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Parkausweis

Rund die Hälfte der britischen Parkausweise zum Parken aus Behindertenparkplätzen werden illegal genutzt, berichtet BBC. Bis zu £1600 kosten die Ausweise auf dem Schwarzmarkt. Ich frage mich, ob die Briten besonders skrupellos sind oder ob in Deutschland nur einfach keiner darüber spricht. Allerdings ist mir auch schon in Deutschland aufgefallen, dass so manche Leute mit Parkausweis relativ nicht behindert aussehen. Aber nun gibt es ja wirklich Leute, die schlecht gehen können, z.B. weil sie Schmerzen haben, aber man ihnen das nicht auf den ersten Blick ansieht. Mir ist allerdings auch schon passiert, dass mich jemand aus meinem entfernteren beruflichen Umfeld fragte, ob ich aussagen könne, dass ich mit im Auto saß nachdem er einen Strafzettel auf einem Behindertenparkplatz bekommen hat. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass meine Empörung groß war, auch darüber, dass er nicht gleich abgeschleppt wurde.

So ganz verstehe ich das Problem der Briten nicht. Es gibt auf den neuen europäischen Parkausweisen ein Foto des Besitzers. Da kann jeder kontrollieren, ob das Bild passt oder nicht. Und die Ausweise werden hier nur für drei Jahre ausgestellt. In Deutschland ist das von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Meiner ist 15 Jahre gültig. Die Briten müssen also alle 3 Jahre antanzen. Da ließe sich doch prima kontrollieren, ob der Besitzer 1. noch lebt und 2. noch behindert ist. Auf dem Verkehrsamt in Hamburg haben sie mir mal erzählt, sie hätten hauptsächlich Probleme mit Ausweisen von Verstorbenen. Nach deren Tod fahren dann Tochter, Sohn und Enkel damit weiter durch die Gegend. Das ist für mich umso unverständlicher, weil die Angehörigen doch wissen müssten, wie wichtig Behindertenparkplätze sind.

Ein Phänomen bleibt den Briten übrigens erspart: Das Parken mit Schwerbehindertenausweisen. Es gibt so super Schlaue, die legen statt des Parkausweises ihren Behindertenausweis auf das Armaturenbrett und meinen, damit kommen sie durch. Denn längst nicht jeder, der formal als „behindert“ gilt, bekommt einen Parkausweis. Da es hier keine Behindertenausweise gibt, ist dieses Problem wenigstens nicht vorhanden.

4 Kommentare

  1. Dorothea sagt:

    Ich werd die Unlogik nie verstehen. Einerseits wehren sich unglaublich viele Leute, die sehr schlecht laufen können, dagegen, einen aktionsradiusvergrößernden Rollstuhl zu benutzen – mit dem Argument, „ich bin doch nicht behindert!“ – andererseits nutzen sie auch widerrechtlich alle Erleichterungen, die sie kriegen können. _Da_ ist es plötzlich nicht mehr „schlimm“, „behindert“ zu sein.

    Was eventuell auch daran liegen mag, dass keine Sozialarbeiterin auf Parkplatzklauer wartet, um sie in die nächste Sondereinrichtung zu quasseln ;-)

    Genau diese Leute, die widerrechtlich sich Parkplätze und ähnliche Erleichterungen aneignen, haben im übrigen so überhaupt kein Verständnis für die Haltung des „Rechts auf Unbequemlichkeit“. Geht ihr Bequemlichkeitsstreben ja sogar so weit, ein Etikett – zumindest temporär – anzunehmen, das sie sonst weit von sich wiesen – nämlich, „ein Behinderter“ zu sein.

    Und das niemand auf die Rechtmäßigkeit der Ausweisnutzung achtet, ist IMHO mal wieder ein Indiz dafür, dass man sich wohl um die Belange „Behinderter“ zu „kümmern“ bereiterklärt, die dadurch entstehenden Rechtsansprüche allerdings gern ignoriert. Man müsste ja neben hohlen Absichts- und Mitleidserklärungen dann auch die RECHTE eben jener Mitleidsopfer durchsetzen und sie als rechtstragende Individuen anerkennen.

  2. ToWi sagt:

    Was wohl die wenigsten „Ausweis-Mit(oder Nach)nutzer“ wissen ist, das es, wenn sie erwischt werden, recht teuer werden kann. Das unberechtigte Nutzen des Ausweises kann nämlich durchaus als Urkundenfälschung geahndet (und damit recht teuer = >1000 Euro) werden.

  3. ToWi sagt:

    Ups, nicht Urkundenfälschung, sondern „Mißbrauch von Ausweispapieren“.
    Bleibt aber trotzdem Straftat (im Gegensatz zur Ordnungswidrigkeit beim reinen Falschparken).

  4. STM sagt:

    Hm, ich schrieb es eben schon als Kommentar zu einem anderen Beitrag.
    Es gibt durchaus Behinderte, denen die Behinderung nicht anzusehen ist und die trotzdem nicht nur die Kriterien für einen Parkausweis erfüllen, sondern ihn auch benötigen.
    Ich gehöre zu jener Gruppe und muss mir regelmässig böse Blicke und schlimmeres gefallen lassen, wenn ich auf einem Behindertenparkplatz parke. Und das durchaus auch von anderen Behinderten, die eigentlich wissen sollten, dass es nicht nur Rollstuhlfahrer mit Behinderung gibt. Aber vielleicht „verwirrt“ das Rollstuhlsymbol und legt die Vermutung nahe, dass nur Rollstuhlfahrer behindert sein dürfen?
    Mich ärgert das. Ich kenne Rolstuhlfahrer, denen es sehr viel besser geht als mir, die sich problemlos mit ihrem Rollstuhl auch über größere Entfernung bewegen können etc.. Nicht, dass ich ihnen das Recht abspreche, im Gegenteil. Aber mir fällt es eben auch sehr schwer und nur weil es mir nicht anzusehen ist, werde ich anders behandelt und wird erstmal bezweifelt, dass ich berechtigt bin?
    Sicher gibt es Missbrauch und der sollte bekämpft werden. Aber bitte nicht so „platt“ wie in diesem Beitrag. Zitat: „… dass so manche Leute mit Parkausweis relativ nicht behindert aussehen …“