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Ich bin gescheitert

Ich habe immer noch kein Bankkonto. Weder der bezahlte TV Licencing Bill (sowas wie die GEZ) noch das Schreiben des Wahlregisters genügen der Bank zum Adressnachweis. Und jetzt reicht es mir. Ich geh zur Konkurrenz und ich verstehe langsam, was der Slogan der Bank „Banking another way“ bedeutet. Die Bankmitarbeiterin erzählte mir noch, dass Natwest (so heißt die Bank) ihr damals auch das Konto verweigerte als sie nach England kam. Ich soll es mal bei HSBC versuchen. Die hätten ihr eines gegeben. Das habe ich jetzt auch gemacht. Ich habe online ein Passportkonto beantragt. Das ist ein Konto speziell für Einwanderer. Die haben diese Zielgruppe wenigstens erkannt.

Nach mir kam eine Polin in die Bank, die mir auch nicht den Anschein macht als wolle sie die Bank betrügen. Die war ähnlich entsetzt wie ich, dass sie ihr trotz Mietvertrag und Arbeitsvertrag eines renommierten Unternehmens kein Konto geben wollten. „Our bank has funny rules„, sagte die Mitarbeiterin noch ironisch. Ich kann darüber nur bedingt lachen, muss ich sagen. In Deutschland würde man das wohl „Ausländerfeindlichkeit“ nennen.

6 Kommentare

  1. Markus sagt:

    Deutschland ist nicht so viel besser: ohne Konto kein Mietvertrag, ohne feste Adresse kein Konto. Und ohne Schufa wird es eh ganz eng.
    Bei mir (in London) ging es mit HSBC und einem netten Brief des Arbeitgebers. Zum Glueck hatte der das Geschaeftskonto auch bei der HSBC und vorher den Manager angerufen.

  2. Dorothea sagt:

    Dafür kannst im tollen Deutschland seit Jahren vollzeit arbeiten, Steuern zahlen etc., kriegst aber immer noch kein Konto – wenn du schwarz bist. In den Großstädten mag es noch gehen, aber auf dem platten Land – grauslich zum Teil. Verwandte von mir haben irgendwann aufgegeben und waren froh, als Direktbanken aufkamen. Auf Fotos scheint das Stigma „nichtweißsein“ nicht so durchzuschlagen …

  3. Christiane sagt:

    Das Hauptproblem ist einfach das nicht vorhandene Meldesystem, das dadurch vorhandene Misstrauen und die Entscheidungsangst so mancher Bankmitarbeiter. Es ist ja nicht so, dass ich nichts vorgelegt habe. Die Bank hat von mir gesehen: Meinen Mietvertrag, meinen Pass, meinen Personalausweis, ein Schreiben der BT, das Schreiben des Councils über den Eintrag ins Wahlregister, meine Kontoauszüge der letzten 12 Monate, meinen Depotauszug, meine Gehaltsabrechnung der letzten 12 Monate und zuletzt die Bestätigung, dass ich die Fernsehgebühr für meine Wohnung bezahlt habe. Zusätzlich haben sie beim Council angerufen und gefragt, ob der Brief wirklich von ihnen ist, was ich schon als sehr unhöflich empfand. Denn letztendlich unterstellen Sie mir, dass ich den Brief über den Eintrag ins Wahlregister gefälscht habe.

    Ich weiß, dass es in Deutschland auch Menschen gibt, die Probleme haben, ein Girokonto zu bekommen. Das finde ich auch fragwürdig, zumal es Möglichkeiten gebe, bei überschuldeten Leuten einfache Konton (ohne Dispo, nur Kundenkarte) einzurichten. Aber ich gehe mal davon aus, dass ein Brite, der einen Arbeitsvertrag vorlegt und erklärt, dass er jetzt in Deutschland arbeitet, problemlos ein Konto eröffnen kann. Vielleicht kriegt er nicht sofort eine Kreditkarte, vielleicht auch keinen riesen Dispo. Aber ein Girokonto dürfte schon drin sein.

    Ich wäre auch bereit, sofort Geld einzuzahlen als Sicherheit. Nein, nix zu machen. Sie fordern immer neue Sachen und wenn ich die anbringe, kommt etwas neues. Die wollen mich nicht als Kundin und ich sie jetzt auch nicht mehr als Bank. Ich bin gespannt, wie das jetzt bei HSBC läuft.

  4. Carola sagt:

    Es ist in Deutschland keinen Deut einfacher, ein Giro-Konto zu eröffnen. Wer einmal sein Girokonto „verloren“ hat, steht dann gerne vor der relativen Unmöglichkeit, einen Arbeitgeber zu finden, der Ghälter noch bar auszahlt …
    Einzig für Sparkonten gibt es eine Art Kontrahierungszwang.
    Weites Feld …

    Wer ins Ausland geht, könnte im Vorfeld den Weg einschlagen, sich an seinen Berater/Sachbearbeiter seiner Hausbank zu wenden und dann über die Auslandsabteilung seines Instituts eine Kontoeröffnung bei der jeweiligen Korrespondenzbank im Ausland einzuleiten.

    die Carola

  5. Metze sagt:

    Aber letztendlich hast du nun ein Bankkonto (wenn auch bei einer Anderen). Also bist du nicht gescheitert und warst Erfolgreich ..

    Ich denke noch darüber nach, ob ich es diskriminierend finden würde, wenn ich unterschreiben müsste, das man mich nicht diskriminiert …

    Die Didem

  6. Christiane sagt:

    @Carola
    Auf die Idee mit der Hausbank bin ich schon vor Monaten gekommen. Die konnten mir aber so gar nicht helfen. Zu Ihrem großen Bedauern… Da hilft es nicht bei einer der größten europäischen Banken zu sein. Darüber hätte ich auch bloggen können. :-) Ich finde im Bankenwesen hapert es noch gewaltigt mit dem „vereinten Europa“.

    @Metze
    Noch habe ich gar kein Konto und auch keine Zusage. Aber ich bin optimistisch.