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Rollstuhl der Zukunft

Wenn ich mir so die neuesten Entwicklungen im Bereich Rollstühle ansehe, komme ich mir vor als würde ich Oldtimer fahren. Seit mehreren Jahren gab es bei den Rollstühlen keine wirklich herausragenden Entwicklungen. Nachdem die Aktivrollstühle auf unter 10 Kilo Gewicht zusammen gestaucht waren und man mehr Farben zur Auswahl hatte als beim Autokauf, war erstmal Stillstand angesagt. Früher musste ich noch alle vier Jahre einen neuen Rollstuhl haben – schon alleine um die neueste Technikentwicklung mitzumachen und farblich will man ja auch mit der Zeit gehen. Heute hänge ich an jedem meiner Rollstühle, weil ich einfach perfekt darin sitze.

Doch am Technologiehimmel erscheinen Entwicklungen, die zwar wohl noch nicht ganz ausgereift sind, aber ungefähr erahnen lassen, wohin die Reise geht. Als Johnson & Johnson vor ein paar Jahren auf der Rehacare den ersten Rollstuhl vorstellte, der Treppen steigen kann, staunten die Anwesenden nicht schlecht. iBot heißt das Ding (nein, Apple hat nicht mitentwickelt), das derzeit nur in den USA zum Preis eines Mittelklassewagens zu haben ist. Aber so richtige Jubelschreie höre ich nicht, was den iBot angeht. Vielleicht weil die USA schon so weit barrierefrei ist, dass der Nutzen den Preis nicht rechtfertigt?

Eine weitere Variante eines Hightechrollstuhls kommt ebenfalls aus den USA: Der Tankchair. Der Rollstuhl gleicht mehr einem Panzer und ich möchte gar nicht daran denken, was passiert, wenn man jemandem damit über die Füße fährt. Aua! Und mal ehrlich, wer braucht so ein Ding? Wenn ich nicht gerade auf 2000 Meter Höhe in einer Schweizer Berghütte wohne und Reinhold Messner imponieren will, ist das Gerät für mitteleuropäische Verhältnisse doch etwas überdimensioniert.

Da finde ich schon interessanter, was aus Japan kommt: Zwei Beine mit Sitz, die Treppen laufen (Foto). In die Kategorie Rollstuhl fällt das Gerät aber wohl eher nicht. Und so recht anfreunden, kann ich mich damit auch nicht. Es erinnert mich etwas an einen Kamelrücken, auf dem man hin- und hergeschüttelt wird und ich frage mich schon, wie sehr sich eigentlich der Mensch der Architektur anpassen muss. Sollte das nicht eher umgekehrt sein? Und wollen wir zukünftig alle alten Menschen in so ein Teil setzen, weil sie die Treppen nicht mehr hoch kommen?

Und wie soll man damit tanzen? Zudem müsste ich auf meine funky Vorderräder verzichten. Die blinken nämlich beim Rollen. Also am Designfaktor müssen die Japaner noch arbeiten. So lange fahre ich dann doch weiter Oldtimer. Und eine Stufe fährt der auch jetzt schon.

6 Kommentare

  1. piri sagt:

    Auch wenn sich meine Junioren manchmal Rollstühle wünschten, die Treppen ohne Probleme bezwingen können, so ist diese Variante dann doch ein bisschen weit hergeholt. Wie soll denn das vor und nach der Treppe funktionieren?

    Aber, deine funky Vorderräder interessieren mich – wo gibt’s die?

  2. Christiane sagt:

    Ich nutze Kickbord-Räder (11 Zentimeter Durchmesser). Da gibt es eben auch welche, die blinken, wenn sie sich drehen. Allerdings muss man sagen, die halten nicht länger als 6 Monate, dann muss man sie tauschen. Andererseits kosten sie auch nur 6 Euro das Stück.

  3. Markus L. (Wien) sagt:

    @Christiane: dir fehlen noch diese Hinterräder ;)
    http://www.colourswheelchair.com/products/prod_y360.htm

    a propos Reinhold Messner, mit diesem Rollstuhl kann man ihm sicher auch einen Besuch abstatten:
    http://www.ottobock.de/de/tgpat/products/power_wheelchairs/innovations/superfour

    oder diesem hier http://www.chasswheel.com

  4. dasMiest sagt:

    Hi Christiane,

    zeig doch mal ein Bild von deinem Oldtimer mit den blinkenden Vorderrädern :-)

    Grüße, dasMiest

  5. Kai sagt:

    Was macht man denn, wenn dem Japan-Bot mitten auf der Treppe der Saft ausgeht? :D

    …und wo bleiben eigentlich die Cyborg-Entwicklungen (so a la Robocop)? :-P

  6. Weissnix sagt:

    Wer bei diesem Rolli nur an Treppen denkt, denkt wohl etwas kurz.

    Wer nicht gerade in der Stadt wohnt, kennt die Probleme mit unwegsamen Strecken und Standard-Rollis. Da geht nicht viel. Oder der Weg an den Ostsee-Strand, das schafft wohl bisher nur der SuperFour von Otto Bock, der ist allerdings preislich jenseits von gut und böse.

    Ich fände das Teil schon interessant. DSer braucht nur noch ’ne deutsche Hilfsmittelnummer. ;-)