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Wie ein Gesetz den Alltag verändert

Gestern abend haben wir ein neues Lokal ausprobiert. Es heißt „Café Rouge“ und ist eine Kette, die auf Französisch macht, aber sicher nicht ist. Aber der Laden war nett und ich wusste durch diverse Online-Bewertungen, das die Meinungen beim „Café Rouge“ weit auseinander gehen. Die Bedienung kam und hielt meinem Freund die Karte vor die Nase. Er reagierte nicht, weil er blind ist. Ich sagte ihr, „er ist blind, wir brauchen nur eine Karte.“ Ich hatte gerade angefangen, die Karte vorzulesen, da kam sie mit einer Karte in Braille an und fragte, ob wir diese haben möchten. Kann mir irgendjemand in Deutschland ein einziges Restaurant nennen, das eine Speisekarte in Braille hat und wo nicht der Stammtisch des örtlichen Blindenvereins stattfindet?

In England gibt es das in manchen Lokalen, weil Serviceeinrichtungen, Gaststätten etc. seit einigen Jahren verpflichtet sind, auch bei bestehenden Lokalen im zumutbaren Umfang bei der Barrierefreiheit nachzubessern. Für eine Kette wie „Café Rouge“ bedeutet das also, Karten in Braille vorzuhalten. Andere Lokale haben eine Stufe entfernt oder eine Rampe irgendwo hin gelegt. Im Gemeindeblatt der deutschen Kirchengemeinde (ja, gibts hier alles!) habe ich gelesen, dass sie verpflichtet wurden, ihre Kirche in naher Zukunft barrierefrei zu machen. Da stand dann auch was von gesetzlichen Auflagen und das die Behörde bereits da war. Das ist alles auf den Disability Discrimination Act zurückzuführen, ein Gesetz, das die Diskriminierung behinderter Menschen verbietet und das viele praktische Verbesserungen gebracht hat. Ich glaube auch, dass man nicht alles über Gesetze regeln kann, aber offensichtlich braucht es diese manchmal, um Leute zu bewegen und einen gewisse Basis zu schaffen, auf die man aufbauen kann.

6 Kommentare

  1. Thia sagt:

    Wow, das ist klasse, so etwas hab‘ ich noch nie erlebt (und werde ich wohl in Dtl auch nicht erleben, wenn ich nicht auswandere)! Immer wieder erfrischend zu lesen, dass es auch anders – und besser – geht als hier! :-)

  2. Guido sagt:

    Hi Christiane,
    je länger ich deinen Blog lese, desto mehr habe ich die Befürchtung dass Deutschland aber auch wirklich gar nichts unternimmt dich wieder als Bürgerin begrüßen zu dürfen. England hört sich ja wirklich wie das gelobte Land an. Ich würde zur Zeit darauf wetten dass du am liebsten in England bleiben würdest. Kann das sein? OK, von der Fahrtstrecke auch nicht der Riesenunterscheid von Köln aus. Wird Zeit für einen Besuch…
    Viele Grüße
    Guido

  3. Jann sagt:

    Hi,

    ich weiss eines, aber ich glaube das liegt daran, dass der Sohn nach einem Unfall blind ist.

    Also auch die Ausnahme.

    Ansonsten faellt mir zumindest auf, dass viele Einrichtungen nachbessern, eine Freundin von mir sitzt im Rollstuhl und seit dem ich sie kenne, achte ich da vermehrt drauf.

    Gruss
    Jann

  4. Dorothea sagt:

    Jan,

    deine Freundin „sitzt im Rollstuhl“? Fein, und was macht sie da,ich meine, außer sitzen? Sitzt sie den ganzen Tag rum und wartet, dass was passiert, oder dass Jan kommt und sie rumschiebt? Doch sicher nicht. Sie FÄHRT mit dem Ding, damit sie MOBIL ist, und Mobilität ist ganz sicher das Gegenteil von SITZEN – und warten, und harren, und hoffen, und träumen.

    Schon mal was von Rollstuhlsitzerinnen gehört? Nee? Die heissen auch RollstuhlFAHRERINNEN, und das hat sicher nen Grund ….

  5. Markus Ladstätter sagt:

    Fass Dorothea, Fass ;)

  6. Ikos sagt:

    Es ist unglaublich, wie viel das tatsächlich bewirkt hat. Ich finde das richtig super und hoffe, dass viele dies nachmachen werden. Ich hatte auch eine Situation, mit einer völlig überschminkten Bedienung, die allerdings ALLES möglich machte, sodass ich meine eigenen Vorurteile ganz schnell abbauen konnte.