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Tag Archiv für Kultur

Kultur-Apartheid

Ich war noch nie in den Hamburger Kammerspielen. Dabei habe ich nur einen Steinwurf vom Theater entfernt studiert. Der Grund ist so einfach wie ärgerlich: Die Hamburger Kammerspiele sind nicht barrierefrei.
Unterdessen schreiben wir das Jahr 2014 und man könnte schon glauben, dass wichtige Spielstätten des kulturellen Lebens in einer der reichsten Städte Europas irgendwann doch mal auf die Idee kommen, ihr Haus barrierefrei umzubauen. Nicht so die Kammerspiele.

Ziemlich nicht barrierefrei

Vielleicht wäre das auch viele weitere Jahre hingenommen worden, wenn das Haus nicht auf die aberwitzige Idee gekommen wäre, „Ziemlich beste Freunde“ auf den Spielplan zu nehmen.
„Ziemlich beste Freunde“ ist ein sehr erfolgreicher französischer Kinofilm basierend auf der Biographie eines querschnittgelähmten Mannes, der auf der Suche nach einem Assistenten ist und diesen dann auch findet. Was die beiden gemeinsam erleben, ist Inhalt des Films, des Buchs und vermutlich nun auch des Theaterstücks.
Das Problem ist nur: Die Kammerspiele verdienen zwar gerne am Thema Behinderung, aber behinderte Menschen, in diesem Fall Rollstuhlfahrer, also genau die, um die es bei dem Stück geht, können das Stück nicht sehen, denn das Haus ist nicht zugänglich.

Dass die Rolle des Rollstuhlfahrers nicht von einem Rollstuhlfahrer gespielt wird, muss man wohl auch kaum erwähnen. Der käme natürlich ebenfalls gar nicht ins Haus. Und so macht das natürlich ein nicht behinderter Schauspieler. Einen tollen Artikel, warum das inakzeptabel ist, hat Scott Jordan Harris vor kurzem verfasst.

Das Hamburger Abendblatt schrieb zwar eine Kultur-Jubel-Meldung zur Premiere, vergaß aber zu erwähnen, dass es vor dem Theater zur Premiere eine Demonstration von Rollstuhlfahrern gab, die gegen ihre Ausgrenzung protestierten. Immerhin bis zum Mittag schob man auf dem Online-Angebot der Zeitung eine Meldung zur Demonstration nach. Darin heißt es: „Axel Schneider, Intendant der Kammerspiele, suchte unmittelbar vor der Aufführung nicht das Gespräch mit den Demonstranten, sondern ließ eine schriftliche Erklärung verteilen, in der es heißt „Die Hamburger Kammerspiele sind ein denkmalgeschütztes Gebäude, in das bisher kein Einbau eines Behindertenaufzugs möglich war und das daher nur eingeschränkt über Rollstuhlplätze verfügt.“

Und weiter heißt es: „Die Forderung, so Schneider, das Stück nur ein einem barrierefreien Theater spielen zu können, komme „einem Spielverbot für die Kammerspiele gleich – womit sicher niemandem gedient ist.“

Behinderte Menschen sind also niemand? Dann kann man ja den Kammerspielen auch problemlos 10% der Kulturförderung abziehen. Das entspricht dem Anteil an behinderten Menschen in der Bevölkerung. Man legt ja auf diese Gruppe offensichtlich keinen wert, dann brauchen sie auch das Geld nicht.

Wenn das Stück beispielsweise am Schauspielhaus aufgeführt worden wäre, das barrierefrei ist, wäre allen gedient gewesen. Noch mehr wäre allerdings allen gedient, wenn die Kammerspiele ihr Haus endlich mal umbauen. Man kann auch denkmalgeschützte Häuser so umbauen, dass der Charakter des Hauses erhalten bleibt. Man muss es nur wollen. Beispiele gefällig:
Downing Street No. 10, St. Pauls Cathedral, Buckingham Palace, um mal nur ein paar Gebäude meiner Nachbarschaft zu nennen. Zudem gibt es etliche barrierefreie Theater in London, die unter Denkmalschutz stehen aber barrierefrei sind.

Spielverbot nein? Aber Ausgrenzung ok?

