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Wie Schumi zum Bus

Es war wieder die Haltestelle White City und wieder die gleiche Szene wie am Tag zuvor. Ich stehe gut sichtbar an der Haltestelle, halte meine Hand ausgestreckt in Richtung Straße und signalisiere dem Busfahrer deutlich, dass ich mitfahren will. Und es passiert, was am Tag zuvor auch passiert war: Der Busfahrer lässt mich ohne Kommentar stehen.

Ich bin fast geplatzt vor Wut. Aber Wut ist in solchen Situationen manchmal ganz gut. Ich wollte hinter dem Bus her, um mir die Nummer zu notieren. Ich bin wie eine Irre über den Bürgersteig gerast. Irgendwann hatte ich den Bus eingeholt. Es staute nämlich. An der nächsten Ampel musste er stehenbleiben und bin vorne an die Tür und habe den Fahrer durch die geschlossene Tür angeschrien und gefragt, warum er mich nicht mitnimmt. Warum er die Gesetze dieses Landes nicht befolgt. Ich habe ihm gesagt, ich werde ihn bei seinem Unternehmen melden. Ich werde dafür sorgen, dass er richtig Ärger kriegt. Ich war richtig sauer.

Dann habe ich mir gedacht: „Den Kampf gewinnst Du.“ Ich bin weiter gerast, bin vor dem Bus über die Straße und habe zeitgleich die nächste Bushaltestelle erreicht. In einer Wahnsinnsgeschwindigkeit…

Und siehe da. Der Fahrer hat die Rampe ausgefahren. Sofort. Ohne Diskussion. Ich war fix und fertig nach dem Sprint. Aber ich war im Bus. Ich hatte diesen Wettkampf gewonnen.

18 Kommentare

  1. Eva sagt:

    ach du schande…

    in deinem leben passiert auch immer was, irgendwie.

  2. Philip sagt:

    supergeil – das kann alles! Gratulation zum gewonnen Kampf. Anzeigen würde ich ihn trotzdem. Bodenlose Frechheit, dass er dich stehen gelassen hat…deine Wut im Bauch kann ich sehr gut nachvollziehen.

  3. Gerhard sagt:

    1:0 für dich. Herzlichen Glückwunsch!

  4. Kirsten sagt:

    Wow, sehr cool – auch wenn der Anlass für diese rasante Aktion mal wieder ein ätzender war…

  5. Tom sagt:

    Also ich habe ja in London oft weniger das Problem mitgenommen zu werden, als dann wieder auszusteigen. Da drückt man die Taste (am besten zweimal, einmal länger vorher, dann nochmal bei der Anfahrt der Haltestelle) und nix passiert. Keine Rampe oder so. Gut, manchmal lassen sie die Passanten vorher aussteigen und dann kommt die Rampe… oft auch eben nicht. Auf meinen Prostest meinte der Busfahrer neulich kess, ich könnte ja auch bei der nächsten Haltestelle aussteigen. Da ist aber eine jüngere Mitfahrerin sowas von sauer auf den Busfahrer losgegangen… als dieser dann nach dem Austausch diverser Schimpfwörter meinte, warum Sie sich denn für mich so einsetze, sind weitere Passanten richtig wütend geworden und haben den Bus quasi zum Stilstand gebracht, bis die Rampe ausgefahren wurde. Das nenne ich mal Zivilcourage von wildfremden Leuten – so etwas habe ich in Deutschland noch nicht erlebt!

  6. Julian sagt:

    … finde ich richtig stark von Dir.
    Ich hätte in dieser Situation wahrscheinlich kapituliert und aufgegeben.
    Viel besser, als alles nur einfach hinzunehmen.
    Aber trotzdem wär´s besser, wenn so ein Einsatz gar nicht erst nötig wäre.

    Viele Grüße

    Julian

  7. […] Christiane vs the bus: It was the White City stop, the same story as yesterday. I’m waiting in full sight at hte bus stop, holding my hand out towards the street, clearly signalling to the driver that I want to get on. And just like yesterday, the driver leaves me standing there. […]

  8. Claudia sagt:

    Einfach hinterher und los! Das muss ein Anblick gewesen sein. Das Rennen des Jahres.

    Gut gemacht.

