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Zurück in London

Ich bin zurück von meinem kurzen Tripp nach Good Old Germany und habe gestern abend noch ein paar schöne Abenteuer erlebt. Als ich endlich in London ankam, fand ich mich in einem Rollstuhl mit gebrochenem und verbogenen Hinterrad wieder. Ich kümmere mich gerade um die Ersatzbeschaffung und die Kostenübernahme.

Überhaupt waren die beiden Tage in Frankfurt ganz interessant und eine Herausforderung. Ich stand ständig vor defekten oder besetzten Fahrstühlen, diskutierte ständig mit irgendwem rum. Sehr bezeichnend war die Situation abends an der Hauptwache. Ich wollte zur Hauptwache, aber dort war der Fahrstuhl bei der S-Bahn defekt. Also musste ich weiter bis Konstablerwache fahren und dann über die Zeil zurück zur Hauptwache rollen. Es war schon nach 20 Uhr und wenig Autos unterwegs und ich hatte es ja eilig. Extratouren hatte ich nicht eingeplant. Also bin ich bei Rot über die Ampel. Da plärrt eine Frau hinter mir her: „Dass Sie in Ihrer Situation auch noch bei Rot über die Ampel müssen. Das muss doch wohl nicht sein.“

Im Supermarkt belehrten mich Kunden „Nicht, dass Ihnen das vom Schoss fällt“ und ein Bahnmitarbeiter antwortete auf meine Frage, warum man während der mehrmonatigen Schließung und Umbau des Regionalbahnhofs Frankfurt-Flughafen nicht auch gleich einen ebenerdigen Einstieg ermöglicht hat: „Das ist zu teuer.“ Als ich ihm sagte, dass es doch auch teuer ist, dass er mich jetzt zur S-Bahn bringen muss, sagte er: „Das stimmt. Und der Servicepoint ist währenddessen auch zu. So viele Menschen die wegen Ihnen keine Auskunft bekommen.“ Ich habe ihm dann versucht zu erklären, dass die nicht „wegen mir“ keine Auskunft bekommen, sondern weil die Bahn nicht in der Lage ist, Zug und Gleis auf eine Höhe zu bringen und genügend Personal zu stellen.

Und so führte ich eine Diskussion nach der anderen, rechtfertigte mich hier und dort für mein ansich normales Verhalten und als ich am Dienstag im Flieger saß, war ich sooooo müde. Und hatte ganz stark das Gefühl, ich fliege nach Hause. Als ich zu Hause ankam, sagte ich zu meinem Freund „Ich glaube, ich werde alt. Ich steck diese dummen Kommentare und nervigen Menschen nicht mehr so gut weg.“ Darauf meinte er: „Nee, Du bist die nur nicht mehr gewöhnt.“

6 Kommentare

  1. Saranya sagt:

    Naja – ich glaube nicht nur, dass es etwas mit Gewöhnung zu tun hat.

    Ich finde an viele Dinge gewöhnt man sich nicht, sondern lernt nur damit zu leben.

    Aber wenn man dann noch Positivbeispiele erlebt und verinnerlicht hat – fallen einem Missstände noch viel mehr ins Auge. Zumal man jetzt ja nicht nur theortisch weiß: es geht auch ander.

    Liebe Grüße und noch einen schönen Abend wink ich über den Kanal – aus der Nähe von Frankfurt.

    Saranya

  2. mona lisa sagt:

    Eine liebevolle Antwort!

  3. Monika sagt:

    Rate mal, warum ich gerne in Brasilien lebe?

    Gruss aus der Ferne!

    Monika

  4. Hisky sagt:

    Dazu passt Dein aktueller Beitrag mit dem Video aus England recht gut. Die oben beschriebenen Personen sollten mal einen Tag wie im Film leben.

  5. Tom Goetze sagt:

    Da macht es mich doch nochmal so glücklich, dass ich jetzt in UK wohne. Auch wenn hier genauso Fehler gemacht werden wie in Deutschland, so haben die Briten im Umgang mit körperlich herausgeforderten Mitmenschen bereits viel gelernt und auch in die Praxis umgesetzt.

    Ich habe eine gute Bekannte, welche auch lange Zeit im Rollstuhl saß und auch sie wurde oft blöde angemacht. Ich begreife nicht, wie soviele Menschen in Deutschland so engstirnig sein können und den Leuten im Rollstuhl die Schuld geben, anstatt die Situation mal aus der Sicht der Rollstuhlfahrer zu sehen.

    Danke für deinen Blog! Ich lese ihn gern. Habe ihn durch den Preis der Deutschen Welle entdeckt!

    Gruß Tom

  6. Norbert sagt:

    Frankfurt, speziell der Hauptbahnhof (wo man Glück haben muß wenn von den drei Aufzügen von der Tiefebene nach oben einer funktioniert), ist sowieso eine Geschichte für sich.

    Vor einer Weile hat die Bahn dort Umbauten gemacht. Dagegen ist nichts zu sagen und das muß ja auch sein. Für die Zeit des Umbaus konnte man sogar auf bahn.de nachlesen wie man als Rollifahrer von der S-Bahn zu den Fernbahnen gelangt.

    Mit der S-Bahn weiter zur Konstablerwache (drei Stationen). Dort umsteigen in die U-Bahn Richtung Messe (wobei man unterwegs auch noch mal beim Bahnhof vorbeikommt). An der Messe umsteigen in die Straßenbahn (immer hoffend daß die Hebebühne funktioniert). Dann zum HbF fahren und über den Vorplatz wieder ins Gebäude rollen.

    Zeitaufwand zu Fuß: 1 bis 2 Minuten
    Im Rolli: Schwer zu schätzen, je nach Tageszeit. Minimum wohl ca 45 Minuten, abends an die anderthalb Stunden.