemlich schwieriges Unterfangen, weil meine Venen durch andere Krankenhausaufenthalte nicht mehr die besten sind. Der Arzt war super bemüht und total nett. Ich vertraute ihm absolut. Alle drei Versuche, in meine Venen zu kommen, machten wir Pause. Irgendwann klappte es und er konnte mir einen Zugang legen. Da die Schmerzmittel oral nicht wirkten, gaben sie sie mir intravenös. Zudem viel Flüssigkeit. Drei Mal zwei Liter sollten in der Nacht noch durch meine Adern fließen. Die Schmerzen gingen aber nie ganz weg und auch die Körperwerte normalisierten sich nicht. Gegen 6 Uhr entschied man sich, mich stationär aufzunehmen.

Ich wurde in ein 4-Bett-Zimmer gelegt. Die anderen Frauen waren filmreif. Ich war die einzige Weiße und wurde mit den Worten begrüßt: „I think she is a jew. She has a jewish accent.“ Ich war rund 45 Jahre jünger als meine Zimmergenossinnen und dachte, dass das eine sehr interessante Zeit werden könnte. Doch nach 10 Minuten kam die Stationsleiterin und sagte mir, ich müsse in Isolation. Ich kam in den Genuss eines Einzelzimmers. Sie vermuteten, dass ich einen Virus habe, den ich besser nicht an den Rest des Krankenhauses weitergeben sollte. Diese Isolation bedeutete, dass jeder, der zu mir wollte, eine Schürze und Handschuhe tragen musste. Ich durfte das Zimmer nicht verlassen.

Das Zimmer war total barrierefrei und modern. Ich hatte eine für mich zugängliche Dusche, eine Toilette und ein Waschbecken. In diesem Zimmer verbrauchte ich drei Tage.

Die Ärzte:

Alle Ärzte waren relativ jung und machten einen netten und kompetenten Eindruck. Sie sagten mir gleich, dass sie nicht viel für mich tun können, außer die Schmerzen zu stillen und mir intravenös Flüssigkeit zuzuführen, da ich total dehydriert war.

Die Schwestern:

Alle, aber wirklich alle, super nett, obwohl ich anfangs bei jedem Gang zur Toilette wegen des Tropfs Hilfe brauchte und sie sich jedesmal dafür anziehen mussten. Die Übergabe (nachmittags und nachts) funktionierte reibungslos. Jedes neue Team wurde darüber informiert, was für eine Behinderung ich habe und dass ich ansich selbstständig bin, aber wegen der Nadel in meinem Arm nun Hilfe benötigte.
Allerdings gingen sie auch nicht wirklich zimperlich mit mir um. Die Nadel tat mir weh bei jeder Berührung weh, weil sie nicht optimal lag. Man musste schon was aushalten können.

Es gab ein, wie ich finde, sehr eindrucksvolles Qualitätsmanagementsystem. Es herrschte grundsätzlich Vier-Augen-Prinzip. Ich bekam kein Medikament bevor es nicht eine andere Schwester oder ein Arzt gesehen hatte. Die Medikamente, die ich regelmäßig nehmen musste, waren in einem Spint am Bett eingeschlossen. So wurde die Verwechslungsgefahr reduziert. Über alles, was passierte, wurde genau Buch geführt. Wann ich wie starke Schmerzen hatte, wie oft ich zur Toilette musste, etc.

Das Essen:

Zum Frühstück gab es Cornflakes oder Porridge. Nachmittags eine Suppe und Sandwichs. Abends merkwürdige Kombinationen wie Cracker und Reis. Magenfreundliches Essen sieht anders aus. Aber ich konnte eh kaum etwas essen. Ich habe mich dann später von Salzstangen ernährt, was sowieso gut für meinen Magen war.

Besuchszeiten:

Supernervig fand ich die Besuchszeiten. Die haben wir dann auch gleich mal ignoriert. Ich lag ja sowieso in Isolationshaft und habe niemanden gestört.

Das Haus:

Ich habe von dem Haus ja tagelang nichts mitbekommen, weil ich nicht raus durfte. Bei der Abreise war ich aber sehr angetan von der Architektur. Das Central Middlesex Hospital sieht ein wenig skandinavisch aus. Es gibt Dachterrassen. Am Eingang gibt es eine Caféteria und einen Laden. Von beidem hatte ich aber natürlich nichts, weil ich nicht raus durfte. Auch das fahrende Kiosk durfte nicht zu mir. Aber die Schwestern hätten mir sicher etwas gekauft, wenn ich etwas gewollt hätte.

