Share on FacebookShare on Google+Flattr the authorTweet about this on Twitter

Tag Archiv für Architektur

Zeichen der Ausgrenzung aus Stahl

Andreas Bemeleit beschreibt in seinem Weblog Zwischenzeit wie die Stadt Hamburg mit einer neuen Touristenattraktion behinderte Menschen ausgrenzt. Ein schönes Beispiel für Leute, die immer noch glauben, alle neuen Gebäude würden barrierefrei gebaut.

„Die Architekten von Bothe Richter Teherani haben in Allianz mit Hamburgs Senat und Bürgerschaft ein aus Beton und Stahl geschaffenes Zeichen der Ausgrenzung vollbracht. Sie schaden dem Image Hamburgs, indem sie Barrieren schaffen, die vermeidbar gewesen wären.“

Hier nachzulesen.

Das Hublift-Museum aka British Musuem

Ich war heute im British Museum und habe mir unter anderem die Ausstellung „The First Emperor“ angesehen (dank Werner, der sich heldenhaft um 7.15 Uhr für Karten angestellt hat). Das British Museum ist ja ein ziemlich altes Gebäude, aber dennoch ziemlich barrierefrei. Ich habe noch nie ein Gebäude gesehen, in dem es so viele Hublifte gibt wie im British Museum. Das Gebäude hat viele Ebenen, aber überall gibt es diese Lifte. Und das Beste: Sie funktionierten alle! Und sie sahen alle wirklich nicht hässlich aus und waren gut in das Gebäude integriert. Ein sehr schönes Beispiel, wie man Denkmalschutz und Barrierefreiheit unter einen Hut bringen kann.

Bankgeschäfte auf der Straße

Ich bin Kundin bei der Natwest-Bank. Nicht, weil das so eine tolle Bank ist, sondern weil die mir direkt nach der Ankunft in England – nachdem sie sicher waren, dass ich aus der BRD und nicht aus der DDR komme – ein Konto gegeben haben. Das ist ja alles nicht so einfach als Ausländerin.

Ich habe meine Filiale seitdem nicht mehr betreten, zahle fast alles mit Kreditkarte und meide den Kontakt mit diesem Unternehmen. Kurzum, die sind mir unsympathisch und sie haben auch bislang nichts getan, um diesen Eindruck zu widerlegen.

Nun habe ich der Natwest-Bank einen Brief geschrieben, dass ich umgezogen bin und habe Ihnen meine neue Adresse mitgeteilt. Auf diesen Brief hat die Bank nicht reagiert. Nun blieb mir nichts anderes übrig als dort mal persönlich vorzusprechen, nämlich in der Filiale um die Ecke in Greenwich. Als ich dort ankam, sah ich schon die Stufen am Eingang. Die haben mich aber gar nicht geschockt, sondern ich dachte, da gibt es einen Seiteneingang oder eine Klingel. Irgendwas eben. Hier gibt es immer irgendwas und letztendlich klappt es, irgendwer bringt ne Rampe. Meine Erwartungshaltung ist definitiv anders geworden hier.

Es gab eine Klingel. Auf mein Klingeln reagierte niemand. Die Kunden von drinnen kamen raus, um zu fragen, ob sie mir helfen können. Ich bat sie, jemanden vom Personal rauszuschicken. Die Filialleiterin kam. Ich fragte sie, wo ihr Rollstuhleingang sei. Sie hätten keinen, sagte sie. Auch keine Rampe. Ich fragte, ob sie die einzige Filiale in der Umgebung seien. Sie bestätigte dies. Ich sagte ihr, dass ich das unglaublich finde. Sie verwies mich auf die Filale im Nachbarort und bot mir alternativ an, alle Angelegenheiten auf der Straße zu klären.

Nun wollte ich ja nicht in den Nachbarort fahren, da wäre ich auch vor Geschäftsschluss wohl gar nicht mehr angekommen. Und so machte ich die Adressänderung und das Löschen eines Dauerauftrags auf der Straße. Ich wäre fast geplatzt vor Wut. Die Stufen wären problemlos mit einer mobilen Rampe zu überbrücken gewesen. Wenn man gewollt hätte, hätte man auch über den Parkplatz einen Nebeneingang schaffen können. Und da das zumutbar ist für die Natwest-Bank, müssten sie das nach Britischer Gesetzgebung eigentlich auch tun.

