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Abnormally accessible

Am Freitag waren wir im Soho Theatre bei den Abnormally Funny People. Das Soho Theatre hatte mich im Vorfeld schon mit ihren Informationen zur Barrierefreiheit beeindruckt. So kann man zum Beispiel Karten per SMS bestellen, was nicht nur für gehörlose Theaterbesucher ziemlich praktisch ist.

Als wir ankamen, war der Saal noch nicht geöffnet und wir warteten vor der Tür. Der Produzent kam zu Artur (er hatte seinen Blindenstock gesehen) und fragte ihn, ob er schon mal reinkommen wolle, dann könnten sich die Comedians vorstellen und beschreiben, wie sie aussehen. Das fand ich schon sehr nett und aufmerksam. Wir gingen also gemeinsam rein und jeder stellte sich vor und beschrieb sich. Dann kam ein Beauftragter für Barrierefreiheit zu uns und fragte Artur, ob er einen MP3-Player haben möchte, auf dem beschrieben ist was gerade passiert. Er könne von Sketch zu Sketch vorspulen.

Ich fand das richtig klasse, dachte mir aber „Okay, das ist ein Kabarett von behinderten Comedians, ist klar, dass die auf Barrierefreiheit achten“. Wir wurden dann aber eines besseren belehrt. Am Ende kam die Frau zu uns, die die Audiodiskription produziert hatte, und fragte, ob alles okay gewesen sei. War es natürlich. Und dann sagte sie uns, dass jedes Stück, das im Soho Theatre aufgeführt wird, mindestens einmal mit Gebärdensprachdolmetscher und mit Audiodiskription aufgeführt wird. Im großen Saal mache man die Beschreibung live über eine Kopfhöreranlage, im kleinen Saal ginge das aber nicht und so teste man gerade die MP3-Player.

Die Aufführung war übrigens spitzenmäßig. Ich liebe britische Comedy, aber das war einfach großartig. Einer der Comedians war Paul Betney, den man unter anderem in dieser Werbekampagne sehen kann:

Mehr Videos mit Abnormally Funny Comedians gibt es hier.

8 Kommentare

  1. andrea sagt:

    Ich kenne in Deutschland eigentlich nur einen, der das Thema „kleine (menschliche) Besonderheiten“ so humorvoll darstellt – Phil Hubbe.

    Wir müssen hier noch viel lernen – und öfter mal lachen.
    Eine sehr schöne Kampagne: „GoJo“.

  2. marco sagt:

    mal interessehalber – habt ihr/hast du mal ein beispiel für so eine audio-transkription für mich – würde ich gern mal reinhören, wie sich so etwas anhört. oder nen amazon link auf was gutes oder so?

  3. Jeanie sagt:

    Alle Achtung! Das nenn ich aber vorbildlich!!

    Hier bei uns dagegen haben die doch glatt ein neues Kino gebaut – allerdings ohne Aufzug für Rollstuhlfahrer… D.h. Behinderte, die es aus eigener Kraft nicht in den ersten Stock schaffen, müssen mit den unteren Kinosälen Vorlieb nehmen…

    Oder das Parkhaus an unserem Klinikum haben sie auch ohne Aufzug gebaut – Rollifahrer und Mütter mit Kinderwagen mußten dann die ganzen „Serpentinen“ runterlaufen, wurden dabei beinahe von Autos angefahren und mußten den ewig weiten Weg außenrum bis zum Klinimumeingang laufen/fahren… Frechheit! Mittlerweile haben die einen Aufzug nachträglich eingebaut! (Aber nur zähneknirschend auf Druck der Behindertenbeauftragten…)

  4. gb sagt:

    @jeanie: Wundert mich, dass sowas ueberhaupt eine Baugenehmigung erhaelt :wall:

  5. Frank sagt:

    Also, hier hat vor einem Jahr ein neues Multiplex-Kino eröffnet und da ist alles per Rollstuhl zu erreichen und in den Kinoräumen sind auch extra „Leerstellen“ wo Rollstuhlfahrer stehen können. Meist ist das im Logenbereich, wo man Nobel-Sitze mit Kopfstütze hat (für die Nichtrollifahrer). Wenn ich dann mit meiner Frau ins Kino gehe (wir sind leidenschaftliche Kinogänger), bezahle ich als Begleitperson nichts und meine Frau den Normalpreis (obwohl Loge ja teurer wäre) und wir haben dann die besten Plätze, fast mittig.
    Ansonsten muss man aber schon mal aufpassen bei Neubauten. Hier wird zur Zeit gerade das Klimahaus (ein Erlebnis-Museum zum Thema Klima) gebaut, welches wohl 2009 fertig sein soll. Leider sieht man schon in den Computeranimationen, dass viele Treppen vorhanden sind. Ich habe den Bauherrn/Betreiber eine Mail geschrieben und der hat mir geantwortet, dass er so viel wie möglich darauf achtet, dass es barrierefrei ist, wie es architektonisch möglich ist. Er lädt uns aber ein, dass wir uns am Eröffnungstag selbst davon überzeugen. Na, da sind wir aber gespannt.

    mfg
    Frank

  6. Dorothea sagt:

    Na das find ich aber schön von dem Kinobetreiber, dass er die „Begleitperson“ eines Behindis keine Kosten auferlegt für das eh schon bewundernswerte Unterfangen, sich beim Kinobesuch mit einer „Behinderten“ zu belasten. Sicherlich hast du vom Film nichts, tupfst du doch sicher unentwegt deinem Mündel das Mündchen oder leistest sonst pausenlos die immerwährend anfallenden Pflegeleistungen, die man als Betreuer einer „Behinderten“ so hat.

    Es ist schon grossherzig vom Kinobetreiber, dein schwääres Schicksal anzuerkennen und dir für die vorausgesetzten Liebesdienste keinen Eintritt abzufordern.

    Schließlich kann Kino mit Krüppeln kein Vergnügen sein.

  7. Frank sagt:

    @Dorothea

    Ach, sei doch nicht immer so zynisch. Wenn die Begleitperson hier in allen Kinos kostenlos rein kann, warum denn nicht. Da meine Frau und ich leidenschaftliche Kinogänger sind und ich sowieso alle Filme mit ihr zusammen schaue, schadet es nicht, wenn man dann umsonst rein darf. Kleine Entschädigung für die Kosten, die man sonst so hat (Praxisgebühr etc..)
    Aber ich finde auch die skandinavische Variante besser, dort ist es oft so (wie wir auf unseren Reisen oft gemerkt haben), dass die Begleitperson nicht umsonst ins Museum, Zoo etc. darf und auch sonst keine Ermäßigungen gewährt werden, da sowieso alles oftmals vorbildlich barrierefrei ist.
    Hier in Deutschland gbt es die Ermäßigung und man kann nicht alles sehen – in Skandinavien bezahlt man voll, kann aber auch überall dort hin, wo die „Gehenden“ auch hin können.
    …aber Dorothea, nicht so verbissen alles sehen. Wir haben auch so manchen Kampf gegen Einrichtungen, Heime und Ämter geführt und immer gewonnen, aber ein bischen Spaß muss man auch haben, oder?

    mfg
    Frank

  8. Sandra sagt:

    Hab diesen Blog gestern entdeckt und mich festgelesen. Vieles erinnert mich an mein halbes Jahr in Schottland, der unkompliziertere und höflichere Umganb mit Behinderung z.B. Ich war auch beeindruckt davon, dass anscheinend im UK in größeren Städten in den größeren Theatern jede Produktion der Spielzeit zumindest einmal mit Audiodeskription und Bühnenführung, bei der Bühne und Requisiten angeschaut werden können, aufgeführt wird. So hab ich es zumindest in Edinburgh und Glasgow gesehen. Es war toll, nach dem Theater nicht erst zu diskutieren, was ich so verpasst hatte, sondern gleich in der Lage zu sein, mit allen gleich über das Gesehene zu sprechen, wie selbstverständlich. Hier in Deutschland ist so was ja eher sehr selten, und wenn Theateraufführungen Live beschrieben werden, dann haben sie, soweit ich das mitbekommen habe, meist was mit Blindheit zu tun. Ich finde die Vorstellung toll, zu sehen, was mich interessiert, und warum soll ich mich vorrangig für das Thema Blindheit interessieren, und nicht einfach alles andere auch sehen wollen, was die Sehenden sich anschauen.