Allerdings frage ich mich schon, wieso ausgerechnet ein Theater seit Jahren einen Teil seines Publikums ausschließt.
Wenn Euch keiner mehr zuschaut, dann könnt Ihr das mit den Aufführungen auch bald ganz sein lassen. Mit dem wachsenden Anteil an älteren Menschen, also auch Nicht-Rollstuhlfahrern, die Probleme mit Treppen haben, schickt Ihr bald die Mehrheit des Publikums nach Hause.

Die Kammerspiele bekommen hohe Zuwendungen von der Stadt Hamburg ohne dass Auflagen zur Barrierefreiheit gemacht werden. Details findet man im Haushaltsplan der Stadt. Damit finanzieren behinderte Steuerzahler ihre eigene Ausgrenzung. Nichts anderes ist es, wenn man aufgrund des Merkmals Behinderung nicht am kulturellen Leben einer Stadt teilhaben kann.

Für den Intendanten ist ein Spielverbot undenkbar. Für seine behinderten Zuschauer ist die kulturelle Apartheid aber seit Jahrzehnten Realität. Das ändert sich nur, wenn irgendwann auch die nicht-behinderten Zuschauer wegbleiben.

P.S.: Als sei die Angelegenheit nicht schon grotesk genug, habe ich mir mal angesehen, wer bei den Kammerspielen als Sponsor an der Produktion beteiligt ist. Es ist niemand geringer als der Rollstuhl- und Hilfsmittelhersteller Otto Bock. Ein Rollstuhlhersteller finanziert die Ausgrenzung von Rollstuhlfahrern. Das hätte sich nicht einmal Loriot, um mal beim Theater zu bleiben, ausdenken können. Wenn das Schule macht, rechne ich fest damit, dass Kinderwagenhersteller künftig Klagen gegen Kindergärten finanzieren und Automobilhersteller für Fußgängerzonen werben.

Eine Schule für alle

Studenten der Kunsthochschule in Köln haben für den Verein „Mittendrin“ mehrere Kinospots produziert. Mir gefällt der Erste am besten, aber seht selbst.

Filmbeschreibung für blinde Leser: Der Chor ist erst grau und besteht nur aus nicht behinderten Kindern. Erst als die behinderten Kinder dazu kommen, wird es lebending. Wenn der Chor verstummt, gebärdet ein gehörloser Junge das Lied während der Hausmeister eine Birne einschraubt (Quitschen).

Tonbeschreibung für gehörlose Leser: Der Chor singt erst langweilig den Kanon „Heho, spann den Wagen an. Denn der Wind treibt Regen übers Land. Hol die goldenen Gaben, hol die goldenen Gaben.“ Erst als die behinderten Kinder dazu kommen, wird das Lied lebendig.

Bildbeschreibung für blinde Leser: Ein Lehrer steht vor einer Klasse mit mehreren behinderten Schülern. Neben ihm steht jeweils ein anderes behindertes Kind. Bevor die Kinder lachen, zeigt ein rollstuhlfahrendes Kind dem Lehrer einen Vogel, ohne dass er es bemerkt.

Sister Act barrierefrei

Wir haben Freunden von uns Karten zum MusicalSister Act“ geschenkt und uns für den gleichen Abend auch gleich welche gekauft.

Ich habe extra einen Termin ausgesucht, bei dem die Vorführung mit Audiodiskription läuft. Fast jedes Theaterstück oder Musical, das eine Saison lang in London läuft, wird pro Saison ein- bis zwei Mal mit Audiodiskription, also Beschreibung für blinde Zuschauer, mit Gebärdensprachdolmetscher oder Untertitel aufgeführt. Ein Newsletter und eine Webseite der Londoner Theater informiert regelmäßig, wann es diese Vorstellungen gibt.

