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Das Benehmen von Otto Normalneugieriger

Mir ist gerade etwas passiert, was mir schon Jahre, vielleicht sogar ein ganzes Jahrzehnt nicht mehr passiert ist: Ich wurde von einer wildfremden Person ohne irgendeinen Zusammenhang gefragt, warum ich im Rollstuhl sitze. Dabei ist mir aufgefallen, wie lange mir das schon nicht mehr passiert ist und wie sich das Verhalten von Otto Normalneugieriger in den letzen Jahren verbessert hat.
Ich sitze gerade bei Starbucks in San Jose (Kalifornien) und die Konversation lief so ab: Ansprache von hinten. Ich drehe mich um. Ein junger Typ, vielleicht Mitte 20, fragt mich:
„Ist die Wifi-Verbindung okay?“
Ich: „Ja, völlig in Ordnung.“
Er: „Unfall?“
Ich: „Nein.“
Er: „Ah, etwas anderes?“
Ich: „Ja.“
Ende der Konversation. Ich drehe ihm demonstrativ den Rücken zu.

Sowas kam, als ich noch zur Schule ging, fast täglich vor. Unterdessen hat sich das Verhalten der Otto Normalneugieriger wirklich gebessert, fiel mir dann heute auf. Sowas gibt es so gut wie gar nicht mehr. Früher waren es oft ältere Frauen, die mich auf der Straße ansprachen: „Warum sitzt Du denn im Rollstuhl?“. Wenn ich gut drauf war, habe ich ihnen bereitwillig Auskunft gegeben und sie anschließend gefragt, wie alt sie denn seien. Sie müssten ja schon recht alt sein dem Aussehen nach zu urteilen. Würde mich mal interessieren… Da war die Fragerunde dann meist schnell beendet.
Ich bin auch ein ziemlich neugieriger Mensch, käme aber nie auf die Idee, wildfremde Leute auf der Straße, bei Starbucks oder sonstwo nach ihren Behinderungen, Krankheiten, Alter, Eheproblemen und sonstigen persönlichen Dingen auszufragen. Aber manche Leute haben wohl echt kein Benehmen.

27 Kommentare

  1. Kraven sagt:

    Ich weiß nicht ob das daran liegt, dass die Leute früher neugieriger waren. Ich hab eher das Gefühl, dass die Leute da bei Kindern weniger Hemmungen haben das Kind anzusprechen und auszufragen.

    Wurde als Kind auch ständig auf meine Verbrennungen angesprochen, heutzutage passiert mir das äußerst selten und dann normalerweise von Leuten, die mich schon ein wenig kennen und sich dann mal irgendwann trauen zu fragen.

  2. kaltmamsell sagt:

    Ich überlege gerade, ob der Unterschied substanziell ist, wenn mich Leute nach dem Grund für meinen deutlich undeutschen Namen fragen. Unterschied 1: Es setzt einen höheren Grad der Bekanntschaft voraus. Ich überlege mal weiter.

  3. Esther sagt:

    So unterschiedlich sind Menschen. Das finde ich aber auch gut so.

    Mir persönlich macht es nichts aus angesprochen zu werden. Eine direkte Frage ist mir lieber als „politisch korrekt“ zu schauen und ggf. zu tuscheln. Daher mag ich kleine Kinder unter anderem so sehr. Sie fragen direkt und stellen Fragen oft anders als Erwachsene.

    Gerade in den 80igern waren die Menschen noch sehr direkt. Es war nicht schön gefragt zu werden, ob meine Hauterkrankung ansteckend sei („Nein – sonst wäre ich in Quarantäne!), ich AIDS hätte (Nein – aber wenn würde ich es Ihnen nicht sagen.) oder die Krätze (Nein – ich halte keine Haustiere auf meiner Haut.) Diesen Menschen sagte ich mir wäre es lieber sie würde fragen wie Kinder und nicht gleich „Diagnosen“ stellen.

    Einfach fragen: „Was ist das denn?“ und mich in Ruhe lassen, wenn ich nicht antworten möchte.

  4. Christiane sagt:

    @Kraven
    Stimmt, als Kind war es noch krasser. Aber ich hatte so Erlebnisse bis zum Abi, teilweise noch im Grundstudium. Dann wurde es irgendwann besser. Aber vielleicht hat es wirklich was mit dem Alter zu tun.

