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Tag Archiv für Tourismus

Zeichen der Ausgrenzung aus Stahl

Andreas Bemeleit beschreibt in seinem Weblog Zwischenzeit wie die Stadt Hamburg mit einer neuen Touristenattraktion behinderte Menschen ausgrenzt. Ein schönes Beispiel für Leute, die immer noch glauben, alle neuen Gebäude würden barrierefrei gebaut.

„Die Architekten von Bothe Richter Teherani haben in Allianz mit Hamburgs Senat und Bürgerschaft ein aus Beton und Stahl geschaffenes Zeichen der Ausgrenzung vollbracht. Sie schaden dem Image Hamburgs, indem sie Barrieren schaffen, die vermeidbar gewesen wären.“

Hier nachzulesen.

Dubai will barrierefreier werden

Was Singapur kann, kann Dubai schon lange, müssen sich die Scheichs gedacht haben und wollen das Emirat noch barrierefreier machen. Wieso ich „noch“ schreibe? Eine meiner ersten beruflichen Reisen ging nach Dubai. Ich war damals noch Volontärin und kann mir bis heute von meinem charmanten Kollegen auf der anderen Schreibtischseite anhören: „Während andere Volontäre froh sind, wenn sie mit dem HVV-Bus in den Wildpark Schwarze Berge fahren dürfen oder im Pilgerbus zur Papstbeerdigung nach Rom fahren müssen, warst Du schon als Volontärin in Dubai.“ Damit hat er zugegebenermaßen recht. :-)

Ich hatte, ebenso wie von Indien, überhaupt keine Vorstellungen wie barrierefrei Dubai wirklich ist und dachte, vielleicht gibt es wenigstens am Flughafen eine Behindertentoilette. Als ich ankam, war ich dann angenehm überrascht. Der Flughafen ist nach amerikanischem ADA-Standard gebaut und das Hotel, in dem wir wohnten, hatte ein perfekt ausgestattes barrierefreies Zimmer. Die Bürgersteige waren weitgehend abgeflacht. Allerdings gab es ein Toilettenproblem: Die wenigsten Hotels oder Lokale haben Behindertentoiletten. Die Einkaufszentren schon. Sehr lustig war, wenn wir unterwegs waren und ich fragte, ob es eine Behindertentoilette gibt, sagte man grundsätzlich „Ja“. Nur es gab dann keine. Aber irgendwie kam ich dann doch klar, die Türen waren teilweise breit genug oder ich fuhr zurück in mein Hotel.

Ich habe damals mit jemandem von Tourismusministerium ein Interview zu Barrierefreiheit gemacht und war überrascht, wie sehr sie das Thema Barrierefreiheit auf dem Zettel hatten. Ihre Zielgruppe war ganz klar: Ältere Amerikaner. Das Ministerium arbeitete damals an einer Broschüre für behinderte Touristen. Das Problem war nur, die Hotels und Einrichtungen behaupteten nicht nur mir gegenüber, dass sie eine Behindertentoilette haben, obwohl sie keine hatten, sondern auch gegenüber dem Ministerium. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass Dubai auf dem richtigen Weg ist und sie scheinen ihn, drei Jahre nachdem ich dort war, noch immer weiterzugehen.

Familienbetriebe

Ich muss gestehen, ich bin kein Fan von familiengeführten Betrieben ohne Schriftzug einer großen Hotelkette über der Tür. Man weiß da nie so recht, was einen erwartet. Ich bin gerade in einem solchen Hotel und diese „deutschen Traditionsunternehmen mit Herz“ sind mir irgendwie ein Graus: Oft läßt die Ausstattung des Zimmers auf das Wohnzimmer und den Geschmack der Familie schließen und der Fernseher macht den Anschein als sei er aus dem Nachlass der Großmutter übrig geblieben. Vielleicht habe ich auch einfach immer Pech gehabt, aber irgendwie habe ich den Eindruck, bei Marriott, Holiday Inn & Co. besser aufgehoben zu sein. Da wackelt kein Türgriff, die Rezeptionistin ist durch 10 Schulungen für Kundenorientierung gegangen und wenn doch mal was nicht okay ist, läuft ein „Wie machen wir den Fehler wieder gut?“-Programm ab. Und diese Hotels halten im Zweifelsfall, was sie versprechen und wenn nicht, gibt es eine kostenlose Hotline, die einem zumindest das Gefühl vermittelt, es werde was getan und der Kunde wird ernst genommen.

