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Tag Archiv für Spiegel-Online

Diskriminierung im Urlaub und die Berichterstattung

Weil ihr behinderter Sohn Windeln trägt, wurde eine Familie von der Vermieterin einer Ferienwohnung auf Usedom wieder nach Hause geschickt. Das berichten Spiegel Online und andere.

Ich frage mich allerdings, warum ich bei meinen ehemaligen Kollegen bei dpa ohne Einordnung die Aussage der Vermieterin lese, Windeln gehörten nicht in den Hausmüll, sondern in den Sondermüll. Keine Einordnung, kein Widerspruch. Spiegel Online hat diese Aussage überprüft, als falsch dargestellt und nennt übrigens auch den Namen der Vermieterin.

Und dann steht in der Agenturmeldung noch die Regelung, dass Vermieter übermäßige Verschmutzung nicht dulden müssen. Diese Regelung hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Urlaub behinderter Menschen zu tun. Sie in Verbindung mit inkontinenten Urlaubern zu bringen, empfinde ich als diskriminierend. Behinderte Urlauber sind nicht dreckiger als andere, auch nicht solche, die inkontinent sind. Da reicht es nicht, dass man die Verbraucherzentrale NRW darauf hinweisen lässt, dass Windeln alleine kein Kündigungsgrund sind. Stattdessen fehlt in dem Artikel komplett, dass es sich um ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz handeln könnte.

Noel Martin will nicht mehr leben

Was muss das für ein Triumph für die Täter sein: Noel Martin will sterben. Noel Martin überlebte 1996 einen Anschlag von Neonazis und ist seitdem querschnittgelähmt. Ich bin so erschüttert über seinen Wunsch, dass ich mich nicht mal darüber aufregen kann, dass Spiegel Online ihn zu allem Übel auch noch als Krüppel bezeichnet.

Ich kenne viele Menschen mit einer ähnlichen Form der Querschnittlähmung, die ein durchaus erfülltes Leben haben und niemals auf die Idee kämen, sich das Leben zu nehmen. Ich verurteile seinen Wunsch nicht, ich kann es nur nicht verstehen. Ich bin zu tiefst betroffen, dass die Täter, die ihn wahrscheinlich umbringen wollten, doch noch Erfolg haben könnten. Dass es Leute gibt, die sich über seinen Tod freuen würden und dass nicht zumindest das dazu führt, ihm Lebenswillen zu geben. Nur damit diese Verbrecher nicht letztendlich doch noch triumphieren können.

Und ich frage mich, was ihm fehlt, um ein erfülltes Leben zu führen. Was haben die Menschen mit einer ähnlichen Behinderung, die ein zufriedenes Leben führen, was er nicht hat? Seine Frau ist vor ein paar Jahren an Krebs gestorben. Vielleicht ist es das. Ich weiß es nicht. Es tut mir nur unendlich leid, dass jemand wie er einfach aufgeben will. Es gibt so viel zu tun auf der Welt, wofür man keine Hände und Füße braucht.

Persönliche Assistenz

Viele behinderte Menschen greifen zur Unterstützung auf persönliche Assistenz zurück. Ich habe auch jemanden, die mir einmal in der Woche gegen Geld zur Hand geht und all das macht, was ich nicht kann oder mir zu mühsam ist. Hin und wieder muss man sich auch neue Assistenten suchen. Wenn der Assistenznehmer allerdings Stephen Hawking heißt, ist das den Medien schon mal eine Meldung wert.

Und diese Meldung kann man dann auch nicht schreiben, ohne den Lesern mitzuteilen, dass „der Geistesgigant“ „von einer schweren Krankheit gezeichnet“ ist und „seit Jahrzehnten“ im Rollstuhl sitzt (danke, dass wenigstens die „an den Rollstuhl gefesselt“-Floskel weggelassen wurde). Weiter erfahren wir, dass er seit einem Luftröhrenschnitt nicht mehr sprechen kann und sich „über einen Sprachcomputer verständigen muss“. Kann man nicht einfach schreiben, dass er im Rollstuhl sitzt und einen Sprachcomputer nutzt? Diese Dramatisiererei nervt und hat nur einen Zweck: Mitleid erzeugen.

Die wichtigste Information fehlt übrigens in dem Text: Wer sich bewerben will, die Stellenanzeige ist online abrufbar. ;-)

Spiegel Online und die Barrierefreiheit

Spiegel Online hat einen neues Design. Im Gegensatz zum Auftritt von Stern.de, fand das Thema Barrierefreiheit bei Spiegel Online bislang wenig bis keine Beachtung. Der neue Onlineauftritt mit dem Namen Spiegel Online 7.0 ist nun auch nicht gerade das, was man als barrierefrei bezeichnen würde, aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Ich habe mal aufgeschrieben, was mir auf den ersten Blick aufgefallen ist (kein Anspruch auf Vollständigkeit! Habe mir nur das Offensichtlichste herausgegriffen).

Pro Barrierefreiheit

  • Man kann mit Sprachausgabe besser durch die Seite navigieren.
  • Die Strukturierung der Seite wurde verändert. Es gibt Überschriften, das Sprachausgabennutzer die Navigation erleichtert. Warum die Überschriften der Ebene 2 (H2) auf der Startseite nicht genutzt werden, ist nicht ersichtlich.
  • Es gibt Listen an Stellen, an denen es sinnvoll ist. Auch das erleichtert die Navigation.

Kontra Barrierefreiheit

  • Viele Bilder haben keinen Alternativtext.
  • Es gibt viele Links, die nicht eindeutig bezeichnet sind. Sie heißen mehrheitlich „mehr“. Diese Links sind nicht einmal nötig, weil auch die Überschriften verlinkt sind.
  • Labels wären auch nicht schlecht gewesen, zum Beispiel bei der Suche.
  • Sprachauszeichnung fehlt völlig.
  • Auf der Startseite gibt es mehrere hundert Validierungsfehler.
  • Schriftgröße im Internet Explorer ist nicht veränderbar.