Meine britischen Freunde sagen mir immer, wenn ich ihnen solche Stories erzähle, ich solle mich an meinen Abgeordneten wenden. Hier läuft ganz viel über Abgeordnete, die mir manchmal vorkommen wie die Verbraucherzentrale. Und vielleicht ist das ein ganz guter Anlass, diesen Weg mal auszuprobieren. Ein Thema mit lokalem Bezug müsste doch funktionieren…

Die Bank wechsele ich jetzt auf jeden Fall. Das war das erste und letzte Mal, dass ich meine Bankgeschäfte auf der Straße erledigt habe. Und nach einem Jahr Aufenthalt in diesem Land trauen sich vielleicht ein paar mehr Banken, mir ein Konto zu geben.

Intelligente Architektur

Eine Rampe verlaeuft diagonal zur Treppe

Gesehen in der Nähe der Paul’s Cathedral in London

Yahoo! barrierefrei

Nein, nicht die Suchmaschine. Das Gebäude in Barcelona. Yahoo! hat gerade in Barcelona ein Forschungszentrum eröffnet – in einem richtig alten Gebäude. Nun ist es nicht im klassischen Sinne barrierefrei, aber man hat sich bemüht, würde ich mal sagen.

Das hier ist keine Telefonzelle, das ist der Fahrstuhl – durchaus mit antikem Wert.

Alter Holzfahrstuhl mit Bank und Telefon

Ein kurzer, schmaler Rollstuhl wie meiner passt hinein. Für die anderen siehts eher schlecht aus.

Ganz gut gelöst fand ich ja das Überwinden der Marmortreppe am Eingang.

Rampe auf einer Marmortreppe

Ein Geländer wäre noch ganz gut, aber da sie das Haus erst vor wenigen Wochen bezogen haben, nehme ich mal an, dass das noch kommt. Interessant finde ich, dass sie sich überhaupt bemüht haben, die Niederlassung trotz der alten Bausubstanz einigermassen barrierefrei zu machen. Oben in den Räumlichkeiten gibt es eine super ausgestattete Behindertentoilette. Ich finde sehr faszinierend, dass die amerikanischen Unternehmen weltweit das amerikanische Konzept von Barrierefreiheit durchziehen. Bei Microsoft in Indien gab es auch eine Behindertentoilette. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich deutsche Unternehmen an die DIN zu barrierefreiem Bauen halten, wenn sie eine Niederlassung im Ausland eröffnen. Zumal in den meisten Bundesländern sie nicht mal im Inland verpflichtet wären barrierefrei zu bauen, wenn es sich um ein privates Firmengebäude handelt.

Pfadfinder

Manchmal komme ich mir vor wie ein Pfadfinder: Jeden Tag eine gute Tat – in meinem Fall für Barrierefreiheit. :-) Heute abend war ich auf einer Veranstaltung im Side Hotel in Hamburg. Ich war dort schon auf vielen Veranstaltungen, aber noch nie in den Räumlichkeiten im 8. Stock. Dort gibt es vier Stufen zu der Terrasse, einem Konferenzraum und einem Raum davor. Genau da musste ich hin.

Die Pressekonferenz fand im Keller statt, aber die Produkte wurden anschließend oben präsentiert. Pressekonferenz ohne die Produkte gesehen zu haben macht wenig Sinn, also habe ich in den sauren Apfel gebissen und habe mich hochtragen lassen. Hat sich auch gelohnt und der Abend war dann doch ganz nett und informativ. Ich konnte sogar die Frage unterbringen, warum auch die neueste Version der Software nicht per Sprachausgabe zu bedienen ist. ;-)

Ich hatte ganz gute Laune und habe dann noch meine gute Tat für heute vollbracht: Ich bin an die Rezeption gefahren und habe freundlich aber bestimmt um die Entfernung der Barrieren im 8. Stock gebeten. Platz für eine Rampe gibt es nämlich und das Hotel ist gerade einmal fünf Jahre alt. Manche Architekten…

Die Rezeption war sehr freundlich und ich habe meine Visitenkarte hinterlassen, mit der Bitte, mir doch mitzuteilen, wann sie das Problem behoben haben.

