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Tag Archiv für Behindertenbewegung

RIP Nelson Mandela

Mandela-Statue und KindRuhe in Frieden, Nelson Mandela! Er war ein wichtiger Unterstützer der Behindertenbewegung weltweit. In einem seiner Bücher schrieb er:

  • Wir möchten ein Gehalt bezahlt bekommen und eine Arbeit verrichten, für die wir geeignet sind und keine Arbeit tun, von der der Staat meint, dass sie für uns geeignet ist.
  • Wir wollen da leben, wo wir möchten und nicht woanders, weil wir in der Region nicht geboren sind.
  • Wir wollen nicht gezwungen sein, in gemieteten Häusern zu wohnen, die wir niemals unser Eigen nennen können.
  • Wir möchten Teil der normalen Bevölkerung sein und nicht gezwungen sein, in unseren eigenen Ghettos zu leben.
  • Wir möchten, dass es uns erlaubt ist, auch nach 11 Uhr abends aus dem Haus zu gehen und nicht in unseren Zimmern zu sitzen wie kleine Kinder.
  • Wir möchten in unserem eigenen Land reisen können.
  • Wir möchten einen gerechten Teil des ganzen Landes haben; wir wollen Sicherheit und einen Anteil an der Gesellschaft.
  • Vor allem möchten wir gleiche politische Rechte, denn ohne sie werden unsere Behinderungen dauerhaft sein.

Mandela schrieb nicht von behinderten Menschen. Es liest sich nur so. Zum ersten Mal habe ich von Mandelas Rolle in der Behindertenbewegung 2004 in Oslo gehört, in einer Rede von Lars Odegard, die ich immer noch für eine der besten Reden zu Teilhabe behinderter Menschen halte, die ich je gehört habe. Ich habe sie damals übersetzt. Hier ist das Original in Englisch.

Mandela war und ist ein wichtiges Vorbild für alle Menschen, die gegen Ausgrenzung, Erniedrigung und Exklusion kämpfen. Die Behindertenbewegung in Großbritannien aber auch in anderen Ländern ist stark beeinflusst durch ihn und die Geschichte Südafrikas. Vielleicht ist das der Grund, warum Großbritannien das beste Anti-Diskriminierungsgesetz in der EU hat, was einen großen Einfluss auf meinen Alltag hat. Danke, Madiba!

Elke Bartz lebt nicht mehr

Ich habe gerade erfahren, dass Elke Bartz heute nach kurzer schwerer Krebserkrankung gestorben ist. Sie wurde 52 Jahre alt. Elke Bartz war die Vorsitzende und Gründerin von FORSEA und hat sich wie keine andere in Deutschland für die persönliche Assistenz und das selbstbestimmte Leben von Menschen mit Assistenzbedarf eingesetzt. Sie war vom Hals abwärts querschnittgelähmt und hat nach Gerichtsprozessen und vielen Kämpfen durchgesetzt, mit persönlicher Assistenz in ihrem eigenen Haus leben zu können. Ich habe kurz vor ihrem Tod noch mit ihr gesprochen und sie war genauso kämpferisch wie immer. Aber auch sehr gefasst: „Weihnachten erlebe ich nicht mehr“, hat sie zu mir gesagt.
Mit ihrem umgebauten Auto fuhr sie durch die ganze Republik, um behinderte Menschen aus den Heimen raus zu kriegen und Politiker davon zu überzeugen, diesen Auszug auch zu finanzieren. Sie hat sich mit Ämtern und Kostenträgern von behinderten Menschen angelegt, hat Rechtsanwälte für ihre Sache gewinnen können und war ein Mahnmal dafür, was Selbstbestimmung wirklich bedeutet. Die Deutsche Behindertenbewegung verliert eine große Kämpferin, die unvergessen bleibt.

Update: Ottmar Miles-Paul hat einen Nachruf geschrieben, der sehr lesenswert ist, auch für Leute, die sie nicht kannten.