Ich hatte das Familienhotel am Stadtrand von Kiel vorher angerufen und gefragt, ob es barrierefrei ist. Ich hatte gesagt, dass ich Rollstuhlfahrerin bin. Ja, man sei „behindertenfreundlich“, sagte man mir. Das Wort „barrierefrei“ ist noch nicht so etabliert, deshalb war ich über die Antwort nicht verwundert sondern dachte, ich finde ein barrierefreies Zimmer vor.

Ich kam hier also an und es wurde schon ein riesen Trara veranstaltet, weil ich auf dem viel zu hohen Tresen die Anmeldung nicht ausfüllen konnte. Ich bat um eine Unterlage. Man hatte keine und ich kam mir schon total lästig vor. Sowas gibt es bei den Ketten einfach nicht. Da wird immer irgendwas organisiert, ein Buch oder Ordner ist immer da. Ich hab dann irgendwie auf dem Schoß rumgekritzelt.

Als ich ins Zimmer kam, war ich mir nicht sicher, ob ich wirklich im Rolli-Zimmer war. Die Toilette ist sehr niedrig, es gibt nirgendwo Haltegriffe, der Platz neben der Toilette reicht nicht, um mit dem Rollstuhl daneben zu fahen, meine Knie passen nicht unter das Waschbecken im Sitzen und die Dusche ist zwar zu ebener Erde, aber darum ist ein Glaskasten gebaut, der nicht in ein barrierefreies Zimmer gehört und stört.

Bad

In meiner grenzenlosen Naivität rief ich die Rezeption an und fragte, ob ich im richtigen Zimmer sei. Man habe keine barrierefreien Zimmer, nur „behindertenfreundliche“ klärte man mich auf. Eine derartige Unterscheidung ist absolut unüblich und jeder versteht unter „behindertenfreundlich“ offensichtlich etwas anderes. Für barrierefreie Zimmer gibt es eine DIN und dass die auch bitter nötig ist, erlebe ich hier gerade. Das Hotel wirbt mit dem Merkmal „behindertenfreundlich“ übrigens auch und ich nehme an, ich bin nicht die Einzige, die vermutet, das Hotel kenne nur den richtigen Ausdruck für Barrierefreiheit nicht.

Da nutzt mir die ganze Herzlichkeit eines familiengeführten Betriebes nichts, wenn ich nicht das vorfinde, was ich erwarte oder auch nicht sicher sein kann, was auf mich zukommt. Mir reicht die antrainierte Freundlichkeit des Hotelkettenpersonals durchaus und ich erwarte auch nicht, dass ich vom Hausherrn begrüßt werde. Ich will einfach vorher wissen, was ich buche und nicht die Katze im Sack kaufen.

Das Feiertag-Gasthaus in der Nähe von Büschel

Dass man mehrsprachige Websites nicht mit Übersetzungsprogrammen übersetzen sollte, sondern besser jemand fragt, der die Sprache spricht, zeigt die Hotelgruppe Holiday Inn sehr eindrücklich auf seiner deutschen Website. Über das Holiday Inn Boston-Somerville ist zu lesen (man beachte die Übersetzung des eigenen Firmennamens):

„Das Feiertag-Gasthaus-Hotel Boston-Somerville, ein Boston Qualitätshervorragende Leistung Preis-Sieger 2004, befindet sich gerade 2 Meilen von im Stadtzentrum gelegenem Boston und 4 Meilen Logan vom internationalen Flughafen. (…)

