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Wie barrierefrei ist unser Hotel?

Ich reise ja sehr viel und kenne daher auch sehr viele Hotels weltweit. Dass barrierefreies Hotelzimmer nicht gleich barrierefreies Hotelzimmer bedeutet, weiß ich nur zu gut. Obwohl es in Deutschland eigentlich eine DIN für barrierefreies Bauen gibt, liegt die Tücke oft im Detail oder die DIN wird nicht richtig umgesetzt.

In Köln habe ich zum Podcastday im Radisson SAS an der Messe übernachtet und war angenehm überrascht. Das ist Barrierefreiheit, wie ich sie mir vorstelle, dachte ich als ich das Zimmer sah: Das Bad hatte eine Schiebetür, es war genug Platz da, die Toilette hatte ordentliche Griffe, alle Tische und das Waschbecken waren gut unterfahrbar, das Bett war nicht zu hoch und nicht zu tief, so dass ich problemlos hinein kam und zudem sah das Zimmer noch chic aus. Außerdem war mir aufgefallen, dass die Fahrstuhlknöpfe zusätzlich Beschriftung in Braille hatten und sämtlich Zimmernummern fühlbar waren. Ich war so begeistert, dass ich Leuten nachmittags davon erzählte.

Als ich später ins Hotel zurück kam, klingelte mein Telefon im Zimmer. Eine Hotelmanagerin war dran und fragte, ob ich Lust hätte, mit ihr an der Bar was zu trinken. Ich sei eine der wenigen Rollstuhlfahrerinnen, die seit der Eröffnung des Hotels das Zimmer gebucht hätten und sie würde sich gerne mit mir darüber unterhalten, was man besser machen könne. Ich muss sagen, ich war oft in den USA, ich kenne Australien, Asien und viele europäische Länder, aber so etwas ist mir noch nie passiert. Niemand der Hotelangestellten in den vielen vielen Hotels, in denen ich war, hat mich jemals gefragt, ob die Zimmer so wie sie sind für mich als Rollstuhlfahrerin in Ordnung sind. Ich fand das so klasse, dass ich gleich zugesagt habe, nach unten zu kommen, obwohl ich eigentlich bis zum Abendessen ein bißchen schlafen wollte.

Die Managerin war sehr nett, ich erzählte ihr von meinen Reisen und wie toll ich ihre Zimmer finde und dass mir zudem aufgefallen sei, dass das Hotel auch für blinde Gäste mehr biete als viele andere. Wir unterhielten uns eine knappe Stunde, dann gab sie mir ihre Karte und sagte mir, wenn mir irgendetwas auffalle, was man besser machen könne, soll ich ihr eine Mail schreiben. Ein zwei Sachen sind mir dann bis zur Abreise doch noch aufgefallen (z.B. ist der Regler für die Klimaanlage zu hoch angebracht), aber das sind Peanuts im Vergleich zu manch anderen Hotels. Allein, dass die Managerin danach fragt, was man besser machen kann, zeigt mir, die haben es begriffen. Die haben nicht sechs barrierefreie Zimmer, weil sie die haben müssen, sondern weil sie die gerne haben, um eben auch Gästen mit Behinderungen einen optimalen Service bieten zu können. So etwas erlebt man nicht alle Tage.

4 Kommentare

  1. Ralph Raule sagt:

    Moin Christiane,

    das ist ja hochinteressant! Im September 2008 finden die Kulturtage der Gehörlosen in Köln statt und wir rechnen mit mehr als 3.000 Besuchern. Das Präsidium vom DGB will dort auch im Raddisson residieren und dann wäre ja interessant, ob sie auch Interesse haben an barrierefreien Wohnen für GL haben. Kannst Du den Kontakt herstellen?

    Liebe Grüße aus dem regnerischen Hamburg sendet Ralph

  2. Katja sagt:

    Trackback: Englische Übersetzung und Kommentar: <a href="http://brokenclay.org/journal/wp_archives/2006/05/28/more-hotels/">More Hotels</a>

  3. Uwe sagt:

    Ich finde es ganz nett, dass sie dich gefragt haben, ob sie die Zimmer verbessern können. So etwas erlebt man wirklich nicht alle Tage.

  4. Wir bieten übrigens in unserem Hotel direkt am Bodensee seit etlichen Jahren eine Reihe von Zimmern, die wir besonders behindertengerecht gestaltet haben. Über Buchungsanfragen würden wir uns sehr freuen.

    Das Team vom Hotel Amtshof Langenargen