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Kampf ums Augenlicht

Ich habe gerade ARD Exclusiv „Kampf ums Augenlicht“ gesehen. Die Reportage zeigt wie Leuten mit Retinitis Pigmentosa erstmalig Chips ins Auge eingesetzt werden, in der Hoffnung, sie wieder sehend zu machen. Surprise, surprise, am Ende des Filmes sieht natürlich keiner der Probanden. Nur einer kann eine Lichtquelle orten. Das ist aber etwas, was viele Leute mit RP noch können: Hell und dunkel von einander unterscheiden und Lichtquellen finden. Eine Information, die in dem Film schlicht und einfach fehlt. War das nun also der Chip oder konnte das der Proband sowieso?

Der Film ist nichts für schwache Nerven. Da wird genau gezeigt, wie ein Kabel zwischen Ohr und Auge verlegt wird und wie das Auge aufgeschnitten wird, um den Chip einzusetzen. Auch dass es den Probanden nach der OP nicht so besonders geht, wird gezeigt. Einer hat ein riesiges blutunterlaufenes Auge wie nach einem Boxkampf. Während des Filmes verlässt einen dann auch noch die Freundin. Überhaupt sind das ziemliche Strapazen, die die Leute da auf sich nehmen. Das Prozedere dauert Wochen und ich frage mich, ob die denn psychologisch betreut wurden während des ganzen Theaters. Auch die Familien? Ich glaube, sogar der Autor des Films hat am Anfang geglaubt, von einer Heilung berichten zu können. Im Film kippt das dann aber. Die Ärzte haben den Leuten Hoffnungen gemacht, die sie nicht erfüllen können – und wenn ich mal eine Prognose abgeben darf, auch nicht werden. Alle zwei Jahre, wenn die Fördergelder wieder auslaufen, wird das Thema Retina Implant in den Medien gehypt. Die EU hat bereits 10 Millionen Euro in das Projekt gesteckt. Davon hätte man ganz Deutschland mit Blindenampeln ausstatten können, an besseren Orientierungssystemen arbeiten können oder was auch immer. Ich bin wirklich nicht technologiefeindlich, aber ich glaube die sind einfach auf dem Holzweg.

Die Sendung wird am Montag um 18 Uhr auf 3sat wiederholt.

4 Kommentare

  1. Ingeborg sagt:

    … und die unerfüllte Hoffnung hat eine Beziehung zerstört…

    Lg von I.

  2. Julian sagt:

    Die Ärzte haben den Leuten Hoffnungen gemacht, die sie nicht erfüllen können – und wenn ich mal eine Prognose abgeben darf, auch nicht werden.
    ———

    Diesen Kommentar kann ich nur unterstützen.
    Was wir brauchen, ist nicht Effekthascherei und angebliche „Wundertherapien“. Damit wird nur auf den Gefühlen der Menschen herumgetrampelt, denen leichtfertig etwas versprochen wird, was sich dann nicht halten lässt.

    Was wir vielmehr brauchen, ist selbstverständliches Zusammenleben und gegenseitiger Respekt als Mensch, mit allen Stärken und Schwächen.

    Kleine Zeichen im Alltag genügen.
    Es muss gar nicht immer die Blindenampel sein…

    Viele Grüße

    Julian

  3. Peter Fisch sagt:

    Im STERN 12/2007 (s. 163) zeigt sich der Kollege Martin Lindner ebenfalls begeistert. Insgesamt ein beliebtes Thema bei den Kollegen vom STERN:
    2002:
    http://www.stern.de/wissenschaft/gesund_leben/249597.html
    2003:
    http://www.stern.de/?id=514028
    2005:
    http://www.stern.de/?id=541691

  4. Ina sagt:

    In der Zeit vom 15.3. wird ein Netzhautchirurg, der an den Operationen beteiligt war, zitiert mit den Worten „Es wäre schon ein toller Erfolg, wenn wir den Patienten irgendwann eine begrenzte Orientierungsfähigkeit zurückgeben können.“

    Das war mir neu: Blinde können sich nicht orientieren. Noch nicht einmal begrenzt. Dafür brauchen sie unbedingt eine (riskante?) Operation.

    PS: Ich kenne aus anderen Blogs die Leiste „zuletzt kommentiert“. Kannst du so was auch einrichten?