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Tag Archiv für The German Link

An manchen Tagen

…hat man einfach nur Glück. Heute war so ein Tag. Es fing damit an, dass ich heute morgen einen Anruf bekam, dass ich das Office, um das ich mich beworben habe, bekomme. Es ist ein kleines Office zu einem ziemlich günstigen Preis in einem Gründerzentrum einer Uni. Ich habe unterdessen so viele Anfragen nach einem Praktikum, dass es schade wäre, die ganzen Leute einfach abzuwimmeln, weil ich keinen Platz habe, die Leute unterzubringen – zumal es den Praktikanten hier sicher nicht langweilig wird und ich jede Unterstützung gebrauchen kann. Also eventuell ziehe ich nächste Woche schon in das Büro. Juhu!

Nachmittags bekam ich dann einen Anruf, dass eine Gemeinde im Norden Londons gerne in allen ihren Bibliotheken meine Zeitung haben möchte – zehn Bibliotheken auf einen Streich…

Und dann bekam ich heute abend eine Mail von der London Development Agency, dass ich in ein Förderprogramm aufgenommen wurde, das Gründer unterstützt mit Kursen, Coaching etc. Londonweit wurden zehn förderungswürdige Unternehmen gesucht und mein Unternehmen ist jetzt eines davon. Ich freue mich natürlich sehr. Der Bewerbungsprozess war fast rein schriftlicher Art und ich bin nicht sehr selbstbewusst, was mein Schriftenglisch angeht, aber scheinbar ist es doch nicht so schlecht. Die Mehrzahl meiner Mitbewerber sind schließlich Muttersprachler und jetzt bin ich für ein Jahr in diesem Programm. Was das Programm alles beinhaltet, erfahre ich Ende April, aber ich freue mich jetzt schon wie verrückt.

Interview

Ich führe zwar bei weitem lieber Interviews als dass ich welche gebe, aber manchmal lasse ich mich überreden.

Learning by doing

Nachdem die erste Ausgabe meiner Zeitung verteilt ist, habe ich ein bisschen Zeit, Resumee zu ziehen. Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben so viel gelernt wie in den letzten Monaten. Über Geschäfte machen, England, Deutschland und über mich selbst. Ich bin im Frühjahr letzten Jahres auf die Idee gekommen, diese Zeitung zu gründen. Damals war ich noch bei BBC. Es gibt in London für jede Community eine Zeitung, nur die Deutschen, Österreicher und Schweizer haben keine, dabei ist die Gruppe relativ groß (ca. 200 000 im ganzen Land) und es gibt diverse Geschäfte, die sich nicht zuletzt an deutschsprachige Kunden richten.

Wenn man im Jahr 2008 eine Zeitung gründet, ist die Anzahl der Menschen, die einen nicht für verrückt halten, relativ überschaubar. Umso wichtiger war es, selbst an das Projekt zu glauben und sich sehr darauf zu besinnen, was man wirklich will. Ich habe mir mal eine Liste mit Dingen zusammen geschrieben, die ich jedem raten würde, der sich selbstständig machen will und die mir sehr geholfen haben.

  • Glaub an Dich selbst und an Dein Produkt. Es gibt keinen wichtigeren Ratschlag.
  • Sei realistisch. Klein anfangen ist oftmals das Beste.
  • Gib alles ab, was andere besser können als Du, aber behalte die Kontrolle.
  • Man muss nicht alles können, aber man kann vieles lernen.
  • Sammele Leute um Dich herum, die Dich unterstützen. Leute, die Dir alles madig machen, helfen Dir nicht.
  • Vermeide Zeitdiebe. Man trifft sie überall, sie machen sich wichtig und am Ende kommt nichts dabei raus.
  • Man kann nicht jeden glücklich machen, auch nicht alle Kunden.
  • Hör auf Dein Bauchgefühl, inbesondere wenn Du Leute einstellst oder Verträge schließt.
  • Rede mit Deiner Zielgruppe. Früh, immer und kontinuierlich.
  • Lass Dir Ratschläge geben, aber entscheide selbst.
  • Jeder Mensch macht Fehler. Am Ende ist alles gar nicht so schlimm.
  • Hab Spaß daran, was Du tust.

Die Zeitung ist da

So, ich bin der glücklichste Mensch der Welt, denn meine Zeitung ist erschienen. Es hat alles geklappt – die Grafik, der Druck, der Inhalt, der Anzeigenverkauf und die Verteilung läuft gerade. Die Zeitungen für die Abonnenten sind schon auf den Weg gebracht.

Zeitungscover

Ich bin sehr sehr froh und erleichtert. Das Feedback ist bislang auch durchweg gut. Ich bin froh, dieses Projekt gestartet zu haben und ich bin jetzt sicher, dass es ein Erfolg wird. Jetzt wird erstmal Schlaf nachgeholt und die zweite Ausgabe wartet ja auch schon… Wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, berichte ich mal über meine Erfahrungen der letzten sechs Monate.

P.S.: Abonnieren kann man das gute Stück hier. Eine Liste mit Verteilstellen gibt es auch.

Es geht los

Wer sich in den letzten Monaten gefragt hat, was ich eigentlich in England so treibe, dem kann ich heute eine Antwort darauf geben. Ich arbeite seit August nicht mehr für BBC, sondern habe eine eigene Firma gegründet, die Ortegalink Ltd. Im März werde ich eine Monatszeitung für die deutschsprachige Community auf den Markt bringen. Sie heißt „The German Link“ und wird logischerweise auf Deutsch erscheinen. Ich erfülle mir gerade einen Lebenstraum, denn als Journalistin gibt es nichts schöneres als sein eigenes „Baby“ zu haben. Ich habe, glaube ich, nur in meinem Volontariat so viel gearbeitet wie die letzten Wochen, aber es macht mir riesig Spaß. Und ja, die Zeitung erscheint auf Papier.

Also, wer abonnieren will, hier gehts lang. Anzeigen verkaufen wir natürlich auch.

Mein Dank geht an alle Leute, die mich bis heute bei diesem Projekt unterstützt haben und an mich glauben.