    @Kaltmamsell
    Würde ich auch als ersten Punkt anführen. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn mich Leute irgendwann fragen, warum ich im Rollstuhl sitze. Aber man sollte sich zumindest mal begrüßt haben und andere Dinge ausgetauscht haben.

    @Esther
    Ich finde, es ist nicht zu viel verlangt, wenn man Leute einfach in Ruhe lässt. Also weder gaffen, noch fragen. Bei Kindern ist das was anderes. Aber bei Erwachsenen hat das für mich einfach was mit Benehmen zu tun. Die müssten eigentlich gelernt haben, dass Menschen unterschiedlich sind und man nicht jede Neugierde jetzt und gleich befriedigen muss. Wegschauen finde ich auch bescheuert, aber auch das habe ich schon lange nicht mehr erlebt.

  5. Schussel sagt:

    Das scheint wirklich sehr individuell zu sein – und damit auch sehr schwierig. Mir haben nämlich auch schon zwei Leute unabhängig voneinander berichtet, dass sie sehr gerne antworten und es ausdrücklich gut finden, wenn auch von Unbekannten direkt gefragt wird (nicht nur als Alternative zum blöd schauen). Die sahen das mehr oder weniger als Aufklärungsarbeit, dass beispielsweise auch so manche Krankheit zum Rollstuhl führen kann. Was weiß denn Otto Normalbürger?

    Was natürlich wieder nicht heißt, dass Du das gut finden musst. Aber man weiß ja einfach nicht, was jetzt erwünscht ist…

  6. Ich habe den Eindruck, da traf die (wie ich finde eigentlich angenehme) amerikanische Gesprächsfreude mit sehr schlechtem Gefühl für Themenwahl zusammen.

  7. Sammelmappe sagt:

    Der von dir beschriebene Dialog wäre auch nicht höflich, wenn es um etwas anderes gegangen wäre. Aber es ist immer wieder erstaunlich für mich, wie cool du reagierst.

  8. Esther sagt:

    @Christiane: Sicher wäre es schön, wenn mehr Erwachsene sich zu benehmen wüssten. Nur ändert es eben nicht daran, dass – aus meiner Sicht gesehen – viele Erwachsene eben nicht „erwachsen werden“ bzw. erst sehr, sehr spät.

    Manchmal – wenn gut gelaunt bin – frage ich solche Menschen nach ihren Gründen für diese Fragen. Oft stellte sich heraus, dass sie Angst hatten vor Krankheiten – vor „Behinderungen“ allgemein. Angst davor wie sie dann von anderen „angeschaut“ werden würden. Etc. pp.

    Es geht mir nicht darum sie zu verteidigen. Aber die Perspektive zu wechseln hat mir auch nicht geschadet.

    Ich habe mal einen Tag als „Blinde“ verbracht. Das hat mir viel meiner Ängste irgendwann mal zu erblinden (dazu habe ich eine „gute Chance“). Vielleicht wäre das ein Ansatz: Interessierten Menschen die Möglichkeit geben – mal „blind“ zu sein mit Anleitung … oder mal ein paar Tage in einem Rolli verbringen … etc. Ich weiß es nicht.

    Ich weiß nur, dass viele Menschen Angst vor dem „Anderssein“ haben und einige von ihnen vielleicht deswegen so „neugierig“ sind. *schulterzuck*

    Liebe Grüße
    Esther

  9. Esther sagt:

    Nachtrag: Manchmal ärgere ich mich sehr über solche Frager. Werde sauer und sehr ungehalten. Es ist nicht so, dass ich „immer“ tolerant – wie oben beschrieben – sein kann und/oder will.

  10. Tom Goetze sagt:

    Ich finde Deine / Ihre Artikel sonst immer ziemlich gut und bin dankbar für Deinen / Ihren Mut. Heute fand ich diesen Beitrag allerdings ziemlich hochnäsig. Gut, ich war nicht bei der Situation dabei, aber für mich ist das ne normale Frage, die man ja wohl mal stellen darf. Ob sie dann auch beantwortet wird ist ne andere Sache. Aber dein Beitrag macht doch jeden sogenannten „Otto Normal Bürger“ um so gehemmter im Umgang mit körperlich herausgeforderten Mitmenschen.

    Ich finde solche frustigen Beiträge eher kontraproduktiv.

  11. Edmund sagt:

    Was ist das denn bitte für eine verklemmte Einstellung?
    Ist doch nichts dabei, wenn sich jemand für einen interessiert.
    Sollen alle nur noch glotzen und ihren Teil denken???

