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Gala statt Spiegel

Wenn im Flugzeug Magazine verteilt werden, stehen in Deutschland Gala und Bunte immer ganz oben auf der Rangliste der beliebtesten Magazine. Nicht Spiegel, nicht Focus, nicht die Wirtschaftswoche. Ich lese trotzdem meist den Spiegel, frage mich aber langsam, ob man die Zeit im Flieger nicht besser zur Erholung nutzen sollte, wenn es geht. Rausschauen, träumen und an was Schönes denken. Also vielleicht doch Gala oder Bunte lesen?
Spiegel-Artikel wie dieser gefährden meinen positiven Gemütszustand beim Fliegen. Ich hatte den Artikel im Flugzeug gelesen und kam schon schlecht gelaunt an.
Ich hatte erst überlegt, sofort darüber zu bloggen. Wie sich das eigentlich anfühlt, wenn das Leben mit Behinderung in den Medien ständig als weniger wert betrachtet wird und man sich ständig rechtfertigen muss, dass man „dennoch“ ein schönes Leben führt. Habe ich dann aber nicht gemacht, es hätte meine Laune noch verschlechtert.
Dann kam ich nach der Reise nach Hause und hatte mehrere E-Mails im Postfach mit der Bitte, doch etwas zu besagtem Artikel zu schreiben. „Och nee“, dachte ich. Ich mag mich bei dem schönen Wetter nicht mit diesem Thema rumärgern. Aber eigentlich müsste ich. Es ist wirklich wichtig. Und dann habe ich gesehen, dass es Oliver Tolmein ausführlich getan hat und ich sowieso nichts mehr hinzuzufügen hätte. Ach doch, eines noch: Mir macht das wirklich Sorgen, wie manche Menschen, die manchmal auch Journalisten sind, mit dem Thema Behinderung und Lebenswert umgehen. So große Sorgen, dass ich es am liebsten verdränge und demnächst vielleicht doch lieber die Gala im Flugzeug lese.

28 Kommentare

  1. Gerhard sagt:

    Gerade das schätze ich am Spiegel. Es werden auch unbequeme Wahrheiten angesprochen.

  2. Ohne Worte ……

    Bei Christine geht es um diesen Artikel und jenen Kommentar.

    Ich bin fassungslos, dass es Menschen gibt, die Leben in „lebenswert“ und „nicht lebenswert“ einteilen. Wo ist die Grenze? In fünf Jahren werden Kinder abgetrieben die nicht blond und…

  3. […] “Ohne Worte” und wies auf einen Artikel im Spiegel zu Spätabtreibungen hin, den Christine beschrieb, die nicht mehr viel kommentierte, weil es kaum besser als von Oliver Tolmein gesagt […]

  4. Penelope sagt:

    Mir geht schon bei den ersten Zeilen der Hut hoch.
    „…dass wir uns von unserem Kind getrennt hätten, aber nicht gedurft haben“ – Klartext: Unser Kind gern hätten töten lassen. Dass sie das Kind haben, hat dem Kind das Leben gerettet. Wie kann man das nicht sehen?
    Oder ist das wirklich egal, kann das Eltern nicht kümmern – und wenn morgen ein Einbrecher kommt und den Kleinen totschlägt, ist dann vielleicht doch Erleichterung?

    Daneben scheint die Gala wirklich nicht mehr ganz so oberflächlich und gedankenlos… :(

  5. Gerhard sagt:

    Oberflächlich? Gerade das ist der Artikel auf keinen Fall. Auch wenn das nicht in das Weltbild einiger Leser passt gibt es nun einmal Eltern die sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden können ein behindertes Kind zu bekommen. Ich finde es bewundernswert, dass auch einmal solche unbequemen Wahrheiten angesprochen werden.

  6. Dorothea sagt:

    @Gerhard

    Das Lebensrecht eines sogenannten „Behinderten“ zu verhandeln als „unbequeme Wahrheit (sic!)“ zu bezeichnen, ist entweder dreist oder offenbart eine Geisteshaltung, die mit dunkelbeige zu bezeichnen ist.

    Ist es also eine „Wahrheit“, dass sog. „Behinderte“ besser nicht geboren würden, da sie den Eltern nichts als Unbequemlichkeit, Leid, Einschränkung und Kummer bereiten?

