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Entenhausen

Auch Journalisten machen Fehler, aber ich glaube, ich würde meinen Job an den Nagel hängen, wenn ich Autor dieser Ente wäre, die derzeit durch die Gazetten geistert. Die EU wolle das Synchronisieren von Filmen und Beiträgen untersagen, vermeldete AFP. Was die EU wirklich will ist, die Untertitelung in öffentlichen-rechtlichen Sendern sicherstellen, damit auch gehörlose und schwerhörige Zuschauer sich umfassend informieren können.

Und dann werden zu der AFP-Meldung Kommentare geschrieben, die FAZ bemüht gleich mal die Pressefreiheit, und niemand macht sich mal die Mühe, das Papier der EU, das wirklich idiotensicher verfasst ist, mal durchzulesen.

Wie diese Ente entstehen konnte, ist mir übrigens völlig klar: Aus purer Ahnungslosigkeit. Ich bin ziemlich sicher, dass es selbst unter den Medienredakteuren Leute gibt, die noch nicht einen Gedanken an das Thema Untertitelung verschwendet haben, dabei hätten sie eigentlich seit Jahren mal darüber schreiben können. Da hat jemand definitiv nicht gewusst, dass es überhaupt noch andere Untertitel gibt als die von fremdsprachigen Filmen, die nicht synchronisiert sind.

Und obwohl AFP die Meldung zurück gezogen hat, haben immer noch nicht alle Onlinemedien die Meldung gelöscht, es finden sich Blogeinträge mit wenig schmeichelhaften Kommentaren etc. . Und was mich am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass alle davon ausgehen, dass man „wegen den Behinderten“ Einschnitte in seinem persönlichen Umfeld (sprich beim Fernsehen) hinnehmen müsse. Was das für Ressentiments bei manchen Leuten schürt, kann man sich denken.

Aber ich hätte eine Idee für die Wiedergutmachung: Alle Zeitungen und Onlinemedien, die die Meldung falsch übernommen haben sowie AFP selbst natürlich, recherchieren mal einen schönen Beitrag darüber, wie die Situation von gehörlosen Mediennutzern in Deutschland wirklich ist und wie die Situation im Vergleich in anderen Ländern aussieht.

via Stefan Niggemeier

10 Kommentare

  1. […] In der MOPO durfte ich gestern selbst lesen, dass bald alle fremdsprachigen Fernsehsendungen untertitelt ausgestrahlt würden. Da ich vorher schon diesen Artikel bei Behindertenparkplatz gelesen hatte, war ich mir sicher, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. In Wirklichkeit geht es gar nicht darum, dass Synchronisation wegfallen soll, sondern Was die EU wirklich will ist, die Untertitelung in öffentlichen-rechtlichen Sendern sicherstellen, damit auch gehörlose und schwerhörige Zuschauer sich umfassend informieren können. via Behindertenparkplatz […]

  2. NickelPic sagt:

    Deine Idee finde ich klasse und sollte wirklich mal in einem riesigen Format umgesetzt werden!
    Nur leider machen sich die meisten Medien nicht die MÜhe dazu, die Situation behinderter Menschen, egal ob Gehörlos oder auch Rollstuhlfahrer, eine Story zu widmen. Denn es ist keine reißerische Story, wie eben die Falschmeldung mit der Synchronisation.
    Was aber auch ein ausschlaggebender Grund meiner Meinung nach ist, dass die Gehörlosen eine kleine Minderheit in der Gesellschaft ist. Wobei sie wirklich vieles zu bieten hat.

  3. Bettina sagt:

    Das ist ja wirklich der Witz. Zum Einen natürlich wegen der ungenauen Recherche und der Unwissenheit des Journalisten. Zum Anderen, weil es zeigt, wie da reflexartig auf die „Brüsseler Bürokraten“ geschossen wird. Dabei sind die manchmal gar nicht so blöd. Zum Schluss kenne ich kaum ein Land, dass sich so extrem wie Deutschland gegen die Untertitelung ausländischer Filme und Serien sperrt (vielleicht mal abgesehen von Spanien). Vielleicht sprächen die Deutschen auch so gut Englisch wie die Holländer, die Skandinavier und die Finnen, wenn sie in der Originalsprache „glotzen“ müssten.