  9. […] Behindertenparkplatz » Wie Schumi zum Bus Das Rennen des Jahres: Rolli schlägt Bus. Oder den Busfahrer? (tags: Weblog Barrierefreiheit) […]

  10. […] Behindertenparkplatz » Wie Schumi zum Bus Das Rennen des Jahres: Rolli schlägt Bus. Oder den Busfahrer? (tags: Weblog Barrierefreiheit) […]

  11. Markus sagt:

    Wer hat denn gewonnen? Also wenn ich der Busfahrer wäre und mit rennt einer hinterher, dann hätte ich innerlich gewonnen :)

  12. Immer weiter so. Glückwunsch.

    Peter

  13. Dorothea sagt:

    @Eva

    Nein, „es“ „Passiert“ nicht!

    „Es“ handelt sich um AKTIVE Diskriminierung, nicht um „etwas“, das halt „passiert“, schicksalshaft oder „wegen der Behinderung“. Da diskriminiert jemand direkt durch aktives Handeln, nichtmal durch Unterlassen („passieren“).

    Und dieses „(du meine Güte), in deinem Leben PASSIERT immer was (und ich kanns nicht mehr hören(„) ist ebenfalls DISKRIMINIEREND.

    Auch, wenn es pseudo-„bewundernd“ „gemeint“ ist.

    Auch RollstuhlfahrerInnen haben in ihrem Leben eigentlich Besseres zu tun, als Bussen hinterherzusprinten, um das Herausfahren von Rampen zu kämpfen und anschließend darüber zu berichten.

    Aber wenn täglich „soviel passiert“, ist dummerweise irgendwie kein Raum mehr für Anderes.

    Dann bist halt dauernd damit beschäftigt, als „Behinderter“ überhaupt mal selbständig sein zu DÜRFEN – und das geht ganz deutlich von der Kraft für anderes ab.

    Soviel zum „Passieren“.

  14. Christiane sagt:

    @Dorothea
    Ich gebe Dir recht. Das, was der Busfahrer da veranstaltet hat, ist diskriminierend. Aber ich sehe nicht, was an dem Kommentar von Eva diskriminierend sein soll. Es bringt nichts, staendig „Diskriminierung“ zu schreien, wenn Leute sich nicht so ausdruecken, wie man das selbst tun wuerde.

    Ich schreibe dieses Blog hier auch, um Leuten, die keine Ahnung haben, was man als behinderte Frau so erlebt, einen Einblick zu geben. Und ich moechte gerne, dass die Leute hier weiter kommentieren und lesen. Es bringt nichts, die Leute vor den Kopf zu stossen.

    Ich erwarte nicht, dass hier alle die Modelle und Definitionen von Behinderung runterbeten koennen und sich immer alle gewaehlt ausdruecken. Natuerlich ist es kein Zufall, dass ich sowas erlebe, aber nicht meine nicht behinderten Kollegen. Aber ich denke, das hat auch jeder verstanden.

  15. robin sagt:

    @ Dorothea, ich kann Christiane als Nicht-Körperlich-Behinderter in ihrer Einstellung gut verstehen und ich finde es prima, solch ein Blog zu lesen, was mir einmal mehr vor Augen führt, was alles „passieren kann“, wenn man auf zwei Reifen unterm Hintern angewiesen ist. Ich könnte auch ein Blog mit ähnlichen Erlebnissen einrichten über das Leben als Vater mit Kind(-erwagen), wo einem auch alle Nase lang deutlich gemacht wird, wie anstrengend „Mitmenschen“ es finden, dass es mich (uns) so gibt.

    Und als Linguist kann ich nur sagen, dass es viele, viele Ausdrücke gibt, die einfach so gesagt bzw. geschrieben werden, die sicherlich umgangssprachlich sind – also voller spontanem Erleben. Und das finde ich allemal besser als irgendeinen Kommentar, der „ach-so-ausgewogen“ daherkommt – was meiner Meinung nach eh sauschwierig bis unmöglich ist.
    That’s life !!

  16. […] Tipp Nr.1: behindertenparkplatz.de Aufmerksam geworden bin ich auf das Weblog der Journalistin Christiane Link via Claudia Kilian und hängengeblieben dann beim Lesen des folgenden Artikels: “Wie Schumi zum Bus Es war wieder die Haltestelle White City und wieder die gleiche Szene wie am Tag zuvor. Ich stehe gut sichtbar an der Haltestelle, halte meine Hand ausgestreckt in Richtung Straße und signalisiere dem Busfahrer deutlich, dass ich mitfahren will. Und es passiert, was am Tag zuvor auch passiert war: Der Busfahrer lässt mich ohne Kommentar stehen…” […]

  17. Sarah sagt:

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