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Im LKW durchs Leben

Ich wundere mich so manches Mal, in welchen Rollstühlen und mit welchen Hilfsmitteln sich die Leute so durchs Leben bewegen. In Berlin hatte ich zwei Mal Probleme, weil Leute im Bus waren, die sich rollstuhltechnisch dafür entschieden haben, im LKW durchs Leben zu fahren, auch wenn ein PKW durchaus gereicht hätte.

Beim ersten Mal war es ein Vater mit seinem etwa 11 Jahre alten behinderten Sohn im Buggy. Angesichts der Tatsache, dass es wunderschöne Kinderrollis gibt, sowohl manuelle als auch elektrische, mit und ohne Sitzschale, finde ich es immer zum Heulen, wenn ich sehe, dass behinderte Kinder bis zur Mittelstufe und darüber hinaus im Buggy durch die Gegend gefahren werden statt sie selber fahren zu lassen und ihnen ein Gefährt zu geben, das weniger nach Krankenhaus aussieht. Wenn dieser Buggy dann auch noch so riesig ist, dass kein anderer Rollifahrer mehr in den Bus passt, nicht einmal in den Gang, kann ich nur den Kopf schütteln. Ich weiß, die Kassen zahlen immer weniger, aber das Ding würde ich bei der Kasse schon ablehnen, weil es nicht mehr zeitgemäß ist. Wer kauft noch so einen Schrott?

Wieder im Bus traf ich auf eine andere Rollstuhlfahrerin, die einen Rollstuhl hatte, von dem ich weder dachte, dass der noch gebaut wird, noch dass da in Europa jemand mit rumfährt. Das sind diese Rollstühle, die mit so zwei Hebeln mit Bewegungen nach vorne und hinten bedient werden. Handhebelselbstfahrer heißen die Dinger und sind wenig dafür geeignet, um Bus zu fahren. Ich konnte immerhin im Gang stehen und lauschte der empörten „LKW“-Fahrerin, wie sie darüber philosophierte, dass die Rollstuhlplätze im Allgemeinen und bei der BVG im Besonderen ja viel zu klein seien.

Ich fordere ja auch Barrierefreiheit immer und überall, aber ich kann doch nicht fordern, dass es überall LKW-Parkplätze gibt, wenn ein PKW durchaus ausreichen würde und zudem noch viel praktischer wäre. Selbst moderne E-Rollstühle brauchen nicht mehr so viel Platz wie diese beiden Gefährte, die ich gesehen habe.

Warum es in Deutschland allerdings so wenig variable, also klappbare Sitze in Bussen und Bahnen gibt, werde ich dennoch nicht verstehen. Nicht für die LKW-Fahrer, sondern damit mehr Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen gleichzeitig mitfahren können. Ist in den USA längst normal. Und wenn kein Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen da ist, können andere Leute auf den Sitzen Platz nehmen.

12 Kommentare

  1. Nellie sagt:

    Hallo!
    Unsere schwer mehrfachbehinderte Tochter wird nie in der Lage sein, selbständig zu fahren oder zu sitzen. Ich persönlich finde viele Rollis mit Sitzschale nicht sonderlich schön. Im Kinderwagen sitzt sie super, er federt gut ab, wir können schnell und bequem durch die Stadt und über Feldwege laufen. Wir haben viel Platz für Dinge, die wir mitnehmen müssen, ein Dach (Regencape nicht möglich wegen Luftröhrenschnitt). Ich habe ehrlich gesagt noch nicht verstanden, was für einen Vorteil es für Kinder hat, mit einem Rolli gefahren zu werden, wenn ihre Motorik nie für das eigenständige Fahren ausreichen wird. Ich lass mich aber gerne aufklären!
    Der Link geht zu einem Bild mit unserem Buggy, den man mit einer größeren Sitzeinheit bis ca. 12 Jahre verwenden kann. http://img.photobucket.com/albums/v315/annekii/buggy.jpg
    Ich finde, der sieht gut aus und ist kein Schrott und sehr bequem.
    LG
    Nellie