Ich habe also im Theater angerufen, ihnen gesagt, dass ich Rollstuhlfahrerin bin und mein Freund blind und ich gerne vier Tickets kaufen möchte. Wir haben ziemlich gute Plätze bekommen. Ein paar Tage vor der Vorstellung bekamen wir einen Brief mit einer CD. Dort war die Beschreibung drauf – zum Vorhören. Im Theater selbst bekam mein Freund, sowie die etwa 15 anderen blinden Besucher einen kabellosen Kopfhörer über den während der Vorstellung die Beschreibungen übertragen wurden. Die Sprecherin beschrieb alles live – wer auf die Bühne kommt, wie das Bühnenbild aussieht etc. Sie kam später auch noch zu den blinden Besuchern und stellte sich vor.

Das Musical war übrigens erstklassig. Wer den Film „Sister Act“ mag, dem wird auch die Theaterversion gefallen. Außerdem ist das Theater, in dem das Musical aufgeführt wird, sehr hübsch.

Wenn Cousin und Cousine heiraten

In Großbritannien gibt es derzeit eine Diskussion darüber, wie man damit umgehen soll, dass Einwanderer aus Pakistan eine 13-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, ein behindertes Kind zu bekommen als der Rest der Bevölkerung. Verantwortlich dafür sei, dass es in deren Kultur üblich ist, dass Cousine und Cousin heiraten, schreibt die BBC.

Einer meiner interessantesten Recherchen bei BBC war für eine Sendung über das Thema Geschwisterliebe, ausgelöst durch das Verfahren in Deutschland gegen einen Mann, der erst im Erwachsenenalter seine Schwester kennen gelernt hat und mit ihr Kinder hat.

Es gibt durchaus geteilte Auffassungen darüber, wie man mit dem Thema umgehen soll und ich habe immer noch keine wirklich gefestigte Meinung darüber. Ist es wirklich ein medizinisches Problem oder nicht eher ein moralisches? Wären alle Bedenken aufgehoben, wenn es die behinderten Kinder nicht gebe? Und dann gibt es auch Wissenschaftler, die sagen, dass man nicht eindeutig nachweisen kann, dass die Behinderungen durch die innerfamiläre Fortpflanzung kommen.

Ich glaube, dass man das Thema nicht über gesetzliche Regelungen in den Griff bekommt. Deutschland ist übrigens eines der wenigen Länder, die geschwisterlichen Sex unter Strafe stellt. Ich frage mich, was der wahre Grund dafür ist. Eigentlich könnte es dem Gesetzgeber doch egal sein. Geht es also wirklich darum, behinderte Kinder zu verhindern?

Ich bin gespannt, wie die Debatte hier weiter geht. Letztendlich hilft wohl nur Aufklärung – wenn die Wissenschaft wirklich sicher ist, woher diese hohe Zahl an behinderten Kindern kommt. Die Entscheidung liegt dann aber immer noch bei den Paaren.

„Freak“-Film beim Disability Film Festival unerwünscht

Die British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) mag einen Film nicht, der beim Disability Film Festival laufen sollte und hat ihr Veto eingelegt. Es geht um den Film „The Last American Freak Show“ von Regisseur Richard Butchins. Butchins, der übrigens selbst eine Behinderung hat, schreibt in seinem Blog:

„After 3 days of trying Corinna Dowling, head of events at BAFTA and the person responsible for the decision, finally returned my calls to tell me that the ‘aesthetic’ of the film was wrong, that it was too explicit, raised too many questions and was too demanding for the event in question ( an event held at BAFTA to raise the level of awareness about disability in film etc ).“

Ich habe nur den Trailer zu dem Film gesehen und nehme stark an, dass ich den Film nicht wirklich toll finde, vielleicht sogar total bescheuert finde, wenn ich denn dann mal irgendwo sehen darf. Aber einen Film aus dem Programm zu nehmen, weil er zu viele Fragen aufwirft, finde ich schon bemerkenswert. Dass er behinderte Menschen diskriminiert, halte ich nicht für ausgeschlossen, aber wenn man dieser Meinung ist, dann muss man als BAFTA das auch so kommunizieren. Ich traue der hiesigen Zuschauerschaft zudem zu, auch mit diesem Film fertig zu werden, sollte er diskriminierend sein. Man ist hier fernsehtechnisch schlimmeres gewohnt, auch ganz ohne „Freaks“.