Zusammenfassung:

Ich kenne viele deutsche Krankenhäuser. Ich habe noch keines gesehen, das so modern ausgestattet ist. Die Geräte waren alle neu und von Siemens. Ich hatte von Anfang bis Ende das Gefühl, die wissen, was sie tun. Man war sehr bemüht, mir die Bauchschmerzen zu nehmen und mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Das ganze Theater hat mich zudem keinen Penny gekostet. Die Laboruntersuchungen waren umfangreich. Ich habe bei der Entlassung einen Beutel mit Medikamenten bekommen (in erster Linie Schmerzmittel). Auch dafür musste ich nichts zahlen. Ich muss sagen, was bleibt ist ein sehr angenehmer Eindruck von NHS. Wer hätte das gedacht…

Im Krankenhaus

Wer sich gewundert hat, wo ich war, warum keine E-Mails beantwortet wurden, Kommentare nicht aus dem Spamfilter gefischt wurden und ich einfach so abgetaucht war: Ich habe die letzten Tage im Central Middlesex Hospital verbracht. Seit heute bin ich wieder zu Hause und auf dem Weg der Besserung. Meine Meinung über den NHS war vorher schon nicht so schlecht, hat sich jetzt aber noch verbessert. Sie haben sich perfekt um mich gekümmert – von der Notaufnahme bis zur Entlassung heute. Ich habe wohl eine blöde Virusinfektion in Magen und Darm. Das hat mich für ein Einzelzimmer qualifiziert. Erst dachten sie, ich hätte eine Lebensmittelvergiftung. War keine schöne Woche, aber es hätte schlimmer kommen können. Die medizinische Versorgung war jedenfalls super. Später schreib ich mal mehr über das Leben und Sein in britischen Krankenhäusern.

Nicht meine Schuld

Nur, damit das klar ist: Das ist nicht meine Schuld. Das Statistische Bundesamt weiß noch gar nicht, dass ich ausgewandert bin. Wie meinte meine deutsche Kollegin heute zu mir: „Wir sind die Dunkelziffer.“ Das wollte ich schon immer mal sein.

Fernsehsender für gehörlose Menschen

In Großbritannien gibt es jetzt den ersten Fernsehsender für gehörlose Menschen. Er heißt VeeSee und ist über das Internet oder eine Set-Top-Box empfangbar. Er gehört zu ViewTV, ein Angebot mit 900 Streamingsendern. Was ich bislang gesehen habe, hat mir gut gefallen: Einen Kurzfilm, Veranstaltungshinweise, eine Reportage. Das meiste wird in Britischer Gebärdensprache gesendet, ich habe aber auch schon Beiträge in Amerikanischer Gebärdensprache gesehen. Vieles ist dank Untertitel auch für hörende Menschen verständlich. Es gibt auch Ton zu manchen Beiträgen.

Es wird sehr interessant sein, wie die Werbeindustrie darauf reagiert. In England läuft bereits jetzt die Werbung im Fernsehen mit Untertiteln. Der Sender hat eine umfangreiche Webseite, auf der es ebenfalls Werbeplätze gibt. Ich habe bislang aber keine Werbung gesehen. Ich hoffe, das kommt noch.

Zum Zahnarzt

Ich schleppe mich schon seit Tagen mit Zahnschmerzen durchs Leben. Heute habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin endlich zum Zahnarzt. Meine Selbstdiagnose war richtig: Mir war ein Weisheitszahn abgebrochen. Das heißt, der Zahn musste gezogen werden. Ich war bei einer sehr hübschen Praxis mit deutschem Zahnarzt, der sehr nett war. Mit den Ärzten ist das ja so eine Sache. Nun kann ich ja ganz gut Englisch und trotzdem war mir ein deutscher Zahnarzt lieber. Seine Arzthelferin erzählte mir, dass sie Polin sei und dass die Polen in London auch ihr eigenes Ärztenetzwerk haben.

Ich habe während der Behandlung sogar deutsches Fernsehen schauen können. Man glaubt gar nicht, wie das ablenken kann. Das Ziehen des Zahns ging ruckzuck und ich gehe beim nächsten Mal schneller zum Arzt. Jetzt sitze ich hier mit Eisbeutel auf der Wange und bin froh, dass es vorbei ist. Die Nachwirkungen halte ich auch noch aus.