    Oder handelt es sich bei den sogenannten „Behinderten“ um MENSCHEN, die auch bei nichtnormentsprechenden kognitiven Fähigkeiten ihre Qualität als MENSCH nicht eingebüßt haben?

    Wo beginnt die mit dem Tode zu bestrafende „Unbequemlichkeit“ deiner sogenannten „Wahrheit“ nach? Bei kognitiven Einschränkungen, oder ist es das Rollstuhlfahren, Blindheit oder Gehörlosigkeit, beginnt der Mensch erst beim Gymnasiasten oder würdest du prospektive HauptschülerInnen leben lassen? Was ist mit AusSONDERungsschülerInnen? Kaliumspritze ins Herz, weil sie den Eltern nichts als „Leid“ zufügen?

    Merkst du, dass du mit deinen „unbequemen Wahrheiten“ dem eliminatorischen Faschismus Tür und Tor öffnest?

  7. Penelope sagt:

    Richtig. Es geht hier vor allem um die Frage, was unsere Gesellschaft als Grund für die Tötung eines Menschen offen akzeptieren will. Und nicht um irgendein beliebiges Weltbild, das ich anderen nicht aufzudrängen habe.

  8. frankie sagt:

    Für mich persönlich ist ein ungeborenes Kind bis ungefähr zum 5 Monat der Schwangerschaft, egal ob behindert oder gesund, keine Person, hat also entsprechend auch nicht die Rechte einer Person. In der Diskussion um Abtreibungen wird meiner Meinung nach der Fehler gemacht, Äpfel mit Eiern zu vergleichen: Embryos und Föten sind kein Personen.

  9. dorothea sagt:

    @Frankie

    „Behindert“ ist nicht das Gegenteil zu „gesund“, dies ist „krank“.

    Sogenannte „Behinderte“ sind KEINE „Kranken“, sondern Menschen, die anders denken/sich fortbewegen/kommunizieren/Informationen verarbeiten etc. etc. als der Durchschnitt. Dabei handelt es sich lediglich um eine Abweichung vom Üblichen (als sog. „Norm“ Gesetzten), nicht um Krankheit (und damit auch nicht um zu-Heilendes, s. diverse Blogeinträge von Christiane)

  10. frankie sagt:

    Dorothea,

    Wenn bestimmte Behinderungen ‚heilbar‘ wären, würde man dann von Krankheit sprechen?

    „I hear what you are saying“, stimme Dir teilweise zu, teilweise auch nicht.

    Behinderung ist i.a. als Zustand definiert, der eine Einschränkung mit sich bringt. Das als Diversität zu definieren, ist meiner Meinung nach Semantik.

  11. Ines sagt:

    Mal abgesehen von dem Artikel um den es geht, würde ich sagen, das weder Gala noch Spiegel es Wert sind, das man auch nur eine Minute mit ihnen verschwendet.

    Zum Artikel:
    Wir leben in einer Designer-Welt, in der alles einer Norm entsprechen und möglichst perfekt sein muss. Ist die Nase schief, geht man zum Schönheitschirurgen weil es einfach nicht akzeptabel ist mit schiefer Nase zu leben. Aber manche Dinge können eben nicht per Chirurgie korrigiert werden- noch nicht- also bleibt nur die Vernichtung.
    Das Gesetz, das Abtreibung bei möglicher Behinderung erlaubt zeigt eigentlich schon wie geistig gestört die Menschen sind, die das vertreten.

    Beängstigent finde ich in diesem Zusammenhang auch die Diskussion über Sterbehilfe. Sollte es ein Gesetz geben dass es erlaubt Menschen vorzeitig in den Tod zu schicken ist dem Missbrauch schon eine Tür geöffnet.
    Das ist ähnlich wie mit dem neuen Gesetz zu den Internetsperren, die laut Begründung nur für Kinderpornoseiten sein sollten. Doch schon hat die Politik erkannt, das sich damit auch andere ungeliebte Seiten sperren lassen.
    Das Grundgesetz wird ohnehin täglich ausser Kraft gesetzt, warum also nicht einen Behinderten als unheilbar krank bezeichnen und ihm die Todesspritze geben?

    @frankie
    Ich empfehle dir folgende Seite, damit du mal siehst ab wann Föten, die im übrigen auch Lebewesen sind, als Menschen erkennbar sind:
    http://www.lebensgeschichten.org/abtreibung/bilder_foetus.php#

  12. frankie sagt:

    Die meisten dieser Argumente folgen einem „reductio ad absurdum“ oder einem „reductio ad Hitlerum“ Argumentationsschema. „Du willst Deine Nase korrigieren lassen, also bist Du auch für die Vergasung von Behinderten und Juden.“ So kann man sich allen möglichen Kram herbeireden.