Hier ist der Trailer zum Film:

Camden Market brennt

Ich liebe Camden Market. Ich weiß noch wie ich mit 14 das erste Mal dort war und fand es einfach irre aufregend. Und heute mit 31 liebe ich Camden immer noch und es tut mir in der Seele weh, wenn ich die Bilder auf BBC News 24 sehe. Ich hoffe, dass niemandem etwas passiert ist (wobei ich das bei den Bildern kaum vorstellen kann). Und mir tun die Händler leid, die ihre Stände verloren haben. Ich hoffe, Camden bleibt wie es ist, auch wenn man sagen muss, dass die Märkte, was Feuersicherheit angeht, sicherlich nicht optimal sind.

Camden Town - altes Haus mit vielen Menschen an der Schleuse

Abnormally accessible

Am Freitag waren wir im Soho Theatre bei den Abnormally Funny People. Das Soho Theatre hatte mich im Vorfeld schon mit ihren Informationen zur Barrierefreiheit beeindruckt. So kann man zum Beispiel Karten per SMS bestellen, was nicht nur für gehörlose Theaterbesucher ziemlich praktisch ist.

Als wir ankamen, war der Saal noch nicht geöffnet und wir warteten vor der Tür. Der Produzent kam zu Artur (er hatte seinen Blindenstock gesehen) und fragte ihn, ob er schon mal reinkommen wolle, dann könnten sich die Comedians vorstellen und beschreiben, wie sie aussehen. Das fand ich schon sehr nett und aufmerksam. Wir gingen also gemeinsam rein und jeder stellte sich vor und beschrieb sich. Dann kam ein Beauftragter für Barrierefreiheit zu uns und fragte Artur, ob er einen MP3-Player haben möchte, auf dem beschrieben ist was gerade passiert. Er könne von Sketch zu Sketch vorspulen.

Ich fand das richtig klasse, dachte mir aber „Okay, das ist ein Kabarett von behinderten Comedians, ist klar, dass die auf Barrierefreiheit achten“. Wir wurden dann aber eines besseren belehrt. Am Ende kam die Frau zu uns, die die Audiodiskription produziert hatte, und fragte, ob alles okay gewesen sei. War es natürlich. Und dann sagte sie uns, dass jedes Stück, das im Soho Theatre aufgeführt wird, mindestens einmal mit Gebärdensprachdolmetscher und mit Audiodiskription aufgeführt wird. Im großen Saal mache man die Beschreibung live über eine Kopfhöreranlage, im kleinen Saal ginge das aber nicht und so teste man gerade die MP3-Player.

Die Aufführung war übrigens spitzenmäßig. Ich liebe britische Comedy, aber das war einfach großartig. Einer der Comedians war Paul Betney, den man unter anderem in dieser Werbekampagne sehen kann:

Mehr Videos mit Abnormally Funny Comedians gibt es hier.

Thames Festival

Taenzerinnen mit leuchtenden Roecken

Mehr Bilder gibt es bei Flickr.

Gelassenheit

Was man in England wirklich lernt ist Gelassenheit. Wenn man das nicht lernt, hat man ein Problem. Die Dinge laufen hier nicht so wie in Deutschland. Ich erlebe gerade ein schönes Beispiel dafür.

Anfang Mai fand ich zwei Stromrechnungen in meinem Briefkasten. Eine, die zu meiner Wohnung gehörte. Und eine, die zwar an mich andressiert war, aber definitiv nichts mit mir zu tun hatte. Zuvor hatte ich eine Ablesekarte im Briefkasten mit der Mitteilung, man habe mich bei dem – natürlich vorher NICHT angekündigten – Ablesetermin nicht angetroffen. So schnell konnte ich gar nicht ablesen wie die Rechnungen da waren.

Nach einem ausgedehnten Telefonat mit der Hotline, bestätigte sich meine Vermutung: Die eine Rechnung gehörte zu meiner Wohnung. Die zweite Rechnung nicht. Außerdem war mein Einzugstermin nicht berücksichtigt. Ich sollte noch einmal anrufen, wenn ich die Ablesezahlen habe. Das habe ich auch gemacht. Aber mein Zähler wollte mir nur den Tagstrom sagen, nicht den Nachstrom. Nix zu machen. Ich habe also die Hotline angerufen und mein Problem geschildert. Sie würden jemanden vorbeischicken, der den Zähler kontrolliert. Bis dahin müsse ich die Rechnung nicht zahlen. Sie würden mir nach dem Besuch des Technikers umgehend eine korrigierte Rechnung schicken. Zwecks Terminvereinbarung würde jemand anrufen. Nichts passierte.

