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Erfahrungen nach einer Woche Zug fahren

Ich betrachte viele meiner alltäglichen Erfahrungen hier ein wenig als Experiment an. Eines meiner Experimente heißt Silverlink Metro und ist die Regionalbahn, mit der ich jeden Tag zur Arbeit fahre und abends wieder zurück. Ich habe mich bei der Zuggesellschaft für die vergangenen und kommenden Tage für den Zug um 9:52 Uhr angemeldet. Ich MUSS das nicht machen, aber dann „complaint“ es sich besser, wenn etwas schief geht.

Jeden Morgen, wenn ich in Willesden Junction ankomme, schauen mich die Mitarbeiter mit großen Augen an. Ich teile ihnen dann mit, dass ich mich angemeldet habe und wie jeden Morgen um 9:52 Uhr mit dem Zug fahren möchte. Heute morgen zum Beispiel veranlasste das noch keinen Mitarbeiter zur Aktivität. Einer schickte mich zu seinem Kollegen. Und der Kollege wieder zum Kollegen. Als ich fragte, warum ich mich anmelde, wenn dann doch wieder keiner zuständig ist, meinte einer: „An dieser Station macht es keinen Unterschied, ob sie angemeldet sind oder nicht.“ Ahja.

Bis es 9:51 Uhr war bewegte sich keiner und dann versuchte ich es auf die deutsche Art. Ich teilte ihnen mit klarer Ansage, aber freundlich mit, ich ginge jetzt auf den Bahnsteig und nehme an, dass jemand mit der Rampe kommt. Der Zug fuhr ein. Ich bin zum Lokführer und habe ihm gesagt, er soll warten. Da käme gleich jemand mit der Rampe. Ich habe selber nicht wirklich dran geglaubt, aber der Lokführer wartete. Und tatsächlich – nach ein paar Minuten kam ein Mitarbeiter samt Rampe. Vielleicht hatten sie nicht damit gerechnet, dass ich wage, den Zug warten zu lassen und dass der Lokführer auch noch mitmacht.

In Euston klappt das alles um Welten besser. Da ist immer sofort jemand und wenn ich abends (unangemeldet) nach Hause fahre, ist das auch kein Problem. Nur beim Aussteigen habe ich immer Bammel, dass die Mitarbeiter in Willesden Junction mit dem Auswürfeln, wer nun die Rampe anlegt, noch nicht fertig sind. Deshalb steige ich jetzt immer im ersten Wagen ein. Da kann ich wenigstens Kontakt zum Lokführer halten. Es ist immer ein kleines Abenteuer, aber ich glaube, nach ein paar Wochen merken sie, dass ich mich nicht abschrecken lasse.

4 Kommentare

  1. Solon sagt:

    Meine Herren (und Damen). :-)

    An irgendwelchen sozialen Phobien darf man als durch seine Umwelt in seiner Bewegungsfreiheit teilweise eingeschränkter Mensch anscheinend nicht leiden: Immer so mutig alle möglichen Leute anquatschen und diese dummen Blicke ertragen… Da könnte ich mir eine Scheibe von abschneiden von dieser Fähigkeit. :-)

  2. Eva sagt:

    Genau das dachte ich mir auch gerade…beziehungsweise auch letzte Woche als ich in Perth mit dem Zug nach Fremantle fahren wollte.
    Ich kenne mich ja nicht aus, doch glaube ich, dass dort keine Rampe benötigt wird…der Abstand vom Zug bis zum Bahnsteig ist minimal und die Dame im Elektrorollstuhl hatte keine Probleme so reinzukommen.
    Nunja, ich denke bei einem anderen muss man wohl auf den Hinterrädern fahren können…aber das sollte man ja können…denn sonst hat man ja auch Bordsteinprobleme…oder so?
    Jedenfalls ist mir aufgefallen wie jeder gestarrt hat…grenzte ja schon an Widerlichkeit.

  3. Christiane sagt:

    @Eva
    Der Hoehenunterschied zwischen Zug und Bahnsteig ist so hoch, dass ich das meinem Rollstuhl nicht jeden Tag zumuten will. Es sind mindestens 30 cm. Und ganz ungefaehrlich ist es auch nicht. Und Fliegen klappt noch nicht. Ich arbeite daran.

  4. Eva sagt:

    ah…dann ist das bei dir anderes… (ist ja klar. bist ja nicht in Australien *g*) hier in Perth ists echt gut, denke ich. Ich mache gerne mal ein Foto wenn ich das nächste mal in der Stadt bin…vielleicht kannst du mir dann sagen, ob das stimmt was ich denke…also, dass es kein Problem ist…und eigentlich alle Züge so sein sollten :)
    Da gibts keinen Höhenunterschied und eben nur…vielleicht 5cm? oder so ist da Platz…zwischen Bahnsteig und Zug…. und es ist auch echt an jeder Tür ein Rollstuhl-Zeichen…