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Tag Archiv für Greenwich

Die Qual der Wahl

Am Donnerstag wird in Großbritannien gewählt. Und zum ersten (und hoffentlich letzten) Mal darf ich an einer Parlamentswahl nicht teilnehmen, obwohl ich in dem Land, in dem gewählt wird, Steuern zahlen. Naja, immerhin darf ich das Gemeindeparlament von Greenwich mitbestimmen. Meine Stimme kommt mir hier fast noch wichtiger vor als in Deutschland, weil die Wahlbeteiligung hier insbesondere bei Kommunalwahlen bedenklich schlecht ist. In unserem Wahlbezirk (Eltham South) lag die Wahlbeteiligung beim letzten Mal bei 40%.

Sehr interessant ist zu sehen, welche Rolle die Behindertenpolitik im Wahlkampf spielt. Das Magazin „Disability Now“ hat die Parteien zu ihrer Behindertenpolitik befragt. Alles in allem ist das alles sehr mau, was dort genannt wird.

Das ist ziemlich unverständlich, denn in einer Umfrage im April unter behinderten Wahlberechtigten gaben zwei Drittel der Befragten an, dass die Behindertenpolitik der Parteien ihre Wahlentscheidung maßgeblich beeinflussen würde.

Sehr interessant diesbezüglich war eine Posse, die sich letzte Woche ereignete. Der Spitzenkandidat der Konservativen, David Cameron, war in London auf einem Wahltermin. In der Näher hielt sich ein Vater mit seinem rollstuhlfahrenden Sohn auf, die eigentlich nur einen Krankenhaustermin wahrnehmen wollten. Das Wahlkampfteam von Cameron dachte sich wohl, es mache ein tolles Pressebild, wenn ihr Kandidat den behinderten Jungen trifft und fragte den Vater, ob er gemeinsam mit seinem Sohn mit Cameron sprechen wolle. Der Vater wollte, denn er hatte sich über die Politik der Konservativen zur schulischen Integration geärgert. Der Vater hatte lange darum gekämpft, seinen Sohn in eine Regelschule schicken zu können und ärgerte sich über eine Passage aus dem Wahlprogramm.

Was die konservativen Wahlkämpfer bekamen, war also kein herziges Wahlkampfbild, sondern ein Debatte auf allen Kanälen und in Zeitungen über die schulische Integration behinderter Kinder und die Politik der Torries – gemeinsam mit einem Bild, das alles andere als herzig aussieht.

Der Vater des Kindes ist zudem Chef eines recht bekannten ThinkTanks und ließ sich freudig und wortgewandt in jede Sendung schalten und trat massiv für die schulische Integration behinderter Kinder ein. So schnell kann ein Wahlprogramm ganz schön altmodisch aussehen.

Ich weiß immer noch nicht, was ich am Donnerstag wähle. Gestern rief die Labour-Partei an und fragte mich, wie wahrscheinlich es sei, dass ich am Donnerstag Labour wähle. Abwarten und Tee trinken!

Für mich wird interessant zu sehen, ob sie die Barrierefreiheit meines Wahllokals verbessert haben. Ich habe mich nach der Europawahl beim Wahlleiter der Gemeinde beschwert, weil der barrierefreie Eingang nach 18 Uhr geschlossen war und ich erst an die Scheibe im Hochpaterre klopfen musste, damit mir jemand aufmacht. Das Wahllokal hatte aber bis 22 Uhr geöffnet. Den E-Mails und den überschwänglichen Entschuldigungen nach zu urteilen, müsste es diesmal klappen.

Bin wieder da

Nein, es ist nichts passiert. Ich habe nicht wirklich eine gute Entschuldigung, warum ich so lange nichts geschrieben habe, außer einen ziemlich anstrengenden und zeitraubenden Umzug. Aber wir sind jetzt ganz glücklich in unserem neuen Haus und langsam sehe ich Land, was meine Zeit angeht. Wir haben uns in der Gemeinde Greenwich, wo wir auch vorher schon gewohnt haben, einen Bungalow gekauft. Genauer gesagt wohnen wir jetzt im Stadtteil Eltham.