Bis heute. Heute finde ich eine neuen Brief im Briefkasten. Die Mahnung für Rechnung Nummer 1. Das gute ist: Ich bin nicht einmal überrascht. Also rufe ich morgen wieder an. Frage, was das mit der Mahnung soll und wo der Techniker bleibt. Die Engelsgeduld der Engländer kommt durch jahrzehntelanges Training in Angelegenheiten wie dieser. Ich bin aber auch ganz gelassen. Rufe da morgen an und rechne fest mit Mahnung Nummer 2. Oder sogar mit einer Mahnung für die Rechnung, die gar nicht für mich bestimmt war.

Drei Monate London

Heute auf den Tag genau bin ich drei Monate in London. Am 5. Dezember 2006 habe ich meine Wohnung bezogen. Zeit, ein bisschen Bilanz zu ziehen:

  • Es war genau die richtige Entscheidung nach London zu gehen. Ich habe in den Monaten hier schon so viel erlebt, da hat sich jeder Stress bei der Wohnungssuche oder mit Behörden gelohnt.
  • Das Wetter ist erheblich besser als ich es erwartet habe. Es regnet selten länger als zwei Stunden und ich habe die Sonne bislang nicht vermisst, weil sie so oft zu sehen ist.
  • Ich fühle mich hier sehr angenommen und akzeptiert. Das ist nicht zuletzt meinen Kollegen von BBC geschuldet, aber auch den Leuten auf der Straße, denen ich begegne. Ich muss nichts mehr selber organisieren, weil erstmal die Barrierefreiheit gecheckt werden muss. Es fällt keine Doppelbelastung an. Es gibt Leute, die dafür bezahlt werden, mir behinderungsbedingten Orgakram abzunehmen. Es gibt auch keine Diskutiererei über die Barrierefreiheit. Es wird als normale Anforderung hingenommen und wenn Barrieren da sind, wird das ehrlich bedauert.
  • Ich muss meinen Tag nicht mehr danach ausrichten, wann ich wo das nächste Loo aufsuchen kann. Es gibt einfach genug Behindertentoiletten – Starbucks und dem britischen DDA sei dank.
  • Und weil das alle fragen: Ja, London ist teuer. Aber wenn man sich das Umrechnen in Euro abgewöhnt und nicht noch 500 Euro im Monat ansparen will, lebt es sich dennoch entspannt. Das Gehalt kommt ja Gott sei Dank in Pfund.
  • Und dennoch fange ich an, Dinge an Deutschland zu schätzen, die mir zu Hause nie aufgefallen wären. Z.B. dass es einen gesellschaftlichen Konsens zu bestimmten Themen gibt, den es in anderen Ländern so stark nicht gibt. Oder auch, dass Deutschland wirklich einen guten Ruf hat. Auch wenn die Briten noch so viele Witze über Deutsche machen. Ich glaube, Deutschland ist im Ausland beliebter als wir das selbst wahrnehmen.
  • Was ich an Deutschland zunehmend weniger mag, ist der Umgangston. Der hat mich in Deutschland nie gestört, fällt mir aber jetzt jedesmal auf, wenn ich irgendwo anrufe. Heute wollte ich jemanden in die Sendung einladen und habe bei diversen Großunternehmen angerufen. Mir gefror fast das Ohr so frostig und unhöflich behandelten die mich. Nicht alle, aber viele. Das ist bis auf wenige Ausnahmen weltweit anders. Da bleibt jeder freundlich, auch wenn er nicht in die Sendung will.
  • Ich mag die britische Kultur immer mehr. Und auch, dass in London jeder irgendwo anders herkommt und klasse die Londoner damit umgehen. Hier stört sich niemand am Akzent des anderen und alle kommen irgendwie klar.

Kurzum: Ich fühle mich hier sauwohl.