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Deutsche Sprache, schwere Sprache

Die Vereinten Nationen haben im vergangenen Jahr eine Vereinbarung über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verabschiedet. Das 40 Seiten starke Papier ist jetzt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vom Englischen ins Deutsche übersetzt worden –offensichtlich von Menschen, die das Fachvokabular nicht so richtig drauf hatten. Da wurde „Inclusion“ mit Integration übersetzt, „Living independently“ als „unabhängige Lebensführung“ statt als „Selbstbestimmt Leben“ und „accessibility“ mit „Zugänglichkeit“ statt mit „Barrierefreiheit“.

Jetzt gibt es einen Aufschrei und eine Anfrage im Deutschen Bundestag. Ja gut, man muss sich schon fragen, warum im Bundeministerium keine Leute sitzen, die die Fachbegriffe kennen. Der Begriff Barrierefreiheit hat sogar Einzug in die deutsche Gesetzgebung gefunden und ist eindeutig definiert. Auch Integration und Inklusion sind zwei verschiedene Dinge, aber trotzdem lässt mich das irgendwie kalt, weil ich nicht so richtig sehe, was eine korrekte Übersetzung ändern würde. Dennoch halte ich die Konvention für sehr wichtig, aber dass sie konkrete Veränderungen bringt, daran kann ich noch nicht so richtig glauben.

9 Kommentare

  1. oldnag sagt:

    Ich würde dieses den „Fachleuten“ nicht wirklich vorwerfen, die Übersetzung wird von professionellen Übersetzern gemacht wurden sein. Das Sprachgefühl Dieser dürfte dem meinem ähnlich sein. Ich hätte es wahrscheinlich sehr ähnlich übersetzt, halt auch ohne Einzelwissen. Das liegt dann wahrscheinlich auch am deutschen Gesetzgeber, der es versäumt anerkannte Begriffe abseits des Gesetzestextes in den deutschen Sprachgebrauch zu überführen.

    Aber immerhin ist der Begriff ‚Barrierefrei‘ in der Agentur für Arbeit eingezogen. Hatte ich heute erst gesehen.

    Das traurige für mich ist, wenn ich in England unterwegs bin, versteht man die Begriffe aber ohne an eine deutsche Übersetzung zu denken.

    Und auch eingestanden, ich habe Texte von CEN-Normen mit ins deutsche als Fachmann übersetzt und war mehr als einmal am verzweifeln, da die englische Version etwas andere bedeutete als die deutsche „wörtliche“ Übersetzung. Und die Norm hatte ich in der englischen Sprache mitenwickelt.

    Ergo: Sprache ist nicht einfach und Begrifflichkeiten müssen erst bekannt sein, bevor sie Allgemeingültigkeit besitzen

  2. Holger sagt:

    Mich wundert bei den Übersetzungen schon lange nichts mehr.
    Ich empfehle einfach mal ein paar Begriffe in die offiziele Phrasendreschmaschine äh Übersetzungsdatenbank der EU einzugeben.
    http://iate.europa.eu/iatediff/SearchByQueryEdit.do
    Wie stark vereinfacht dort übersetzt wird, nur um genau diese Fachbegriffe zu umgehen ist schon erstaunlich.

  3. Phil sagt:

    so schlimm find ichs jetzt nicht, man kann sich auch aufregen. ist auch typisch deutsch.

  4. Dorothea sagt:

    Es wird vor allem nix ändern, wenn die Begriffe korrekt übersetzt sind.

    In den Hirnen der meisten wird sich trotz und alledem pflegeBedürftigesArmesHascherlMalTätschelnGehen abpsielen.

  5. oldnag sagt:

    @4 Dorothea: Es wird sich gewiss eine Menge ändern, wenn die korrekten Begriffe verwandt werden.

    Wir leben von und mit Begrifflichkeiten. Diese haben einen sehr direkten Einfluss auf unser Unterbewusstsein. Und Letzteres steuert auch unser Außenverhalten. Das ist wie die Methode: steter Tropfen höhlt den Stein.

  6. Theo sagt:

    Und deswegen ein „Aufschrei“? Nenene, wenn ich es nicht besser wuesste wuerde ich denken wer keine Probleme hat, der macht sich welche.

  7. Gene sagt:

    Ja, stimmt. Deutsche Sprache, IST eine schwere Sprache. Als Fremdspracher, ich frage mich immer warum es braucht drei worte für ‚the‘?

  8. Gerhard sagt:

    Muss denn wirklich alles standardisiert werden?

  9. Martin sagt:

    Ich finde das grad auch nicht so schlimm. Man sollte sich wegen sowas nicht aufregen.