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Flugtauglichkeitsbescheinigung

Nun dachte ich ja, dass ich mit meiner Immatrikulation fürs erste alle bürokratischen Hürden in Wien überwunden hätte. Ich habe mich geirrt. Ich hatte nicht mit der AUA gerechnet. Wir sind zwar Lufthansa geflogen, aber in Wien macht die Abfertigung die Austrian als lokaler Partner der Star Alliance. Wir haben in Wien-Mitte eingecheckt, nicht am Flughafen. Man gibt das Gepäck dort am Bahnhof auf, fährt dann mit dem Flughafenzug und kann direkt durch die Sicherheitskontrolle.

Die Dame am Check-In war wenig routiniert, um es mal höflich auszudrücken. Drei Mitarbeiter versuchten dann vereint, mich einzuchecken, ein Tag für den Rolli auszudrucken. Dann sagten sie mir, eine Anmeldung bei der Assistenz könnten sie nicht vornehmen. Außerdem müsste ich noch irgendeine Erklärung unterschreiben. Sie faselten etwas von MEDA. Das ist die Abkürzung für Passagiere, mit akuten Erkrankungen, nach Unfällen etc. Ich bin aber nicht krank, deshalb habe ich ihnen gesagt, dass ich nix unterschreibe und schon gar kein MEDA-Formular. Die Lufthansa verlangt das auch gar nicht. Die Assistenz wollten sie aber auch nicht anfordern, das solle ich am Gate machen.

Gesagt, getan. Ich sagte am Gate bescheid, es kam auch erfreulicherweise jemand und ich war schon fast in der Fluggastbrücke als ein AUA-Mitarbeiter hinter mir her lief und was von Flugtauglichkeit faselte. Als ich mich versichert hatte, dass er nicht meint, dass ich die Maschine fliegen wolle, musste ich zur Kenntnis nehmen, dass er eine Flugtauglichkeitsbescheinigung von mir als Passagierin wollte. Ich sagte ihm, dass ich Frequent Traveller bin und auf meinen x Flügen niemals sowas vorlegen musste und ich sehr sicher bin, dass die Lufthansa das auch nicht verlangt. Ich erzählte ihm dann noch, dass die AUA vor Jahren schon in der Presse war, weil sie behinderte Fluggäste mit so einem Kram belästigt haben. Dann schaute ich auf sein Namensschild und der Herr wurde nervös. Er wolle mich nicht schikanieren, aber müsse wissen, welche Behinderung ich habe. „Haben Sie MS?“, startete er den ersten Versuch. „Nein“, grinste ich ihn an. Mehr Behinderungen fielen ihm nicht ein. Er schaute die Assistenten hilfesuchend an, aber der sagte nur „Das ist Eure Baustelle.“

Ich schwieg eisern, unterschrieb nichts und begab mich einfach zum Flugzeug. Der eifrige AUA-Mitarbeiter überholte uns und sprach mit dem Piloten. Niemand hinderte uns beim Einstiegen und ich nehme an, der Pilot erzählte ihm das Gleiche wie ich: Die Lufthansa will wissen, welche Hilfe jemand braucht, aber nicht warum. Und ich dachte eigentlich auch, dass sich das bei der AUA unterdessen erledigt hätte mit den komischen Formularen und blöden Fragen. Dabei müsste die AUA wegen ganz anderer Probleme nervös sein.

Ein Kommentar

  1. Al sagt:

    Finde, man sollte die Flugtauglichkeit als Standardprozedur einführen für jeden Fluggast. Das würde Gleichbehandlung schaffen und den Dialog zwischen Kunden und Fluggesellschaften intensivieren. Ein weiter Teppich des Dialogs ließe sich ausrollen, von der Schwangerschaft über die Thrombosegefahr bis hin zur Robustheit von Herzschrittmachern gäbe es da einiges zu besprechen. Auch das Lebensalter der Passagiere ist bedeutsam für die Flugtauglichkeit, angesichts einer älter werdenden Gesellschaft möchte der Schreiberling auf dem glatten Parkett aber nicht die Kontrolle verlieren. Vorurteile, Statistiken, ärztliche Atteste und wissenschaftliche Hintergründe könnten ausgetauscht werden. Das Wissen würde sich erweitern – auf beiden Seiten natürlich.

    Gleichzeitig näme die Terrorgefahr in der Luft deutlich ab, denn durch die auftretenden Staus sänke die Zahl der Flugbewegungen ganz erheblich. Deutliche Kerosin-Einsparungen verknüpft mit reduzierter Umweltbelastung, was will das Herz mehr? Diese Thematik ist ausbaufähig – nicht nur in „Felix Austria“. Sagte ich „Austria“? Pardon, jetzt muß ich mich aber wieder um die Deutsche Einheit kümmern – an diesem 3. Oktober 2006.