Politik und Alltag

Dass die Politik durchaus Einfluss auf den Alltag der Menschen haben kann, ist nicht neu. Die Grünen in Hamburg versuchen gerade mit einem Antrag in der Bürgerschaft meinen Alltag zu ändern. Und den von anderen rollstuhlfahrenden Hamburgern natürlich auch.

Mein Alltag besteht nämlich unter anderem darin, mir genau zu überlegen, wie ich meinen Tag um Toilettengänge herum strukturiere. Der Grund ist ganz einfach: Weil es in Hamburg (und anderswo) so wenig Behindertentoiletten gibt, muss ich mir gut überlegen, wann ich wie lange wohin gehe, damit ich in angemessenen Abständen ein Klo finde. Ich weiß, für die meisten Menschen, die sich zu Fuss fortbewegen, ist das undenkbar. Wer es mal ausprobieren will, kann sich ja mal einen Tag vornehmen, nur dann zur Toilette zu gehen, wenn eine Behindertentoilette in der Nähe ist.

Jedesmal, wenn ich aus den USA zurück komme und ein paar Wochen von dieser Planerei Urlaub hatte, weil es in den USA erheblich mehr Behindertentoiletten gibt als hier, merke ich, wie sehr mich das in Deutschland nervt und Plattenplatz meines Gehirns kostet.

Aber zurück zur Politik: Die GAL-Bürgerschaftsabgeordnete Martina Gregersen hat jetzt einen Antrag in der Bürgerschaft gestellt, bei der Neuausschreibung der Stadtmöblierung (Haltestellen, Mülleimer etc.) doch bitte auch 40 Behindertentoiletten auszuschreiben. Dann wäre das so wie in Berlin: In vielen Gegenden gibt es dort vollautomatische öffentliche Toiletten, die auch noch barrierefrei sind und optisch ins Stadtbild passen. In Hamburg gibt es auch vollautomatische Toiletten (z.B. am Jungfernstieg und an den Landungsbrücken, aber die sind nicht barrierefrei angeschafft worden). Wenn schon die öffentlichen Gebäude nicht immer und Restaurants selten eine Behindertentoilette haben, wäre es hilfreich, wenigstens in der Nähe eine öffentliche Toilettenanlage benutzen zu können. Wenn ich das Konzept der Stadtmöblierer richtig verstehe, kostet die Städte das wenig bis nichts, weil sie mit Werbung auf den Anlagen Geld verdienen.

Wenn Hamburg 40 dieser Toiletten bekäme, würde sich mein Alltag teilweise ändern: Ich könnte länger als drei Stunden in einem Restaurant sitzen und müsste weit weniger planen. Mir fallen auf Anhieb diverse Standorte ein, wo diese Toiletten wirklich nützlich wären – nicht nur für Rollstuhlfahrer.

Aber die Politik entscheidet selten nach Kategorien wie „nützlich“ oder „nicht nützlich“. Insofern rechne ich nicht damit, dass sich mein Festplattenplatz im Kopf demnächst weniger belegt sein wird.

Via hh-heute

Strampe

Rampe
Paris hat in verschiedener Weise meinen Horizont erweitert. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass es Strampen gibt. Oder wie nennt man Rampen, die Stufen haben?

Leider kann man das auf dem Bild nicht so richtig gut erkennen, aber diese Rampe am Hintereingang der Industrie- und Handelskammer in Paris hat viele kleine Stufen. Von der Straße bis zum Eingang etwa 20. Am oberen Ende sind sie höher als bei diesem unteren Teil. Ich kenne viele Rampen auf dieser Welt. Aber solch originelle Architektur habe ich noch nicht gesehen. Der Sicherheitsmensch des Gebäudes wollte mich auch gar nicht alleine runterfahren lassen: „Wegen der Stufen…“. Ich habe mich dann aber doch durchgesetzt. Wer solche Rampen hat, ist bestimmt gut versichert. ;-)