Share on FacebookShare on Google+Flattr the authorTweet about this on Twitter

Tag Archiv für Notruf

Crappy Lift

Ich habe heute einen Teil des Abends in einem Fahrstuhl zugebracht und muss sagen, ich war ziemlich ungehalten als ich wieder rauskam. Aber der Reihe nach: Ich wollte mir nach der Arbeit noch einen Salat kaufen und bin deshalb bis zur Busstation Hammersmith durchgefahren. Da wusste ich, dass der Supermarkt noch aufhat und ich zudem in den Bus zu mir nach Hause umsteigen kann. Außerdem gibt es umliegend Lokale – ich wollte etwas zu Abend essen. Ich endeckte das Smollensky Metro in einem alten Haus. Unten gab es eine Bar, oben das Restaurant. Ich ging rein und fragte nach einem Fahrstuhl zum Restaurant. Ein Kellner kam mit mir mit, drückte mir den Fahrstuhlknopf und verschwand.

Ich kam oben an, aß lecker und telefonierte zwischendurch mit A. Wir verabredeten, dass ich ihn nochmal anrufe, wenn ich zu Hause bin. Außerdem schickte ich an Plazes eine SMS mit meinem Standort. Das mache ich immer, sofern ich dran denke. Ich erzählte A. noch, dass ich in einem Lokal bin, dass in einem alten Gebäude ist und vorbildlich barrierefrei umgebaut ist. Da ich endlich meine Breitbandbox von Orange bekommen habe, die Leitung aber nicht funktioniert, wollte ich nicht so spät nach Hause, um den Support anzurufen. Ich aß also schnell etwas und fuhr mit dem Fahrstuhl wieder runter. Und was passierte? Das Ding blieb stecken. Ich muss sagen, dass ich nicht sonderlich panisch werde, wenn ein Fahrstuhl stecken bleibt. Es gibt ja Notrufknöpfe und ein Handy habe ich auch immer dabei. Diesmal versagte beides. Es gab zwar einen Alarmknopf. Der klingelte auch, wenn man ihn mit voller Kraft reindrückte, aber in meiner Kabine und nicht draußen so dass die Umgebungsgeräusche der Bar und des Restaurants viel zu laut waren als dass mich jemand hören konnte. Ich klingelte, ich schrie um Hilfe so laut ich konnte. Es half alles nichts. Niemand hörte mich. Ich war angenervt und versuchte mit dem Handy die Polizei anzurufen, bekam aber keine Leitung. Ich hatte auch meine deutsche SIM-Karte dabei und hatte die Hoffnung, dass vielleicht ein anderes Netz durch die Metallwände durchkam. Nichts zu machen. Auch meine alte T-Mobile-Karte ging nicht. Ich sass fest.

Da ich gerade gegessen und sogar kurz vorher das „Loo“ aufgesucht hatte, war ich zwar nicht in Panik vor einer Nacht im Fahrstuhl, aber stinkesauer. Nach rund 45 Minuten ist es mir dann gelungen, die Tür den Fahrstuhls mit Brachialgewalt aufzuschieben. Wut ist ja auch manchmal gut, wenn man Kraft braucht. Die Aussicht darauf, den Besitzer rund zu machen, setzte einige Kräfte frei und ich schaffte es tatsächlich, mich selbst zu befreien. Ich war auf 180. Mein Ärger galt weniger dem defekten Fahrstuhl – Fahrstühle gehen halt auch mal kaputt – als dem crappy Notrufsystem, das seinen Zweck nicht erfüllt. Geiz ist halt nicht immer geil. Der Manager sagte, der Fahrstuhl sei ständig defekt und ob ich denn das Schild nicht gesehen hätte? Ich: „Welches Schild?“ Ja, sie hätten den Fahrstuhl außer Betrieb genommen, weil er immer defekt sei. Da bin ich fast geplatzt. Ich erzählte ihm, dass ich gefragt habe, ob es einen Lift gebe und mir sein Angestellter ohne mit der Wimper zu zucken, den Weg zum Fahrstuhl gewiesen hat und ihn sogar für mich angefordert habe. Zudem empörte ich mich, dass ich es auch nicht für eine Lösung halte, einen ständig defekten Lift außer Betrieb zu nehmen, sondern ihn zu ersetzen oder zu reparieren. Außerdem habe ich ihn gefragt, warum er kein Notrufsystem im Fahrstuhl hat, sondern nur so eine sinnlose Klingel. Jaja, ich weiß, das war eine sehr deutsche Reaktion, auf die ich auch keine Antwort bekam, aber ich wäre sonst geplatzt. Übrigens ist mein Englisch wirklich fließend, wenn ich sauer bin. Ich war selber überrascht, welch Vokabeln da so aus einem raussprudeln. Der Typ hat sich nicht einmal bei mir entschuldigt, nur seinen Mitarbeitern war das mehr als peinlich. Die haben sich entschuldigt.

Aber obwohl ich derzeit alleine in London bin, wäre meine Gefangenschaft ziemlich schnell bemerkt worden, denke ich. A. wäre nach 3 Stunden spätestens unruhig geworden. Wenn ich sage, ich rufe in einer Stunde an, dann dauert das nicht 3 (very german, I know) und ich hatte gehofft, dass er seinen RSS-Reader offen hat und meinen Standort via Plazes bekommt. Für was Web2.0 so alles gut ist…