  4. Gerhard sagt:

    „Was aber auch ein ausschlaggebender Grund meiner Meinung nach ist, dass die Gehörlosen eine kleine Minderheit in der Gesellschaft ist. Wobei sie wirklich vieles zu bieten hat.“

    Eine Minderheit? Auch sehr viele alte Menschen würden sich über Untertitel freuen. Allerdings müssten die deutlich größer als momentan über Videotext möglich dargestellt werden.

  5. Otti sagt:

    Hallo Gerhard,

    Du kannst den Videotext normalerweise vergrößern. Dann siehst Du entweder die obere Hälfte vergrößert oder die untere Hälfte. Wenn Du nun bei Dir den Videotext die untere Hälfte vergrößern lässt und dann die Untertitelung einschaltest (150), dann hast du auch besser lesbare Untertitel, die aber dann mehr vom Bild verdecken. Weitere Infos dazu findest Du unter http://tinyurl.com/6h2lku

  6. Deinen letzten Ansatz finde ich klasse und wenn wir schon dabei sind, warum laufen die Paralympics nicht Zeitgleich zu der Olympiade und bekommen die gleichen Sendeanteile im Öffentlichrechtlichen Fernsehen…

  7. Dorothea sagt:

    @Alex

    Warum? Weil sogenannte „Behinderte“ eine PARALLEL-Gesellschaft bilden, eine in SONDEReinrichtungen und SONDERschulen abgeschobene Bande, am besten gut „gepflegt“ und unsichtbar, dankbar für jeden Brotkrümel, und lediglich mit Durchgangsvisa ausserhalb ihrer Ghettos ausgestattet.

    PARAlympics- also die NEBEN-/SONDERspiele von AusgeSONDERten gleichzeitig mit den Spielen der Achsogesunden und Achsonormalen? Wo denkst du hin? Behindis sollen gefälligst dankbar sein, dass sie auch mal „spielen“ dürfen, und ansonsten dankbarst die Klappe halten.

  8. Lin sagt:

    „Wohltaten“ für Behinderte sind ein „Heißes Eisen“ und bedürfen eines hohen Grades an Gemeinsinn.

    Der breitere Parkplatz für Behinderte ist für mich völlig ok. Aber warum der kostenlos ist, habe ich nie verstanden.

    „… warum laufen die Paralympics nicht Zeitgleich zu der Olympiade und bekommen die gleichen Sendeanteile im Öffentlichrechtlichen Fernsehen…“ – ist doch klar: Sendezeiten bekommt man nach Einschaltquoten. Sind die Einschaltquoten für Paralympics nicht so hoch, wie für die Olympics, sind die Sendezeiten natürlich dementsprechend.
    Natürlich sind sind beides gleichberechtigte Leistungsveranstaltungen.

  9. Isabell sagt:

    In unserer heutigen Gesellschaft sollte es selbstverständlich sein, dass gleiches Recht für alle gilt. Wenn eine Rollstuhlfahrerin einen Riesenumweg in Kauf nehmen muss, um von A nach B zu kommen, so ist das nicht hinzunehmen. Jeder von uns kann in diese Lage geraten.

  10. ClaudiaG sagt:

    @Lin:
    „Der breitere Parkplatz für Behinderte ist für mich völlig ok. Aber warum der kostenlos ist, habe ich nie verstanden.“

    Das ist eigentlich ganz einfach: Jeder, der laufen kann, hat auch mal die Möglichkeit, etwas weiter weg zu parken, oder zu einem Ort ganz zu Fuß zu gehen, mit dem Fahrrad etc. Gehbehinderte müssern häufig die Spezialparkplätze schon deshalb nutzen, weil sie anders in das entsprechende Gebäude gar nicht reinkämen oder an die entsprechende Tür kämen. Außerdem kann es für einige Leute einfach zu kräftezehrend sein, eine längere Strecke mit dem Handrolli fahren zu müssen. Nicht jeder Rollstuhlfahrer mit einem Handrolli ist ein gut trainierter Querschnittsgelähmter, es gibt genug Ursachen für eine Gehbehinderung, die auch die sonstige Muskelleistung stark herabsetzen. Auch ohne daß jeder gleich nen Elektrorolli hat.
    Für mich ist diese Geschichte mit der Parkgebühr einfach eine Neiddiskussion. Was soll das?
    Seien wir lieber froh, daß wir, falls wir selber mal in die Situation kommen, uns auch auf derartige Dinge verlassen dürften und solange wir das Problem nicht haben, seine wir besser froh, daß wir diesen kostenlosen Service nicht brauchen.