Keine Macht den Drogen

Was ich gerade erlebt habe, wäre für den ein oder anderen wirkungsvoller gewesen als jeder Drogen-Aufklärungsfilm. Ich bin, wie so oft, mit dem Bus von Hammersmith nach Hause gefahren. Dabei telefonierte ich. Mir fiel sofort das „Paar“ auf, das mir gegenüber saß. Sie war eine sehr zierliche Asiatin in einem zu kurzen Rock und er ein unauffälliger Brite. Irgendwie passten die beiden nicht zusammen. Er trug 1000 Tüten. Irgendwann fing sie an, sehr komisch zu schauen. Ihr Blick wurde panisch, ohne ersichtlichen Grund. Der Mann redete auf sie ein. Sie begann, sich zu strecken. Krallte ihre Finger in seinen Oberschenkel. Irgendwann konnte sie nicht mehr richtig sitzen und fiel wie ein nasser Sack vor meinen Rollstuhl auf den Boden. Das war der Zeitpunkt, an dem ich aufhörte zu telefonieren.

Der Mann hob sie hoch und sagte zu mir, er würde die Frau gar nicht kennen. Er wolle sie nicht anfassen, er wolle ihr nur helfen. Er hatte irgendwie Angst, jemand würde ihm sexuelle Belästigung unterstellen. Da begriff ich, was eigentlich los war. Der Mann hatte der Frau nur helfen wollen, weil sie offensichtlich unter Drogen stand und hatte ihre Tüten getragen. Er sagte, er sei aus dem Pub gekommen, da habe sie auf dem Bürgersteig gelegen. Dann habe er ihr geholfen und sie habe ihm gesagt, sie wolle in den Bus, könne aber ihre Tüten nicht mehr tragen. Sie käme aber noch bis nach Hause. Diese Einschätzung sollte sich als falsch herausstellen. Dass sie unter Drogen stehe, sagte sie auch noch.

Wir hatten Mühe, die Frau zu beruhigen. Sie hatte starke Schmerzen, rutschte immer wieder vom Sitz und versuchte Teile ihrer Kleidung loszuwerden. Es war ein erbärmliches Bild. Der Mann und ich konnten aber nicht viel tun. Die meisten Fahrgäste drumherum ignorierten den Vorgang. Manche fragten, ob sie betrunken sei. Ich sagte zu dem Mann, er solle den Fahrer vorne informieren. Der Frau ging es unterdessen so schlecht, dass sie nicht mehr reagierte. Wir standen eh gerade an einer Haltestelle und der Fahrer rief auf unser Drängen hin einen Krankenwagen. Während wir auf den Krankenwagen warteten, fing die Frau an, sich zu übergeben und es ging ihr zunehmend schlechter. Sie konnte nicht mehr sitzen oder liegen, sondern stand wie unter Strom an die Stange des Busses gekrallt stocksteif da. Die anderen Fahrgäste waren unterdessen in einen anderen Bus umgestiegen. Der Busfahrer beichtete uns, dass er erst seit ein paar Tagen Busfahrer sei und damit reichlich unerfahren. Ein Busfahrer einer anderen Linie kam zu uns und erklärte unserem Fahrer, welchen Report er später ausfüllen müsse. Der Krankenwagen aber kam und kam nicht.

Nach geschlagenen 25 Minuten (!) kam endlich ein Krankenwagen. Dabei war ein Krankenhaus direkt um die Ecke. Ich hatte schon vorgeschlagen, mit dem Bus direkt da hin zu fahren, aber dafür brauchte der Busfahrer wahrscheinlich erst fünf andere Formulare, die er noch nicht kannte. Die Frau war unterdessen nicht mehr ansprechbar. Nur auf eine Frage antwortete sie später klar und deutlich: Ob sie mit ins Krankenhaus wolle. Das wollte sie. Der Mann, der ihr von Anfang an geholfen hatte, meinte zu mir, er ärgere sich jedesmal über sich selbst, dass er Leuten wie ihr hilft und dadurch in Schwierigkeiten kommt. Ich habe ihm geantwortet, dass die Gesellschaft Leute wie ihn dringend braucht und dass es letztendlich egal ist, warum es der Frau so schlecht geht. Klar ist, dass man ihr helfen muss.

Die Sanitäter machten auf mich einen sehr kompetenten Eindruck. Die Sanitäterin versuchte Kontakt zu der Frau aufzunehmen, während der andere Sanitäter mit uns sprach und uns über ihre Verhalten ausfragte und was sie gesagt hat. Sie spritzen der Frau ein Medikament und nahmen sie mit. Und der Mann, der sich um die Frau von Anfang an gekümmert hat, ist dann auch noch mit ins Krankenhaus gefahren. Es gibt doch noch Helden in diesen Zeiten!

In London erwischt es jeden

Ordnungshueter schreibt falschparkende Polizei auf

Er hatte noch mit seinem Kollegen diskutiert, ob sie sich trauen sollten, den Polizeiwagen in der Ladezone aufzuschreiben… Sie haben es dann doch getan.