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Alles eine Frage der Definition

Es gibt Ärger um die Bundesgartenschau (BUGA) in Thüringen. Der selbst behinderte PDS-Abgeordnete Maik Nothnagel kritisiert, dass die Anlage nicht barrierefrei sei. Auch der Behindertenbeauftragte des Landes kritisiert die Anlage und schlägt ein unabhängiges Gutachten vor.

Das kann die BUGA natürlich nicht auf sich sitzen lassen und lehnt das Gutachten ab. Denn es sei gar nicht nötig. „Der Kletterturm hat zwar keinen Aufzug, ist aber auch von taubstummen oder blinden Menschen zu besteigen», wird der BUGA-Geschäftsführer Ernst-Hermann Kubitz in der Presse zitiert. Es ist halt alles eine Frage der Definition.

Kann es vielleicht sein, dass blinde und gehörlose Menschen gar keine Probleme mit Stufen haben und deshalb den Turm besteigen können? Und dass das gar nicht die einzige Hürde ist, die auf dem Gelände eingebaut wurde. Schon am Eingang soll es Stufen geben und nicht einmal das Informationszentrum soll zugänglich sein.

Ich kann mir das eigentlich auch nicht vorstellen, steht doch auf der BUGA-Webseite: „Die Bundesgartenschau Gera und Ronneburg 2007 wird vom Freistaat Thüringen und der Europäischen Union gefördert und umfassend unterstützt.“ Im Mai habe ich noch gejubelt, dass die EU die Förderung von Projekten und Vorhaben von der Barrierefreiheit abhängig machen will. Und ich nehme doch mal an, dass damit nicht gemeint war, dass blinde und gehörlose Menschen die Treppe hochkommen.

Ein Kommentar

  1. Dorothea sagt:

    Das ist eben das Problem bei dem Begriff „Behinderte“. Wer genau ist damit gemeint?

    Auf diese Art und Weise werden nicht nur Unterschiede nivelliert (alles Pflegefälle), sondern können auch Gruppen untereinander ausgespielt werden (die Gehörlosen haben aber keine Probleme – die anstrengenden Rollstuhlfahrer aber auch wieder. Oder andersherum: wenn Rollstuhlfahrer keine Probleme haben, ist die Veranstaltung barrierefrei).

    _Ein_ Grund, weshalb ich mich gegen die Titulierung „Behinderte“ wehre.