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Tag Archiv für Abtreibung

Gala statt Spiegel

Wenn im Flugzeug Magazine verteilt werden, stehen in Deutschland Gala und Bunte immer ganz oben auf der Rangliste der beliebtesten Magazine. Nicht Spiegel, nicht Focus, nicht die Wirtschaftswoche. Ich lese trotzdem meist den Spiegel, frage mich aber langsam, ob man die Zeit im Flieger nicht besser zur Erholung nutzen sollte, wenn es geht. Rausschauen, träumen und an was Schönes denken. Also vielleicht doch Gala oder Bunte lesen?
Spiegel-Artikel wie dieser gefährden meinen positiven Gemütszustand beim Fliegen. Ich hatte den Artikel im Flugzeug gelesen und kam schon schlecht gelaunt an.
Ich hatte erst überlegt, sofort darüber zu bloggen. Wie sich das eigentlich anfühlt, wenn das Leben mit Behinderung in den Medien ständig als weniger wert betrachtet wird und man sich ständig rechtfertigen muss, dass man „dennoch“ ein schönes Leben führt. Habe ich dann aber nicht gemacht, es hätte meine Laune noch verschlechtert.
Dann kam ich nach der Reise nach Hause und hatte mehrere E-Mails im Postfach mit der Bitte, doch etwas zu besagtem Artikel zu schreiben. „Och nee“, dachte ich. Ich mag mich bei dem schönen Wetter nicht mit diesem Thema rumärgern. Aber eigentlich müsste ich. Es ist wirklich wichtig. Und dann habe ich gesehen, dass es Oliver Tolmein ausführlich getan hat und ich sowieso nichts mehr hinzuzufügen hätte. Ach doch, eines noch: Mir macht das wirklich Sorgen, wie manche Menschen, die manchmal auch Journalisten sind, mit dem Thema Behinderung und Lebenswert umgehen. So große Sorgen, dass ich es am liebsten verdränge und demnächst vielleicht doch lieber die Gala im Flugzeug lese.

Im Zweifel allein

In der Süddeutschen ist ein sehr guter Artikel über eine Frau, die im sechsten Monat ihr behindertes Kind abgetrieben hat. Das Kind hatte Spina Bifida und offensichtlich niemanden, der ihr beigestanden oder sie gut beraten hätte. Warum so viele Männer sich dünne machen, wenn es Probleme gibt, werde ich nie verstehen.

Es kommen kaum noch Kinder mit Spina Bifida auf die Welt. Das hat zum einen mit einer besseren Vorsorge zu tun (Schwangere nehmen genug Folsäure zu sich), aber auch weil fast alle Kinder nach der Diagnose „Spina Bifida“ in Deutschland abgetrieben werden. Ich bin ziemlich sicher, dass das nicht sein müsste, wenn die Eltern besser beraten würden und im Entscheidungsprozess mit jemandem mit Spina Bifida reden könnten. Ich kenne viele Menschen, die Spina Bifida haben. Das Wort „Leid“ kommt mir bei keinem der Leute in den Sinn. Dass das Kind nicht leidet war aber der Hauptgrund für die Abtreibung der Frau, unter der sie jetzt selber leidet.