    Tut mir Leid, mit der Einstellung kann ich mich nicht anfreunden.

    Zieh in die Wildnis und lebe ein Einsiedlerleben…

  12. Ist das nicht etwas allgemein kritisiert? Ich habe schon mehrfach Kritik gehört und gelesen, dass sich die Gesellschaft zuwenig für Menschen mit Behinderungen interessiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du es in diesem Kontext grundsätzlich schlecht finden könntest, wenn Einzelpersonen sich hier deiner Situation gegenüber offen und neugierig zeigen. Dass sich die Menschen dabei mehr oder weniger nett und geschickt anstellen, hängt dann ja vom persönlichen Hintergrund ab.

  13. lucia sagt:

    ich finde es schon manchmal sehr dreist und unerzogen, wie sich menschen in einer „zivilisierten“ welt benehmen.

  14. Dorothea sagt:

    Dumm ist nur, wenn frau kleinwüchsig ist und wohl lebenslang für ne Minderjährige gehalten wird … Köpfchenstreicheln, Duzen, distanzloses Ausfragen, Euro für`n Eis in die Hände mauscheln oder in den Rock schmeißen – auch 2009 ständig erlebte Realität.

    Gegen Fragen von Kindern hab ich übrigens auch nichts – im Gegentei. Manchmal stimmen sie sogar zu, wenn ich sie auf ein paar Meter Mitfahren einlade. Es ist einfach göttlich, die Eltern zu beobachten, wenn sie angequengelt werden, dass sie auch „so ein tolles Teil“ kaufen sollen ;-)

  15. Christiane sagt:

    @Schussel
    Ich habe auch kein Problem, wenn mich Leute, nachdem man sich zumindest mal 2 Minuten kennt, fragen, warum ich im Rollstuhl sitze. Kein Problem. Aber nicht wildfremde Leute, von denen ich weder den Namen kenne noch sonst einen Bezug zu habe. Das ist ein riesen Unterschied.

    @Beethoven
    Ne, war kein Amerikaner. Ich mag die Gesprächsbereitschaft der Amerikaner (und Briten) auch sehr gerne und rede gerne mit den Leuten.

    @Optimist
    Also über Desinteresse kann ich mich nicht beklagen. Wirklich nicht. Im Gegenteil. Das ist auch okay, aber ich mag keine aufdringliche Distanz- und Respektlosigkeit. Und das ist wirklich nicht mehr so schlimm wie früher. Aber wenn es passiert, überrascht es mich umso mehr.

    @Esther
    Guter Aspekt mit der Angst vor Behinderung. Ich glaube nur, dass ich den Leuten in so einem „Starbucks“-Gespräch von 5 Minuten die Angst nicht nehmen kann. Sie wollen sie indirekt meist auch nur bestätigt haben, ist mein Eindruck. Und ich bin ja auch keine wandelnde Psychologin. Ich mache wirklich gerne Small Talk mit den Leuten und erzähle ihnen auch, warum ich im Rollstuhl sitze und wie das so ist. Kein Problem, passiert mir ständig. Aber ich bin nicht jedem zur Auskunft verpflichtet. Ich empfinde so ein Verhalten als respektlos.

  16. Sandra sagt:

    Da kann ich nur zustimmen. Auch ich habe nichts dagegen, dass sich jemand nach meiner Blindheit erkundigt. Aber ich möchte schon, dass wir uns zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig unterhalten haben, und mir mein Gegenüber auch etwas von sich gesagt hat. Und richtig fragen trauen sollte man sich schon auch. Sich in ein Gespräch einmischen, mir unverlangt und unötigerweise die Uhrzeit sagen (hab meine eigene Uhr) und dann fragen „was haben sie denn da“ zählt nicht. Wer wissen will, warum ich blind binn, der muss das schon mit eindeutiger Wortwahl fragen. Ansonsten ist es einfach nur unhöflich.

