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Tag Archiv für Wohnen

Bald nur noch barrierefreie Wohnungen und Häuser?

In England sollen ab 2010 nur noch altersgerechte Häuser und Wohnungen gebaut werden. Das ist jedenfalls der Plan der Regierung. Neue Wohnungen und Häuser sollen 16 Punkte erfüllen, um sicherzustellen, dass die Menschen auch im Alter in ihren Wohnungen bleiben können. Dazu zählt, dass es im unteren Geschoss ein Bad geben sollte, in das ein Rollstuhl passt und die Treppe breit genug für einen Treppenlift ist.

Das ist doch mal ein weiser Plan. Es ist mir ein Rätsel, wie Deutschland in 20 Jahren damit umgehen will, dass so viele Leute im Alter nicht mehr in ihrer Wohnung bleiben können. Ich kann auch Leute nicht verstehen, die sich in ihrer zweiten Lebenshälfte Wohneigentum anschaffen, das nur über Stufen zu erreichen ist und definitiv im Alter zum Problem wird.

Behinderte Menschen profitieren natürlich auch von dieser Regelung, denn sie finden leichter Wohnraum und können ihre Freunde besuchen. Ich kenne die Wohnungen der meisten Freunde in Deutschland nicht. In England ist das schon jetzt anders, weil die bauliche Situation ein wenig günstiger ist als in Deutschland. Viele Leute wohnen in Häusern mit maximal einer Stufe. Ein Problem sind und bleiben aber die viktorianischen Häuser, wobei ich auch da schon ganz pfiffige Lösungen gesehen habe.

Einspruchsrecht

In England bekommt man ständig Briefe, wenn um die eigene Wohnung herum gebaut wird. Man kann dann beim Council Einspruch gegen die Baumaßnahme einlegen. Ich glaube, ich habe schon 20 dieser Briefe bekommen seit ich hier bin und habe sie mit wenig Interesse gelesen (was interessiert mich der Hausanbau von Nachbar xy?).

Heute teilt mir Greenwich Council mit, dass auf der Halbinsel, auf der wir wohnen, mehr als 200 barrierefreie Wohnungen gebaut werden. Ich bin beeindruckt und mache mir um meine künftige Wohnsituation keine Sorgen mehr.

Nächtliche Gerüche

Während ich an meinem Blog schraube, merke ich, wie ein Brandgeruch in meine Nase steigt. Ich beschuldige die Stehlampe neben mir, in der bestimmt wieder ein Insekt gegrillt wird. Der Geruch wird intensiver und erinnert mich an ein Lagerfeuer. Ich mache die Lampe aus.

Der Geruch wird nicht besser, es riecht nach einem ausgewachsenen Osterfeuer. Nach Ewigkeiten komme ich auf die Idee, dass der Brandherd woanders sein könnte. Im hinteren Teil der Wohnung riecht es ebenfalls, stelle ich fest. Das kann nicht meine Stehlampe verursacht haben.

Ich gehe vor die Tür auf den Laubengang und sehe, dass unser Hinterhof voller Nebel ist. Es knallt zwei Mal sehr laut. Ein Brandherd ist nicht auszumachen. Vielleicht grillt einfach nur jemand. Aber um 0.30 Uhr? Wir schließen alle Fenster. Es wird nicht besser. Ich setze mich wieder an den Rechner. Vor unserem Fenster sehe ich plötzlich Streifenwagen und einen Löschzug der Feuerwehr. Och neee, dass ich in Hotels und bei der Arbeit in regelmässigen Abständen von Feueralarmen heimgesucht werde, kenne ich ja schon. Zu Hause war mir das bislang neu. Mir wird aber blitzartig klar, dass es wohl bei uns im Haus brennen könnte. Ich tippe auf die zur anderen Straße liegenden Wohnungen, bin mir aber nicht sicher. Runter auf die Straße zur Feuerwehr kann ich auch nicht, geht ja nur mit dem Fahrstuhl, aber es brennt ja offensichtlich. Von unseren Nachbarn ist keiner zu sehen, alle Lichter sind aus. Also Telefon, Feuerwehr anrufen und fragen, was los ist und gegebenfalls um Hilfe bitten, um ohne Fahrstuhl die Wohnung zu verlassen.

Die Feuerwehr sagt, es brennen wahrscheinlich „nur“ die Mülltonnen vor den Wohnungen. Endlich erscheint unser Nachbar im Flur. Er ist vom Rauch aufgewacht und sagt, die Feuerwehr finde den Brandherd bei den Mülltonnen nicht. Er kann das von seinem Fenster aus sehen. Bei uns im Haus scheint der Brand jedenfalls nicht zu sein. Der Löschzug fährt ums Haus rum und wird in der Straße hinter dem Haus aktiv. Dort steht auch schon ein Krankenwagen, in dem jemand behandelt wird. Irgendwann verzieht sich der Rauch und auch die Feuerwehr tritt den Rückzug an. Der Brand ist wohl gelöscht. Merke: Bei extremem Brandgeruch nicht einfach weiter bloggen, sondern die Feuerwehr anrufen. Sofort!

Hamburg hat eine neue Bauordnung

Hamburg hat eine neue Bauordnung. §52 regelt, welche Gebäude barrierefrei gebaut werden müssen. Und was sehe ich da? Fast zehn Jahre nach meiner Immatrikulation an der Universität Hamburg läßt sich die Freie und Hansestadt dazu hinreißen und verpflichtet Bildungseinrichtungen zum barrierefreien Bauen. Dass ich das noch erleben darf! Und wen das noch so alles betrifft: Die Schulen, die Volkshochschulen, die Hochschulen, bekannte journalistische Bildungseinreichtungen… – natürlich nur, wenn sie neu bauen oder umbauen. Aber immerhin!

Was es allerdings für einen Sinn macht, beim Wohnungsbau Abstriche zu machen, muss mir erstmal einer erklären. In Zukunft müssen Wohngebäude erst ab mehr als vier Wohneinheiten (vorher: zwei) barrierefrei sein und auch nur dann, wenn nicht allein wegen der Barrierefreiheit ein Fahrstuhl eingebaut werden muss. Tolle Logik!

Bei barrierefreien Wohnungen geht es im Zweifelsfall gar nicht so sehr um irgendwelche Rollstuhlfahrer-Yuppies wie mich, sondern um die vielen älteren Menschen, die teilweise jetzt schon ins Heim müssen, weil sie die Stufen zu ihrer Wohnung nicht mehr hoch kommen. Wieviele Heime wollen wir denn in 20 Jahren bauen, nur weil wir jetzt versäumen beim Wohnungsbau darauf zu achten, dass die Leute stufenlos (Fahrstuhl etc.) in ihre Wohnungen kommen und auch noch lange in ihren Wohnungen bleiben können? Ich hoffe für die Damen und Herren Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft, dass sie bereits eine barrierefreie Wohnung haben. Die könnten nämlich dann, wenn sie selbst darauf angewiesen sind, knapp werden. Und dann will ich nicht hören, es hätte sie keiner gewarnt!

Montag

Was soll ich von einem Montag halten, der mit einem mehrstündigen Stromausfall beginnt? Aber man macht dann so Dinge, für die man sonst keine Zeit hat: Zeitschriften sortieren und wegschmeissen…