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Deutschland, was ist aus Dir geworden?

Ich war 16 Tage weg und bin gerade mal 24 Stunden wieder hier und habe zunehmend das Gefühl, dass das nicht das Deutschland ist, das ich vor mehr als zwei Wochen verlassen habe.

  • Schon auf dem Weg vom Flughafen nach Hause kamen mir diese Opels Mittelklassewagen mit Deutschlandfahnen entgegen. Ich war allerdings vorgewarnt, die amerikanische Tagespresse hatte mich darüber bereits informiert.
  • An Wohnhäusern in der Nachbarschaft hängen jetzt Fahnen, in erster Linie solche in den Farben Schwarz, Rot und Gold. Manchmal auch Grün, Gelb und Rot mit einem Stern in der Mitte.
  • Am Flughafen Hamburg wurden ein paar Mitreisende aus unserem Flieger von einer lautstarken Blaskapelle und einem Lied über Mecklenburg empfangen.
  • Bei iTunes findet man derzeit in der Top100 auf den Plätzen 1, 2 und 3 Fußballlieder und auf Platz 32 die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland in Nachbarschaft zu „Fußball ist unser Leben“, gesungen von der Nationalmanschaft 1974.
  • Während ein Fuchs bei meinem Schwiegervater sieben Hühner gerissen hat, erschießt jemand in Bayern für ähnlich gelagerte Taten einen Bären während der Fuchs weiterleben darf und es bislang nicht auf die Titelseiten der Zeitungen geschafft hat.
  • Und bei Frosta wurde eine Mitarbeiterin von Iglo abgeworben.

Was ist aus diesem Land nur geworden?

7 Kommentare

  1. Wobei: Um sich zu wundern, muss man nicht erst wegfahren. Kollektiver Wahnsinn hat hier ja Methode, ist zurzeit nur so besonders deutlich und öffentlich….

  2. Klaus sagt:

    Die Fußball-Weltmeisterschaft macht vieles möglich. Neben deutschen Fahnen, Fankleidung und sonstigen Equipment, werden jetzt sogar ganze Altäre aufgebaut. Wie in einem Artikel ( http://heuteblog.de ) zu lesen ist, wurde ein mit reichlich „Fanschrott“ verzierter Altar in Berlin entdeckt. Auch die entsprechende sexy Gralshüterin wird in dem Beitrag gleich mitgeliefert. Kann man bei all dem Hipe nur hoffen, dass Klinsi und seine Jungs auch Weltmeister werden.

  3. louis sagt:

    Herzlich Willkommen zurück.

    @ hoffen, dass Klinsi und seine Jungs auch Weltmeister werden.
    Bitte nicht, dann drehen die hier vollkommen durch.

  4. Meike sagt:

    Huhu,

    also ich find die Stimmung, die durch unser Land zieht durchweg positiv.

    – alle sind fröhlich
    – alle sind nett
    – alle sind hilfsbereit

    Ich hoffe, dass es noch lange anhält und natürlich, dass wir Weltmeister werden!

    Gruß Meike

  5. Also lass mich mal was sagen, was ziemlich seltsam klingt. Deutschland hatte seit vielen vielen Jahren ein Problem mit der Selbstidentifikation. Jetzt scheint es so, die Presse hat es oft geschrieben, dass Deutschland sich selbst, und auch den Stolz auf sich selbst, gefunden hat. Das wirkt sich erst einmal heftig auswirken, bevor es sich einpendelt, und einpendeln wird es sich. Ganz bestimmt. Nach dem 9. Juli wird es sich langsam normalisieren. Aber an sich finde ich ein wenig mehr Normalität im Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land gar nicht schlecht. Dieses verkrampfte Nichtverhältnis ist irgendwie sogar gefährlich, man hat nichts, womit man sich identifizieren kann.

  6. Christiane sagt:

    @ Jens
    Ich glaube nicht, dass die Deutschen sich bislang mit ihrem Land nicht identifizieren konnten. Mit was soll ich mich jetzt nach der WM identifizieren? Mit der Nationalmannschaft? Ich kann mich mit ganz anderen Sachen in Deutschland identifizieren. Das merke ich insbesondere dann, wenn ich im Ausland war. Dann merkt man ganz schnell, dass Deutschland durchaus einiges sehr Liebenswertes hat. Ich schaue gerne Fußball und fiebere auch mit, aber mit Patriotismus kann ich nichts anfangen. Dazu fühle ich mich zu sehr als Europäerin.

  7. @Christiane: Wer spricht denn von Patriotismus? Nicht immer alles so verbissen sehen. Ich fand es toll, wie die Fans zum Beispiel auf die deutsche Niederlage reagiert haben. Vorher gesungen: Wir fahren nach Berlin, nachher gesungen: Wir pfeifen auf Berlin. Ich fand einfach, es war eine gewisse Aufgelockertheit in der Luft, die man von Deutschland so nicht gewohnt war. Zum ersten mal in meinem Leben habe ich richtig mitbekommen, dass viele Deutsche sagten: Jau, hier geht was tolles ab, finde ich einfach klasse, und das in unserem Land. Und sie haben sich dafür weder versteckt noch geschämt. Das finde ich grundsätzlich positiv. Natürlich hat das mal bestimte Auswirkungen, die uns im ersten Augenblick vielleicht zu heftig sind, eben die Flaggen- und Nationalhymne-Geschichte. Aber das pendelt sich wieder ein! Von Patriotismus im negativen Sinne ist das, so hoffe ich zumindest, doch noch ein Stück weit entfernt.