  17. Hallo,
    vielleicht wußte der junge Mann einfach nicht, wie er das Gespräch anfangen soll. Ich werde lieber gefragt, als angestarrt. Ich glaube, wir „Behinderten“ sind manchmal einfach zu empfindlich.
    LG
    Bbdüm

  18. Katja sagt:

    „@Dorothea: Dumm ist nur, wenn frau kleinwüchsig ist und wohl lebenslang für ne Minderjährige gehalten wird … Köpfchenstreicheln, Duzen, distanzloses Ausfragen, Euro für`n Eis in die Hände mauscheln oder in den Rock schmeißen – auch 2009 ständig erlebte Realität.“

    Oh ja, ich kenne das auch zur Genüge. Obwohl man mit 1,49 m nicht wirklich als kleinwüchsig zu bezeichnen ist. Ich fand es jedoch wesentlich unangenehmer, von 1,80 m großen Männern belegt zu werden. Ich habe in einem Seminar gesagt, dass ich gern vorn sitzen möchte, um auch alles mitzubekommen. Darauf schaute der 1,80 Typ auf mich runter und sagte: Wir haben schon mitbekommen, dass sie von der Natur benachteiligt worden sind! Meine Reaktion darauf war unterbewusst: Ich schaute an mir runter, so als suche ich einen Makel und sagte betont ruhig: Benachteiligt? Ich? Wohl eher Sie!

    Manche Menschen können sich eben einfach nicht benehmen. Über Kids lache ich, wenn die meinen Sohn z. B. fragen: „Warum ist deine Mama so klein?“ (er ist mit 9 fast gleichgroß). Aber Erwachsene sollten sich schon überlegen, wann sie jemanden verletzen könnten.

  19. jaddi sagt:

    Ich weis so langsam nicht mehr wie man sich RICHTIG verhalten soll.

    Einerseits lese ich im Internet Beschwerden von sichtbar „behinderten“ Leuten, man würde sie NICHT beachten, demonstrativ weggucken, krampfhaft einen Umweg machen, um ihnen nicht im Weg zu stehen ect. Dann beginnt hier jemand ein kurzes Gespräch und das ist dann auch nicht Recht.

    Ich habe auch eine Behinderung, allerdings neurologischer Natur, nicht offensichtlich sichtbar (sieht man von meinem leichten Hinken und den hin und wieder auftretenden Zuckungen ab), ich musste mir menschliches Verhalten mühsam antrainieren, dazu gehört auch solcher belangloser Smalltalk.
    Und zu dem gehört auch, wenn man denn nachfragt ob die WiFi Verbindung OK ist, nicht sofort danach abzubrechen.
    Sowas wurde mir imemr als zu direkt, zu Punktgerichtet und zu kalt“ vorgehalten.

    Nun, mit was redet man dann solange weiter bis die „Grundfrage“ beantwortet, ist und der Andere sich nicht abgekanzelt fühlt?

    Man fragt / sagt offensichtliches, ich sehe an der Frage ob Du einen Unfall hattest, nichts Schlimmes. Das ist etwas, das man mir quasi „antrainiert“ hat: Menschen möchten über ihr Befinden Auskunft geben, daher wäre eine solche Frage für mich logisch.

    Da ich zB. kein merkliches „normalbefinden“ habe antworte ich mittlerweile mit: „Mir gehts gut danke“, wenn jemand mich nach meinem Gefühlsleben ausfragen will (das meistens irgendwo im Hintergrund nicht greifbar herumdümpelt).

    Mich verunsichert jetzt dieser Blogeintrag – da ich mir dieses „zwischenmenshcliche Gelaber“ angewöhnt habe, was darf, kann man einen Menschen fragen, wann kann man ihn ignorieren?

    Mein Mann ist oft erstaunt, dass ich mir Informationen mühsam selbst zusammensuche, auch wenn Leute zB. in einem Cafe sind die Auskunft geben könnten.
    Ich bin eher so gepolt zu sehen: Da nutzt jemand einen Laptop, also versuche ich durch Hinweise (Aufkleber ect.) herauszufinden ob es da eine allgemeine zugängliche Webanbindung gibt.
    Menschen sind für mich keine „natürlichen Informationsquellen“, für JEDEN Anderen aber schon.

    Dieser Mensch hat genau das gemacht was sicher einige Menschen tun würden, Ok vielleicht würden sie dann verunsichert versuchen noch einige Sätze übers Wetter zu reden, aber vielleicht würden sie viel LIEBER wissen was Dir passiert ist, Anteilnahme zeigen.
    Neben der Info über die Netzanbindung.

    Für mich ist diese Art von zwischenmenschlicher „Emphatie“ etwas fremdes ( befremdliches), aber oft habe ich das Gefühl, sie wird von denen im Kern abgewürgt die sie eigentlich haben wollen.

    Es KANN aber auch sein, das Du an „einen meiner Art“ geraten bist.
    Jemand der noch nicht so Smalltalk erfahren ist.
    Passe ich nicht auf bin ich den Meisten zu direket und „neugierig“.
    Weil mein „Automatismus“ kein vorsichtiges Herantasten, nutzloses herumreden, „zuckerwatte packen“ zulässt.

