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Mit dem Fake-Blindenhund auf Reisen

Ich bin ja einiges gewöhnt, was Spam angeht, aber die Mail, die mich vorhin erreichte, die musste ich zwei Mal lesen, um zu glauben, was da steht. Sie war an meinen Freund gerichtet. Lest selbst:
Sehr geehrter Herr A.,

Sie werden sich sicher wundern, von mir (unbekannterweise) zu hören. Im Internet sind wir durch Zufall auf Sie gestoßen. Wir haben eine ganz ungewöhnliche Bitte und wenden uns deshalb vertrauensvoll an Sie.

Wir wollen ganz offen und ehrlich zu Ihnen sein. Mit unserer ganz lieben Golden Retriever Hündin planen wir eine
Übersiedlung nach Costa Rica. Unserer größtes Problem ist dabei der Transport unseres Tieres im Flugzeug. Da für uns der Transport im Frachtraum unmöglich erscheint, haben wir schon an den Transport per Schiff usw. gedacht. Doch alles war bisher
erfolglos. Bitte verstehen Sie uns jetzt nicht falsch. So haben wir auch bereits überlegt, einem sehbehinderten Menschen eine
Reise nach Costa Rica zu finanzieren, um es unserer Hündin zu ermöglichen, im Flieger oben im Flugzeug bei uns in einer Box
untergebracht zu sein. Dazu hatten wir uns auch bereits mit einem Blindenverein des Ortes in Verbindung gesetzt. Diese hatten Verständnis für unsere Situation und vermittelten auch einen Kontakt. Leider wurde aber trotzdem nichts daraus.

Da wir jedoch nichts unversucht lassen wollen, hier nun unsere Bitte. Wüssten Sie eventuell jemanden, der sich auf so ein Abenteuer einließe. Sie würden uns damit überaus behilflich sein. Jeder kleinste Hinweis würde uns helfen.

In der Hoffnung, von Ihnen zu hören, verbleibt
mit freundlichen Grüßen
(Name gelöscht)

Blindenführhunde und andere Assistenzhunde dürfen oben in der Kabine mitfliegen, weil sie speziell trainierte Hunde sind. Die Regelung heißt nicht „Jeder Blinde darf einen Hund mitbringen.“ Ich finde das ein ziemlich unmoralisches Angebot und verstehe nicht, warum dieser Hund nicht wie alle anderen auch unten im Gepäckraum mitfliegen kann. Die Ausnahme, dass Blindenhunde und andere Assistenzhunde oben mitfliegen dürfen, hat ihren Sinn und wird von den Fluggesellschaften akzeptiert. Sie zu missbrauchen gefährdet diese Regelungen. Und wer sagt mir, dass dieser Hund nicht vollgepumpt mit Drogen ist oder sonst irgendwas nicht mit ihm stimmt?

Aber ich bin sicher, gegen Geld werden sie jemanden finden, der das macht. Und die Fluggesellschaften werden, wenn sich die Geschichte rumspricht, künftig Papiere verlangen, die nachweisen, dass es sich um einen Blindenhund handelt.

4 Kommentare

  1. Noga sagt:

    Da geht mir die Hutschnur hoch. Ich finde es übel, wie hier ein blinder Mensch funktionalisiert wird, weil Leute einen Hund nicht Hund sein lassen können.
    Deine Bedenken, daß – wenn die Sache auffliegt – sich das auch nachteilig auf andere auswirkt, teile ich.
    Das wiederum erschwert wiederum die Bedingungen für die Leute, die wirklich einen Assistenzhund mitnehmen wollen.

  2. Tor sagt:

    So eine Unverfrorenheit. Und dann auch noch ausgerechnet nach Costa Rica *grins*

  3. Florian sagt:

    Oh man, ich rege mich gerade darüber auf, dass die Krankenkasse sich weigern Blindenhunde zu zahlen und jetzt kommen die nächsten daher die versuchen mit irgendwelchen Tricks Hunde von A nach B zu transportieren. Prima, und die Hilfe dann wirklich brauchen bleiben auf der Strecke.

  4. Cindy sagt:

    Hihi, was regt Ihr Euch auf… Ich will mit meinen Hunden auch demnächst eine Flugreise antreten. Es ist einfach soo teuer, aber sie müssen natürlich mit. Mir kam auch schon die Idee, einem Blinden den Flug zu bezahlen… Es war nur mal so eine Idee. Gefragt habe ich natürlich niemanden. Witzig, dass ich nicht die einzige bin, die auf so hohle Ideen kommt. Es ist nämlich viel preiswerter ein extra Flugticket zu kaufen, als die Hunde als Übergepäck oder als Fracht zu schicken. Ach so, denn Service-Hunde werden natürlich kostenfrei befördert. Ist ja auch gut so!