Der Hauptgrund, warum wir nach Eltham gezogen sind, ist die Tatsache, dass es hier relativ viele Bungalows gibt. Es gibt in London nur zwei Regionen, in denen es Bungalows gibt. Hier im Südosten und im Nordwesten. Wir wollten sowieso in Greenwich bleiben und Eltham ist eine nette Gegend mit guter Verkehrsanbindung. Es ist schwierig, in London Bungalows zu finden, denn Grund und Boden ist hier wahnsinnig teuer. Deshalb baut heute niemand mehr ein nur einstöckiges Haus auf das teure Land. Unser Haus ist aus dem Jahr 1928 und sehr gut in Schuss. Unser Gutachter meinte: „Diese Häuser haben den Zweiten Weltkrieg heil überstanden. Die sind besser in Schuss als mancher Neubau hier.“

Das Besondere ist, dass das Haus vorher bereits einer Rollstuhlfahrerin gehörte und sie vor ihrem Tod verfügte, dass das Haus wieder Menschen mit Behinderungen zu Gute kommt. Denn sie hat viel umbauen lassen. Es gibt keine einzige Schwelle, zum Bad gibt es eine Schiebetür und die Küche ist unterfahrbar und niedriger angebracht, um mal nur ein paar Dinge zu erwähnen. Es gibt einen total zugänglichen Garten, der erhöhte Holzwege hat. Man kann sogar vom Rollstuhl aus Äpfel pflücken.

Es war wirklich Glück, dass wir das Haus gefunden haben. Ich glaube, ein barrierefreies Haus in London zu finden, ist genauso schwer wie in Hamburg. Bei Wohnungen sieht es etwas anders aus. Es gibt vielen alten Baubestand und die vielen viktorianischen Häuser kamen überhaupt nicht in Frage, weil sie viel zu eng sind und zwei Stockwerke haben.

Nun leben wir uns langsam ein, aber noch sind nicht alle Kisten ausgepackt…

Erdbeben in London

Hier gab es gerade ein Erdbeben. Ich dachte erst, ich bin verrückt, aber mein Rollstuhl bewegte sich als ich am Tisch saß ohne mein Zutun. Dann dachte ich, mir sei schlecht. Dann knackten alle Fenster und der Boden wackelte. Ich kann noch nichts dazu in den Medien finden (es ist jetzt 1:23), aber bei BBC sind die meist gelesenen Artikel gerade Artikel zu Erdbeben. Ich bin also nicht die Einzige, die das mitbekommen hat.

Update: So, die BBC ist aufgewacht. Es war ein Erdbeben der Stärke 4.7. Das Epizentrum war in Kingston-upon-Hull, was etwa 200 Meilen von Greenwich entfernt ist.

Update2: Die Behörden haben ihre Angaben korrigiert. Es war ein Beben der Stärke 5.3 und damit das Stärkste seit 25 Jahren in Großbritannien.

No step-free access

Ich schimpfe ja, wie alle Londoner, des öfteren über die U-Bahn hier. Ich muss aber sagen, ich bin in meinem Leben noch nie so oft U-Bahn gefahren wie im Moment. Seit dem Umzug nach Greenwich kann ich die Jubilee Line nutzen, die immerhin von Westminster bis Stratford nur barrierefreie Stationen hat und die mich in 3 Minuten zur Docklands Light Railway (DLR) bringt, die komplett barrierefrei ist. Der Osten Londons ist definitiv barrierefreier als der Westen. Man denkt, man wäre in einer anderen Stadt.

Gestern abend ist mir zum zweiten Mal eine Anzeige auf der Hinweistafel, auf der der nächste Zug angezeigt wird, aufgefallen. Dort stand, dass in Southwark der Lift derzeit nicht geht, weil er repariert wird. Die Lifte funktionieren hier so gut wie immer. Es gibt offizielle Statistiken dazu, in denen man nach U-Bahnlinie und Station sehen kann, wie oft der Lift außer Betrieb war. Diese Plakate hängen in den Stationen und alle Statistiken, die ich bislang gesehen habe, bewegen sich im 99%-Bereich. Wenn ein Fahrstuhl defekt ist, ist er wirklich innerhalb weniger Stunden repariert, außer man wartet auf ein Ersatzteil.

Gestern sah ich dann diesen Hinweis und dachte „Wie genial“. Das müsste man überall machen. Hamburg hat diese Anzeigen über den Bahnsteigen auch. Da wird irgendwas eingeblendet, aber nie welcher Fahrstuhl defekt ist. In Frankfurt sind die Fahrstühle ständig defekt. Ich war noch nicht ein einziges Mal in Frankfurt ohne dass ich nicht irgendwann vor einem defekten Fahrstuhl in der S- oder U-Bahn stand. Hinweise habe ich noch nie gesehen. In San Francisco habe ich gesehen, dass es in den Fahrstühlen aktuelle Hinweise gibt, an welcher Station die Fahrstühle gerade nicht gehen (mit Angabe der Uhrzeit). Hier wird es also über die Anzeige auf über dem Bahnsteig bekannt gegeben. Wenn denn mal wirklich ein Fahrstuhl nicht geht…

In London bekommt man übrigens auch relativ gute Informationen darüber, welche Rolltreppen gehen und welche nicht. Zum einen wird das in den Stationen durchgesagt und man findet es auf der Webseite von Transport for London.