  2. Christiane sagt:

    @Nellie
    Ich muss ein bisschen schmunzeln. Genau damit habe ich gerechnet: Eltern, die mir sagen, wie toll die Buggys sind. :-) Ich finde, es ist eine Frage, wie lange Kinder in so einem Gefährt sitzen. Möchte ein Kind mit 12 Jahren wirklich in einem Buggy sitzen? Wenn es nicht anders geht oder einfach besser ist, okay, und das Gefährt, das Du verlinkt hast, meine ich auch nicht. Sondern eher sowas, nur noch größer.

    Ich beobachte seit geraumer Zeit im Haus nebenan, einen Vater, der mit seiner Tochter (etwa 10) E-Rolli fahren übt. Ich freue mich, dass sie jetzt einen E-Rolli hat. Warum man ihr den nicht schon früher gegeben hat, verstehe ich nicht. Das Mädchen war auch lange Zeit ein Buggy-Kind. Andere Kinder können sich schon viel früher alleine fortbewegen. Warum nicht auch behinderte Kinder? Die Hilfsmittel gibt es ja.

    Ich habe manchmal den Eindruck, die Eltern erweitern die Buggy-Zeit, um sich nicht an den Rollstuhl gewöhnen zu müssen. Die Kinder akzeptieren den Rollstuhl oft viel eher als die Eltern.

  3. Nellie sagt:

    Hallo!
    Wenn ein selbständiges Fahren möglich wäre, und wenn auch nur durch Mundsteuerung oder ähnliches, dann würde ich drum kämpfen. Unsere Maus ist leider weder motorisch noch geistig dazu in der Lage. Wichtig ist vor allem, dass sie gut und länger sitzen kann und dass wir alles dabei haben, was wir brauchen. Und ja, ich achte schon sehr auf das Äußere :) Den verlinkten Buggy würde ich auch nicht nehmen. Bei ihr käme wohl auch nur ein Rollstuhl mit Sitzschale in Frage. Vielleicht sind es auch die grauenhaften Muster, die ich bisher gesehen habe, die mich so abschrecken.
    Ist es denn bequemer, jemanden mit Rolli zu schieben als mit einem Buggy? Fährt es sich dann ab einem bestimmten Gewicht besser? Ab wann ist es besser? Ich habe diese Fragen letztens schon mal in meiner Umgebung gestellt, weil ich es einfach nicht weiß, ab wann es sinnvoll ist umzusteigen, wenn ein Kind unselbständig bleibt. Aber ein Ergebnis kam noch nicht heraus.
    LG
    Nellie

  4. Gerhard sagt:

    Die Busse in den Großstädten scheinen generell deutlich barrierefreier als auf dem Land zu sein. Bei uns werden meist normale Reisebusse eingesetzt, bei denen auch ein platzsparender Rollstuhl nur im Gepäckfach Platz findet.

  5. Dorothea sagt:

    Und bei „uns“ kann sogar ein Rollstuhlfahrerin mit einem Rollstuhl, der nicht mehr Platz braucht als ein Küchenstuhl, nicht in den Bus.

    Man WEIGERT sich einfach. Trotz vorhandener Rampen.

    Gibt doch SONDERfahrdienste, sollen „die Kranken“ die doch benutzen. „Ihr müsst doch eh nur zum Arzt oder fahrt spazieren“. Zitat. Mehrfach.

  6. Dorothea sagt:

    Zu den Buggies: Mir kömmt es vor, dass man dadurch ganz prima „Kindheit verlängern“ kann. Weder muss man sich damit auseinandersetzen, dass das Goldkind einE BEHINDERTEr ist, noch damit, dass auch nicht selbständige „Behinderte“ selbstverständlich erwachsen werden. Es duziduzidut sich doch viel plüschiger im Buggy ….