    Es gibt eben direkte Menschen die einfach Dinge fragen, die vielleicht nicht so oft gefragt werden.

    Aber ist das SO schlimm?

    Wenn das so ist: Dann bleibe zuhause, mache die Tür zu und Du wirst keinen solchen Fragen ausgesetzt sein. Nur Einsamkeit und sich langsam bildenden Staubfusseln.
    Ein Zustand der für mich sehr angenehm ist, aber für einen „Normalmenschen der halt nur im Rollstuhl sitzt“, sicher nicht.

    Leibe Grüße von jemanden, dessen Hirnchemie keine „verbale Zuckerwatte“ zulässt.

    :D

    Iris

    Ach ja: Ich werde des öfteren von Kindern gefragt „Warum ist Deine Brille so dick ?“
    Meine Antwort: „Weil ich sonst ein volklommener Blindfisch bin“ (und weil ich mir zzT. ekien Spezialgläser leisten kann, ist halt so)

    Ein Nachbarskind wog letztens ehrfürchtig meine Sonnenbrille in der Hand und meinte seine Mama habe aber eine leichtere ob es mir verraten soll wo es die gibt.
    Mich belustigt sowas eher.
    Auch wenn Erwachsene mal durch meine „Lupen“ schauen.

    Das gehört aber so zu mir, das es einfach „ich“ ist dieses schlechte Sehen.

    Jeder Mensch hat doch irgendwo etwas, auf das andere Menschen „anspringen“, neugierig nachfragen ect.

    Who cares?

  20. cuby sagt:

    Er: “Unfall?”
    Ich: “Nein.”
    Er: “Ah, etwas anderes?”
    Ich: “Ja.”
    Ende der Konversation. Ich drehe ihm demonstrativ den Rücken zu.

    Das finde ich unhoeflich.
    Ein einfaches „Ich moechte nicht drueber reden“ waere wohl angemessener gewesen, als sich einfach wegzudrehen.
    Ja, wenn ein Nichtbehinderter so kurz angebunden reagiert, ist er unhoeflich, hm?

  21. Christiane sagt:

    @cubby
    Stimmt. Hast recht. War unhöflich. Ich glaube, das war das „Wald-reinrufen-Schall“-Phänomen. Ich habe mal in einem Selbstverteidigungskurs gelernt, dass man Leuten genau sagen soll, was sie tun. Also „Sie belästigen mich“, „Sie sind aufdringlich“ etc. Wäre besser gewesen.

  22. @Christiane
    Stimmt, finde ich auch. Sowas wie „Sie sind aufdringlich“ bietet den anderen bessere Chancen zum verstehen. Vielleicht hätte er sogar verwundert nachgefragt, sich entschuldigt, erklären lassen und dich danach sogar noch um den Finger gewickelt ;-) Reden auf eigene Gefahr.

  23. cuby sagt:

    Kommunikation besteht aus Sender und Empfaenger – dazwischen liegen oft Welten.
    Die beliebten „Du-Saetze“ haben meist eine Anschuldigung im Unterton. „Du bist aufdringlich.“
    Stimmt das tatsaechlich, war das die Absicht des Senders? Warum kommt das beim Empfaenger so an?
    Ich-Saetze dagegen zeigen auf, was ankommt und wie.
    „Ich fuehle mich von dir bedrangt“ klingt zwar etwas gestelzt, waere aber die exaktere Formulierung dessen, was gerade passiert – die man auch ausweichend umformen kann in „Ich moechte nicht darueber reden“. oder „Das gehoert jetzt nicht hierher.“

    … Miteinander reden – Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thum, kann ich nur empfehlen…

    Ich bin etwas autistisch – Asperger – ich lerne durch solche Buecher verstehen, was mir intuitiv nicht so moeglich ist.

  24. Christiane sagt:

    @cuby
    Es kommt sicherlich auf die Situation an. Wenn man eine Situation beenden oder schnell ändern will, muss man das klar kommunizieren. Gerade wenn man sich bedrängt fühlt.
    Ich habe in besagtem Kurs auch gelernt, dass es nicht so wichtig ist, ob jemand beabsichtigt hat, jemanden zu bedrängen oder zu belästigen, sondern sobald man sich belästigt fühlt, ist eine Belästigung. Die Antwort auf Deine Formulierung ist nämlich so gut wie immer „Ich wollte sie gar nicht belästigen“, auch wenn die Person längst den Arm um Dich gelegt hat (um jetzt mal zu übertreiben).