Einspruchsrecht

In England bekommt man ständig Briefe, wenn um die eigene Wohnung herum gebaut wird. Man kann dann beim Council Einspruch gegen die Baumaßnahme einlegen. Ich glaube, ich habe schon 20 dieser Briefe bekommen seit ich hier bin und habe sie mit wenig Interesse gelesen (was interessiert mich der Hausanbau von Nachbar xy?).

Heute teilt mir Greenwich Council mit, dass auf der Halbinsel, auf der wir wohnen, mehr als 200 barrierefreie Wohnungen gebaut werden. Ich bin beeindruckt und mache mir um meine künftige Wohnsituation keine Sorgen mehr.

In Greenwich ticken die Uhren anders

Ich habe direkt nach unserem Umzug nach Greenwich einen neuen Freedom Pass beantragt. Die bei der Hotline sagten, das müsse ich machen, weil sonst Ealing (meine vorherige Gemeinde) den Freedom Pass zahlt, den eigentlich Greenwich zahlen müsste. Mir ist das ja wurscht, aber Ealing war immer korrekt und schnell, also habe ich gleich in Greenwich gesagt, dass ich gerne einen neuen Pass hätte. Ich war schon mittelschwer enttäuscht als mir die Dame sagte, dieser werde mir zugeschickt. In Ealing konnte ich darauf warten. Ist ja auch keine Aktion: Foto reinkleben, Papiere checken, fertig.

Jetzt ist das bereits Wochen her und ich habe mir heute erlaubt, mal bei der Gemeinde anzurufen und zu fragen, wann sie gedenken, mir den neuen Pass zu schicken. Die freundliche Dame am Telefon sagte zu mir: „Das kann kann sechs bis acht Wochen dauern.“ Ich zeigte mich bestürzt und sagte ihr, dass ich vorher in Ealing gewohnt habe und dass die Ausstellung 15 Minuten gedauert habe. Ihre Antwort: „That’s Ealing. We are Greenwich.“ Okay, verstanden. Hier ticken die Uhren anders.

Gut in Greenwich gelandet

Seit ein paar Tagen wohnen wir jetzt schon in Greenwich und ich muss sagen, es gefällt uns sehr. Ich kann stundenlang am Fester stehen und auf den Teich vor unserem Balkon schauen. Es ist sehr ruhig und dennoch in der Stadt.

Faraday Lodge

Am Mittwoch will BT endlich Internet schalten. So lange weile ich derzeit bei Starbucks, wenn ich nicht gerade auf Ämtern rumhänge, um die Ummeldungen zu machen. Aber Canary Wharf ist ja um die Ecke…

Umzug

Hier geht es in den nächsten Tagen etwas ruhiger zu, denn wir ziehen um. Juhu! Ich habe keine Ahnung, wann ich wieder einen Internetanschluss habe.

Ich war ja schon immer am Puls der Zeit, jetzt wohnen wir auch dort, nämlich in Greenwich. Greenwich wird übrigens, wie fast alle Stadtteile hier, nicht so ausgesprochen, wie wir Deutschen das meinen, sondern anders, nämlich ungefähr wie „Gränitsch“. Greenwich gehört zu London und ist seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe und durch das Royal Greenwich Observatory verläuft der Nullmeridian.

Wir ziehen in eine ganz interessante Siedlung, nämlich das Greenwich Millenium Village. Das liegt direkt an der Themse und vor allem an einer barrierefreien U-Bahnstation. So komme ich problemlos nach Canary Wharf, Waterloo oder auch nach Westminster. Ich habe einen Garagenparkplatz (ich will ja nicht Autoglass-Dauerkunde werden) und wir haben ein Zimmer mehr als jetzt und einen Balkon.
Ich glaube, die Gegend ist eine Mischung aus Las Vegas und Naturschutzgebiet. Auf der Halbinsel, auf der das GMV liegt, gibt es unter anderem die O2 Arena, eine Konzerthalle mit vielen Restaurants, einem Kino etc. Aber es gibt auch ein Biotop und eben viel Wasser.

Also, ich hoffe, es war eine gute Entscheidung nach Greenwich zu ziehen und dass uns die typischen Londoner Wohnungsprobleme wie undichte Fenster, zu wenig Wasserdruck etc. erspart bleiben. Bislang hatte ich ja Glück, auch die jetzige Wohnung ist super, aber für Zwei einfach zu klein.