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Tag Archiv für Menschenrechte

RIP Nelson Mandela

Mandela-Statue und KindRuhe in Frieden, Nelson Mandela! Er war ein wichtiger Unterstützer der Behindertenbewegung weltweit. In einem seiner Bücher schrieb er:

  • Wir möchten ein Gehalt bezahlt bekommen und eine Arbeit verrichten, für die wir geeignet sind und keine Arbeit tun, von der der Staat meint, dass sie für uns geeignet ist.
  • Wir wollen da leben, wo wir möchten und nicht woanders, weil wir in der Region nicht geboren sind.
  • Wir wollen nicht gezwungen sein, in gemieteten Häusern zu wohnen, die wir niemals unser Eigen nennen können.
  • Wir möchten Teil der normalen Bevölkerung sein und nicht gezwungen sein, in unseren eigenen Ghettos zu leben.
  • Wir möchten, dass es uns erlaubt ist, auch nach 11 Uhr abends aus dem Haus zu gehen und nicht in unseren Zimmern zu sitzen wie kleine Kinder.
  • Wir möchten in unserem eigenen Land reisen können.
  • Wir möchten einen gerechten Teil des ganzen Landes haben; wir wollen Sicherheit und einen Anteil an der Gesellschaft.
  • Vor allem möchten wir gleiche politische Rechte, denn ohne sie werden unsere Behinderungen dauerhaft sein.

Mandela schrieb nicht von behinderten Menschen. Es liest sich nur so. Zum ersten Mal habe ich von Mandelas Rolle in der Behindertenbewegung 2004 in Oslo gehört, in einer Rede von Lars Odegard, die ich immer noch für eine der besten Reden zu Teilhabe behinderter Menschen halte, die ich je gehört habe. Ich habe sie damals übersetzt. Hier ist das Original in Englisch.

Mandela war und ist ein wichtiges Vorbild für alle Menschen, die gegen Ausgrenzung, Erniedrigung und Exklusion kämpfen. Die Behindertenbewegung in Großbritannien aber auch in anderen Ländern ist stark beeinflusst durch ihn und die Geschichte Südafrikas. Vielleicht ist das der Grund, warum Großbritannien das beste Anti-Diskriminierungsgesetz in der EU hat, was einen großen Einfluss auf meinen Alltag hat. Danke, Madiba!

Aberzombie & Witch

Ich bin gestern in San Francisco angekommen und nachdem ich mit dem BART-Zug vom Flughafen in die Stadt gefahren bin, war das erste Geschäft, das ich hier sah, Abercrombie & Fitch. Das erinnerte mich daran, dass ich unbedingt noch etwas über diese Firma schreiben wollte. Abercrombie & Fitch macht seit Jahren weniger wegen ihrer Kleidung von sich reden, sondern wegen diverser Klagen wegen Diskriminierung, nicht zuletzt von behinderten Kunden und Mitarbeitern. Im Film Shrek 3 gab es eine Geschäft, das „Aberzombie & Witch“ genannt wurde als Parodie auf A & F.

– Laut Manager Magazin verklagten US-Bürgerrechtsgruppen Abercrombie & Fitch 2003 im Namen von 10 000 erfolglosen Stellenbewerbern wegen Diskriminierung, weil das Unternehmen nur Weiße einstelle. Das Verfahren endete 2005 mit einer gütlichen Einigung, bei der das Unternehmen einwilligte, den Klägern 40 Millionen Dollar zu zahlen und hausinterne Maßnahmen für „größere Diversität“ einzuführen.

– Im Sommer 2009 wurde die Modekette von einer Frau in London wegen Diskriminierung aufgrund einer Behinderung verklagt. Das Arbeitsgericht gab der Studentin zum Teil recht. Beim Einstellungsgespräch gab die junge Frau nicht an, dass sie eine Unterarmprothese trägt. Von ihrem Chef wurde sie zum Tragen einer Strickjacke über dem üblichen T-Shirt aufgefordert, sodass die Prothese verdeckt wird. Mitarbeiter des so genannten „visual teams„, einer Abteilung für ästhetische Angelegenheiten, verboten der Frau jedoch weiter im Verkaufsbereich tätig zu sein und forderten sie auf, nunmehr im Lager zu arbeiten. Das Gericht in London sah im Vorgehen des Unternehmens eine rechtswidrige Belästigung und verpflichtete Abercrombie & Fitch zusätzlich zur Zahlung einer grundlegenden Entschädigung von 136 Pfund und des Verdienstausfalls von 1077 Pfund zu einer Entschädigung für die erlittene Demütigung, den Vertrauensverlust und die verletzten Gefühle in Höhe von 6800 Pfund.

– Kurz vor meiner Abreise las ich dann, dass Abercrombie & Fitch zur Zahlung von 115 000 Dollar sowie Auflagen verurteilt wurde, weil sie einem autistischen Mädchen in Minnesota verweigert haben, gemeinsam mit einer Begleitperson in die Umkleidekabine zu gehen.

Ich glaube eigentlich, dass man Unternehmen, die diskriminieren, manchmal nur mit hohen Geldstrafen beikommen kann. Aber was macht man mit einem Unternehmen, dass weder die Zahlung von 8000 Pfund noch von 40 Millionen Dollar juckt? Zuerst einmal: Nicht dort einkaufen. Klar. Aber wahrscheinlich muss man in hartnäckigen Fällen wie diesem dazu übergehen, die Geschäftsführer persönlich haftbar zu machen. Und der Artikel über den Fall in Minnesota liest sich auch nicht so, als würden die Gerichte sich das länger anschauen. Das bringt vielleicht nicht diese merkwürdige Firma zum Umdenken, aber es sendet eine wichtige Botschaft in die Gesellschaft: Dass die Diskriminierung behinderter Menschen nicht toleriert wird. Und das ist nicht zu unterschätzen.

UN-Konvention kommt

Die Vereinten Nationen haben beschlossen, eine „UN-Konvention zur Förderung und zum Schutz der Rechte und Würde von Menschen mit Behinderungen“ auf den Weg gebracht. Ein Zusatzprotokoll sieht sogar die Möglichkeit von Individualbeschwerden vor. Die Konvention muss nun endgültig von der UN-Generalversammlung beschlossen werden und dann sind die einzelnen Länder dran: Die müssen die Konvention ratifizieren.

Ich bin mir nicht sicher, ob sich diese Konvention in naher Zukunft spürbar im Alltag behinderter Menschen bemerkbar machen wird. Aber es ist ein wichtiges politisches Signal, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen behinderte Menschen in manchen Ländern leben müssen. Ich bin sehr gespannt, welche Länder die Konvention ratifizieren werden.