Wir bieten freien drahtlosen Schnellinternet-Zugang in alle Gasträume zu helfen, Sie zu halten angeschlossen und informiert an. Unsere Position ist zentral: Der TD Banknorth Garten (früher die Flotte-Mitte), das Haus nach das Boston Bruins u. Boston Celtics, die historische Spur Freiheit Bostons, der Fenway Park, das Haus des Bostons rotes Sox und unsere vielen Museen trifft unseres Position Bostons beste Wahl für Wert. Leicht zugänglich zu allen von Bereich von u. Hochschulen einschließlich Harvard, MIT und Büschel. (…) Wählen Sie ein unseres gut-festgesetzten Doppelten oder König gebetteten Räume oder der Executivsuite“

Und unter diesem Text erfährt der Kunde:

„Wir sprechen: Arabisch , Chinesisch , Serbokroatisch , Tschechisch , Englisch , Französisch , Deutsch , Italienisch , Japanisch , Portugiesisch , Russisch , Slowakisch , Slowenisch , Spanisch“ – wobei man sich natürlich nach obigem Text fragt, ob es nicht heißen müsste „Unsere Kunden sprechen:“.

Wie barrierefrei ist unser Hotel?

Ich reise ja sehr viel und kenne daher auch sehr viele Hotels weltweit. Dass barrierefreies Hotelzimmer nicht gleich barrierefreies Hotelzimmer bedeutet, weiß ich nur zu gut. Obwohl es in Deutschland eigentlich eine DIN für barrierefreies Bauen gibt, liegt die Tücke oft im Detail oder die DIN wird nicht richtig umgesetzt.

In Köln habe ich zum Podcastday im Radisson SAS an der Messe übernachtet und war angenehm überrascht. Das ist Barrierefreiheit, wie ich sie mir vorstelle, dachte ich als ich das Zimmer sah: Das Bad hatte eine Schiebetür, es war genug Platz da, die Toilette hatte ordentliche Griffe, alle Tische und das Waschbecken waren gut unterfahrbar, das Bett war nicht zu hoch und nicht zu tief, so dass ich problemlos hinein kam und zudem sah das Zimmer noch chic aus. Außerdem war mir aufgefallen, dass die Fahrstuhlknöpfe zusätzlich Beschriftung in Braille hatten und sämtlich Zimmernummern fühlbar waren. Ich war so begeistert, dass ich Leuten nachmittags davon erzählte.

Als ich später ins Hotel zurück kam, klingelte mein Telefon im Zimmer. Eine Hotelmanagerin war dran und fragte, ob ich Lust hätte, mit ihr an der Bar was zu trinken. Ich sei eine der wenigen Rollstuhlfahrerinnen, die seit der Eröffnung des Hotels das Zimmer gebucht hätten und sie würde sich gerne mit mir darüber unterhalten, was man besser machen könne. Ich muss sagen, ich war oft in den USA, ich kenne Australien, Asien und viele europäische Länder, aber so etwas ist mir noch nie passiert. Niemand der Hotelangestellten in den vielen vielen Hotels, in denen ich war, hat mich jemals gefragt, ob die Zimmer so wie sie sind für mich als Rollstuhlfahrerin in Ordnung sind. Ich fand das so klasse, dass ich gleich zugesagt habe, nach unten zu kommen, obwohl ich eigentlich bis zum Abendessen ein bißchen schlafen wollte.

Die Managerin war sehr nett, ich erzählte ihr von meinen Reisen und wie toll ich ihre Zimmer finde und dass mir zudem aufgefallen sei, dass das Hotel auch für blinde Gäste mehr biete als viele andere. Wir unterhielten uns eine knappe Stunde, dann gab sie mir ihre Karte und sagte mir, wenn mir irgendetwas auffalle, was man besser machen könne, soll ich ihr eine Mail schreiben. Ein zwei Sachen sind mir dann bis zur Abreise doch noch aufgefallen (z.B. ist der Regler für die Klimaanlage zu hoch angebracht), aber das sind Peanuts im Vergleich zu manch anderen Hotels. Allein, dass die Managerin danach fragt, was man besser machen kann, zeigt mir, die haben es begriffen. Die haben nicht sechs barrierefreie Zimmer, weil sie die haben müssen, sondern weil sie die gerne haben, um eben auch Gästen mit Behinderungen einen optimalen Service bieten zu können. So etwas erlebt man nicht alle Tage.