    Ich hatte mal ein Erlebnis bei dem ein überhilfsbereiter Mann mir bei Aldi ständig Waren in den Einkaufswagen gelegt hat, weil er dachte, ich wolle die kaufen. Sobald ich irgendwas länger angeschaut habe, griff er ins Regal und legte mir das Zeug in den Wagen. Er war mit freundlichen Worten nicht davon abzubringen. Irgendwann habe ich gesagt „Sie belästigen mich“ und das Theater war beendet.

    Mir war klar, dass der Mann das nicht vor hatte. Aber es war eine Belästigung für mich, weil er auch nicht aufhörte als ich ihn freundlich darum bat.

  25. Mo sagt:

    Inzwische nervt es. Ja was wollt „ihr“ denn?
    Mal heißt es, man solle fragen. Dann heißt es wieder, man solle nicht fragen.
    Schauen darf man nicht, aber wegschauen soll man nicht.
    Ja was soll denn das?
    Wenn ich was wissen will, dann frage ich höflich, wenn der Mensch nicht gefragt werden möchte, dann sagt er mir das. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass ich schon richtig interessante Gespräche mit unterschiedlichen Leuten hatte, weil ich eben nach dem „Warum“ gefragt habe.

  26. Stefan K sagt:

    Ich habe keine körperlichen Behinderungen und kann – im Gegensatz zu etlichen nicht-behinderten Kommentatoren hier – Christianes Argumentation sehr gut verstehen.

    Es gibt so etwas wie Privat- und Intimsphäre, und die sollte man auch wahren, wenn eine Einschränkung offensichtlich ist.

    Vielleicht hilft den Kritikern folgender Vergleich:

    wenn ich zufällig mitbekomme, dass ein mir nur flüchtig bekanntes Paar trotz Kinderwunsch keine Kinder bekommen kann – spreche ich sie dann darauf an, vielleicht auch noch in der Öffentlichkeit?

    Nein, natürlich nicht! Es ist eine persönliche Sache, die eventuell auch für den Betroffenen unangenehm ist. Erst wenn ich mit ihnen in einem persönlichen Gespräch bin, könnte ich darüber nachdenken, ob es angemessen wär, sie darauf anzusprechen.

    Neugierde ist menschlich, aber es gibt viele Situationen, in denen es nicht angemessen ist, sie auszudrücken.

    Wahrscheinlich wär es auch ein ganz anderer Einstieg, wenn jemand Neugierde hätte für die Schwierigkeiten mit mangelnder Barrierefreiheit oder dem Nutzen von Hilfsmitteln.

    Ich glaube, eine Frage „Wie kommen Sie mit dem Rollstuhl ins Auto/ in die U-Bahn/ ins Kino?/ Wie finden Sie barrierefreoie Cafés?“ etc. würde Christiane – sofern sie grad die Zeit hat – eher beantworten wollen!

  27. jaddi sagt:

    Stefan, woher willst Du denn wissen wer hier behindert ist und wer nicht?

    Und woher weisst Du wo wesen Privatsphäre anfängt und wo sie aufhört?

    Ich finde nichts verwerfliches daran jemanden der im Rollstuhl sitzt zu fragen ob er einen Ufall hatte. Zu fragen ob man zB. mal die eventuell verkrüppelten beine sehen darf DAS wäre zb: ein Eingriff in die Privat / Intimsphäre. Aber wenn jemand sich in die Öffentlichkeit begibt gibt er ja einen Teil seiner Privatsphäre auf – da iste s dann ganz normale das Leute Fragen stellen – ob man behindert ist, ob man rote Haare hat oder sonstwie auffällt oder eben einfach nur um ein Gespräch anzufangen.

    Und woher soll man wissen WELCHE Fragen jemand beantworten mag und welche nicht?
    Ich fände zB. solche Fragen nach der Alltagsbewältigung zu viel des Guten.

    Wobei ich da immernoch sagen würde: „Ich bin ja irgendwie hergekommen, geht also schon.“

    Wie Mo schon sagt: Wie denn nun? Fragt man nicht „igoniert“ man den Anderen und der ist deswegen eventuell angenervt. Fragt man ist es auch nicht Ok…

    Für Leute wie Cuby und mich zB. der vollkommene Irrsinn geistig „normaler“ Menschen.

    LG

    Iris