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Tag Archiv für Businesslink

75 Pfund in zwei Minuten verdient

Es gibt so Situationen im Leben, da weiß ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen soll. Und entscheide mich dann, beides zu tun. Heute habe ich mal wieder solch eine Situation erlebt. Ich hatte vor mehr als einer Woche eine E-Mail bekommen von einem Marktforschungsinstitut, die Jungunternehmer suchten für eine Befragung. Da die Herrschaften weder sagten, wer ihr Auftraggeber ist noch woher sie meine Adresse haben, habe ich die Mail kurzerhand gelöscht.

Ein paar Tage später riefen sie an und fragten, ob ich nicht doch an der Befragung teilnehmen wolle. Ich habe erst einmal gefragt, wer ihr Auftraggeber sei und woher sie meine Daten haben. Auftraggeber sei der britische Staat, sprich Businesslink. Daher haben sie auch meine Daten. Geld gebe es auch: 75 Pfund.

Ich muss sagen, ich lasse mich ja von niemandem so gerne befragen wie vom Staat. Da kann man politische Äußerungen tätigen und das nimmt dann jemand zu Protokoll.

Ich bin da also heute abend hingerast. Um 18 Uhr sollte es losgehen. Meine U-Bahn stand natürlich – wie immer, wenn man irgendwo pünktlich erscheinen will – ewig an einem Bahnhof und so musste ich ziemlich rumhetzen, um pünktlich zu sein. Ich kam auch noch pünktlich, der Eingang war ebenerdig, aber der Rest der Location war völlig vertreppt.

Auf meine Frage, ob sie einen barrierefreien Zugang hätten, erntete ich von dieser Tanja-Anja-Person nur ein Kopfschütteln und den Kommentar „Da wurden wohl die falschen Leute ausgesucht.“ „Nein, die falsche Location“, antwortete ich sichtlich genervt. Ich verlangte, ihren Manager zu sprechen. Der Manager ließ sich aber verleugnen und wollte nicht mit mir sprechen. Es geht doch nichts über souveräne Führungskräfte. Aber Tanja-Anja überreichte mir ein Kuvert und sagte, das Honorar bekäme ich dennoch. Nach zwei Minuten war ich wieder draußen und hatte 75 Pfund für nix bekommen. Und meine Meinung teile ich dem Auftraggeber jetzt auf dem Postwege mit, vor allem meine Meinung zu nicht barrierefreien Bürgerbefragungen.

Unterstützung behinderter Unternehmer in Großbritannien

Ich habe gerade einen sehr interessanten Anruf bekommen. Es gibt ja in Großbritannien eine staatliche Einrichtung, die Businesslink heißt und die Aufgabe hat, Gründer im ganzen Land zu unterstützen. Ich war bei denen auf mehreren Veranstaltungen und habe immer brav „Ja“ angekreuzt, wenn auf dem Feedbackbogen stand „Ist die Mehrheit des Managements ihrer Firma behindert?“. Nun bekam ich also heute diesen Anruf, wo man fragte, ob ich 10 Minuten Zeit hätte. Der britische Staat würde gerne etwas mehr über seine behinderten Existenzgründer wissen. Solche Fragen beantworte ich doch gerne.

Man wollte wissen, welche behinderungsbedingten Probleme man hat, die sich von denen nicht behinderter Gründer unterscheiden. Wie gut die Unterstützung durch staatliche Einrichtungen sei. Ob man das Antidiskriminierungsgesetz als hilfreich einschätze. Wie gut die Arbeit von Businesslink sei und was verbessert werden könne. Ob es genug Vorbilder gebe. Auf welche Hürden ich im Alltag stoße und wie die Reaktion der Leute ist, mit denen ich Geschäfte mache.

Ich habe dann am Ende gefragt, was sie mit den Antworten machen. Die Antwort: Es gebe in Großbritannien zunehmend behinderte Existenzgründer, die man besser unterstützen wolle, in dem man genauer analysiert, wo die Probleme und der Beratungsbedarf liegen und was verbessert werden muss.

Ende März endet das Steuerjahr hier. Jetzt zahle ich doch gleich viel lieber. Und es zeigt, dass dieses „Ticking the boxes“ doch einen Sinn hat.