  7. Nellie sagt:

    Hallo Dorothea,
    uiuiui, was für Beleidigungen … wir erkennen die Behinderung nicht an, wenn wir im Kinderwagen fahren? Da muss ich Dich enttäuschen. Die Behinderung ist voll akzeptiert und wird auch nicht versteckt. Aber ein Kind bleibt doch mit 10 Jahren immer noch ein Kind?! Wieso wird man hier jetzt belächelt, beleidigt statt dass ich Antworten auf meine technischen Fragen bekomme? Ich weiß wirklich nicht, was für uns der Vorteil eines Rollstuhls sein sollte und ab wann.
    LG
    Nellie

  8. Christiane sagt:

    @Nellie
    Ich denke, wenn ein Kind schwerer wird, fährt es sich im Rollstuhl einfach besser als im Buggy. Schon wegen der großen Hinterräder geht es dann besser über Stock und Stein. Man kann einen Rollstuhl je nach Modell besser zusammen klappen, er ist oft leichter (mein Rollstuhl wiegt knapp 10 Kilo) und vor allem robuster. Ein Rollstuhl wird für eine bestimmte Person gefertigt und passt im Idealfall wie ein Maßanzug. Darauf solltest Du auch bestehen!

    Wann man auf einen Rolli umsteigen sollte, kann ich Dir nicht sagen. Ich kenne ja Dein Kind nicht. Aber vielleicht fährst Du ja im Oktober die Rehacare nach Düsseldorf (große Hilfsmittelmesse). Da gibt es viele Anregungen und Produkte. Lohnt sich auf alle Fälle und wenn Du meinst, was besseres gefunden zu haben, würde ich den Umstieg wagen. Ansonsten erstmal nicht. Das Kind wächst ja irgendwann eh aus dem Buggy raus. Ist ja keine Dauerlösung.

  9. Frank sagt:

    Handhebelselbstfahrer:

    Ich weiss nicht viel über Rollstuhlfahren,
    aber ich denke wenn aus Versehen durch Hudekot
    gefahren wurde, ist das Vorwärtsbewegen via
    Reifen anfassen und Schwung geben nicht so dolle,
    selbst mit Handschuhen nicht.

  10. Christiane sagt:

    @Frank
    Aber auch das zu Fuß gehen ist dann nicht so dolle und Du bewegst Dich trotzdem möglichst praktisch fort und nicht auf Stelzen. Muss man halt aufpassen bzw. die Hundehalter müssten sich mal besser benehmen.

  11. Nellie sagt:

    Danke für die Antwort. Mal sehen, wie es sich bei uns entwickelt. Die Reifen sind ja groß und das ganze eher ein Geländewagen :)

  12. lachgas sagt:

    @nellie es gibt doch auch sitzschalen ohne Muster, also einfach einfarbige, die von meinem Freund ist zB einfach schwarz (okay der ist auch kein kind mehr *fg* aber sowas müsste ja auch bei kindern durchsetzbar sein)

    und wg den handhebelselbstfahrern, ich habe bisher nur einmal einen solchen Rollstuhl bei einer Lehrerin gesehen und die konnte anders nicht selbst fahren weil sie dazu die kraft nicht hatte (glaub ich), per Handhebel sah es zumindest deutlich leichter aus.

    Mein Freund hat zB einen solchen LKW-ERolli der auch schon ziemlich alt ist aber er mag ihn und er fühlt sich darin sicher wenn er über Hindernisse (wie zB Bordsteine) fahren muss, er hat wohl auch schon neuere ausprobiert (die dann logischerweise kleiner waren) aber er fühlt sich in denen unsicher beim Fahren, hat angst das sie kippen oder Ähnliches.
    (aber er benutzt den LKW eh selten, meist ist er im Schiebeeinhänderrolli)
    Und Buggys find ich auch … ehm bääh … ich find die sehen behindert aus :-)