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Ticken

„So wie Du muss man erstmal ticken“, meinte heute jemand zu mir als wir über Barrierefreiheit, das soziale Modell von Behinderung etc. sprachen. Und ich bin mir nicht sicher, dass das als Kompliment gemeint war. Aber ich dachte in dem Moment ganz unbescheiden – man möge mir das verzeihen – „das ist das Geheimnis meines Erfolgs.“ :-) Schon interessant, dass das als so ungewöhnlich wahrgenommen wird. Ich will einfach nur gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen – wie jeder andere Mensch auch, nicht nur für mich, auch für alle anderen. Und wenn ich meine, dass das jemand nachhaltig behindert, dann sag ich das. Und dazu zählen nicht nur bauliche Barrieren, auch Strukturen und Verhaltensweisen.

5 Kommentare

  1. Carola sagt:

    Hi Christiane!
    Ich finde, Du tickst verdammt beeindruckend und treibst einem sämtliche „Ziegenmilch“-Gedanken gründlich aus.
    Du wirst behindert und kommst dennoch verdammt gut zurecht.
    Respekt!

    die Carola

  2. Mela sagt:

    @Carola
    Wie ist das mit Leuten die behindert werden und damit nicht zurecht kommen? Verdienen die auch Respekt?

    Ich fürchte nämlich die sind in der Überzahl.

  3. Christiane sagt:

    @Mela
    Und genau dieser Konflikt steckt hinter der Aussage von oben, glaube ich. Ich bin mir nicht sicher, ob es die Mehrheit ist, aber auf alle viele kommen mit ihrer Behinderung nicht zurecht und verstehen nicht, dass andere anders damit umgehen. Das meine ich nicht vorwurfsvoll, nur als Feststellung. Ich glaube übrigens, dass Carola das mit dem Respekt anders meinte…

    Das ist ja auch nicht so einfach mit dem Zurechtkommen. Die Frage ist nur, wenn man für das „nicht ganz einfach“ verantwortlich macht. Wirklich nur die Behinderung? Oder nicht doch eher die Umstände, die Einflüsse, die Gegebenheiten. Ich mache nichts besonderes eigentlich, ich versuche nur ein normales Leben zu führen. Und eine Grundvoraussetzung dafür ist, die eigene Behinderung zu akzeptieren. Das ist das A und O, sonst klappt alles andere auch nicht. Was ich eigentlich sagen will: Man hat nur zwei Möglichkeiten: Kämpfen oder aufgeben. Dazwischen gibt es nicht viel Spielraum. Wer gleichberechtigte Teilhabe als behinderter Mensch will, muss kämpfen. Ich wünschte mir auch, es wäre anders.

  4. Carola sagt:

    Ach Du meine Güte …
    Das mit dem Respekt meine ich ganz sicher anders :)
    Ich gucke in dieses Weblog, weil mich interessiert, was Christiane so „anstellt“ und zu sagen hat, denn das ist eine ganze Menge, saugut formuliert und meine Wellenlänge.
    Wann immer ich in dieses Weblog hier schaue, imponiert mir, was Christiane so auf die Beine stellt. Ich gucke hier rein, weil mich interessiert, was sie zu sagen hat und gerade mal wieder so „anstellt“ und nicht, weil mich das Thema Behinderung so fuchtbar interessiert.
    Dass sie nebenbei auch noch Rollstuhlnutzerin ist, ist halt so, ist aber nicht der Grund, weshalb mich dieses Weblog interessiert.

    die Carola

  5. Klar gucken wir mit Bewunderung auf das, was Christiane so anstellt, und klar war die Aussage mit dem Ticken als Kompliment gedacht. Ich oute mich nämlich mal als Derjenige, der das gesagt hat. Wenn du, Christiane, schreibst, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, nämlich Kämpfen oder Nachgeben, dann hast du vollkommen recht. Der Unterschied liegt glaube ich wirklich im Detail. Es geht um die Kampfmittel, und es geht darum, wo man sie ansetzt und wo nicht. Es geht also um Taktik. Oder es geht um verschiedene Ausformungen des Temperaments. Das ist eigentlich keine Frage, wie gut oder schlecht man mit seiner Behinderung zurecht kommt.

    Und zum Respekt: Jeder und jede hat Respekt verdient, vor alem dann, wenn man unterstellt, dass jede nach ihren und jeder nach seinen Möglichkeiten sein oder ihr Bestes gibt.

    Alles Liebe und schöne Tage

    Jens