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Wenn behinderte Menschen besser sind

Erstaunt war ich vom Wirbel um Ironman Stadler las, nachdem ich aus Hongkong zurück war. Bei wirres.net habe ich dann die Geschichte der Entschuldigung von Stadler gelesen und mich richtig amüsiert.

Mit Stadler ist ein Phänomen in die Öffentlichkeit gerückt, das mir alles andere als unbekannt ist: Viele nicht behinderte Menschen haben Schwierigkeiten, wenn behinderte Menschen etwas besser können als sie selbst. Als ich an der Uni mal um eine Rampe gekämpf habe, sagte ein Verwaltungsmitarbeiter zu mir: „Wissen Sie, ich habe auch nicht studiert und als ich hier anfing, gab es auch keine Behinderten an der Uni. Jetzt wollen sie auch noch eine Rampe.“ Das kratzt bei einigen Menschen ganz schön am Selbstbewusstsein, wenn behinderte Menschen, also Menschen, die Augen so mancher prinzipiell weniger können und leisten, plötzlich mehr Erfolg haben als man selbst. Nichts anderes hat Stadler zwischen den Zeilen gesagt. Wojtek Czyz hat etwas besser gemacht als er: Er ist auf fünf Plätzen vor ihm gelandet. Das passt einfach nichts in das Bild eines Leistungssportlers, der glaubt, der Beste zu sein. Dann kommt ausgerechnet ein behinderter Sportler daher und überrundet ihn.

Und noch ein Phänomen kann man an Stadler beobachten: Den „Ich kenne Behinderte-Trick“. Wer sich durch den Vorwurf einer Diskriminierung, den Vorwurf ein falsches Bild behinderter Menschen zu haben oder sich gegenüber behinderten Menschen nicht angemessen zu verhalten in die Ecke gedrängt fühlt, zieht die „Ich habe Behinderte im Bekanntenkreis“-Karte. „Ich selbst habe großen Respekt vor behinderten Sportlern und zähle einige auch zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis“, sagte Stadler in seiner Entschuldigung. Oft erlebt ist auch die „Ich habe selbst eine Behinderung“-Taktik. Blöd nur, dass diese Taktik einem Ironman nicht so gut zu Gesicht steht und Stadler auf diese Taktik verzichten musste. Hätte es nicht wenigstens eine leichte Schwerhörigkeit sein können?

Ein Kommentar

  1. Es ist ja die Standard-Antwort aller Diskriminierer. Vom Klassiker des Antijudaismus („Ich hab nix gegen Juden, einiger meiner besten Freunde sind welche“) an ist es die einfachste Art, einen Diskriminierer oder Wovon-auch-Immer-Feind recht zweifelsfrei zu erkennen.
    Die „einigeMeinerFreunde“-Methode hab ich jedenfalls noch nie angewendet gehört von Menschen, die eben gerade kein subjektives Problem mit der so umarmten Minderheit haben.
    Gedankenlosigkeit, die tiefere Einsichten offenbart, die bei halbwegs kultivierten Menschen nicht an die Oberfläche kommen – und die von vielen sogar abgestritten würden, denn s.o.