Share on FacebookShare on Google+Flattr the authorTweet about this on Twitter

Gefahr für den öffentlichen Nahverkehr

Wenn das so weitergeht, dann bekomme ich demnächst fünf Taxicards geschenkt, um den reibungslosen öffentlichen Nahverkehr in dieser Stadt sicherzustellen. Ich komme mir manchmal vor, als sei ich alleine durch mein Begehren Bus und Bahn zu fahren, ein Risiko für den öffentlichen Personennahverkehr in dieser Stadt. Heute morgen habe ich mal wieder einen Bus außer Gefecht gesetzt. Und es ist nicht der Erste seit ich hier bin.

Die 266, mit der ich nach Willesden Junction fahre, kam ausnahmsweise mal pünktlich. Die Fahrerin fuhr die Rampe aus und ich sah schon, dass der Zustand der Rampe nicht der beste war. Es blieb nämlich eine kleine Stufe, aber das war für mich kein Problem. Ich fuhr also in den Bus, der zu dieser Zeit gut gefüllt war. Es fahren viele Leute diese Strecke, um dann den Zug in die Innenstadt zu nehmen. Als die Fahrerin die Rampe wieder einfahren wollte, ging das nicht komplett. Es blieb immer ein Teil der Rampe draußen. Sie startete den Bus neu, versuchte es manuell. Es war nichts zu machen. Die Rampe ließ sich zwar ausfahren, aber fuhr nicht wieder rein. Das heißt der Bus ist automatisch für die Weiterfahrt blockiert. Wenn die Rampe nur ein bisschen rausschaut, ist der Antrieb des Busses aus Sicherheitsgründen blockiert.

Defekte Rampe des Busses

In solchen Situationen liebe ich die Briten für ihre Geduld. Da meckert keiner. Da blafft Dich keiner an, wieso DU den Bus außer Gefecht gesetzt hast etc. Sie machen einfach nichts, lächeln freundlich und bedauern den Ärger mit der Rampe. Nachdem die Fahrerin ihre Zentrale angefunkt hat und die auch keinen Rat mehr wussten, wurde der Bus als defekt deklariert und alle mussten aussteigen. Damit war der Zug um 9.52Uhr flöten. Wir warteten also alle gemeinsam auf den nächsten Bus. Der wurde dann natürlich umso voller und es hatten sich an den Stationen wegen der langen Wartezeit noch mehr Leute angesammelt.

Eigentlich schreibt Transport for London auf ihrer Internetseite, dass kein Bus das Depot verlassen darf, wenn die Rampe nicht ordentlich funktioniert. Das werde täglich überprüft. Ich glaube an diese Aussage aber nicht so ganz. Manche Rampen sehen aus als seien sie schon Jahre nicht ausgefahren worden. Und das würde mich auch gar nicht wundern. Hier fahren so wenig Rollstuhlfahrer mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dass ich mir das durchaus vorstellen kann. Ich bin seit drei Monaten hier und habe erst ein einziges Mal einen anderen Rollstuhlfahrer im Bus getroffen. Der Nahverkehr käme zum Erliegen, wenn es noch mehr Verrückte wie mich geben würde, die meinen, im Rollstuhl mit Bus und Bahn fahren zu wollen.

9 Kommentare

  1. cabronsito sagt:

    Ach ja, meine liebe Christiane. Der Alltag, der Alltag. Erst der nette Servicemensch bei Orange. Und dann das.
    Schoen, dass Du mal ein Bild von einer solchen Rampe zeigst. Ich kannte die Dinger naemlich gar nicht.

    Bleib tapfer (da habe ich keine Sorgen), es koennen doch nur andere Deinem Beispiel folgen, anstatt dass sich noch mehr Rollstuhlfahrer aus dem Oeffentlichen Nahverkehr oder wie auch immer sich das schimpft, zurueckziehen.
    Und wer bitte, wenn nicht Du, sollte die 266 oder wen auch immer darauf „aufmerksam machen“ (*kicher*), dass deren Antibarriere-Installationen nicht i.O. sind?
    Das Kichern bezog sich auf die Weichspuelvariante des Zaunpfahlwinkers: Stilllegung!!! ;-)

  2. Besim sagt:

    Jetzt sehen wir die Rampe endlich.. nicht zu fassen, was für ein Ärger dieses Stück Mechanik macht. Wenn ich mir vorstelle, was hier jedes Mal los wäre, wenn so was passiert.

  3. Teresia Kuhr sagt:

    Richtig lustig wird es dann, wenn man versucht, mit zwei Rollstuhlfahrern in London vorwärtszukommen (wir waren letztes Jahr zu viert im September ein paar Tage in London – zwei Rollifahrer + zwei Fußgänger). Eigentlich darf pro Bus nur ein Rolli mit – manche Busfahrer haben auch darauf bestanden. Allerdings haben wir es meistens geschafft, allesamt mitzufahren. Da wir uns dort nicht auskannten, wäre es sonst auch schwierig gewesen, uns wiederzutreffen. Nach einigem Üben hatten wir dann auch raus, wie wir beide Rollis parken können, ohne den Durchgang völlig zu blockieren (erst den breiteren Rolli ganz eng an die Rückenlehne ranfahren, dann den schmaleren quer davor stellen …). Mindestens zweimal haben wir aber auf den nächsten Bus warten müssen, weil er schon mit einem Rollifahrer besetzt war – du bist also nicht die einzige, die mit dem Bus fahren will ;-).
    Eine Rampe haben wir auch kaputt gekriegt – alle anderen Fahrgäste mußten aussteigen, wir wurden am Ende alleine zu unserem Fahrziel gefahren – danach ging der Bus ins Depot.
    Es lief genauso ab, wie du es auch geschildert hast – keiner murrte (meine Freundin bekam nämlich echte Panik, dass man sie dafür persönlich haftbar machen könnte, weil sie in Deutschland schon von Busfahrern böse angeblafft wurde …).

