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Tag Archiv für Fußball

Glückwunsch, Nachtmagazin

Eben habe ich im Nachtmagazin der ARD einen Bericht über die Fußball-Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung gesehen. Hat mir ziemlich gut gefallen: Der Sport stand im Vordergrund, die Spieler wurden interviewt, Guildo Horn sagte, er sei da weil er guten Fußball sehen will, das habe für ihn nichts karitatives, die Stimmung kam rüber und es wurde berichtet, wie man über ein Fußballspiel eben so berichtet. Kommt ja leider nicht so oft vor, dass in Deutschland so über Menschen mit Behinderungen berichtet wird, deshalb finde ich das erwähnenswert. Die ARD hat sogar eine eigene Seite zur WM. Sehr löblich! Beim ZDF finde ich online nur eine Mini-Meldung, in der schlicht und einfach vergessen wurde die Protagonisten, nämlich die Spieler selbst, zu befragen. Schweres journalistisches Foul! Beobachte ich aber auch öfter. Wenn in Hamburg über behinderte Bettler gestritten wird, ist die Bischöfin scheinbar eine bessere Interviewpartnerin als jemand, der selbst behindert und vielleicht Jurist ist. Und wenn man über die WM schreibt, vergessen manche Journalisten offensichtlich auch die Spieler zu befragen. Ich könnte jetzt viel dazu schreiben, was die Ursache dafür ist.

Eines stört mich aber auch bei der ARD: Die Sprache auf der dazugehörigen Webseite. Während der Fernsehbeitrag sprachlich und auch sonst völlig in Ordnung war und mir Spaß gemacht hat, ist das online leider nicht durchgehalten worden. Schon in der URL steht Behinderten-WM. Dann im Text wieder Behinderten-WM, Behinderten-Elf, Behinderten-Team, Behinderten-Nationalmannschaft…

Ich freue mich auch schon auf die Nichtbehinderten-EM. ;-) Mit dem Nichtbehinderten-Team, der Nichtbehinderten-Nationalmannschaft, der Nichtbehinderten-Elf. Sorry, Substantive sind einfach hässlich.

Vor dem Freundschaftsspiel

Fans vor einem Restaurant im Hafenviertel

Im Portugiesenviertel am Hafen – wir haben noch einen Platz mit Blick auf die Leinwand und Bewirtung ergattert.

WM in den USA

Wer meint, man müsse nur in die USA fahren, um von der WM nichts mitzubekommen, liegt falsch. Auch hier steht an ganz vielen Kneipen, dass sie die Spiele übertragen. Wir haben das Deutschland – Polen-Spiel im Goetheinstitut in Washington D.C. gesehen.

Zuschauer im Goetheinstitut

Das war sehr nett. Es gab deutsches Bier und Brezel. Es waren viele Deutsche da. Die meisten leben hier. Außerdem waren Gäste der polnischen Botschaft unter den Zuschauern. War sehr lustig.

Das Goetheinstitut ist wirklich ein Stück Deutschland in Washington. Ich habe mich gleich wie zu Hause gefühlt als ich die Stufen vor dem Eingang sah. Ein amerikanischer Mitarbeiter brachte uns dann mit dem Lastenfahrstuhl zur Leinwand, wo das Spiel übertragen wurde – aber nicht ohne zu erwähnen, dass das Goetheinstitut gegen das Gesetz verstoße, weil sie nicht barrierefrei sind. Ich sagte ihm augenzwinkend, dass das zur deutschen Kultur gehöre. Ich musste dringend zur Toilette und es gab eine Rollstuhltoilette, die diesen Namen aber nicht verdient hatte. Mein Rollstuhl ist 63 Zentimeter breit und 80 Zentimeter tief. Ich passte kaum in den winzigen Raum und es bedurfte einiger Akrobatik bis ich mein Ziel erreicht hatte. Als ich dann endlich umgestiegen war, kam ich gegen den Rollstuhl und der gegen die Tür – es war ja super eng. Weil zu allem Überfluss auch noch das Schloss defekt war, sprang die Tür auf. Die Welt zu Gast bei Freunden mit winziger Rollstuhltoilette und defektem Schloss. Es kam Gott sei Dank niemand rein – ich konnte meine Akrobatik in Ruhe beenden und zwischendurch die Tür zuhalten.

WM komplett mit Untertitel

Fernsehbild mit Untertitel

Nicht im Gastgeberland Deutschland, aber in den USA. Hier kann man auf ESPN jedes Spiel untertitelt sehen.

Angola zu Gast bei Freunden in Celle

Die Lokalpresse berichtet über die WM-Gäste aus Angola in ihrer Stadt und ist offensichtlich überrascht: „‚Schwarze Antilopen‘ sind freundlich und zivilisiert“ lautet die Überschrift. Wer hätte das gedacht! Nur mit Terminen hapert es noch, erfährt der Leser. So sei das Frühstück am Sonntag vor der Abreise nach Italien drei Mal vorverlegt worden, empört sich die Hotelmanagerin, die wahrscheinlich mit diesen Gästen das Geschäft ihres Lebens macht. So ein Verhalten würden sich Klinsmann & Team natürlich nie erlauben.

„Alle sind sehr zivilisiert, nett und freundlich”, erzählt die Hotelchefin weiter. Puh, aufatmen in der Celler Bevölkerung. Aber ein Manko gibt es dann doch. Die Hautfarbe! Aber der Autor versucht die Leser zu beruhigen: „Natürlich fallen die dunkelhäutigen Fußballer samt der Sicherheitskräfte im Hotel Celler Tor auf. Aber Beeinträchtigungen für die übrigen Gäste gebe es kaum.“ Na klar, wenn da so viele „dunkelhäutige Fußballer“ sind, muss man natürlich mit Beeinträchtigungen rechnen. Schön, dass sie dennoch gering ausfallen. Wahrscheinlich weil die Spieler das Hotel gar nicht verlassen, wie man später im Text lesen kann.

Die Schwierigkeiten bei der Absprache von Zeiten werden geringer, lesen wir dann noch erleichtert am Ende des Artikels. Trotzdem seien die Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschland und Angola nicht zu leugnen: „Erziehen können wir sie nicht.“ Ja, mit dem Erziehen, das klappt selten – es soll ja auch Deutsche geben, die Probleme mit der Gastfreundschaft haben – trotz dieser tollen Kampagnen.