    Ines, die Bilder ändern meine Meinung nicht, aus dem oben genannten Grund, und auch deshalb, weil für mich das Selbstbestimmungsrecht einer Frau bis zu einem bestimmten Entwicklungsgrad des ungeborenen Kindes zu mindestens genauso wichtig ist wie das Lebensrecht des ungeborenen Kindes.
    Anders ausgedrückt: die sozialen und ethischen Kosten, die ein Verbot der Abtreibung mit sich bringt – und darüber reden wir hier – wiegen für mich schwerer als die Rechte des ungeborenen Kindes.

  13. Penelope sagt:

    Welchen Preis sollte ein Menschenleben denn haben, wenn es um Dein eigenes geht, Frankie?

  14. Ines sagt:

    Wieso absurdum? Ich sehe die Tatsachen. Ein behindertes Kind entspricht nicht der Norm und muss „angepasst“ werden.Da muss man nichts herbeireden und mit Hitler hat das nicht wirklich was zu tun, nur mit Wahn.
    Eine Frau kann niemals mehr Selbstbestimmungsrecht haben als grundsätzlich ein Mensch.Auch ein behindertes Kind ist ein Mensch.
    Wenn du Menschen zu Kostenfaktoren degradierst, dann sprichst du ihnen das Recht auf Menschsein und Würde ab. Sie sind nur noch…“Dinge“,Subjekte, die einfach ausradiert werden wenn der Kostenfaktor nicht mehr den Wünschen oder dem Bedarf entspricht.
    Damit sind wir dann bei dem, was du mir vorwirfst. Senioren? Bringen keinen Nutzen, kosten Geld, ergo:Töten!
    Was bedeutet fr dich Mensch sein? Finanziell nützlich sein?

  15. Dorothea sagt:

    Nein Frankie,

    es geht nicht um ein herbeiphantasiertes „Verbot der Abtreibung“. Die ist mit der gesetzlichen Grenze von bis zum 3. Monat völlig außer Diskussion und gilt für _alle_ Embryonen.

    Hier in Rede steht allerdings die Abtreibung eines an sich gewollten Kindes, das weit nach dem 3. Monat abgetrieben werden soll, weil sich seine sogenannte „Behinderung“ feststellen ließ.

    Und da mit KOSTEN zu kommen, IST faschistoid. Guck mal in Rechenbücher in der Zeit des Verbrecherstaates: Das Durchfüttern eines Schwachsinnigen (Behinderten! d.S.) kostet die Volksgemeinschaft x RM. Das entspricht der Ernährung von x Erbgesunden.

    Da HAST du die sozialen / finanziellen „Kosten“ in Reinkultur.

  16. frankie sagt:

    Dorothea
    eine Frage, ein Klarstellung.

    Zuerst die Frage: warum akzeptierst Du die Abtreibung („gesunder“ und „nichtgesunder“) Embryonen bis zum dritten Monat, hast aber mit der von mir vorgeschlagenen Grenze von fünf Monaten Deine Probleme?

    Zur Klarstellung: mit sozialen Kosten beziehe ich mich nicht auf die Kosten, die der Gemeinschaft entstehen, sondern den wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Kosten, die die unfreiwillige Mutter tragen muss.

    Für mich ist eine Regelung, die zwischen behinderten und nichtbehinderten Embryonen unterscheidet, sehr viel problematischer als die Gleichbehandlung aller Embryonen. Das Thema kann man noch unendlich ausdiskutieren, man wird aber nie zu einem Konsens kommen, wenn die Grundwerte zu verschieden sind.

  17. frankie sagt:

    Ines, Penelope, ich rede hier NICHT von Menschen (Personen), sondern von Embryonen. Ein Embryo ist für mich keine Person und hat deshalb auch nicht die gleichen Rechte einer Person.

    Meiner Meinung nach ein kleiner, aber wichtiger Unterschied, jedenfalls dann, wenn ich die Rechte der Schwangeren in Betracht ziehe. Die können nämlich nicht so ganz einfach den Teller herunterfallen.

