Share on FacebookShare on Google+Flattr the authorTweet about this on Twitter

Verschont mich

Sätze und Fragen, die ich nicht mehr lesen oder hören will, inspiriert durch Katja:

  • Aber Sie sehen eigentlich ganz glücklich aus.
  • Mein Mann ist auch an den Rollstuhl gefesselt.
  • Sitzt Ihr Mann auch im Rollstuhl?
  • Ja können Sie das denn?
  • In welcher Einrichtung wohnen Sie denn?
  • Wir haben hier ein Problem. Da ist jemand im Rollstuhl.
  • Immernoch besser als blind.
  • Das hat Gott sicher so gewollt.
  • Sie haben ja sicher auch nicht so viel Geld.
  • Sie müssen doch verstehen, dass…
  • Wir konnten doch nicht ahnen, dass…
  • Journalistin im Rollstuhl – geht das denn?
  • Wissen Sie, es kommt nicht so oft vor, dass…
  • Ich war nur kurz… und wollte auch gleich wegfahren.
  • Sie bekommen ja sicherlich Rente.
  • Warten Sie. Wir holen die Sanitäter. Die helfen Ihnen.
  • Sie sind hier falsch. Hier findet eine Pressekonferenz statt.

8 Kommentare

  1. Marleen sagt:

    ich kann verstehen, dass dich das ankozt…manche Leute tun echt so, als würden sich die Menschen in….wie soll ich sagen….Rassen teilen. Einmal die doofen, die klugen, die kleinen, die dicken….usw! Sowas ist echt nervig, vorallem: Was ist schon normal?
    Was mich mal echt interessieren würde: Wie war dein Weg zur Jounrnalistin? Ich denk ja mal, dass du studiert hast aber ne richtige Lehre gibt es ja nicht, oder?
    Ich wollte das auch beruflich machen, schreiben in einer Zeitung…was heißt wollte…will! Ich hab nur Angst davor, da ich weiß, dass man auch mächtig abstürzen kann, wenn man keine Beziehungen hat…oder seh ich das falsch?
    Naja, ich hab niemanden, der mir diese Fragen beantwortet, ich hoffe, du kannst mir helfen….Danke, Leene

  2. Christiane sagt:

    @ Marleen
    Ich habe Politikwissenschaft studiert und dann volontiert. Das ist ein sehr klassischer Weg. Die größte Hürde besteht aber darin, ein Volontariat zu ergattern. Man kann auch an Journalistenschulen gehen (auch da muss man erst einmal einen Platz kriegen) oder quer einsteigen.

    Viele Kollegen arbeiten als freie Journalisten. Ich bin fest angestellt. Es ist derzeit alles andere als einfach sich als freier Journalist über Wasser zu halten. Die Zeitungen vergeben längst nicht mehr so viele Aufträge nach draußen wie früher. Die Konkurrenz unter den Freien ist groß.

    Letztendlich bin ich aber grundsätzlich der Meinung, dass man sich von solchen Umständen nur bedingt beeinflussen lassen darf. Mir haben x Leute gesagt, dass ich niemals Journalistin werden kann. Jetzt bin ich’s trotz Medienkrise etc. Abstürzen kann man in allen Berufen und Kontakte baut man nach und nach auf. Viele Dinge muss man einfach richtig wollen, damit sie hinhauen. Man darf das Ziel nur nicht aus den Augen verlieren.

    Ups, ich wollte gar nicht so altklug schreiben… :-)

  3. Dorothea sagt:

    Hallo Christiane,

    ich kann die Sätze auch nicht mehr hören. Vor allem kann ich das große H für HELFEN HELFEN HELFEN nicht mehr in den Augen der Leute aufblitzen sehen, sobald sie einen armen kleinen ogottogottwieschlimmschlimmschlimm-Krüppel des Wegs fahren sehen *würg*.

    Mein Mann ist übrigens nie mein Gatte, sondern stets mein Pfleger, mein Zivi oder mein Bruder – bei Verwandtschaftsvermutung natürlich immer auch der „Held, der sich sooooo lieeeeeb um dich küüüüüümmert“ *nochmal würg*

    An Änderung kann ich irgendwie nicht glauben ….

  4. Marleen sagt:

    Danke für deine Antwort, Angst hab ich immer noch :-)
    Aber ich hab ja auch nicht erwartet, dass du mir meine Angst nimmst.
    Ich werd auch vorläufig versuchen Praktikas in Radiostellen zu bekommen um vielleicht mehr Chancen zu haben um auf soeine Schule zu kommen…freiberuflich will ich das nicht unbedingt machen….mal sehen, vielleicht schlage ich mir diese Idee ausdem Kopf oder schreibe nebenbei einfach mal was….
    Vielen Dank, Leene

  5. croco sagt:

    Ich glaube,die meisten Leute denken einfach nicht nach. Sie meinen es nicht böse, wenn sie diese Phrasen benutzen. Man muss es immer wieder erklären.
    Vor einiger Zeit kam eine Rollstuhlfahrerin in den Biologieunterricht und hat den Kindern aus ihrem Leben erzählt. Sie war sehr offen und sehr freundlich.
    An den Fragen der Inder sah man, dass sie einfach nichts wissen über diese Art des Lebens.
    Sie hatte ihren Sportrollstuhl mitgebracht, so dass die Kinder sich hineinsetzten konnten und den Flur entlang fahren. Und sie hat berichtet, wie frei sie sei durch diese Bewegungshilfe, und nicht gefesselt.
    Diese eine Stunde war sehr beeindruckend, für die Kinder und für mich.

  6. croco sagt:

    Bitte setze ein K vor die Inder :-)

  7. Eva sagt:

    Das Problem ist doch immer noch, dass den Menschen in diesem Land regelmäßig vorgesagt wird, das Leben mit einer Behinderung sei enorm schwierig und nie ohne Probleme. Siehst du es auch so hart? Ich denke nicht. In Ländern wie den Niederlanden scheint das schon begriffen worden zu sein, aber hier läuft nunmal alles ein wenig langsamer.
    Und wenn RTL sagt, in 70% unserer Formate sind Behinderte integriert, dann nützt das auch nichts, solange sich diese 70% aus Skandal- und Problemberichten in Vorabendklatschmagazinen zusammensetzen.
    Mit deinem Weblog hilfst du sicherlich, es auch in Deutschland zu ein wenig niederländischeren Verhältnissen kommen zu lassen. Ich wünsche dir viel Erfolg damit und alles Gute. Und ich bin gespannt auf das, was hier noch kommt. (Tschakka.)

  8. Christiane sagt:

    @Eva
    Ich gebe Dir recht, die Medien spielen eine große Rolle, was derartige Stereotypen angeht wie oben beschrieben. Und die Mehrheit glaubt, dass die Behinderung das Problem ist. Ich sehe das aus einer ganz anderen Perspektive. Nicht meine Behinderung ist das Problem, die Umwelt, die Gesellschaft, die Architektur etc. Das meine ich ganz ernst. Wenn die Menschen das verstehen, dann werden auch die Boulevardsendungen weniger zu berichten haben diesbezüglich. ;-)

    Ich hatte gar nicht so hehre Ziele als ich das Blog hier startete und hätte auch nie mit dieser Leserzahl gerechnet. Es freut mich natürlich… :-)