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Krawalle in London

Es gibt Dinge im Leben von denen wird man völlig überrumpelt. Wir hatten das Thema ja schon ein paar Mal in diesem Blog. Und ich muss wirklich sagen, das Jahr 2011 lässt wirklich nichts aus. Diese Woche: Krawalle in London und im Rest des Landes mit bislang fünf Toten, Dutzenden Verletzten (vor allem Polizisten), brennenden Straßenzügen und geplünderten Geschäften.

Schild an Holzwand

Bis Montagnachmittag dachte ich noch, das alles ist erschreckend, aber findet weit genug von mir statt. Ich hatte mich geirrt. Das alles kam plötzlich sehr nahe. Ich fuhr nachmittags nach Lewisham, um ein paar Briefe auf die Post zu bringen. Da waren schon riesen Schlangen und man sagte mir, man würde die Post gleich schließen. Da war es etwa 16.30 Uhr und noch zu früh eigentlich. Man erklärte mir, man erwarte Ausschreitungen in Lewisham. Man schloss die Post dann, ich wurde noch bedient, aber als ich das Einkaufszentrum verließ, kamen mir schon etwa 30 Jugendliche mit Hoodies und Tüchern vorm Gesicht entgegen. Die vier Polizisten, an denen sie vorbeizogen, schauten nur unbeteiligt zu als sie vom Bahnhof in Richtung Einkaufszentrum zogen.

Ich bin dann einfach nur in die Bahn gehüpft, um schnell aus Lewisham rauszukommen, was sich im Nachhinein auch als gut erwies. Die Tage danach habe ich London in vielen Stadtteilen nicht mehr wieder erkannt: Es waren sehr wenig Leute auf der Straße, viele Geschäftsstraßen waren wie ausgestorben. Entweder die Geschäfte waren geplündert oder sie haben als Vorsichtsmaßnahme zugemacht. Andere haben ihre Schaufenster vernagelt. Das ansonsten völlig überfüllte London wirkt gerade ziemlich leer.

Und jetzt fragen sich alle: Warum machen Leute so etwas und woher kommt diese Aggression? Evangelisch.de hatte mich gebeten, einen Artikel dazu zu schreiben. Die Antworten auf diese Frage sind sicher komplex und nicht mit einfachen Plattitüden zu beantworten. Das gilt auch für die Frage, was denn jetzt zu tun sei.

Ich denke, eine Debatte über gemeinsame Werte in der Gesellschaft ist überfällig. Vielleicht würde es dem Land auch gut tun, wenn es endlich mal eine niedergeschriebene Verfassung hätte – mit Grundrechten und so und für jeden verständlich – verbunden mit einer ausführlichen Debatte über eine eben solche. Da dürfte auch gerne die Meinungsfreiheit (Freedom of Speech), die hier eigentlich ziemlich hochgehalten wird, weit oben stehen. Und auch die Pressefreiheit. Dann könnte man die Debatte, ob man Twitter und Facebook abschalten soll (ja, kein Witz, das wird hier diskutiert!) schon im Keim ersticken. Es wäre einfach verfassungswidrig.

Wand auf der steht

Und die Polizei hat einiges zu tun, um das Vertrauen in der Bevölkerung wieder herzustellen. Die ersten Tage schritten sie kaum ein, waren völlig überfordert, hatten zu wenig Leute auf der Straße, was dazu führte, dass die Randalierer munter weitermachen konnten.

Insgesamt finde ich die ganze Sache sehr bedrückend. Dennoch bin ich Optimistin, dass sich man die Ausschreitungen zum Anlass nimmt, der Ursache auf den Grund zu gehen und dann Änderungen vorzunehmen. Mir fiele da einiges ein.

9 Kommentare

  1. […] S.: Inzwischen hat auch Christiane Link einen eigenen Artikel über die Situation in London geschrieben. // Dieser Beitrag wurde unter erlebte […]

  2. Katja sagt:

    Sieht aus wie „Blitz spirit“.

  3. Itur sagt:

    Die Polizei hat teilweise ja auch schon Angst vor den Rebellen und zieht sich zurück.

    Aber ich finde solche Aufstände (solange sie friedlich blieben und nicht eskalieren) gut, denn das Volk lässt sich nicht mehr alles sagen

  4. Enyko sagt:

    tja so wie ich es verstehen, wollten da einige sich auf Kosten der Anderen bereichern, was auch manchen eindrucksvoll wohl gelungen ist. Jeder, der mitgemacht hat soll meiner Meinung nach eine durchaus harte Strafe bekommen, damit die beim 2 mal nachdenken

  5. treppenlift sagt:

    Ausschreitungen können Positives bewirken – leider aber nehmen es in England viele zum Anlass randalieren zu können, was wohl kaum Positives bewirkt. Ich kenne „Junge Wilde“ aus der Unterschicht in Manchester, die aber selbst nur noch verständnislos den Kopf schütteln über all die Geschehnisse.

  6. Marco sagt:

    Tja wo ist der Unterschied?
    Ob jetzt beim Fussball oder aus einem anderen Grund randalieren, spielt ja keine Rolle!
    Traurig das Ganze, mehr kann man dazu nicht sagen.

  7. Bernd sagt:

    Armselig, wie immer wieder versucht wird, unter einem politischen Deckmantel kriminelle Plünderungen und Gewaltakte legitimieren zu wollen.

  8. Chiptuning sagt:

    Hallo,
    Krawalle haben immer einen Hintergrund. Meistens entstehen solche Ausschreitungen durch Unzufriedenheit und Existenzängste.
    Das ist traurig aber war.

    Gruß Axel

  9. steffi sagt:

    Hallo zusammen, es ist schon traurig, dass es in unserer zivilisierten westlichen Welt zu solchen Ausschreitungen kommen kann. Das gegen verschiedene Dinge demonstriert wird ist absolut okay und auch ausdrücklich erwünscht. Muss es aber immer mit Gewalt sein? Mit solchen Aktionen, egal ob in England, Deutschland oder sonstwo erreicht man doch nur das Gegenteil, bzw. negatives Aufsehen.