    Penelope,
    einem Menschenleben kann kein Preis zugeschriebenen werden. Ich rede hier vom Selbstbestimmungsrecht der Frau, und in diesem Zusammenhang von sozialen Kosten.

  18. Disabled children – a burden to be rejected?…

    „Das Kind ist eine Zeitbombe. Kein Mensch kann uns sagen, wie wir damit leben sollen.“ Bei Spiegel Online gibt es einen Bericht über eine Familie, die mit einem Kind leben muss, das sie nicht haben will – der mir persönlich……

  19. Ines sagt:

    @Frankie
    Wozu zählst du dann Embryonen? Zu den Tieren, Pflanzen?
    Wir reden von menschlichen Embryos, denen du das Menschsein absprichst.
    Soziale Kosten? Du meinst wie Politiker deren Diäten das Volk finanziert, das dann zum Dank belogen und betrogen wird? Oder die Finanzkrise, die von reichen Bänkern gemacht und vom Steuerzahler gezahlt wird?

    Ich kenne viele Behinderte die könnten und würden arbeiten und steuern zahlen wenn da nicht die Leute wären die so denken wie du und ihnen die Arbeit verweigern. Und ich kenne Behinderte die berufstätig sind und ihre Miete, etc. selber zahlen.
    Alles Menschen die heute nicht leben würden wenn die Medizin damals schon solche Vorsorgeuntersuchungen gehabt hätte wie heute.
    Diese Menschen sind ein wertvoller Bestandteil dieser Gesellschaft und mir 1 Million mal lieber als Leute wie du, die meinen, sie hätten das Recht darüber zu entscheiden ob ein Mensch ermordet werden darf oder nicht

  20. frankie sagt:

    Was für mich ein Embryo ist, hängt vom Entwicklungsstand des Embryos ab, und (damit verbunden) von der Fähigkeit des Embryos, außerhalb des Körpers der Schwangeren zu überleben.

    Kein Tier, um Deine rhetorische Frage zu beantworten, aber auch kein vollständiger Mensch, jedenfalls nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Deshalb ist Deine Aussage, ich würde mir anmaßen, über die Ermordung eines Menschen zu entscheiden, entweder eine Unterstellung, oder eine Konsequenz der unterschiedlichen Definitionen dessen, was ein Embryo ist.

    Was ein Embryo ist? Anfangs ein Zellklumpen, nicht mehr, mit einer erheblichen inherenten Wahrscheinlichkeit, durch Fehlgeburt vom Körper selbst abgetrieben zu werden, später ein menschenähnliches Gebilde, dass meiner Meinung nach ein integraler Bestandteil des Körpers der Frau ist, von diesem nicht zu trennen, sehr viel später erst ein noch nicht entwickelter Mensch, der auch Rechte hat, vollkommen unabhängig (!) davon, ob behindert oder nichtbehindert.

    Wenn meine Sicht für Dich nicht akzeptabel ist, fair enough, dann solltest Du aber auch JEGLICHE Abtreibung konsequent verbieten, inklusiver bestimmter Formen der Verhütung. Das ist nicht meine Meinung, aber wenigstens halbwegs konsequent. Und dann bitte auch die Opfer einer Vergewaltigung zur Geburt zwingen, Kindern, die aus sexueller Dummheit mit 13 schwanger geworden sind, die Abtreibung nicht erlauben, and so on.

    Von den illegalen Abtreibungen, die es dann wieder vermehrt geben wird, will ich gar nicht erst anfangen, die werden wir dann halt auch wieder akzeptieren müssen. Das alles sind die sozialen Kosten, die wir dann wieder tragen müssen.

  21. Ines sagt:

    Noch einmal: die Bezeichnung „menschlicher Embryo“ sagt worum es hier geht. Ein menschliches Lebewesen unabhängig vom Entwicklungsstand. Damit dann auch ausgestattet mit den Rechten eines Menschen.
    Ich habe nicht die Macht etwas zu verbieten, aber ja, ich bin gegen Abtreibung und auch gegen jene Verhütungsmethoden, die auf letztlich eine frühe Abtreibung darstellen.
    Wenn ein 13jährigers Mädchen schwanger wird, liegt die Schuld in mangelnder Aufklärung und Fürsorge der Eltern und meinetwegen noch der Schule, aber sicher nicht beim Baby- folglich kann nicht das Baby für die Dummheit der Eltern bestraft werden.
    Das Gedankengut; mangelnde Werte und Moral sind es, die zu Abtreibungen führen, aber auch zu Vergewaltigungen. Hier muss sich etwas ändern, nicht das Ergebnis, nämlich das Baby getötet werden.