    Zum Bahnfahren: die Jubilee-Line ist zum U-Bahn-fahren wirklich empfehlenswert, aber auch wohl die einzige U-Bahn-Linie, mit der Rollifahrer bis in die Innenstadt kommen. Man sollte nur nicht gerade in Bank aus-/umsteigen wollen. Dort sind die Fahrstühle nämlich nur von montags – freitags von 9.oo Uhr – 21.00 Uhr zugänglich. Da wir am Wochenende da waren, haben wir den Notknopf betätigt, woraufhin auch ein netter Mensch kam und uns den Fahrstuhl aufschloß. Anschließend führte er uns kilometerlang durch irgendwelche Katakomben, einen weiteren Fahrstuhl usw. – als wir nach einer Ewigkeit wieder das Tageslicht erblickten, waren wir in einer Seitenstraße, wo wieder ein Knopf war, um als Rollifahrer eingelassen zu werden. Diesen Eingang hätten wir aber „von draußen“ nie gefunden. Zum Glück gibt es aber andere Haltestellen zum Umsteigen in die Docklands Light Railway, die uns zum Hotel brachte und selber problemlos zu benutzen ist.

  4. Dorothea sagt:

    klar sind die Rampen eingerostet …

    wenn die meisten aus Zeit-, Bequemlichkeits- oder sonstwelchen Gründen lieber Sondertransport fahren ;-)

    Sorry, couldn`t resist :-)

  5. Gerhard sagt:

    Ich find’s erstaunlich, dass die Busse in London überhaupt über eine Rampe verfügen. Bisher bin ich ausschließlich mit Linienbussen gefahren, bei denen Rollstühle wohl nur im Gepäckfach unter dem Bus verstaut werden könnten.

  6. Carola sagt:

    DU hast den Bus nicht außer Betrieb gesetzt.
    Durch Deine Busfahrt wurde lediglich auf ein Sicherheitsrisiko aufmerksam gemacht und die Gesellschaft sollte Dir danken!
    Wer weiß, wieviele Leben Du ganz nebenbei gerettet hast ;-)
    Aus jedem guten Action-Film wissen wir, was so ein kleiner Defekt an einem Bus ausrichten kann …

    Puh, liebe Christiane, ich beneide Dich nicht. Das Leben ist gelegentlich sicher einfacher, wenn man schön grau in der Masse verschwinden kann.

    die Carola

  7. Dorothea sagt:

    @Carola

    Das „Problem“ ist nicht das Aus-der-Masse-Stechen an sich und als solches. Das „Problem“ sind die Leute, die dieses problematisieren und aus der Tatsache als solcher diskriminierende Strukturen schaffen und abstruse Folgerungen ableiten.

    Wer „schön grau in der Masse verschwinden“ als Ziel ansieht – naja, viel von Individualität verstanden haben kann der/diejenige nicht ….

  8. Laborsklave sagt:

    Das Problem ist glaube ich, dass die meisten Leute nicht wissen, was sie anderen Leuten antun, wenn sie Behindertenparkplätze blockieren.

    Ich habe einmal miterlebt, wie ein Rollstuhlfahrer in einer großen deutschen Stadt auf einem ganz normalen innerstädtischen S-Bahnhof festsass. Ich bin da geblieben, weil er ratlos vor der Rolltreppe stand und sein Handy nicht funktionierte, und habe schließlich Hilfe geholt. Der Fahrstuhl war kaputt, und das schon seit mehreren Wochen.

    Das ist natürlich kein Problem für „normale“ Leute, und daher machen sich diese oft auch keine Gedanken darüber – was ja auch keine böse Absicht sein muss.

    Aber mich freut, dass London anscheinend in punkto Behindertenfreundlichkeit stark zugenommen hat – als ich 2003 das letzte mal da war, da war das eine einzige Katastrophe, besonders die öffentlichen Verkehrsmittel.

  9. Carmen sagt:

    Hallo C.,
    ich bin froh,dass Du es mit Humor nimmst.
    Ich war gerade ein paar Tage in Hamburg und kann das öffentl. Verkehrnetz nur loben.Breite Straßenbahneinstiege ebenerdig.
    Und die Rampen an den Bussen:
    Ob Du eine Begleitperson hast oder nicht.Der Bus hält an,du wirst gesehen und schon springt ein hilfsbereiter mitmensch und zieht die Rampe runter.
    Eine Warnung:Die U-Bahhaltestelle Jungfernstieg hat keinen Fahrstuhl wohl aber ca. gefühlte 120 Stufen nach oben.
    Egal hauptsache frau ist mittendrin dabei.Das Leben ist gefährlich