    Es ist nicht neu, dass von „oben“ das Gedankengut, das bestimmte Menschen nicht als solche zu definieren sind, an das Volk weitergegeben wird. Es funktioniert immer noch wunderbar. Hinterher will dann keiner was gewusst, im besten Glauben gehandelt, oder aber nicht verstanden haben.
    So etwas darf es nicht länger geben, denn es ist menschen-verachtend. Es wird Zeit dass das Volk aufwacht und sich nicht länger einreden lässt das man nach Bedarf eine bestimmte Sorte Mensch zum Abschuss freigeben darf (im übertragenen Sinn).
    Ein menschliches Wesen ist nichts anderes als ein Mensch, auch wenn er nur ein Embryo ist.

  22. Gerhard sagt:

    „Das Lebensrecht eines sogenannten “Behinderten” zu verhandeln als “unbequeme Wahrheit (sic!)” zu bezeichnen, ist entweder dreist oder offenbart eine Geisteshaltung, die mit dunkelbeige zu bezeichnen ist.“ (Dorothea)

    Mit dieser Unterstellung rückst du die Eltern die gegenüber der Zeitung offen über ihre Gefühle sprachen und sich nicht wie üblich hinter einer Fassade aus Lügen versteckten in die rechte Ecke. Das haben gerade sie nicht verdient!

    „Ist es also eine “Wahrheit”, dass sog. “Behinderte” besser nicht geboren würden, da sie den Eltern nichts als Unbequemlichkeit, Leid, Einschränkung und Kummer bereiten?“ (Dorothea)

    Nein. Wie kommst du auf so einen Unsinn? Es gibt vermutlich viele Eltern die sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden können ein behindertes Kind zu bekommen. Wer kann sich die Auswirkungen auf die Zukunftsplanung schon wirklich vorstellen? Die gefährliche Mischung aus Angst vor der öffentlichen Meinung und Scham vor der eigenen Unfähigkeit macht es ihnen unmöglich über ihre wahren Gefühle zu sprechen. Das muss aufhören! Da sind persönliche Angriffe wie die deinen sicher nicht hilfreich.

    „Merkst du, dass du mit deinen “unbequemen Wahrheiten” dem eliminatorischen Faschismus Tür und Tor öffnest?“ (Dorothea)

    Merkst du wie kurzsichtig dich deine wohl schon fast reflexartige Empörung gemacht hat? Was nicht in dein Weltbild passt hat gefälligst nicht zu existieren. Ist es nicht gerade das was du ständig an anderen kritisierst? Ich hoffe dich wenigstens etwas zum Nachdenken gebracht zu haben. Nichts für ungut.

  23. Dorothea sagt:

    Man ist also „reflexhaft empört“, wenn man es sich als sog. „Behinderte“ wagt, einen Haufen Dung „einen Haufen Dung“ zu nennen und nicht „Röschenrot“ zu säuseln?

    Nu, dann bin ich lieber ersteres als verlogen.

    Und wenn nicht“behinderte“ sich zwar ein Kind, aber um gotteshimmelswillen keinen kleinen Krüppel „vorstellen“ oder „wünschen“ können, dann tut es mir nicht leid, diese zu kritisieren. Denn DANN legen sie auch mein Lebensrecht auf die Wagschaale.

  24. Ines sagt:

    @Gerhard

    Wenn die „öffentliche Meinung“ mir wichtiger ist als mein Kind was bin ich dann für ein Mensch? Wohl eher ein Monster.

    Unfähigkeit ist übrigens keine chronische Erkrankung. Man kann daran arbeiten und fähig werden.

  25. Gerhard sagt:

    Natürlich. Dazu müsstet ihr den Eltern aber eine Chance geben und sie nicht gleich in die rechte Ecke stellen oder gar als Monster bezeichnen. Ich hatte nicht damit gerechnet ausgerechnet hier derart diskriminierende Aussagen lesen zu müssen. Liebe lässt sich auch zwischen Eltern und Kindern nicht erzwingen.

  26. Peter sagt:

    *mi scusi*, aber …

    Geht’s noch ein bisserl verbohrter?

    Als „knapp Tauber“ (auch wenn mir das vermutlich eh nicht geglaubt wird), geht mir bei sowas einfach der Hut hoch.

    Einzig und allein Eltern haben das Recht darüber zu entscheiden, ob sie ein Kind möchten oder nicht. Eltern sind nun mal für ihre Kinder verantwortlich – egal ob ungeboren oder nicht. Die Einführung von Regeln für den Schwangerschaftsabbruch sehe ich einfach nur positiv.
    Oder will tatsächlich jemand „Engelmacherinnen“ zurück?
    Eltern, die sich für ein Kind mit Behinderung entscheiden, haben meine vollste Hochachtung (wie übrigens auch Eltern gesunder Kinder) und sollten alle Unterstützung bekommen, die sie benötigen.

    Selbst wenn der Spiegelartikel übertrieben sein sollte …
    Hatte jemand den Eindruck, die Mutter ist glücklich mit ihrem Kind? Ich hatte diesen Eindruck keineswegs. Sie liebt ihr Kind wohl, aber akzeptiert? Ich glaube nicht …

    Es ist für Eltern schon ausreichend schockierend, wenn Kinder spät ertauben, erblinden, … gelähmt werden. Aber hier setzt eben die oben erwähnte Verantwortung ein. Eltern haben sich – „pardon my french“ verdammt noch Mal – um ihre „Gschroppen“ zu kümmmern (und der Staat bzw. Sozialhilfestellen sollten sie dabei nicht im Regen stehen lassen).

    PS: persönlich finde ich Diskussionen über Toilettenanlagen für Menschen mit Einschränkungen ohnedies obsolet. Die gehören sich einfach in öffentlichen Gebäuden. Basta.
    Wie es übrigens auch überall in öffentlichen Gebäuden Blindenleit- und Magnetschleifensysteme geben sollte.

  27. Gabi sagt:

    Dieser Spiegelartikel ist meiner Meinung nach bemerkenswert ehrlich und weckte bei mir Mitgefühl für die armen Eltern. Nicht weil sie das Kind nicht abtreiben durften, sondern weil alles von Anfang an schief gelaufen ist.

    Fakt: Sie wollten das Kind nicht. Bei den Gesprächen wurde ihnen aber das Gefühl gegeben das sie eine Wahl, eine Chance auf Abtreibung hätten. Sie hatten sich innerlich schon so weit von dem Kind abgetrennt, dass es keine andere Möglichkeit mehr gab. Das ist schon bemerkenswert für eine Familie, die bereits ein Kind hat. In Familien wird nicht so einfach abgetrieben.

    Nun wurden die Eltern in eine emotionale Zwangslage gebracht. Sie wollen das Kind nicht, sehen ihr Leben zerstört. Dann wird ihnen hingeworfen dass man solche „Schweinereien“ seit der NS nicht mehr macht. Nach dem Nazi-Vergleich kriegt die Mutter dies an den Kopf geworfen: >>“Wir sind hier nicht in China“, fährt die Ärztin sie da an, wo man Kinder abtreibe, nur weil sie das falsche Geschlecht haben.<< Autsch!

    Der nächste Ausweg wird darin gesehen das Kind wegzugeben. Einen Weg den auch ungewollte nichtbehinderte Kinder gehen. Auch dieser wird verwehrt, weil solche Kinder ja keiner haben will.

    Beim Lesen fragte ich mich, wen wundert das alles noch? Der Ablauf war verkorkst seit der Diagnose. Niemand hat sich die Mühe gemacht auf die Eltern einzugehen, sie behutsam an die Aufgabe heranzuführen, Hilfen anzubieten. Stattdessen erhalten sie Schelte vom Staat, den Ärzten, den Behinderten, werden als Nazis und Unmenschen dargestellt obwohl sie nur ehrlich waren. Und ich finde es okay, wenn die Eltern ehrlich sind und zugeben, dass sie sich ein Leben mit dem Kind nicht vorstellen können.

    Mit den armen Eltern wurde alles verkehrt gemacht. Vielleicht hätten sie in einem anderen Bundesland die Chance auf eine unparteiische Beratung gehabt, mit einer Psychologin, die nicht versucht sie umzustimmen sondern behutsam auf sie eingeht und ihre Gefühle ernst nimmt.

  28. Lutz sagt:

    Wenn ich sowas wie von Ines, Penelope und Dorothea lese, wird mir ganz schlecht.